Kampfkunst oder Kampfsport?

Kampfkunst definiert sich mitunter rein akademisch, ist interessiert
an Perfektion, Ästhetik und Wissenschaft bezüglich physisch-psychischer
Auseinandersetzung und Rekonstruktion historischer Fecht-Technik.
Kampfsport ist die andere Seite der Medaille, die Theorie in Praxis
umsetzen möchte, im Schwerpunkt auf sportlicher Auseinandersetzung im
Rahmen des Wettbewerbs (und/oder Ernstkampfes bezüglich der Selbst-
verteidigung in bedrohlichen Situationen).

Historisches Fechten als reine Kampfkunst ohne Wettbewerb ist durchaus
praktizierbar, aber meiner Ansicht nach niemals die ganze Wahrheit. Eine
Kampfkunst muss sich unter Beweis stellen lassen, Tauglichkeit im
Wettbewerb beweisen. (Der Ernstkampf mit dem Anderthalbhänder wird in
unseren Breitengraden -oder auch sonstwo?- wohl selten bis niemals
vorkommen, also kann man diese Argumentation vorerst einmal beiseite
lassen.) Tödliche Techniken des historischen Fechtens werden im Kontext
eines Kampfsport-Wettbewerbs in Punktetreffer umgemünzt. Problem und
wichtigste Fragestellung wird sein, wie man bei einer relativ jungen
(Kampf-)sportart wie dem historischen Fechten eine messbare,
international verbindliche Wertung im Wettbewerb auf die Beine
stellen kann.

Nach wie vor bleibt es jedem einzelnen Praktizierenden des Historischen
Fechtens selbst überlassen, wie er das Ganze anpackt. Mischformen zwischen
Kampfkunst und Kampfsport sind für Laien, Amateure und selbst Profis
durchaus denkbar, denn nicht jeder schätzt die Wettbewerbsumgebung bzw.
den Leistungssport, der Physis und Psyche manchmal über Gebühr strapaziert,
bzw. sogar gesundheitsgefährdend sein kann. Freikampf und technisches
Sparring müssen zudem sicher, wohlgerüstet und nach festen, ethisch
verantwortlichen Regeln stattfinden, angepaßt an das Leistungsniveau
der einzelnen Beteiligten.

Aber wie sieht es mit historischen Fechtschulen aus? Dürfen diese, vor allem
deren Trainer und Chefs, sich ganz auf Kampfkünstlerisches verlegen und
den sportlichen Wettbewerbsgedanken ganz bzw. teilweise außer Acht lassen?
Wird eine solche Schule nicht an ihren Wettbewerben, an ihrer Praxisorientiertheit
gemessen? Können sich andere Schulen, die mehr Wert auf sportliches Leistungs-
messen wie Freikampf, Sparring bzw. Turniere legen, mehr darauf einbilden oder
sind gar mit dem besseren Ansatz gesegnet? Wie ist es, wenn das (fernöstliche)
Klischee eintritt, dass das Oberhaupt der einen Schule dasjenige der anderen zum
freundschaftlichen Punktekampf fordert?

Historisches Fechten muss und darf nicht als akademische Kampfkunst realitätsfern
studiert und ohne Praxisbezug in nie endenden Trockenübungen gelehrt werden.
Freikämpfe, Techniktrainings, Sparring und auch Wettbewerbe sind am Besten dazu
geeignet, rekonstruierte Techniken nach dem Erlernen zu erproben. Der Anspruch,
sich in einer sportlichen Auseinandersetzung (auch wenn es “nur” freundschaftlicher
Freikampf oder technisches Sparring ist) behaupten zu können, ist wichtige
Trainingsmotivation. Zudem muss an Trainingsleiter und Chefs von historischen
Fechtschulen ein Leistungsmaßstab angelegt werden, der sich von dem der Schüler
natürlich unterscheidet. Wer lehrt, wer führt, wer einer solchen Schule vorsteht,
der muss seine Kunst auch regelmässig in Wettbewerben, in der Praxis -erfolgreich-
unter Beweis stellen können.

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on September 1, 2013, in Historical Fencing and tagged , , , . Bookmark the permalink. 1 Comment.

  1. Ich denke eher das es Kampfkunst ist.

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