Viva La Kunstvilla!

Nach einigem Nachdenken und dem Wälzen verschiedener, auch emotionaler
Positionen beziehe ich eindeutig und unwiderruflich Stellung:

JA, ICH BIN EIN KUNST-VILLA BEWOHNER!

Und das verdammt nochmal gerne. In der freien, antikapitalistischen
und sozialen Kunstvilla ist Platz für verschiedene Ansichten, herrscht
kein Schaffensdruck oder dämlicher Leistungsindex, sondern eine
Mischung aus Spaß an der Kunst, zwanglose Freude am Schaffen und vor allem
auch intellektuellem Austausch über Kunst an sich. Alle Zeit der Welt
haben wir, zu reden, zu genießen, zu essen, zu trinken, und uns den
schönen Dingen des Lebens hinzugeben, mit dem chaotisch schöpferischen
Kunstgedanken, der jederzeit ausgelebt werden kann, aber niemals muß.
Wahre Basisdemokratie braucht keine Abstimmrituale, sondern lebt von
der Rücksichtnahme und dem Respekt jedes Einzelnen zu den Anderen.
Automatisch ist es unmöglich, übergangen zu werden, und wirklich jeder
ist in seiner emotionalen Befindlichkeit berücksichtigt. Die Kunstvilla
ist ein sicherer Hafen für alle Freigeister, ein Alchimielabor (Danke
an Tom für diesen passenden Ausdruck!) und ein Quell des Lebensgenußes,
der neue Kraft abseits der hektischen Alltagswelt schenkt.

Ich lasse es nicht mehr zu, dass mir engstirnige, kapitalistische
Kunstfabrikanten Dinge aufbürden, die weder ausgegoren sind, noch
meinen Wünschen entsprechen. Ich brauche keine Anerkennung großer Museen,
die doch nur ihre eigene Bauchpinselung als vorrangiges Ziel haben. Und
ich muss in keine Künstlerkreise eindringen, oder mich andienern, die
von mir nur überdimensionales finanzielles Engagement fordern, und
deren gönnerhafter Rat meiner freien Entfaltung im Weg steht. Ich muss
kein Prestige anhäufen, nicht auf Ausstellungen Popanz betreiben, damit
ich ein anerkennendes Kopfnicken ernte, oder vom Chef eines Museums
meine Werke auf drölfzigtausend Euro geschätzt bekomme. All das ist
die kapitalistische Kunstmarktmühle, deren ungerechte Regeln für andere
gelten können, die hoffen, darin die Ränge emporklettern zu können. Ich
will keine festen Pläne machen, keine illusionären Erfolgsträume hegen,
und absolut garnicht unter einem Kunstfabrikantenchef dessen Visionen
nachfolgen.

Ich kann nur einen Aufruf an alle werdenden oder wachsenden Künstler
starten, ihre eigenen Kunstvillen zu bauen, luftig und frei, niemals
voller Zwang und Leistungsdenken, Orte der Entspannung, aber auch der
hitzigen Diskussion. Kunst entsteht dann von ganz allein, aus Chaos
und tiefen Gedanken, oder Jux und Dollerei, Blödsinn, gesundem
Wahnsinn, und allem, was die Emotion des Menschen hervorbringen kann.
Das sind private Dinge, intime Dinge, die nicht für die Öffentlichkeit
bestimmt sind…. oder doch? Kommt dann jemand und sagt: Mensch, das
ist toll, das müssen andere sehen! Und jedes Mal hat man die Wahl,
dem zu entsprechen, wirklich eine Ausstellung zu machen, aus Überzeugung,
mit Anspruch, Tiefgang oder voller Kritik an allen Systemen, die uns
das Leben schwer machen. Endlose Möglichkeiten eröffnen sich, alle
sind zugelassen, nichts muß getan werden. Freier, entspannter, gesunder
und glücklicher kann Kunstschaffen nicht sein! DAS ist die Vision
aller, die dem Kunstvilla-Gedanken anhängen.

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on July 19, 2012, in Kunstgruppe and tagged , . Bookmark the permalink. 1 Comment.

  1. Deine Beschreibung der Kunst-Villa hat mich an die Villa Kunterbunt in „Pipi Langstrumpf“ erinnert. Pipis unbewusste Strategie der paradoxen Intervention und ihre unangepasste Lebensweise, dazu gehört auch der Lebensraum Villa, sind Teil ihrer durchaus künstlerischen Sicht auf die Welt.

    Wenn dir das zu kindisch ist, kann ich dir als historische Analyse zur Profession des Künstlers folgendes Buch empfehlen:

    Oskar Bätschmann: Ausstellungskünstler. Kult und Karriere im modernen Kunstsystem. DuMont, Köln 1997. ISBN 3-7701-4024-9.

    Vielleicht ist es per se ein Widerspruch als Künstler unabhängig und professionell agieren zu wollen? Wie kann der Anspruch auf unabhängig, forschende Betrachtung der Welt realisiert werden, wenn hieraus gleichzeitig das Geld zum Lebensunterhalt bezogen werden muss? Unter ökonomischem Aspekt könnte das Ziel künstlerischen Strebens beispeilsweise so aussehen: Eine möglichst große und effektive Produktionsstätte von Kunstobjekten die mit enormen Gewinnspannen an Sammler zu verkaufen sind, unter der Regie eines einzelnen Künstlers organisiert und unter dem Namen dieses Künstlers vermarktet werden zu besitzen. Objektlose Kunst ist in diesem Zusammenhang von geringem Interesse, da kaum zu vermarkten.

    Noch ein Gedanke: Kunst ist kein Selbstzweck! Es ist nicht notwendig “Kunst zu machen”! “Kunst zu machen” ist erst einmal nicht besser oder schlechter als andere Tätigkeiten, wie schlafen, essen oder was du gerne tust. Erst wenn du durch Kunst etwas besser erforschen, aufzeigen, diskutieren kannst, als mittels anderer Kommunikationsformen wird es interessant künstlerisch tätig zu sein.

    Woran ich nicht glauben mag, ist der Mythos vom zufälligen Wanderer, der an die Tür der Kunst-Villa klopft und voller Enthusiasmus über die dort verhandelten Dinge fragt, ob er diese einpacken und in die Welt hinaus tragen darf. Das müssen die Villenbewohner selbst tun – vorausgesetzt es drängt sie danach.

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