Virtual Social Prestige

Virtuelles Sozialprestige!

Böse Zungen meinen ja, wer im “echten Leben” kein Sozialprestige (mein Haus, mein
Auto, mein Boot, meine Frau(en)) anhäufen kann, verlegt sich auf die virtuelle
Variante dieses aufmerksamkeitsheischenden I-am-better-than-you-Getue. Besser
als nix, so denkt man sich, und legt also los. Insgesamt gibt es da zwei
getrennte Aktions-Sphären: Online-Games (a la Guild Wars 2) oder soziale
Aktivitätsplattformen (a la Facebook).

Social Platforms internetuöser Kultur sind Heim etlicher Selbstdarsteller. Das
ist womöglich zuerst einmal wertfrei. Und sicherlich hat jeder das Recht, dies
zu tun, in welch ausufernder Manier auch immer. Sozialprestige erwirbt man
also mit einer Unmenge von Freundeskontakten, so oberflächlich auch immer
gesammelt: denn wer viele Facebook-Leute kennt, ist auch (vermeintlich) am
besten vernetzt bzw. beliebt? Dahinter steht aber nichts weiter als ein
grandioser Beliebigkeitsbetrug, denn wirklich jeder kann wahllos in der
virtuellen Welt rumklicken und sich so eine Horde Friends besorgen. Simple
Geister mögen derlei Dinge aber wirklich als Gewinn ansehen. Aber ein
Fanclub enormer Proportion verhilft auch zu der Bühne, die man anstrebt, um
noch mehr “Anerkennung” zu scheffeln: Postings über Hobbies exotischer Natur,
Dauerpartyexzessen mit unendlich vielen Beweisbildern, mein-Haus-mein-Auto-
mein Boot-meine Frau(en), etc. p.p. All dies muss aber zwangläufig nicht den
realen Begebenheiten entsprechen, dieser Fakt ist aber so manchen sehr recht
auf ihrem illusorischen Kreuzzug der Selbst-Erhöhung, dessen Chance, enttarnt
zu werden so manches Mal recht gering erscheint.

In Online-Spielen mag es aber handfester zugehen, man beweist seine spielerische
Leistung und prahlt andauernd damit, auch realitätsnäher per Sprechverbindung
a la Teamspeak. Sobald ein Konkurrent um kostbares Prestige eine Leistung
seinerseits äußert, wird diese durch Schilderung der eigenen Grandiosität
gekontert. Der Ruf als Profi-Zocker, als Spieler-gegen-Spieler-Ikone, in
diversen äußerst bekannten Gilden, mag weniger Illusion verströmen und mehr
Realität, die aber immer noch virtuell ist. Selbstüberhöhung auf Kosten anderer
ist beliebtes Mittel zur Selbstdarstellung: gerade neulich hörte ich im
Teamspeak, wie ein Spieler ein Mitglied seines Teams als “Arschloch” titulierte,
nur weil dieser angeblich nicht gut spielen könne, und den Ruf seines Teams
auf diese Weise beschädigte. Arrogante Besserwisserei und das Erschaffen einer
elitär-geschlossenen Spielergruppe sind Grundpfeiler des Baus am eigenen
Denkmal. Das erzählerische Abspulen der ewig gleichen heroischen Eigenleistungen,
des endlosen Engagements für die eigene Sache, bei der niemand geholfen hat, das
alles alleine geleistet wurde, gegen beinahe unüberwindbare Hindernisse,
sorgt für den nötigen Bekanntheitsgrad innerhalb des gewählten Online-Spiels.
Schlußendlich sind private Infoschnippsel, über Top-Model Freundinnen, Affären,
oder sonstiges promiskuitives Treiben reichlich geeignet, den Lorbeerkranz
des auch realen Superhelden im virtuellen Nerdhimmel durchscheinen zu lassen.
Nicht überprüfbare Fakten, teils stupide dauerwiederholt, in Pseudoproblematiken
verpackt, zur endgültigen Zementierung des eigenen Glanzes.

Es ist tröstlich, dass derlei abgeschmackte Strategien nicht die elegantesten sind,
entlarvt werden können und auch massiv fehlerbehafteten Charaktereigenschaften
entspringen. Das Böse kannibalisiert sich selbst, isoliert sich, sucht sich
seinesgleichen und bleibt gefangen im Umfeld all jener, die genau die gleiche
Spiegelfechterei betreiben wie man selbst. “Gescheite Leute”, wie es so schön
heißt, erkennen, was (virtuelle) Sozialprestigehengste treiben, widerstreiten
oder – was wohl klüger ist – halten sich fern. Unterschätzen wir aber niemals
die Zahl derer, die aufgrund verschiedener Faktoren, geblendet werden, oder, was
noch viel schlimmer ist, sich aufgrund mangelnder Erfahrung oder Schläue,
blenden lassen.

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I am the Grey Knight.

Posted on February 11, 2014, in Blaschanek Blogovsky, Guild Wars 2 and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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