Kosh’ka

Aus dem Ring der Neun bin ich der Letzte, der Bericht erstatten kann über
die Geschichte der Welt Toril. Einst kamen sie, die Kosh’ka, vom Himmel
regneten tausende glühender Bälle, und große Schiffe aus Metal senkten sich
aus den Wolken. Wir, die Ahnungslosen, griffen zu unseren Schwertern,
Bögen und Rüstungen. Wir, die wir dachten, niemand könne uns je besiegen,
wurden eines Besseren belehrt. Töteten wir zehn der metallenen Ungeheuer,
so traten doppelt so viele an ihre Stelle. Und als ob der Feind es wußte, tötete
er erst gezielt unsere amtalar, dann unsere Magier und dann die Priester. Wir
sahen in die fremden Augen unserer Feinde, die kein Mitleid zeigten. Stück
für Stück eroberten sie die Welt, zerstörten die Natur und bezwangen selbst
die großen Drachen. Wie sie das taten, wußte keiner, aber die Kosh’ka hatten
Waffen, die geheimnisvoll und tödlich waren. Wer sich versteckte, wurde
gefunden, wer sich ergab, wurde getötet. So lange wüteten die Kosh’ka, bis
nur noch Asche unsere Welt bedeckte. Und als wir noch wenige waren,
verstreut in einzelnen Dörfern, die absichtlich verschont worden waren, da
sprachen die Kosh’ka. Und es war eine kalte, verzerrte Stimme, die uns als
Sklaven brandmarkte. Kein Hass oder Zorn war in den Kosh’ka, eher kalte
Berechnung. Der Ring der Neun wurde gegründet, die Überlebenden unseres
einstmals stolzen Reiches. Armselig waren wir, und schwach in den Kräften,
die einst das Licht den amtalar gegeben hatte. Nach und nach fanden die
Kosh’ka heraus, wer die Neun waren und brachten sie alle um. Es war wie
ein Schachspiel, das die Fremden gegen uns führten und sie gewannen immer.
Ich beobachtete die Kosh’ka lange, sie waren nicht grausam, sie folterten nie.
Sie experimentierten nur. Sie waren geschickt, schnell und effizient. Sie
bestraften, aber erhielten uns am Leben. Eine kärgliche Existenz, in einer
toten, kalten Welt. Und ich sah auch, wie die Kosh’ka jeden einzelnen ihrer
Toten suchten, aus vergangenen Schlachten, und sie mit höchsten Ehren
bestatteten. Niemals sah ich die Kosh’ka streiten untereinander. Niemals
erhoben sie die Hand gegen einen der ihren. Sie waren einig, als ob sie
durch einen Geist verschmolzen seien, und was sie taten, das war ohne Fehler.
Aber einen Makel besaßen die Kosh’ka: sie hatten kein Verständnis und kein
Gespür für die arkanen Künste. Sie wußten nicht, was die Macht der Magie
bewirken konnte. Nur, dass es sie gab, das war ihnen bekannt, aber selbst
damit umgehen konnten sie nicht. Genauso wie bei unseren amtalar und
den Priestern. Sie fürchteten den Glauben und die Götter. Denn es war
etwas, das ihre Maschinen nicht erfassen konnten. Darin liegt ihre Schwäche.
Darin liegt die Hoffnung der Welt. Aber wer kann uns noch helfen? Ich
bin alt. Alle anderen leben unter dem Joch. Und mein letztes Gebet wird
vielleicht ungehört verhallen. Ich bin vom Licht, ich gehöre dem Licht
an und ich gehe wieder ins Licht.

Letzte Aufzeichnung von Chalan Ijera, aus dem Ring der Neun

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on January 28, 2012, in Fantasy and tagged . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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