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Historisches Fechten und Schutzkleidung

Jenseits des Techniktrainings – oder gerade auch währenddessen?- ist es
unerlässlich, Schutzkleidung zu tragen. Die Verletzungsgefahr ist einfach
zu hoch. Doch was macht Schutzkleidung mit uns? Ist es so, dass wir dann
careless werden, Technik vernachlässigen, zuviel Bravado
zeigen, und alles dann nur noch in wilde Klopperei verkommt?

Möglicherweise ist es bei Anfängern tatsächlich so, dass sie, wenn sie zum
ersten Mal eine Fechtmaske und anderen Schutz tragen, meinen, sie könnten
zu Conan himself mutieren. Das sollte schon von Vornherein durch
Trainer vermieden werden, und am sichersten auch dadurch, dass jeder
Trainierende sich selbst ins Gedächtnis ruft, dass Schutzkleidung niemals
unverwundbar macht, und keinesfalls dazu berechtigt, alle Technik zu
vernachlässigen.

Ich sehe Schutzkleidung als einzigartige Chance an, Techniken sauber und
in ansprechender Geschwindigkeit auszuführen, sowie Wettbewerbe oder
Leistungsvergleiche durchzuführen. Man bekommt sehr schnell mit, welche
Bewegungen, welche Techniken funktionieren, besser zu machen sind, oder
in schneller Ausführung ganz andere Auswirkungen haben können. Man muss
sich selbst disziplinieren, den (falschen) Unverwundbarkeitskomplex
abzulegen und sportlich angemessen mit einem ebenso geschützten Partner
sinnvoll und Regeln des fairen und möglichst sicheren Miteinanders
beachtend zu trainieren.

Im Übrigen halte ich es für höchst angemessen, dass auch erfahrene
Fechter bei Wettbewerben oder Prüfungen Schutzkleidung tragen. Denn
niemand ist vor dem bösen Zufall gefeit, niemand ist perfekt, und jedem
kann etwas passieren. Besondere Coolness zu beweisen, indem man
Prüfungen in voller Geschwindigkeit ohne Schutzkleidung ablegt, halte
ich für fahrlässig und kein Zeichen besonderer Initiation in einen
höheren Fechterstatus.