Over Emotionalism and the Internet

Grüetzi!

Liest man in den persönlichen User-Profilen der heutigen Social Networks, glaubt man
so manches Mal, im Heaven of Kitsch angekommen zu sein. Da werden wahre Wortfeuerwerke
aus emotionaler Freude gezündet, da wird das eigene Leben bonbonbunt zum Konsum für
andere Neugierige bereitgestellt und insgesamt alles dafür getan, einen pinkfarbenen
Himmel zu erzeugen, in den andere durch eine schmale Pforte neidvoll blicken sollen.
Endlose, immer gleiche Bilderalben voll mit den Kindern, der Frau, den Kindern und der
Frau, sämtlichen Freizeitaktivitäten, sonstigen Nichtigkeiten, beispielsweise wieviel
Gramm Rindersteak man da oder dort gegrillt hatte, werden stolz und erhaben zur Schau
gestellt.

Gestandene Mannsbilder schwafeln emotionale Freudenarien über ihr Kind, die Frau oder
am besten beide. Begleitet das alles von tausenden Bildern, die alle das Familien-
und/oder Liebesglück demonstrativ darstellen. Poetische Ausflüße, die aus Groschen-
romanen stammen könnten, begleiten das alles, während andere User, marginal schlauer,
poetische Liebeslyrik von Dritten zitieren. Das Schmalz trieft, die Gefühle sind
überbordend, und man hat den Eindruck, jeder würde gleich in literweise Freudentränen
ausbrechen. Bis in jede lächerliche, unbedeutende Kleinigkeit offenbart man sein eigenes
(Durchschnitts-)Leben, welches durch positiv überladene, hyperemotionale Wortmonumente
an schillernder Besonderheit gewinnen soll.

Dass dies irgendwann in einem endlosen Zyklus kaum mehr Neues bietet, verschließt sich
wohl den Allermeisten. Ausgelutscht sind die Worte, Worthülsen und Phrasen, man wird
müde, unter jedem Bild das Gleiche lesen zu müssen: “sie ist sooo süß”, “ich hab sie
soooo lieb”. etc. p.p. Bösartige Zyniker unterstellen allen Internet-Exhibitionisten
sowieso, dass sie andere, bevorzugt ihre Feinde, mit dem eigenen Lebens/Liebesglück
neidisch machen wollen. Vielleicht aber sind diese Überemotionalisten des Internet
aber auch süchtig nach ihrem eigenen Kitschhimmel, und positiver Affirmation ihrer
wohlmeinenden Jünger, die niemals müde werden sollen, Bilder sowie Texte zu
kommentieren.

Wie lautet der Gegenentwurf? Ich bin nicht hier, diesen zu entwerfen. Aber alles, was
sich in Extremen der übermässigen Gefühlsduselei tummelt, kann niemals wahrhaftig
tiefgründig sein. Und am Ende geht es darum: nicht an der Oberfläche eines egozentrischen
Kitschuniversums dahinzupaddeln und sich mit anderen Laberbacken Bauchpinselschlachten
zu liefern, sondern Gefühle real zu leben, intim zu teilen, und nicht vor einer
gaffenden Internethorde breitzutreten, die ihr eigenes No Life entweder durch Beifall
oder Buh-Rufe more exciting zu machen versucht.

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on April 9, 2012, in Blaschanek Blogovsky. Bookmark the permalink. Leave a comment.

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