Online Dating – Instant Gratification?!

Der datingwütige Normalmensch wähnt sich im virtuellen Paradies:
dutzende Profile aus näherer Umgebung, alle womöglich mit aussage-
kräftigen Bildern, nettem kleinem, aber bitte nicht zu ausführlichem
Text, praktischerweise werden alle physischen Eckdaten fein säuberlich
mitgeliefert! Das Online Dating scheint der blitzschnelle heilige
Gral des modernen Zwischenmenschlichkeits-Suchenden zu sein!
Alles auf Knopfdruck, nur eine unbedeutend kleine Email/Sofort-
nachricht away!

Was wirklich geschieht, ist nichts weiter als Reduktion eines
Menschen auf Bild und körperliche Eckdaten. Digitale Schnell-
selektion der oberflächlichsten Kriterien sorgt für scheinbare
Instant Gratification, wenn die Herzensdame mit dem netten
Lächeln zurückschreibt. Doch weit gefehlt, denn einher mit
dem machoiden Traum des Ich-hab-die-geile-Schnegge-anner-Angel-
Gedankens geht auch die Instant Disappointment, wenn der Kontakt
jäh wieder abbricht. Alles ist eine unverbindliche und jederzeit
zu lösende Kommunikation, fast beliebig, und in vielerlei Augen
auch nicht überviel wert.

Online Dating sorgt also für schlechte Manieren aller Beteiligten,
sei es beim Anschreiben, beim Verlauf des texuellen Wechsels oder
dem abrupten Abbruch desselbigen. Ernsthaft Suchende mit einem
Faible für lange schriftliche Kennenlernphasen werden auf dem
Datenhighway regelrecht von Schnellschußtextern a la “hasch
fodos/willsch figge” und Diva-Girls mit rudimentärem Wortschatz
und Aufmerksamkeitsspanne eines kurzrasierten Frosches überfahren.

Also doch keine Gratification, und auch nicht instant? Möglicher-
weise bei den Fleischbeschauern, die mikrosekündlich aufgrund
von physischer Attraktion und vernachlässigbarem IQ Realdates
ausmachen? Oder beim spielenden Volk, das alle Einsamen der
virtuellen Zwischenwelt bis ins Unendliche verarscht, um sich
sicher zu sein, dass andere weit mehr leiden als man selbst?
Oder aber die Bande von Ego-Narzissten und vor allem -narzistinnen,
welche die unzählige Aufmerksamkeit endloser Nachrichten genauso
geniessen, wie die herb-genüssliche Radikalselektion und Abservierung
aller ungeeigneter Kandidaten. (Schätze, solche werden ohnehin nur
glücklich, wenn sie sich selbst daten.)

Es scheint mehr als müßig, daran zu erinnern, dass Anstand, gutes
Benehmen und Höflichkeit auch im Internet ihren Platz hätten. Oder
die Moralkeule zu schwingen, dass finstere Ecken digitaler Natur
für brave Buben und Mädels nichts wären. Am Ende droht der alte
Mann mit dem Gehstock und schimpft: “Jetzt lernt euch doch mal
wieder real kennen, ihr verklemmten Computersüchtigen!” Aber
wenn das für manche so einfach wäre, dann würden sie’s ja wohl
auch tun?!

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on May 13, 2014, in Mann / Frau and tagged . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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