Historisches Fechten und Geld verdienen

Wie in vielen Gebieten des menschlichen Seins, kann man auch bei der
relativ neuen Sportart des Historischen Fechtens den Ansatz der
eigenen Existenzgründung als Trainingsleiter verfolgen. Das bedeutet,
dass man eine Historische Fechtschule gründet, um damit Geld zu
verdienen. Soweit kein verdammenswerter Ansatz, auch wenn ich
persönlich immer die Form des Sportvereins bevorzuge. Aber
befassen wir uns einmal mit dem Gedanken einer sportlichen Dienst-
leistung auf historischer Fechtbasis:

Soweit meine Informationen reichen, gibt es keinen verbindlichen Dach-
verband des historischen Fechtens, der sämtliche Lerninhalte dieser
noch neuen Sportart regelt. Zum Vergleich müssen also immer die
asiatischen Kampfsportarten herhalten, welche verbindliche Statuten
aufweisen, strukturierte Aufstiegsmöglichkeiten des Lernenden, und
vor allem eine längere Tradition der lebendigen Ausübung, auf die
moderne Zeit bezogen. Das Historische Fechten lebt also von Vereinen,
vielleicht auch Non-Profit-Organisationen, die den Inhalt der Sportart
erforschen, vielleicht in losen Verbindungen organisiert sind,
Turniere abhalten und zum Teil auch recht illustren Gestalten wie
John Clemens Heimat bieten. Da bleibt es nicht aus, dass die allgemein
gültige Wahrheit der Lehre von jenen beansprucht wird, die am lautesten
brüllen. Schlußendlich mag es auch genug Scharlatane geben, auch und
gerade, wenn es ums Geld verdienen geht, aber das ist eine Krankheit,
die wirklich alle Bereiche des kapitalistischen Lebens infiziert.

Was sollte also eine finanziell und sportlich erfolgreiche sowie sinnvoll
lehrende Fechtschule leisten, die ihren Schülern geldwerte Leistung anbieten
möchte und das Ansinnen hat, “der edlen Kunst kein Schand zu sein”?

Trainerstruktur:

Der Chef der Schule hat genug Trainingsleiter, um das ganze Jahr über
Sport-Einheiten anzubieten. Diese können sich untereinander zum Urlaub
oder sonstigen Fehlzeiten bzw. durch Krankheit ablösen. Das erfordert eine
durchdachte Organisation aller Lehrenden, zu denen unbedingt auch dauerhaft
der Chef der Schule gehören muss. Die Anstellung der Trainingsleiter als
beispielsweise 400-Euro-Kräfte ist transparent genug und sorgt auch für
die entsprechenden vertraglichen Einhaltungen bzw. Hierarchien. Trainings-
leiter sind nachweislich gut ausgebildete Menschen, die nicht nur sportlich
Leistung erbringen können, es aber auch auf sozialpädagogischem Gebiet
müssen.

Inhalt des Trainings:

Das Training an sich muss in Anfänger- und Fortgeschrittenengruppen einge-
teilt sein, um zu verhindern, dass Anfänger frustriert werden, und um Gefahren-
potential durch Überforderung auszuschließen. Die Inhalte des Lehrens sind
gerade bei einer im Wachsen begriffenen Sportart fluide, müssen jedoch immer
dem Quellenbestand konform überprüft und gelehrt werden. Unerläßlich ist
der Austausch mit namhaften Historischen Fechtvereinigungen, die Weiterbildung
der Trainer sowie des Chefs durch Teilnahme an Turnieren und/oder Seminaren
anderer Lehrer. Das Training an sich sollte meiner Meinung nach auch nicht
den Charakter szenischen Fechtens einnehmen, obwohl es dazu durchaus auch
Themenschwerpunkte gibt, aber da ich den Sinn des Historischen Fechtens auch
im sportlichen Wettstreit sehe, zur Überprüfung des Gelernten, muss ein
Training auch diesbezüglich realistisch genug gelehrt werden.

Trainingsumgebung:

Die Fechthalle muss groß genug sein, auch und gerade im Sommer massiv gut
belüftbar. Trainingsgeräte sind sicher gelagert außerhalb der Trainingszone,
es sollte Umkleiden sowie Duschen geben. Stets aktuell gehaltene Aushänge
von Events, Trainingsplänen etc. sorgen für den immer vorhandenen Durchblick.
Regelmäßige Säuberung der Fechthalle ist genauso selbstverständlich, wie die
Einhaltung diverser Verhaltensregeln darinnen.

Sicherheit:

Eine der schwierigsten und heikelsten Themen des Ganzen! Ein Modus Operandi
muss gefunden werden, um ohne Schutz entsprechende Trainingstrockenübungen
möglichst gefahrlos zu machen. Dies ist natürlich keineswegs eine realistische
Fechtgeschwindigkeit, soll es aber auch nicht sein. Die Herausforderung
besteht darin, den Schülern authentische Technik nahezubringen, ohne sie
in falschen Bewegungen zu drillen, die einem Wettstreit oder authentischer
Technik zuwiderlaufen. Jeder Trainingsleiter muss mit mehr als wachem Auge
Überforderungen während des Trainings bei einzelnen Trainierenden ausmachen
und zu Hilfe schreiten. Ich halte es für fahrlässig, jeden Trainierenden
in einem übermässigen laissez-faire-Stil einfach machen zu lassen, bis dieser
dann selbst irgendwann, aber höchstwahrscheinlich nie ganz richtig, sein
persönliches Heureka erfährt. Schutzkleidung während Sparring oder Masken-
Trainings ist vom Trainer auf Sicherheit zu prüfen, ideal ist eine
verbindliche Vorschrift dessen, was als persönliches Minimum zu tragen ist,
auf realen Erfahrungen aufgebaut. Sparring etc. ist zu überwachen,
strukturiert durchzuführen und die Schüler ausreichend darauf vorzubereiten.
Zudem ist es wünschenswert, wenn Lernende gleichen Leistungsniveaus anfangs
gegeneinander antreten, um etwaige Frustrationen zu vermeiden.

Geldwerte Leistungen:

Die gebotenen Leistungen müssen nachweislich ihr Geld wert sein. Die Qualität
des wöchentlichen Alltagstrainings darf zugunsten etwaiger bezahlbarer Sonder-
veranstaltungen niemals abfallen. Verschiedene Beitragstarife sorgen transparent
für Trainingsmodelle, die jeden Bedarf monetär/zeitgerecht befriedigen. Es ist
wünschenswert, nicht-gewinnorientierte Feiern, Veranstaltungen regelmässig und
frühzeitig angekündigt als Institution einzuführen oder beizubehalten, um sowohl
Gemeinschaftssinn zu erzeugen als auch den Lernenden Gelegenheit zu geben,
einander fernab vom Training besser kennenzulernen. Zusatzleistungen der
Historischen Fechtschule sollen sinnvoll, erstrebenswert und nicht überschwemmend
beliebig gestaltet werden.

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I am the Grey Knight.

Posted on February 18, 2014, in Historical Fencing and tagged , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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