Schwertballerina!

Eine Spezies der historischen Fechterschaft, die bei weitem nicht weiblich sein
muss, nennt sich Schwertballerina. Üblicherweise denkt man sofort an ein pinkes
Dress mit ebensolchem Rüschenröckchen, doch weit gefehlt, auch in düsterstem
Schwarz erstrahlt eine solche Ballerina in hellstem Feenglanz! An grazilen und
schwingend austarierten Bewegungen erkennt man sie sicherer, an elitär erhobener
Nase und ausufernder Dramatik, sowie am Schwert, welches vom Tötungsinstrument
archaischer Zeiten in einen Taktstock moderner Choreographie gewandelt scheint.

Eine Bande wilder Neuzeitwikinger würde nun “SCHWUL!” oder “AUFFE FRESSE, ODDA
WAS?” brüllen, doch weit gefehlt, eine Schwertballerina läßt sich niemals vom
perfektionistischen Weg zur besten Szenerie abbringen. Gefordert und gewollt
wird hier nicht tödliche Effizienz oder historisches Duellfechten, sondern
szenische Eleganz, die auf jeder Profi-Tanzveranstaltung eine Bestnote nach
der anderen für Kür, Ausdruck und Technik einheimsen würde. Das Schwert ist
zugleich Schwung-Gewicht als auch Rest-Martialismus, das einzig verbliebene
Identifikationsmerkmal mit derber Kriegstechnik aus der Vergangenheit.

Schwertballerinas rümpfen die Nase über primitive, rohe Schwerthiebtechniken,
pflegen ihren behenden akrobatischen Tanz, und wollen damit doch niemanden
umbringen? Style ist wichtiger als den Sieg erringen! Es wäre nicht nur
intellektueller Fauxpas, zu denken, ein Schwert wäre dazu da, ein Duell für
sich zu entscheiden, mit Technik, brutalem Überlebenswillen und tödlichem
Können. Schwertkampf ist Ausdruckstanz, ist neue, feminine Männlichkeit,
oder weiblicher Expressionismus auf Stahlbasis! Hier wird niemand einen Kopf
kürzer gemacht, sondern nur deklassiert, durch die gazellenhafte Hoppserei
der Beine, die schwanenhafte Eleganz der Bewegung und eitle Pfauenkranz-
Zurschaustellung, um alleinig zu beweisen: die beste Ballerina bin ich!

Und wer könnte beim Zuschauen auf den Gedanken kommen, kein authentisches
Fechtduell vor sich zu haben? Nach außen hin erstrahlt alles unter dem
Deckmantel wahrer Kampfeskunst, nach innen ist es jedoch streng
choreografierte tänzerische Höchstleistung! Sicher wird so manche
Schwertballerina übermütig werden, und ihre empfindsame Show ausweiten
wollen, in die dunklen, blutigen Gefilde des ernsthaften Duellkampfes,
des richtigen historischen Fechtens. Und wie schade, wie tragisch, wie
unendlich traurig ist es dann, sie blutend rot darniedersinken zu
sehen, gegen einen plumpen Krieger des Schwertes, dem alle Weihen
des Tanzes der Klingen fremd sind, und der nur eines kennt, den wuchtigen
Zornhau, der jede zarte Schwertballerina-Seele so grausam endgültig
verstümmelt…

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on May 29, 2012, in Historical Fencing and tagged , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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