Monthly Archives: May 2012

Mr. White

“Is Mr. White your only Name?”

“No, I have many.”

“Who are you?”

“I cannot tell you that.”

“Where do you come from?”

“Out of the Past.”

“Are you the only one?”

“No. There are many, but I am unique.”

“They have shot you. You are not bleeding?”

“I cannot die like this. I will heal.”

“Is there Hope?”

“There is always Hope, my Friend.”

“Whom do you fight?”

“I fight everything Mr. Black stands for.”

“Who is Mr. Black?”

“He is the opposite Side. My Enemy.”

“What will happen, when you two meet? Who will win?”

“We will fight, as it was meant to be. Who wins, is uncertain.”

“Is Mr. Black stronger?”

“No.”

“What happenes if you lose?”

“The World will sink into Darkness once more.”

“What can we do?”

“You can pray. And have Faith. And do Good instead of Evil.”

“Is there a God?”

“Your Soul knows.”

“Will you ease our Suffering? Protect us? Help us?”

“I will, as I always have.”

“I am dying. It hurts so much.”

“It will go away now. Always remember, Death is only a Gate.”

“I am very afraid.”

“Yes. Look into my Eyes. Let go now. I am with you.”

Mr. White stood up. Death was always painful. He felt it every time.
But at the Moment of Departure, an endless Joy flooded out of the
liveless flesh, the Soul departing for better Lands. Police Sirens
filled the Night, while Mr. White merged with the Darkness and
left the dead Body alone.

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Schwertballerina!

Eine Spezies der historischen Fechterschaft, die bei weitem nicht weiblich sein
muss, nennt sich Schwertballerina. Üblicherweise denkt man sofort an ein pinkes
Dress mit ebensolchem Rüschenröckchen, doch weit gefehlt, auch in düsterstem
Schwarz erstrahlt eine solche Ballerina in hellstem Feenglanz! An grazilen und
schwingend austarierten Bewegungen erkennt man sie sicherer, an elitär erhobener
Nase und ausufernder Dramatik, sowie am Schwert, welches vom Tötungsinstrument
archaischer Zeiten in einen Taktstock moderner Choreographie gewandelt scheint.

Eine Bande wilder Neuzeitwikinger würde nun “SCHWUL!” oder “AUFFE FRESSE, ODDA
WAS?” brüllen, doch weit gefehlt, eine Schwertballerina läßt sich niemals vom
perfektionistischen Weg zur besten Szenerie abbringen. Gefordert und gewollt
wird hier nicht tödliche Effizienz oder historisches Duellfechten, sondern
szenische Eleganz, die auf jeder Profi-Tanzveranstaltung eine Bestnote nach
der anderen für Kür, Ausdruck und Technik einheimsen würde. Das Schwert ist
zugleich Schwung-Gewicht als auch Rest-Martialismus, das einzig verbliebene
Identifikationsmerkmal mit derber Kriegstechnik aus der Vergangenheit.

Schwertballerinas rümpfen die Nase über primitive, rohe Schwerthiebtechniken,
pflegen ihren behenden akrobatischen Tanz, und wollen damit doch niemanden
umbringen? Style ist wichtiger als den Sieg erringen! Es wäre nicht nur
intellektueller Fauxpas, zu denken, ein Schwert wäre dazu da, ein Duell für
sich zu entscheiden, mit Technik, brutalem Überlebenswillen und tödlichem
Können. Schwertkampf ist Ausdruckstanz, ist neue, feminine Männlichkeit,
oder weiblicher Expressionismus auf Stahlbasis! Hier wird niemand einen Kopf
kürzer gemacht, sondern nur deklassiert, durch die gazellenhafte Hoppserei
der Beine, die schwanenhafte Eleganz der Bewegung und eitle Pfauenkranz-
Zurschaustellung, um alleinig zu beweisen: die beste Ballerina bin ich!

Und wer könnte beim Zuschauen auf den Gedanken kommen, kein authentisches
Fechtduell vor sich zu haben? Nach außen hin erstrahlt alles unter dem
Deckmantel wahrer Kampfeskunst, nach innen ist es jedoch streng
choreografierte tänzerische Höchstleistung! Sicher wird so manche
Schwertballerina übermütig werden, und ihre empfindsame Show ausweiten
wollen, in die dunklen, blutigen Gefilde des ernsthaften Duellkampfes,
des richtigen historischen Fechtens. Und wie schade, wie tragisch, wie
unendlich traurig ist es dann, sie blutend rot darniedersinken zu
sehen, gegen einen plumpen Krieger des Schwertes, dem alle Weihen
des Tanzes der Klingen fremd sind, und der nur eines kennt, den wuchtigen
Zornhau, der jede zarte Schwertballerina-Seele so grausam endgültig
verstümmelt…

Flachparade!

Wieder ein Thema, das viele historische Fechter spaltet und kräftig
Diskussionsbedarf zu haben scheint, schon und vor allem emotional
unversöhnlich, mit Argumenten, die aus jedem auch nur entfernten Winkel
menschlicher Historie bzw. Wissenschaft herrühren. Worum geht es also?

(Disclaimer: Wie schon aus anderen Artikeln vielleicht bekannt, bin ich
kein Fechtmeister, kein Übergelehrter der Materie, sondern begeisterter
Hobbyist. Aus diesem Blickwinkel argumentiere ich.)

Die Parade bzw. der Block mit der Flachseite eines Schwertes wird von einigen
Fechtlehrern als nicht nur klingenschonend, sondern auch als effizient
betrachtet. Manche, wie John Clements aus den USA (“flat of my strong” –
zu sehen in einem martialischen youtube-Video), benennen diese Form als das
effizienteste Mittel, während gemässigtere Ansichten das Flachparieren als
oftmals angebracht (Techniken beim Langen Messer), aber nicht auschließlich
propagieren.

Die Gegenseite, der ich mich anschließen möchte, sieht keinerlei Schaden
darin, mit der Schneide zu parieren, schon allein, weil dies das schnellste
und natürlichste Blockverhalten ist. Neben sehr vielen Quellenbelegen, seien
sie italienisch oder deutsch, unterstützen auch museale Funde schartiger
Klingen die historische Praxis dieser Art des Parierens. Ich spare mir
momentan eine ausufernde Quellenbelegschrift (u.a. Döbringer), was das
Parieren mit der Schneide angeht, im Netz sind ausgezeichnete Schriften
zu finden, die das bereits erfolgreich tun: sei es nun im Forum von Ars
Gladii oder bei hroarr.com (zu empfehlen: “about the flat parry” von
Andrea Morini). Detailforschungen klären, wie die Metallurgie des Schwertes
auf Schneidparaden reagierte, welches der beste Winkel für eine solche
Parade sein könnte und dass spätmittelalterliche Anderthalbhänder an der
Stärke völlig ungeschliffen daher kamen und erst mittig zur Schwäche
und zum Ort hin Schärfe aufwiesen. Im Grunde muss ebenso bedacht sein,
dass für spätmittelalterliche Schwerter garantiert keine Schärfung
durchgeführt wurde, die modernen Rasiermessern glich.

Streitunlustige Menschen mögen beide Formen des Parierens zulassen und
keiner eine Dominanz zusprechen. Doch dies reicht mir nicht aus, und mag
zwar weise jedem Streit aus dem Wege gehen, doch verweigert es auch definitive
Aussagen zur Thematik, die aber schon allein aufgrund historischer Fakten
(Quellen, Museumsfunde) belegt werden können! Und da ist, nach meinem
Dafürhalten, die Quellenlage recht eindeutig, vor allem, weil spezifische
Stellen genannt werden, die ausdrücklich das Blocken mit der Schneide
thematisieren! Insgesamt kann sicher festgehalten werden, dass die
Flachparade nicht das generelle Mittel des Parierens war, weder zwingend
notwendig, noch dauerhafte ständige Praxis. Schlaue Zeitgenossen winken
sowieso ab, und erwähnen, dass man im Indes-Fechten sowieso niemals
blockt/pariert, sondern während des Angriffs agiert, mit der eigenen
Schneide gegen die Fläche des herannahenden Schwerts, etwa per Krumphau.

Victory

as you come before me, chained and defeated,
you are still victorious, woman.
do you want to know why?

you have resisted darkness, i was unable to
corrupt you, you fought till the end, ready
to die for your faith, and what was in your
heart.

your death will come quickly, of that there is
no doubt, for i cannot suffer you to live.
but no further pain you shall feel, no
humiliation and no torture, for you are worthy.

my black eyes have seen into your mind and deep
into your soul, and there lies your secret,
priestess, your utmost strength, an emotion
i cannot overcome or combat or destroy.

it is love. my enemy, my eternal downfall, my
undoing, my nemesis, my poison, my death.
only my immense hatred can hold its own here,
or i will perish in the face of a power far older
than me.

such a power, equal to mine, from a mortal, weak
and short lived, i have to acknowledge, and bow to.
toshrak, avatar of darkness, vessel of the black
god, greets you as equal in this short struggle.

my sword will sever your head from your neck, give
you a quick honorable death, and your flesh will be
burned, the ashes thrown into the waters of fate.
your soul will go to my enemy, your love with you.

humans like you are worthy to be called enemies,
even when their mortal forms die, they are a fire
of faith, ready to return in times of need. you
will be a formidable enemy next time we meet.

now die, priestess. and be hailed as heroine amonst
your people. for even toshrak admitted defeat
in front of you.

Sovalkon’s Return

You are changed, you are made anew,
your Soul is enlightened, you Mind full of Wisdom,
you are with Me now, I am a Part of You,
Mortality and Death are beyond, Eternity lies ahead.

When you return, my Avatar, when you set Foot upon Argelis,
all Beings instantly recognize you, some will fear you,
others welcome you, but all will see who you are,
be they magical or mundane, they will have Knowledge about you.

Those who knew you, might not find a familiar Person,
all your Friends, your Comrades, your Battle Brethren,
they shy away now, for you are different, it might trouble
your Heart, Sovalkon, but this is the Price to pay.

Once on Argelis again, you will hear everything, see all,
and sense every living Creature, evil as well as good. Your
Mind will look into every Soul, your Thought will be able
to move Mountains, you will command my Power.

Use it wisely, for everything you do, my Enemy will be allowed
to do as well. The Balance is delicate, and Grandfather
Drakkhon wont be cheated. Fear no Evil, for only Toshrak
can attack you, and only when the Time has come.

Go and heal the Darkness, defeat and destroy all Evil,
be a Light for every Mortal, and a Guidance for the Seekers,
gather my Armies, be the Leader they need, and through you,
my eternal Eyes shall guide the Fate of the Universe.

But I warn you, my Son, there is a third Power, named Chaos,
without Mind or Intelligence, but with vast Might, beyond
Creation it lurks, even my Enemy fears it, should Chaos,
endless and all-devouring, attack us, even Evil will not
tolerate this, and there shall be a Truce to fight the
Common Enemy, for Creation and Destruction face complete
Elimination by the mindless Power of Chaos.

Was soll Kunst leisten?

Die Frage nach dem Sinn von Kunst mag sich oft stellen, auch direkt bezogen auf
künstlerische Positionen, die man trotz Hintergrundwissen nicht verstehen mag.
Eine generelle Klärung der Frage, wozu Kunst eigentlich gut ist, mag sinnvoll
erscheinen:

1.) Kunst soll erfreuen!

Wenn der Anblick von Kunst nur Freude hervorbringt, mag das schon zur Gänze alles
sein, was geschieht, und ohne Zweifel ist das etwas Gutes sowie Wünschenswertes.
Ich brauche dafür weder Doktorgrade in Kunstwissenschaft oder den kompletten
Kanon diverser Theoretiker verinnerlicht haben. “Das gefällt mir.” ist ein Satz,
den ich ohne Reflektion der Kunst, durch alleiniges Ansehen/Anhören durchaus
von mir geben darf und den ich auch nicht begründen muss.

2.) Kunst soll abstoßen/abschrecken/anwidern!

Es ist auch legitim, den Zuschauer oder Konsumenten der Kunst zu verschrecken,
Negatives wie Ekel, Abscheu zu erwecken. Wünschenswert ist hier, als Künstler zu
wissen, warum man dies denn bewirken möchte. Ist es kritischer Diskurs mit
kommerzieller, absichtlich augengefälliger Kunst? Ist es reine Provokation der
endlosen Massen, die tumb durchs Museum trampeln? Oder ist es einfach meine
Art als Künstler, die Untiefen meiner Seele auf die Art darzustellen, mich
keinen Deut darum scherend, wie das alles von außen wahrgenommen wird?

3.) Kunst soll kritisieren!

Es ist nobel, wenn Kunst Kritik an Gesellschaft, Politik oder an sich selbst übt.
Tieferen Sinn sucht und findet man da immer, hat es oftmals mit politisch
engagierten Künstlern zu tun, die auch oftmals Radikal-expressives erschaffen,
sich mitunter da bei 2.) bedienen. Provokation nur um des Provozierens willen,
enfant terrible sein, mag zweifelhaft erscheinen, eine tieferliegene
Botschaft, auch gerne ausführlich erklärt, kann helfen, die Message
durch die Kunst nach draußen zu bringen. Perfekt mag es scheinen, wenn kritische
Kunst ohne Erklärung viele Menschen gleichsam emotional als auch intellektuell
berühren kann.

4.) Kunst soll die Lebenswirklichkeit (des Künstlers) abbilden!

Vielleicht dem Vorwurf des egozentrischen Handelns ausgesetzt, kann (oder muß?)
Kunst auch immer über die Lebenswirklichkeit eines Menschen Auskunft geben.
Möglicherweise läßt sich das auch niemals abstellen und ist immer inhärent
vorhanden, egal, welche Objektive der Künstler mit seinem Werk verfolgt.
Sozusagen ist das Kunstwerk immer ein Fenster zur Seele, zum Leben des Schaffenden,
und somit wohl auch sehr intim.

5.) Kunst soll zum Kunstmachen anstiften!

Was gäbe es Schöneres, wenn jemand durchs Museum läuft, völlig inspiriert wird,
und auf einmal beschließt, selbst Kunst zu machen? Wenn der Virus des Kunstmachens
sich ausbreitet, höchst infektiös wirkt und jeder “auf’s Geschmäckle” kommt? Sicher
ist das ein frommer Wunsch und garantiert erschaffen wir so keine Milliarden
Piccassos, doch das ist auch nicht nötig. Kunst als Beschäftigung und Erfüllung
für alle, nicht nur für gelernte Maler, Kunstwissenschaftler, Celebrities, Reiche
oder Einflußreiche!

6.) Kunst soll heilen!

Eine weitere noble Eigenschaft von Kunst, die ohne Frage den Menschen viel Gutes
bringen kann. Ansätze, die zum Thema haben, dass man Behinderte mit Kunst ein wenig
aus ihrer vielleicht autistischen Situation herausholt, sie durch Licht, Form, Farbe
stimuliert, beweisen, wie wichtig es sein kann, Kunst für Gesundung anzuwenden.
Menschen, die Schlimmes erlebt haben, und dies durch ihre Kunst aufarbeiten, haben
ein mächtiges Werkzeug in der Hand, mit dem sie anderen vielleicht auch deutlicher
sagen können, vielleicht ohne Worte, was sie empfinden.

7.) Kunst soll (k)einen Wert haben?

Unwillkürlich denkt man da an Geld, den Kunstmarkt und schweineteure alte Meister,
die man gerne als finanzielle Absicherung aus dem Museum moppsen würde. Andersrum
gedacht: hat Kunst immer einen Wert? Für den Schaffenden sowieso (oder absichtlich
doch nicht?), für die Betrachter dann, wenn sie die Kunst “gut” finden? Sind die
ethisch vertretbaren Wertvorstellungen von Kunst immer intellektuell, niemals
materiell? Kann es einen Künstler geben, der seine Kunst absichtlich auf den Müll
wirft, nachdem er sie erschaffen hat? Oder einen Künstler, der den Wert seiner
Kunst darin sieht, dass er sie an möglichst viele Menschen verschenkt?

8.) Soll Kunst extrem sein?

Anlehnend an 2.) und 3.) könnte man postulieren, dass Kunst die Extreme der
menschlichen Seele ausloten müßte, bis zur Grenze des legal Erlaubten. Dies wahrlich
nicht aus reinem Spaß an irgendeiner perversen Freude, sondern mit klar definierten
und sorgfältig intellektuell reflektierten Zielen. Möglicherweise kann extreme
Kunst, welchen Lebensbereich des Menschen (Liebe, Sex, Gewalt etc.) sie auch
thematisiert, am ehesten für Resonanz sorgen, und primitiv näher an unserer Basis
als “emotionales Urviech” gelangen. Doch stellt man sich IMMER dem Vorwurf der
simplen Effekthascherei, immer größere Skandale und Explosionen zu benötigen,
um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu generieren. Fans der leisen Töne werden all
dem sowieso immer eine Absage erteilen.

Holmgang Hamburg!

Wer kennt sie nicht, die lustigen, provokanten und auch derben Videos der
Holmgänger, die Youtube unsicher machen. Heftige Kontroversen über
angebliche Pöbeleien, abgesagte Kampfeinladungen und “Vollkontakt-
Schwertkampf ohne Regeln” machen diverse Fechtforen unsicher. Manche
werten die Holmis als assige Proleten ab, andere bewundern ihre
“martialische Kompromißlosigkeit” und die Allermeisten werden grinsend
ihre Öffentlichkeitsäußerungen konsumieren, so wie ich das immer tue.

Sicherlich provozieren sie politisch unkorrekt, proleten und albern herum.
Sie erzeugen auch absichtliche eine Aura der jederzeit kampfbereiten
Maximumfighter, die keine Herausforderung ablehnen und wirklich harte
Hunde sind. So wie früher eben, damals, als sich die Wikinger noch
auf Raubzug befanden. Sie kritisieren jeden und alles, auch den heiligen
Gral des “technisch perfekten” historisches Fechtens, scheuen nicht
davor zurück, auch die honorige Hammaborg-Gemeinschaft zu düpieren.

Was es bringt? Sicherlich ne Runde Spaß. Aber auch Abwertung der eigenen
Ernsthaftigkeit, wenn man sich als Außenseiter der Provokation und des
Pöbelns im Übermaß bedient. Everything gets old, and so does Holmgang’s
Stänkereien. Dennoch haben sie einen Standpunkt zu vertreten, der bei
allem Getue und Palaver nicht von der Hand zu weisen ist:

Jede historische Kampfkunst MUSS sich dem realen Test stellen, auch wenn
dieser in Form eines Holmgängers auf sie zukommt. Es genügt nicht, im
Turm der Weisen technisch perfekt rekonstruierte Fechtchoreografien zu
erarbeiten, sie müssen sich im Ernstkampf auch beweisen. Und so manches
Mal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Holmgang Hamburg
recht hat, wenn einige Fechtfiguren verdächtig nach Schwertballett riechen!

Ernstkampf und Freikampf ohne Regeln riecht nach Verletzungsgefahr. In
der heutigen Zeit darf man(n) das mit gemischten Gefühlen betrachten.
Und perfekten Schutz gibt es ohnehin nie. Ich plädiere nicht für
blutige Arenakämpfe, sondern zivilisiertes Messen der Kräfte und Techniken.
Am liebsten sind mir technische Sparrings, und nicht wüst-willenlose
Freikämpfe. Da fragt man sich, inwieweit Holmgangs Anspruch mit den
Technikfechtern Hammaborgs und anderer Schulen überhaupt kompatibel
oder vergleichenswert ist. Mit einer Fechttechnik in Kampfgeschwindigkeit
einen klaren Wirkungstreffer, also Punkt, erzielen, reicht eigentlich
aus, als Beweis der Kunst, ich muss meinen Gegner nicht auch noch zu
Boden prügeln.

Verhaltenskodex für historische Fechter?

Jeder Kampfsport tut wohl gut daran, eine ethische Grundlage zu finden, einen
Verhaltenskodex, der für seine Ausübunden verbindlich sein soll und gewisse
(positive) Werte des Geistes oder des Körpers repräsentiert. Hier möchte ich
mich ganz subjektiv mit dem “Fechter Credo” von Peter Koza auseinandersetzen,
dem Gründer der Gladiatores/Magisterium Schulen. Ich zitiere der Einfachheit
halber nicht den ganzen Text, der sich leicht im Netz finden läßt, sondern
nur relevante Passagen, zu denen ich kritisch Stellung nehmen will:

“Mit mir selbst als Person muss ich nicht unbedingt zufrieden sein, aber
mit mir als Fechter schon – damit meine Umgebung mich respektiert, zumindest
bis zu der Stufe die ich erreichen will.”

Vielleicht ist historisches Fechten gerade dazu geeignet, auch mit sich selbst
als Person zufriedener zu werden, insofern sehe ich da weniger eine Trennung
zwischen Privatperson und Fechtperson. Respekt erwerbe ich auch unabhängig von
sportlicher Leistung, aber sicherlich kann ich mit fechterischer Höchstleistung
Ansehen erwerben, ob das nun erhöhter Respekt sein muss, sei dahingestellt.

“Ein Fechter zu sein, ist Adel im Geiste und in der Tat – nicht aufgrund
eines Wappens oder einer Tradition. Alles, was dieser Adel bedeutet, habe ich
persönlich verdient und ist nicht die Frucht der Taten meiner Vorfahren.”

Adel im Geiste bedeutet konkret was? Mir genügt es hier nicht, einfach zu
fechten und schon ein Adelsetikett zu tragen, ich möchte genau die Anforderungen
wissen, die mich in den Stand erheben. Natürlich können wir hier alle positiven
inneren Werte oder die Tugenden der Ritterlichkeit anführen. Die Frage bleibt
jedoch, wie spätmittelalteriche Fechtschulen diese Punkte bewertet und mit Inhalt
gefüllt haben.

“Die Beziehung zwischen mir und meinem Schwert ist die Intimste von allen
diesen Beziehungen. […] Alle möglichen geistigen und bei den professionellen
Fechtern auch materiellen Erfolge erreiche ich durch das Schwert. […] Es darf
nicht in die Erde gestochen werden – es sei denn eine Rolle verlangt dies von mir.
Es darf nicht auf einen Haufen geworfen werden und es darf nicht von jeder Person
einfach so berührt und beschmutzt werden. Ich betrachte es teilweise als Gegenstand
meiner Waffenverehrung und es kann von mir einen Namen erhalten.”

Intime Beziehungen zu einer Waffe? Das läßt unwillkürlich an “Full Metal Jacket”
denken, wo die Rifle des Marines kultisch-indoktrinatives Ritualobjekt und “Geliebte”
des Soldaten wurde. In modernen Zeiten mag eine solche Denkweise sehr suspekt wirken,
und sicherlich vergessen wir bei einer solchen Zentrierung auf das Schwert als Symbol
gänzlich die Hand, die es führt. Geistige und materielle Erfolge erreiche ich durch
mich selbst in erster Linie, indem ich die Kunst des Fechtens meistere, indem ich
meine körperlichen und mentalen Ressourcen bündle, das Schwert an sich ist meiner
Ansicht nach ein schätzenswertes Werkzeug, aber kein magisches Wundermittel. Ich halte
es für übertrieben, für ein Schwert Gebrauchsregeln aufzustellen, die beinahe kultische
Verehrung zum Ziel haben. Höchstens Excalibur oder ein bedeutendes Königsschwert als
Würdensymbol verdient es, so extrem bedacht gehandhabt zu werden. Andere Personen
beschmutzen mein Schwert, wenn sie es berühren? Dann ists wohl doch nicht weit her mit
fechterischer Adelstoleranz? Das Wort “Waffenverehrung” gefällt mir ganz und garnicht,
und ich werde meiner Klinge auch keinen Namen geben, denn das halte ich für albern,
wenn es um historisches Fechten geht und nicht um LARP.

“Darum gehe ich mit den Waffen der anderen respektvoll und höflich um. Ich berühre
sie nicht, ohne darum gebeten zu haben und ich bedanke mich, wenn ich die Erlaubnis zum
berühren bekomme. Wenn ich sehe, daß jemand sein Schwert nicht so behandelt, finde ich
vorsichtige Worte um ihn darauf aufmerksam zu machen und ihn in die richtige Richtung
zu lenken.”

Ich habe absolut nichts dagegen, einen Verhaltenskodex zum Umgang mit Waffen
aufzustellen, denn schließlich sind auch Schwerter keine Spielzeuge und Fechten eine verletzungsgefährliche, ernste Sache. Sind obige Worte in diesem Sinne verständlich,
unterschreibe ich sie vollkommen. Ob ich nun ein meiner Ansicht nach recht stilisiertes
und affektiertes Gehabe um mein Schwert oder das der anderen machen muß, sei
anzweifelbar. Und im Grunde muss ich auch niemanden in die “richtige Richtung” lenken,
denn wie wir alle wissen, gibt es so viele “richtige Richtungen”, wie es Menschen auf
der Welt gibt.

“Die Welt um uns herum wertet uns alle nach den Taten und Worten eines jeden
Einzelnen und die Schande oder der Ruhm des Einzelnen fällt auf uns alle zurück.
Es geht mir aber nicht nur um den Eindruck der Öffentlichkeit, sondern viel stärker
noch ist in mir der Wunsch, meinen Kollegen zu bessern. Es ist nicht nur der Wunsch
edel zu scheinen, sondern wir wollen auch tief in unserem Inneren einen Adel des
Geistes erreichen!”

Schande oder Ruhm? Auf moderne Bedeutung übertragen, ist damit wohl gemeint, dass
wir alle als Kampfsportler eine gewisse ethische Haltung vertreten, die durch unser
Handeln steht oder fällt. Gleich den asiatischen Künsten kann ich dies durchaus
nachvollziehen. Das Wort Ruhm ist jedoch zweifelhaft, denn uns ist schon allen
bewußt, zu welchen Greueltaten die Menschheit fähig war, wenn es genau darum ging.
Das Bessern des Kollegen? Mit Verlaub, wir haben, glaube ich, alle genug damit zu tun,
uns selbst zu “bessern”, da muss ich nicht auch noch den “Wächter meines Bruders”
spielen, vor allem, weil solche Besserungsvorhaben immer und zu jeder Zeit mißbraucht
werden können. Eine genau Definition des “Adels des Geistes” sollte versucht werden!

“Die Welt ist ein Meisterwerk. Die Natur – Erde, Pflanzen, Tiere, Menschen – das
alles sind Meisterwerke Gottes. Bauwerke, Kulturgegenstände, Lieder, Gedanken und
Traditionen sind Meisterwerke des Menschen. Von all diesen Dingen bin ich ein
Verteidiger und kein Zerstörer. Ich lebe in dieser Welt und ich bin stolz und
glücklich darüber, daß ich hier lebe.”

Als kritischer Zyniker gäbe es an diesen, wohl romantisch gutmeinenden Worten viel
auszusetzen.Schon allein die Tatsache, dass der Mensch ein Meisterwerk ist, bestreite
ich angesichts der Barbarei unserer vergangenen Geschichte doch heftig. Das Potential
jedoch mag vorhanden sein und irgendwann realisiert werden, wenn wir uns tatsächlich
nicht vorher selbst auslöschen.

Jeder Ansatz, sei er nun realistisch modern oder romantisierend ritterlich, ist ein
begrüßenswerter Anfang, wenn es darum geht, im historischen Fechten eine
Verhaltensregel zu erzeugen. Vielleicht aber sollte man auch nur die Fechtmeister
vergangener Zeiten zu Wort kommen lassen:

„Ein Fechter soll sich halten fein,
Kein Rühmer, Spiler, Sauffer sein.
Auch nit Gotteslestern noch schweren,
Und sich nit schemen zu lehren.
Gottesfürchtig, Züchtig, dazu still,
Sey messig, erzeug den Alten ehr
Und dem Weibsbild auch weiter hör,
Alles tugendt ehr und manlichkeit,
Der sollt sich fleißen allezeit,
Auff das du dienen könnst mit ehren,
Keyser, König, Fürsten und Herren,
Auch nützlich seyest dem Vatterland,
Und nicht der edlen Kunst ein Schandt.“

(Joachim Meyer, 1570 – *genauer Quellenbeleg muss noch ergänzt werden*)