Monthly Archives: July 2013

Das Manifest der Chaosartisten

Die Kunstgruppe der Chaosartisten, welche sich vielleicht einen neuen Namen
geben müssen, formulieren hiermit ihr Manifest, welches ihnen selbst und
auch anderen Halt und Stütze sein soll, beim Kunstmachen, beim über Kunst
reden, beim Kunst genießen und bei all jenen Belangen, die vielleicht wichtig
werden könnten im täglichen Chaos unserer Existenz. Es sei erstaunlicherweise
bemerkt, dass viele dieser nachfolgenden Schlagworte und Ideen-Schnippsel doch
sehr gesellschaftskritisch anklingen, vielleicht ein gemeinsamer Grundnenner
unserer künstlerischen Disposition, die noch so unendlich weit am Anfang steht.

Die Säulen unserer Kunst

Die neue Achtsamkeit / Bedachtsamkeit

Entschleunigung, der Blick für das Kleine, Fragmente, mikrokosmische Dinge,
scheinbar Unbedeutendes, Gegensatz zur Leistungsdoktrin der modernen
Kapitalistengesellschaft, Nachdenklichkeit und geistige Spaziergänge ohne
Eile; Vorsicht, Rücksicht und Umsicht mit allen Dingen, vielleicht auch
eine positiv zu deutende Langsamkeit, die Zeit zum Atem holen läßt,
Abfahrt von der Überholspur-Raserei des täglichen Lebens.

Absurdistan / Viva la Blödsinn!

Absurdes erleben wir täglich, sei es beruflich oder privat, lernen wir, es zu
erkennen, zu benennen und damit zu spielen, es als Waffe gegen die zwanghafte
Sinnsuche gesellschaftlicher Kosten/Nutzen-Regularien zu verwenden, Absurdes,
Sinnloses, Blödsinniges ist das Werkzeug des Schalks, des Narren und vielleicht
auch des Künstlers, um gesellschaftliche Mißstände anzuprangern! Gibt es
jemals etwas ohne Sinn? Selbst eine Performance des absoluten Blödsinns bewirkt
etwas, ist etwas, und läßt etwas erdenken, erfühlen?!

Kunstvillagartenhäuschenhütte

Der geistige und physische Ort unseres Kunstschaffens, an anderer Stelle auf
diesem Blog schon als “Kunstvilla” thematisiert, nun erweitert durch angenehme
Begriffe von Örtlichkeiten, an denen man sich weitab von Wolkenkratzern und
Stadtlärm wohlfühlen kann: Garten, Häuschen, Hütte, Ruhepol des Chillaxings,
gleichzeitig auch Schaffensort für Kunst. Ein freier und liberaler Platz
ohne Zwänge, wo Kunstfabrikanten und Kunstdiktatoren der Eintritt nicht
verwehrt wird, es diesen aber sicherlich zu freigeistig zugehen wird, und sie
dann ganz von selbst wieder verschwinden.

Die positive und negative Tristesse

Ein schwieriges Konzept: negative Tristesse als künstlerisches Mittel, um die
Höher-Schneller-Weiter-Doktrin als das zu entlarven, was sie ist, nämlich eine
ins Nichts führende Übersteigerung und Perversion? Sexuelle Ausschweifung und
Perversion führt ohne sinnvolle Mäßigung genau zu diesem Punkt negativer
Tristesse, dem Absturz in das Loch der Bedeutungslosigkeit, wo alles erlebt ist,
nichts mehr erfüllt, und das Bisherige umso mehr in Frage steht. Tristesse als
positiver Punkt der Stille, Einkehr, ein Platz aus Nichts und grauer Wand, der
einen Menschen verharren läßt, ihn zum Zentrum völliger Stille macht?

Die Suche nach dem Echten

Heute sind wir umgeben von Illusion, Täuschung, medialer Verwirrung und Propaganda.
Erwartungshaltungen erschaffen Chamäleonmenschen, die sich zwanghaft anpassen, ihre
echte Natur verleugnen; gesellschaftliche Ideologie kreiert den leistungsfähigen
schönen Schlankheitsfaschistenübermenschen, der alles unternimmt, seine Echtheit,
seine Makel durch Chirurgie oder Puderdöschen zu verbergen oder zu negieren. Das
Echte ist ein sorgsam zu pflegendes Gut, echte Emotion scheint in der heutigen Zeit
der goldene Schatz hinter dem Regenbogen zu werden, nach dem alle hungern. Über
romantische Konzepte wie wahre – also echte – Liebe hört man mißgünstige Murmeleien,
offene Verhöhnung oder pessimistische Negierung. Ein Paradebeispiel des Unechten
stellt in vielen Fällen die Pornografie dar, und dennoch ist sie beliebt wie nie,
als Surrogat, als Ersatzhandlung, in Zeiten, in denen sich die Menschen immer
mehr entfremden.

Der Zweifel

Und noch ein schwieriges Konzept: ist der Zweifel in uns Menschen bereits eine feste
Größe, immerwährender Begleiter, sei es in religiösem Belang, in schaffenskräftigen
Handlungen oder in unserer geistigen Welt? Kann uns das Zweifeln vor Fehlern bewahren,
eine ethische Instanz verkörpern, oder soll man nach zweifelsfreien Wahrheiten streben,
den Status des homo sapiens superior erreichen? Tappen wir in die Falle des Nicht-
Zweifelns und werden Ideologen und Dogmatiker? Kann ich an der modernen Gesellschaft
und ihren neuen Werten der Leistungsfähigkeit, des Jung-und-Schön-Seins und des
Sozialprestige-Wettrennens (“mein Haus, mein Auto, mein Boot, meine Frau(en)”) zweifeln?
Ja! Und dies kann künstlerisch sehr befruchtend sein!

Guild Wars 2: Old Gods of Kodash

[Malcovar, Homeserver Kodash]

Und es ward gekündet von den alten Göttern, welche einst auf der Welt Kodasch die
Geschicke des Krieges leiteten. Mächtige Wesenheiten, die Armeen hinter sich ver-
sammelten und für den Ruhm der Welt Kodasch Ländereien brandschatzten und eroberten.
Gütig und weise, zornig und blutlüstern, doch immer gerecht wider die eigenen Mannen
und nobel gegen den besiegten Feind. Höret nun ihre Namen sowie ihre mystischen
Zeichen, auf daß ihr alle euch erinnert:

Brewthall, der Gelbe, dessen Zeichen [ADAC] ward, Führer der Armeen Kodaschs,
Vernichter und Zerstörer aller Feinde, Verkünder der Macht Kodaschs und
erbitterter Verteidiger der Heimatlande.

Illyrian Skenderbeu, der Listige, umtriebiger Stratege der Zwischenwelt, weit-
schauendes Adlerauge der Kriegskunst, dessen Zeichen [CE] ward, Rächer derjenigen,
die vergeblich starben, Verderber all jener, die übermütig Kodasch geringschätzten.

Moe, der Standhaltende, Bollwerk gegen die Horde der Feinde Kodaschs, eiserner
Verteidiger des Hügels und niemals zu brechender Eisenkrieger des heldenhaften
Widerstands, dessen Zeichen [fx] ward.

Und also kam es, wie es kommen mußte, böse Kräfte im Inneren wuchsen
und gebaren Feindseligkeit gegen die Götter, Stimmen riefen in zeterndem Mordio,
und Dolche wurden gewetzt in düsteren Hallen. Doch am Schlimmsten waren die
giftgrünen Reden der anderen Götter Kodaschs, die vor Neid und Gier nach Ruhm
den alten Göttern kein Land mehr lassen wollten. Da hub ein Wehklagen an, denn
die alten Götter verließen die Welt Kodasch und gingen nach Abbadons Mund, wo
sie grünere Ländereien und treuere Freunde vermuteten.

Nun, da ihr alle euch erinnert, und die Welt Kodasch verlassen und einsam darnieder-
liegt, weinet bittere Tränen um die alten Götter, deren Musik uns erheiterte, deren
Worte unsen Geist erhoben und deren Taten von allen unseren Feinden hochgeschätzt
wurden. Nur wenige Götter wachen über Kodasch; Hila, die Gerechte, Amelie, die
Prophetische, Gum Jabbar, der Verkünder, JD Kid, der Lachende, welche den
täglichen Verblendungen des Tanzes der Drachen die Stirn bieten müssen. Doch das
Böse hat Kodasch nicht verlassen, die heulenden Winde des Holas toben durch die
Gassen und fegen all jene hinweg, die dem Groll der Enporkömmlinge nicht standhalten
können.

Und am Ende liegt es an den Sterblichen wie Malcovar, dem Verwirrer, Olorin, dem
Gaukler, Jaffa, dem Festungsbauer, Hora, dem Herzsucher und Bloeff, dem Täuscher, in
der Welt Kodasch nach Gleichgesinnten zu suchen, die im Namen der alten Götter und
der neuen Kodasch wieder zu Ruhm und Ehre verhelfen.

Codex Stephanus – Historical Fencing Manual

Eine der sensationellsten Entdeckungen im Bereich des Historischen Fechtens
ist der sogenannte Codex Stephanus, 2013 nahe Karlsruhe in einer alten Gruft
aufgefunden, restauriert und der Öffentlichkeit nun exklusiv auf diesem Blog
zugänglich gemacht. Weder Kosten noch Mühen habe ich gescheut, diese
einzigartigen mittelhochdeutschen Zeilen zu transkribieren! In diesem
Fechtbuch sind nun bisher unbekannte, Fechtanweisungen für das Lange Schwert
enthalten, die der Fechtmeister Stephanus um 15-*hust* niedergeschrieben hat.

“Unt also nehmest du das Schwert,
drehest dich um dein eigen Leib,
und laßest die Klinge fliegen,
daß wart genannt der Brummkreisel.”

Der sogenannte Brummkreisel, eine der einfachen Figuren im
Fechtbuch Codex Stephanus, ist sehr gut dazu geeignet, auch
mehrere Gegner abzuwehren. Zu beachten ist, dass man für den
Startschwung um die eigene Achse auch genug Platz braucht
und schwindelresistent sein sollte.

“Nehmest du dein Schwert, legest es
auf dein Schultern, und rufest laut,
dass der Feind es höret: Oberhau!
Dann schlagest du von unten! Darob
es möglich wart, auch ander Hau zu
sagen und widerer Seit zu schlagen!
Daß wart genannt, der Verarscherleshau.”

Primär als eine Finte grandioser psychologischer Art muss man
den sogenannten Verarscherleshau verstehen, der in anderer
Variation zu vielen neuen Täuschungen führt, um den Gegner
im Duell zu überlisten.

“So fichst du ein Duell, sagest du einem Weibe,
dass es dastehet, gut mit dem Auge zu erkennen,
so schärfe ihr ein, sobald dein Feind dich hauen
will, dass sie ihre Brüst soll zeigen, auf dass
der andere schauet, zögert und dein Hieb ihn
fället. Dieß wart genannt der Ablenkerhau.”

Auffällig, wie die Täuschung ein integraler Bestandteil dieses
Fecht-Codex ist, und auf so vielfältige Art mit der
menschlich-männlichen Wahrnehmung Kokolores getrieben wird.
Der Ablenkerhau durch Ansicht von nacktfraulicher Tatsache
zeugt von der infernalischen Tücke fechtmeisterischen Könnens.

“Unt mit Mut sollest du auf dein Feind rennen,
dein Schwert gegen seins zu schmettern,
dann laß es zu Boden fallen, nimm dein eisern
Faust und hau ihm mit Allgewalt auf sein Maul.”

Kühne Selbstentwaffnung, Distanzüberbrückung zum Ringen, aber
dann roher Pugilismus altvorderer Zeiten in einem, ist diese
riskante Technik an heroischer Selbstverachtung kaum mehr zu
überbieten. Von Experten flappsig als “Voll-aufs-Freßbrett”
tituliert, ist diese kontroverse Technik nun Gegenstand
vieler Fachdiskussionen!