Kommerz kontra Kampfkunst/-sport?

Besiegt der Kommerz die Kampfkunst?

Es ist legitim, für die Gegenleistung einer soliden kampfsportlichen
Ausbildung Geld zu verlangen. Dies hat Tradition, auch und gerade
in den asiatischen Kampfkünsten und ist nicht verwerflich. Schließlich
stehen dahinter grundlegende Bedürfnisse der Lehrenden, ihr Leben
zu finanzieren, den Beruf des Kampfkunstlehrers auszuüben und
nach finanzieller Absicherung ihrer selbst oder ihrer Familien zu
streben.

Doch wie bei allem, wo Geld im Spiel zu sein scheint, gibt es Gierige,
Blender, Täuscher, die sich bereichern wollen, auf Kosten anderer
und vor allem der Kampfkunst, die sie praktizieren. Dies sorgt für
schlechten Ruf, für eine korrupte Lehre, die jene favorisiert, die am
meisten Geld in die Ausbildung pumpen, und benachteiligt die
eigentlich Talentierten, die in solchen Systemen dann das Nachsehen
haben, wenn sie aufgrund ethischer Entrüstung den Geldreigen nicht
mitmachen wollen.

Gänzlich schwierig und verschwommen wird es in neuen, zu ent-
deckenden Kampfkünsten historisch europäischer Natur, in denen
es schwierig wird, zu unterscheiden, oder auch festzulegen, wer
als Lehrer etwas taugt, richtig lehrt oder sich an Quellen orientierend
an das hält, was er verspricht. Ein einheitlicher Kanon wie bei den
asiatischen Kampfsportarten gibt es (noch) nicht, Verbände sind
im Entstehen begriffen, und alles, was ein Lehrer an Graduierung
nachweisen kann, ist der lapidare Satz: “betreibe schon seit x Jahren
Historisches Fechten”. Alle Fechtpatente einzelner Partikularschulen
sind da eher wenig hilfreich, weil ihnen die allgemeinverbindliche
Anerkennung fehlt.

Kommerzielle Schulen im Historischen Fechten tun gut daran, sich
dem Kommerz nicht zu ergeben und sich selbst so transparent wie
möglich zu machen. Absolut topsauberes Geschäftsgebahren,
gepaart mit einem pädagogisch als auch (asiatisch?) kampfkünstlerisch
detailliertem nachweisbaren Lebenslauf der Trainer mögen dazu beitragen.
Die Reinheit der Lehre an Quellen festgemacht, nachvollziehbar und in
beständigem Austausch mit anderen, auch konkurrierenden Schulen und
sowieso Vereinen sorgt beständig für Qualitätskontrolle. Überteuerte
Spezialseminare, seltsame separat zu bezahlende Graduierungsrituale bzw.
Zeichen oder einfach nur Marketing-Nippes tragen nicht dazu bei, eine
ernsthafte und vor allem professionelle Kampfkunstschule zu betreiben.

Am Ende lockt das Vereinstreiben als vielleicht letzte Barriere gegen
den Kommerz im Kampfsport, wohl auch beim Historischen Fechten.
Dort geht es nicht um Gewinn und Bereicherung, möchte man meinen,
denn große Vereine investieren ihre Mitgliedbeiträge wohl nicht in die
teuren Luxusschlitten ihrer Chefs, haben Kontrollinstanzen und teils
auch eine lange Tradition gemeinnützigen Verhaltens mit günstigen
Angeboten für Familien und Senioren jenseits aller Geldmacherei.

Möglicherweise habe ich ja die romantische Sehnsuchtsbrille gegen
den Kapitalismus auf, wenn ich Vereine so lobe, aber in der Tat
erscheinen sie mir schon ein wenig als zu präferierende Alternative
zu kommerziellen Kampfkunstschulen. Was nicht heißen soll, dass
es da draussen keine absoluten Top-Schulen gibt, deren ausgezeichnetes
Training jeden Cent Wert ist. Zumindest im Historischen Fechten
fallen mir aber grade nur Vereine ein, die maßgeblich diese junge
Sportart vorantreiben, doch das mag nichts heißen, denn mein
nationaler sowie internationaler Überblick der Szene ist noch
noch nicht ausufernd komplettiert.

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on July 3, 2014, in Historical Fencing and tagged , , , , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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