Die Sucht, besonders sein zu müssen.

Es scheint, als wären in der heutigen Zeit sehr viele Menschen auf der
Suche nach Alleinstellungsmerkmalen, um ja nicht in die verachtenswerte
Schublade der “STINOS” (Stino = Abkürzung für Stinknormale) oder
“Normalos”/”Spießer” einsortiert zu werden. In einem fast gehetzten
Reigen aus Abseitigkeiten, körperlicher oder mentaler Natur, wird
versucht, sich extrem von der Durchschnittsbevölkerung abzuheben, die
anscheinend ob ihrer tumben Lebensart mehr als verabscheut wird.

Die einen klatschen sich den Körper mit mehr oder weniger sinnvollen
Tattoos zu, die anderen haben so viel Metall am/im Körper, dass sie
Gefahr laufen, von Metallbanditen gemopst zu werden. Wieder andere
suchen sich die freakigsten Style-Gewänder, ob nun undersexed, vintage
oder severly oversexed durch alle Fantasy- oder Realzeitepochen,
ergänzt durch das farblich perverseste Makeup in Augenkrebs erregenden
Farben.

Außen “anders” genügt nicht! Nun gehts im Inneren weiter auf der Hatz nach
“Being Besonders”: manche sagen, sie hätten eine schwarze Seele. Okay,
ist das nun die babyopfernde Satanistenschwarzseele, oder eher die
grabsteinschmusende Melancholieseele? Andere sagen stolz, sie wären
Punker, Rocker, Metaller, was-auch-immer, je nach Musikrichtung. Zumindest
könnte man dort unter entsprechender musikalischer Ausrichtung nachsehen,
was Sache ist. Aber Vorsicht, was, wenn sich ein finster-böser Black Metal
Jünger als total kinderlieber Familienpapa rausstellt? Gedankliche
Dispositionen dieser Art mögen gegenüber anderen Alleinstellungsmerkmal-
suchenden Toleranz üben, oder eifersüchtigen Abgrenzungswahn, aber
gemeinsamer Feind ist der Mob der Normalen, die es zu kritisieren gilt,
die man regelrecht verachtet und aus deren Reihen man ja niemals hervorging.
Ah, es bietet sich noch jede Menge Religion an, wenn man besonders sein
möchte: ob es nun exklusiver Tantra-Kult wäre, in dem man unaussprechliche
Erotikextase praktiziert, oder naturverbundene Wicca-Religion, in der das
arme Geschlecht der Frauen auch endlich mal was zu sagen hat, oder eben
doch guten alten Nihilismus-Satanismus, in dem man neben höchst verbotenem
Sex noch höchst verbotener über die armen Christen ablästern darf. Ach ja,
Sex ist auch noch so ne Sache zum Sich-Besonders-Machen, es bietet sich an,
das perverseste, schweinischste BDSM-Buch auszuleihen, sich total in Plastik-
Fantastik zu kleiden und dann auf endlosen Parties mit mehr oder weniger
geschmackvollen Praktiken/Partnern deutlich zu signalisieren: ja, ich bin
anders!

Am Ende bleibt, mit Verlaub, immer noch jemand übrig, der wie alle anderen
den Trivialitäten und Problemchen der Welt ausgeliefert ist. Ob sich nun
ach so böse Satanisteneheleute drum kloppen, wer dem Baby die Windel wechseln
muß, oder die Wicca dann doch eingesteht, dass sie gerne bei ihrem Mann
im Arm gekuschelt einschläft, oder sich zwei Extrempunks dann doch mal
bei ner Tasse Tee vom Festivalstreß erholen. Zu verurteilen ist nur die
Haßfront gegenüber den Normalos, den Stinos und den Durchschnittsmenschen,
da jeder Alleinstellungsmerkmalsüchtige damit nur das eigene Nest beschmutzt,
denn niemand kann gewissen Normalitäten entfliehen, die wir alle in uns
haben und die auch keine Leugnung verdient haben. Toleranz wirkt zudem in
beide Richtungen.

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on August 26, 2012, in Blaschanek Blogovsky. Bookmark the permalink. 1 Comment.

  1. Andere schreiben in Blogs lästernd über die Lästernden…. 😛

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