“Fechten ist wie Tanzen”

Hört man ja öfter, diesen Ausspruch. Was mich daran wirklich stört, ist die scheinbare
Vereinbarkeit eines gesellschaftlichen Ereignisses und/oder friedlichen Leistungssports
mit einer waschechten Kampfkunst. Here we go:

Sicherlich ist es richtig, dass auf der motorischen Ebene viele Bewegungen beider
“Sportarten”, wie ich sie mal nennen möchte, übereinstimmen können oder sogar
möglicherweise ähnlichen Bewegungsmustern folgen. Fechten ist, wie auch (Turnier-)
Tanzen, ein Sport, der Koordination und Ausdauer verlangt. Kampfsportarten wie
beispielsweise Capoeira haben sehr deutliche tänzerische Anteile im Repertoire.
Soweit die nüchterne Betrachtung im technischen Vergleich.

Eindeutige thematische Unterschiede zwischen Fechten und Tanzen sind offensichtlich.
Das Eine ist ein friedliches Miteinander, das andere ganz und garnicht. Und hier sehe
ich auch den Hasen im Pfeffer liegen. Oftmals wird ein romantisches Tanzetikett auf
den Kampfsport (Historisches)Fechten gekleistert und man ergötzt sich an ästhetischen
Körperspannungsvorführungen, die eigentlich nur eitlem Popanz zu dienen scheinen.
Kampfsport an sich ist Kampf, nicht Tanz, und sollte vorranging an Effizenz und
Effektivität gemessen werden. Dass solches mit Ästhetik einhergehen kann und es
auch oftmals tut, bestreite ich ja nicht.

Wie schnell rutscht man dann auch in die Sparte des plumpen “Schwertbalett”-Vorwurfs,
wenn man romantisierend und idealistisch über Fechter spricht, die auch gute Tänzer
waren/sind oder Ritter, die in ihrer Ausbildung ebenso das Tanzbein schwingen mussten.
Ich bin da ziemlich sicher, dass es exzellente Fechter/Schwertkämpfer/Ritter gab,
die nicht auch nur einmal im Leben das Tanzbein geschwungen haben. Ebenso hat es
wohl auch krude, büffelige und richtig plumpe Fechter gegeben, die aufgrund ganz
anderer Faktoren den Sieg errangen, vielleicht auch über sich selbst überschätzende
Tänzelfechter?

Alles in allem darf man sich über Vergleiche zwischen Fechten und Tanzen gerne
streiten. Und vieles wird auch von persönlicher Vorliebe abhängen. Das Vermischen
und stellenweise Verweichlichen einer authentisch historischen Kampfkunst sehe
ich aber mit Sorge. Schwertkampf, Historisches Fechten und Martial Arts im
Allgemeinen ist weder hyperästhetische Tanzveranstaltung noch romantisierter
Männerheldentraum. Ich plädiere dafür, dass man die ernstliche Bedeutungsebene
solcher Betätigungen nicht zur Gänze verwässert, jedoch auch nicht überbewertet.

PS.: Es ist nicht meine Absicht, einer kompromißlosen Machismo-Auffassung des
Kampfsports das Wort zu reden. Conan-Zerstörer und Ernstkampfmonster, die sich
gegenseitig für den letzten Thrill die Birne einhauen, sind mir genauso unlieb
wie tänzelfechtende Körperspannungs-Supraposer.

Advertisements

About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on March 5, 2013, in Historical Fencing and tagged , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: