Das Manifest der Chaosartisten

Die Kunstgruppe der Chaosartisten, welche sich vielleicht einen neuen Namen
geben müssen, formulieren hiermit ihr Manifest, welches ihnen selbst und
auch anderen Halt und Stütze sein soll, beim Kunstmachen, beim über Kunst
reden, beim Kunst genießen und bei all jenen Belangen, die vielleicht wichtig
werden könnten im täglichen Chaos unserer Existenz. Es sei erstaunlicherweise
bemerkt, dass viele dieser nachfolgenden Schlagworte und Ideen-Schnippsel doch
sehr gesellschaftskritisch anklingen, vielleicht ein gemeinsamer Grundnenner
unserer künstlerischen Disposition, die noch so unendlich weit am Anfang steht.

Die Säulen unserer Kunst

Die neue Achtsamkeit / Bedachtsamkeit

Entschleunigung, der Blick für das Kleine, Fragmente, mikrokosmische Dinge,
scheinbar Unbedeutendes, Gegensatz zur Leistungsdoktrin der modernen
Kapitalistengesellschaft, Nachdenklichkeit und geistige Spaziergänge ohne
Eile; Vorsicht, Rücksicht und Umsicht mit allen Dingen, vielleicht auch
eine positiv zu deutende Langsamkeit, die Zeit zum Atem holen läßt,
Abfahrt von der Überholspur-Raserei des täglichen Lebens.

Absurdistan / Viva la Blödsinn!

Absurdes erleben wir täglich, sei es beruflich oder privat, lernen wir, es zu
erkennen, zu benennen und damit zu spielen, es als Waffe gegen die zwanghafte
Sinnsuche gesellschaftlicher Kosten/Nutzen-Regularien zu verwenden, Absurdes,
Sinnloses, Blödsinniges ist das Werkzeug des Schalks, des Narren und vielleicht
auch des Künstlers, um gesellschaftliche Mißstände anzuprangern! Gibt es
jemals etwas ohne Sinn? Selbst eine Performance des absoluten Blödsinns bewirkt
etwas, ist etwas, und läßt etwas erdenken, erfühlen?!

Kunstvillagartenhäuschenhütte

Der geistige und physische Ort unseres Kunstschaffens, an anderer Stelle auf
diesem Blog schon als “Kunstvilla” thematisiert, nun erweitert durch angenehme
Begriffe von Örtlichkeiten, an denen man sich weitab von Wolkenkratzern und
Stadtlärm wohlfühlen kann: Garten, Häuschen, Hütte, Ruhepol des Chillaxings,
gleichzeitig auch Schaffensort für Kunst. Ein freier und liberaler Platz
ohne Zwänge, wo Kunstfabrikanten und Kunstdiktatoren der Eintritt nicht
verwehrt wird, es diesen aber sicherlich zu freigeistig zugehen wird, und sie
dann ganz von selbst wieder verschwinden.

Die positive und negative Tristesse

Ein schwieriges Konzept: negative Tristesse als künstlerisches Mittel, um die
Höher-Schneller-Weiter-Doktrin als das zu entlarven, was sie ist, nämlich eine
ins Nichts führende Übersteigerung und Perversion? Sexuelle Ausschweifung und
Perversion führt ohne sinnvolle Mäßigung genau zu diesem Punkt negativer
Tristesse, dem Absturz in das Loch der Bedeutungslosigkeit, wo alles erlebt ist,
nichts mehr erfüllt, und das Bisherige umso mehr in Frage steht. Tristesse als
positiver Punkt der Stille, Einkehr, ein Platz aus Nichts und grauer Wand, der
einen Menschen verharren läßt, ihn zum Zentrum völliger Stille macht?

Die Suche nach dem Echten

Heute sind wir umgeben von Illusion, Täuschung, medialer Verwirrung und Propaganda.
Erwartungshaltungen erschaffen Chamäleonmenschen, die sich zwanghaft anpassen, ihre
echte Natur verleugnen; gesellschaftliche Ideologie kreiert den leistungsfähigen
schönen Schlankheitsfaschistenübermenschen, der alles unternimmt, seine Echtheit,
seine Makel durch Chirurgie oder Puderdöschen zu verbergen oder zu negieren. Das
Echte ist ein sorgsam zu pflegendes Gut, echte Emotion scheint in der heutigen Zeit
der goldene Schatz hinter dem Regenbogen zu werden, nach dem alle hungern. Über
romantische Konzepte wie wahre – also echte – Liebe hört man mißgünstige Murmeleien,
offene Verhöhnung oder pessimistische Negierung. Ein Paradebeispiel des Unechten
stellt in vielen Fällen die Pornografie dar, und dennoch ist sie beliebt wie nie,
als Surrogat, als Ersatzhandlung, in Zeiten, in denen sich die Menschen immer
mehr entfremden.

Der Zweifel

Und noch ein schwieriges Konzept: ist der Zweifel in uns Menschen bereits eine feste
Größe, immerwährender Begleiter, sei es in religiösem Belang, in schaffenskräftigen
Handlungen oder in unserer geistigen Welt? Kann uns das Zweifeln vor Fehlern bewahren,
eine ethische Instanz verkörpern, oder soll man nach zweifelsfreien Wahrheiten streben,
den Status des homo sapiens superior erreichen? Tappen wir in die Falle des Nicht-
Zweifelns und werden Ideologen und Dogmatiker? Kann ich an der modernen Gesellschaft
und ihren neuen Werten der Leistungsfähigkeit, des Jung-und-Schön-Seins und des
Sozialprestige-Wettrennens (“mein Haus, mein Auto, mein Boot, meine Frau(en)”) zweifeln?
Ja! Und dies kann künstlerisch sehr befruchtend sein!

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on July 30, 2013, in Kunstgruppe and tagged , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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