Kunstfabrik vs. Kunstvilla

Künstlerische Gruppen, wenn sie sich neu zusammenfinden, haben einige
Parameter ihrer Arbeit zu definieren. Im Rahmen der Chaosartisten
tauchte nun die Fragestellung auf, welchem idealistischen Modell man
sich widmen sollte:

“Kunstfabrik” – das meint eine definierte, zielgerichtete Arbeitsweise
der Kunstproduktion mit dem Ziel, ein Portfolio der eigenen Anstreng-
ungen zu schaffen. Dafür werden beispielsweise zwei künstlerisch
aufwendige Performances/Arbeiten pro Jahr eingeplant, es werden
Überlegungen unternommen, die eigenen Kontakte zu Künstlern sowie
Netzwerken auszubauen und schlußendlich auf Ausstellungen präsent
zu sein. Eine Schätzung der eigenen Arbeit durch berufene und
kundige Personen ist ebenfalls wünschenswert. Kunstfabrikanten
legen Wert auf Außenwirkung, steigenden Bekanntheitsgrad und vielleicht
sogar finanziellen Erfolg. Die Gefahr einer solchen Auffassung sehe ich
darin, dass der freie, künstlerische Geist einem Arbeitsethos untergeordnet
wird, der zwanghaft Originalität und Kreativität fordert und künstlerisch
schaffenskräftiges Chaos/Freiheit beseitigt.

“Kunstvilla” – das bedeutet eine freundschaftlich, zwanglose Atmosphäre
des lockeren Austauschs ohne feste Zielrichtung. Kunst ist Selbstzweck
und muss niemandem präsentiert werden, auch wenn das selbstverständlich
geschehen darf. Alles ist eine Zusammenkunft von Freigeistern, die
oftmals einfach nur die Gesellschaft der anderen geniessen und eher
spontan künstlerische Ideen verwirklichen. Eigene Kunst ist nicht
durch andere legitimiert, muss nicht mit einem Wert versehen werden
und existiert primär für die Schaffenden selbst, die ihre Arbeiten
jedoch jederzeit anderen zugänglich machen können. Auch eine Kunst-
villa birgt Unwägbarkeiten, nämlich eine derartige Unverbindlichkeit,
dass es durchaus zu sehr wenig künstlerischem Output kommt und man
sich eher einem Gesprächs- bzw. Freundeskreis zugehörig fühlt als
einem aktiven Schaffenskreis.

Für die Chaosartisten stellt sich momentan die Frage, welchem Pfad man
folgen soll. Wie denken die einzelnen Beteiligten der Gruppe darüber,
gibt es sogar eine Fraktion, die sich dem Kunstfabrik-Gedanken
anschließt, eine andere, welche die Idee der Kunstvilla favorisiert?
Und wird es gelingen, zu vermitteln und einen Mittelweg zu finden,
der alle Teilnehmenden mit ihren durchaus verschiedenen Charakteren
unter einen Hut bringt?

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on July 14, 2012, in Kunstgruppe and tagged , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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