Monthly Archives: April 2013

Einfach Kunst machen?

Findet sich eine Gruppe Menschen zusammen, die beschließt, Kunst gemeinsam zu machen,
tauchen viele Fragen auf, die man zugunsten ungehemmter Schaffensfreude ignorieren
kann oder erstmal theoretisch-praktisch abhandeln sollte.

Also “einfach Kunst machen” oder “erst ein mentales Fundament schaffen, und dann Kunst
machen”?

Beide Ansätze sind valide und verfolgbar. Möglicherweise auch radikal vertretbar. Die
impulsiven Kunstmacher schert keine Theorie, sie schätzen Spontanität, ihr kreativer
Wille muss hinaus, Gedanken machen sollen sich die Konsumenten. Die nachdenkenden
Kunstmacher brauchen theoretische Basis, Klärung vieler Fragen, Positionsbestimmung
und sind dann in der Lage, Kunst zu erschaffen, vielleicht mit der Sicherheit, dass
alles, was sie tun, “Hand und Fuß” hat? Aber muss es das?

Intellektuelle Beschäftigung mit der eigenen künstlerischen Identität wirft Fragen auf:

1.) Wer bin ich als Künstler? Bin ich überhaupt einer? Sind alle Menschen Künstler?
Habe ich ein Künstler-Ich? Oder bin ich real, echt, in meiner Gesamtheit in meiner
Kunst zu finden? Zeige ich mich meinem Publikum?

2.) Was ist Kunst? Was wird meine Kunst sein? Hat sie eine Aussage? Wer soll sie sehen?
Ist sie intim, Bewältigung eigener Probleme, ist sie öffentlich, soll sie etwas
bewirken? Ist sie radikal oder gemäßigt? Folgt sie Traditionen oder sagt sie sich los
von allem?

3.) Wie mache ich Kunst? Welche Materialien verwende ich? Habe ich einen Ort, an
dem ich Kunst machen will/kann oder ist die Öffentlichkeit meine Wirkungsstätte?
Werde ich Performance machen, Videokunst, Malerei, Skulpturen, Collagen? Bin ich
Teil meiner eigenen Kunst, mache ich eine Performance also immer selbst, oder lasse
ich andere mitwirken bzw. will nicht gesehen werden?

4.) Ist meine Kunst nur für mich selbst, für andere, oder einen speziellen Personenkreis?
Was bedeuten mir jene, die meine Kunst ansehen? Welche Emotionen und Gedanken will
ich bewirken? Bin ich kritisch, albern, täuschend, sinnfrei oder schwermütig traurig
in meinem Schaffen? Wie präsentiere ich meine Kunst anderen? Habe ich einen Ort
dafür? Will ich an Ausstellungen teilnehmen?

5.) Mache ich Kunst in einer Gruppe? Wenn ja, wie denken die anderen, wie arbeiten wir
zusammen? Welche Überzeugungen und Ideen/Wünsche gibt es? Geben wir uns einen Namen?
Wollen wir ein Manifest erschaffen, das die Säulen unserer künstlerischen Kreativität
benennt und (auch anderen) erklärt?

Ich bin der Ansicht, dass man eine intellektuelle Basis seines Schaffens aufbauen sollte.
Der allgemeinen Beliebigkeit und Sinnleere unserer Gesellschaft zum Trotz, muss ein
festes Säulenfundament erbaut werden, das dem eigenen Schaffen Sinn verleiht. (Sinn
kann natürlich auch Unsinn oder Nonsense bedeuten!) Dementsprechend will ich erklären,
was ich tue, aber dennoch jedem Schauenden genug Freiraum für eigene Interpretation oder
Kritik bieten. Vielleicht ist dies alles auch eine Art Streben nach Sinnstiftung in einem
Themenbereich namens Kunst, der oftmals sehr beliebig und wahlfrei erscheint. Radikale
Thesen, wie die von Joseph Beuys, unterstützen das nur, wollen damit aber auch verkrustete
und altbackene Wertekonstellationen in der Kunstbewertung aufbrechen.

Advertisements