Ein ZKM-Workshop in 2011 …

Eine Tür wurde aufgestoßen.

The Global Contemporary – “Local Art”, ZKM Karlsruhe

Alles begann mit einem ZKM-Workshop namens “Local Art”, der harmloser nicht hätte
sein können: einige Termine für die (Museums)Aufsichten und Shop/Infotheken-
Mitarbeiter(innen), an denen man sich mit der Ausstellung “The Global Contemporary.
Kunstwelten nach 1989.” beschäftigt, und eigene Ideen rund ums Thema Kunst verwirklicht.
Während all dem stellte sich heraus, dass kreativer Geist in den Leuten an der Basis
schlummerte, wo so manche nur geistiges Brachland vermutet hätten. Kritik am System
war ein Ziel, eine Reise nach Absurdistan in jedem Falle gebucht. Doch wehe den
Besiegten, also sannen wir auf etwas anderes, nicht verträglicher, aber subversiver:
Wir wollten im Absurden unterschwellig kritisierend sein, unsere Sichtweise einarbeiten,
und generell demonstrativ zeigen, wer wir waren und was wir dachten. So schufen wir
unsere künstlerischen Projekte:

“Prozession” – Videoperformance

Eine Prozession der Aufsichten mit Hüten und Schildern durch das Museum für Neue Kunst
im ZKM. Angelehnt an Meschac Gabas Werk seines Musée de l’Art de la Vie Active,
beschreiben die Hüte plastisch alle Verbote des Museums wie etwa “Nicht berühren!”,
während die Schilder all die Gebote des Museums aufzählen sollen, gleichsam Wünschen
an die Besucher: “Bitte geniessen!”, “Bitte kritisch sein!”, “Bitte erforschen!”. Die
Problematik eines Museums voller Verbote und Vorschriften wird gegen eine positive
Aufmunterung gesetzt, die den Menschen durch den notwendigen Verhaltenskodex hindurch
zu einer freien, mehr genießerischen Sichtweise des Museums hinleiten soll.

“Robert Wilson Aufsicht” – Videoperformance

Eine Museumsaufsicht in formaler Dienstkleidung, schwarzes Jacket, weißes Hemd, steht
vor einer Videoleinwand, auf der Kunst gezeigt wird. Absurde Elemente, wie die bunte
Kravatte, oder eine Banane in der Seitentasche konterkarieren ihre Arbeitshaltung, die
sich ab und zu unmerklich ändert, beispielsweise wenn die Hand zur Kravatte fährt, den
Sitz dieser zu überprüfen. Totale Förmlichkeit und Unnahbarkeit einer Museumsaufsicht
wird durch absurde Elemente durchbrochen, als ob der innere Mensch in der Arbeits-
kleidung zeigen will, dass er weit mehr ist, als ein schwarzer, stummer Wächter.

“A Security who cannot see Absurdity is no Security” – Installation

Das weiße Banner mit dieser Aufschrift, auf dem unsere Videos gezeigt wurden, formuliert
das Vermögen, im Alltag, in beruflicher Situation, und generell in allem auch das
Absurde zu erkennen, zu bewerten, es augenzwinkernd zu belächeln, und, falls möglich,
auch zu ändern, falls es negative Einflüße hat. Statt “Museum Guard” wurde absichtlich
“Security”, die “Sicherheit” gewählt, der allumfassende Begriff einer Institution, die
in Regularien, Befugnissen, Weisungsrechten, Eintönigkeit, Gefahrenpotential
introspektiv Erkenntnisinteresse beweisen sollte, statt in Frustration und
Scheuklappendenken zu verharren.

“Aufsicht_in_Residence” – Installation

Ein Stuhl, typisch für die Aufsichten, die Schrift (s.o.) davor und ein stilisiertes
Handy darauf, aus Pappe, das Hoheitszeichen der Museumsaufsicht im ZKM. Insgesamt
ein Seitenhieb auf die Bodenschriften der Ausstellung Global Contemporary, die sich
damit schmückte, sehr viele Artists_in_Residence auszustellen, die aber sehr lange
durch leere Stellen im Ausstellungsraum nur mit “Artist_in_Residence” gekennzeichnet
waren.

“Dark Knight” – Videoperformance

Eine Aufsicht mit Fechtmaske und Schwert vor einem Bild. Es werden aufdringliche
Besucher abgewehrt, erst mit strengen Worten, dann mit Hieben. Selbst dem Künstler
wird das Recht aberkannt, sein Werk zu berühren. Und erst am Ende gelingt es einem
verständigen Besucher, den gnadenlosen Wächter zu überzeugen, endlich Feierabend
zu machen. Hyper-Sicherheit, absurd mächtig, Kunst ist eingesperrt, und alle, die
sie ansehen/erfahren wollen, sind Feinde, plötzlich Angriffen ausgesetzt.

“Working Day” – Videoperformance

Zwei Aufsichten stehen sich dicht gegenüber. Sie rezitieren endlos im Zwiegespräch
die mahnenden Mantren ihrer Arbeit, die ihnen ständig aufoktroyiert werden:
“Nicht schwätzen!” – “Nicht zusammenstehen!”. Sie verstoßen gegen die Gebote, die
sie so eifrig rezitieren, indem sie sich im gleichen Atemzug ermahnen, diese doch
einzuhalten.

Aus all diesem, das im ZKM – Museum für Neue Kunst während der Ausstellung “Global
Art of the Contemporary” im Projektraum ausgestellt worden war, entwickelte sich
dann auch ein Mini-Workshop mit den englischen Künstlern Karen Mirza und Brad
Butler. “The Common Stage” war mit ihnen erschaffen worden, und Teil des “Museums
of Non-Participation”. Eine Gruppe Museumsmitarbeiter erhob sich als Kunstschaffende,
die mehr wollten, als nur Kunst anzusehen, sondern selbst Kunst machen! Sie gaben
sich den Namen “Chaosartisten”!

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on April 12, 2012, in Kunstgruppe and tagged , , , , . Bookmark the permalink. 1 Comment.

  1. Norbert Werner

    Sehr gut geschildert. Die Schrift trifft den Nagel auf den Kopf.
    Noby

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