Drakkhon spricht II

Und als die Welt zum ersten Mal zerbrach, erwachte ich. Aus den schwarzen
Tiefen kam ich hervor, erschaffen, nicht geboren. Gewaltig war mein Flug,
und meine mächtigen Schwingen berührten die Sterne. Die Stimme des Einen
hallte in mir wider, und befahl mir, zu wachen, während Luxon Anjhuri die
Welt wieder zusammenfügte. Und nachdem dies getan ward, kurz nach der
Stunde meiner Geburt, sah mich das Licht an und sagte: „Ich bin, wie du nun
bist, wir werden sein auf ewig.“ Aber als ich meinen goldenen Blick in
die endlosen Weiten hinauswarf, sah ich auch den anderen, den Widersacher,
den Bösen, mit dem Namen Mhan Khoros, und auch er sagte etwas zu mir:
„Ich bin, und du sollst sein wie ich und dann werde ich auf ewig sein.“ Doch
da ich wußte, und der Eine mich leitete, der alle ist, ging ich in die Mitte der
Welt und legte mich dort hin, auf daß ich der bin, der beschützt und wacht
über Argelis. Und ich erhielt die Kraft des Feuerrads, und ich erhielt auch die
Macht über meine Kinder, die man die Drachen nennt. Froh war ich, denn
die Stimmen meiner Kinder sprachen zu mir, es waren viele und sie nannten
mich voller Freude ihren Vater, selbst die, die auf den Bösen hörten, denn auch
solche gab es und wird es geben in allen Zeiten. Und aus dem glühenden
Inneren der Welt tat ich, wie mir geheißen, den Spruch der Entscheidung, daß
kein Gott auf die Welt kommen darf, denn so hat es Valakirya, der Eine,
beschlossen. Mhan Khoros und Luxon Anjhuri fügten sich meinem Spruch,
denn mir war Macht gegeben über diese Sache, und ich verkündete, daß
nur Abgesandte der Götter erscheinen durften, für jeden nur einen, und diese
sollten den großen Kampf führen, der niemals endet.  Dann verstummte ich,
und Luxon riß seinen Feind mit hinaus in die ewig kalten Abgründe des Nichts,
mit ihm ringend und kämpfend. Nur ich war hier, auf der Welt, in ihrer Mitte,
und für eine Zeit sandte ich meine Kinder aus, um die Geschicke der
Sterblichen zu lenken. Doch nach einer bestimmten Zeit sprach die Stimme
des Einen wieder zu mir, und ich schloß meine Augen, denn mir war es
bestimmt, zu schlafen, und so schlief ich für lange Zeit. Doch das Erwachen
kam, und immer dann, wenn die Welt erschüttert wird vom Kampf des Guten
gegen das Böse, der alle tausend Jahre wiederkehren muß. So nennen mich
manche meiner Kinder das Omen des Krieges, wenn ich aufsteige und meine
Schwingen die Welt umfassen, während Feuer und Schwert in den Ländern
regiert. Aber ich tue, was mir geheißen ward, die Welt zu beschützen, damit
sie niemals mehr auseinanderbricht, wenn zwei Kräfte aufeinanderprallen.
Und wenn ich schlafe, so sende ich das Rad aus Feuer aus, um diejenigen zu
suchen, die meiner würdig sind, damit sie die Welt verlassen, die zu klein
für sie geworden ist, und daß ich sie geleite, in die neuen Gefilde, wo sie
leben werden, weit weg von Argelis. Und manchmal, wenn die mächtigsten
meiner Kinder zu mir kommen, um mit mir zu sprechen, fühle ich die Sorgen,
Nöte und Ängste aller Wesen, denn die Drachen berichten mir davon.
Darum ist es so, daß ich bin, damit Valakirya sieht, und durch mich das
Gleichgewicht bereitet, denn ich bin der Eine, wie alle ein Teil des Einen
sind. Dies ist das Geheimnis, das jeder weiß, die Wahrheit, die jeder in sich
trägt, selbst der Böse und selbst das Chaos. Der Wille des Einen ist Allmacht,
darum gab er mir einen Sohn, Thor’akkon, der durch die Welt der Sterblichen
wandelt, und selbst sterblich ist, den meine Kinder mit Unglauben betrachten,
und neidisch sind, weil er von mir ist, wie auch sie von mir waren und sind.
Aber was die Zukunft bringt, werde ich nicht sagen, denn es ist verboten, von
Dingen zu sprechen, die noch nicht sind. Darum bleibt das Schicksal meines
geliebten Sohnes verhüllt, bis es an der Zeit ist, bis der Eine wieder zu mir
sprechen wird. Ruhen wird mein Geist, ruhen wird mein gewaltiger Leib,
bis ich wieder aufsteige, um den nächsten Krieg anzukündigen, und die
Schmerzen meiner Welt zu teilen, und um sie zu schützen vor den tobenden
Kräften der Götter.

Advertisements

About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on January 28, 2012, in Fantasy and tagged . Bookmark the permalink. Leave a comment.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: