Karlsruhe: What a wonderful Town!

Wie hat sich das Stadtbild Karlsruhes verändert! Wie sehr wich alles einem
postapokalytpischen Baustellentraum, der suggerieren könnte, die Kommune
sowie Landesregierung hätten so viel Geld, dass sie jeder Stadt ein neues
Makeup verpaßen könnten! Alles wird schöner werden! Wann? 2016? Vielleicht!
Ziemlich schwer zu berechnen, da ja alle möglichen Schwemmsanduntergrund-
katastrophen mit der Wahrscheinlichkeit korreliert werden müssen, dass
Stadt, Land, Bauunternehmen pleite gehen könnten. Aber! Alles wird auch
unterirdischer! In diesem Zusammenhang mehr als wahr.

Es stimmt ohnehin traurig, dass das Sterben der Traditionsgeschäfte auf
der Kaiserstraße und anderswo immer mehr zunimmt, das mag nur teilweise
die Schuld des Baustellendschungels sein, sondern allgemeines Zeitzeichen
der gesichtslosen Massenkonzerne. Buch Kaiser, Hammer&Helbling oder jüngst
erst das Spielwarenfachgeschäft namens Doering. Alles sympathische (und
symbadische) Orte zum Einkaufen, sich Wohlfühlen, sicher, nicht immer am
Billigsten, aber dafür in anderen Kompetenzen schwer schlagbar. Ersetzt
durch leere Ladenzeilen! Oder Handy/CoffeeShop/ShishaBar/Dönerladen/
BilligFrisör/Spielhallen-Betrieb, der sowieso nach nem halben Jahr dann
wieder nicht mehr vorhanden ist.

Fahren wir doch mal Straßenbahn! Eine gute Idee, aber nur, wenn man behende
genug ist, zu tief fliegenden Omas auszuweichen, die mal wieder Opfer
einer Gravitationskraft wurden, ausgelöst durch mehr als forsche Brems-
manöver der Straßenbahnschaffner, die bezeiten den Eindruck machen, als
wären sie innerhalb eines 400-Euro-Minijobs in zwei Wochen durch die
Fahrschule gejagt worden. Doch schafft man es, an dutzenden jungen,
sportlichen Menschen mit ihren sperrigen Fahrrädern in der Straßenbahn
vorbeizukommen (es wäre absurd, bei schönem Wetter mit dem Rad zu fahren,
lieber kutschiert man es durch überfüllte Straßenbahnen, um anscheinend
dem Verschleiß vorzubeugen), hüpft man noch geschickt über drölfzigtausend
abgestellte Kinderwägen mit 120 Dezibel schreienden Babys und hat dann
endlich vielleicht, wenn man viel Glück hat, einen Platz direkt neben
einer Bande aus lärmenden Kindern ergattert, die sich gerade im Rahmen
eines Ausflugs in die Bahn gezwängt hatten!

Doch dieses Glück wird einem nicht immer zuteil, denn geschieht das
Unausweichliche, etwa dass ein Regentropfen, oder Gott bewahre! eine
Schneeflocke das Gleis berührt, schreien einem die digitalen Anzeigetafeln
an der Haltestelle hämisch entgegen, dass aufgrund von Witterung mit
Verspätung zu rechnen ist. Aber das macht ja nichts, denn das ist man ja
gewöhnt, und es fällt zwischen all den Triebwagenstörungen, Unfällen und
mitunter Krankenwageneinsätzen auch gar nicht mehr so schlimm auf. Schön
wenigstens, dass die Straßenbahnticketkontrolleure noch ihre Arbeit
ernst nehmen, und man am Tage gefühlt 423-mal kontrolliert wird. Das
nervt überhaupt nicht und gibt einem das gute Gefühl, für seine hart
erarbeitete Kohle einen gut organisierten Service zu nutzen!

Ob Karlsruhe zur Sehenswürdigkeit für Baustellentouristen mutiert? Es
scheint ja schon nette Ansichtskarten zu geben, auf denen man diese
außerordentlich schmückenden Artefakte der Neuzeit ausgiebig bewundern
kann! Man sollte wirklich Fototouren unternehmen, Bildergalerien ins
Netz stellen und Baustellen zur neuen künstlerischen Ästethik erheben,
denn was sonst könnte man mit dem ganz alltäglichen Wahnsinn anstellen?!

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on January 28, 2014, in Blaschanek Blogovsky and tagged , , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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