Flachparade!

Wieder ein Thema, das viele historische Fechter spaltet und kräftig
Diskussionsbedarf zu haben scheint, schon und vor allem emotional
unversöhnlich, mit Argumenten, die aus jedem auch nur entfernten Winkel
menschlicher Historie bzw. Wissenschaft herrühren. Worum geht es also?

(Disclaimer: Wie schon aus anderen Artikeln vielleicht bekannt, bin ich
kein Fechtmeister, kein Übergelehrter der Materie, sondern begeisterter
Hobbyist. Aus diesem Blickwinkel argumentiere ich.)

Die Parade bzw. der Block mit der Flachseite eines Schwertes wird von einigen
Fechtlehrern als nicht nur klingenschonend, sondern auch als effizient
betrachtet. Manche, wie John Clements aus den USA (“flat of my strong” –
zu sehen in einem martialischen youtube-Video), benennen diese Form als das
effizienteste Mittel, während gemässigtere Ansichten das Flachparieren als
oftmals angebracht (Techniken beim Langen Messer), aber nicht auschließlich
propagieren.

Die Gegenseite, der ich mich anschließen möchte, sieht keinerlei Schaden
darin, mit der Schneide zu parieren, schon allein, weil dies das schnellste
und natürlichste Blockverhalten ist. Neben sehr vielen Quellenbelegen, seien
sie italienisch oder deutsch, unterstützen auch museale Funde schartiger
Klingen die historische Praxis dieser Art des Parierens. Ich spare mir
momentan eine ausufernde Quellenbelegschrift (u.a. Döbringer), was das
Parieren mit der Schneide angeht, im Netz sind ausgezeichnete Schriften
zu finden, die das bereits erfolgreich tun: sei es nun im Forum von Ars
Gladii oder bei hroarr.com (zu empfehlen: “about the flat parry” von
Andrea Morini). Detailforschungen klären, wie die Metallurgie des Schwertes
auf Schneidparaden reagierte, welches der beste Winkel für eine solche
Parade sein könnte und dass spätmittelalterliche Anderthalbhänder an der
Stärke völlig ungeschliffen daher kamen und erst mittig zur Schwäche
und zum Ort hin Schärfe aufwiesen. Im Grunde muss ebenso bedacht sein,
dass für spätmittelalterliche Schwerter garantiert keine Schärfung
durchgeführt wurde, die modernen Rasiermessern glich.

Streitunlustige Menschen mögen beide Formen des Parierens zulassen und
keiner eine Dominanz zusprechen. Doch dies reicht mir nicht aus, und mag
zwar weise jedem Streit aus dem Wege gehen, doch verweigert es auch definitive
Aussagen zur Thematik, die aber schon allein aufgrund historischer Fakten
(Quellen, Museumsfunde) belegt werden können! Und da ist, nach meinem
Dafürhalten, die Quellenlage recht eindeutig, vor allem, weil spezifische
Stellen genannt werden, die ausdrücklich das Blocken mit der Schneide
thematisieren! Insgesamt kann sicher festgehalten werden, dass die
Flachparade nicht das generelle Mittel des Parierens war, weder zwingend
notwendig, noch dauerhafte ständige Praxis. Schlaue Zeitgenossen winken
sowieso ab, und erwähnen, dass man im Indes-Fechten sowieso niemals
blockt/pariert, sondern während des Angriffs agiert, mit der eigenen
Schneide gegen die Fläche des herannahenden Schwerts, etwa per Krumphau.

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on May 25, 2012, in Historical Fencing and tagged , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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