Veganer Tierschutz reloaded

Veganismus und Tierschutz sind zwei Begriffe, die mitunter gerne zusammen
gebraucht werden, was völlig legitim ist. Da ich nun in der Lage war,
eingehend über dieses Thema diskutieren zu können, ist mir das einen
neuen, eingehenderen Blog-Post wert.

Meine alte Polemik-Bombe bezüglich des Themas ist hier:

Prestige-Veganer und Radikalumweltschützer

Meine persönliche Einstellung ist Toleranz gegenüber verantwortlich
gelebtem Veganismus. Ich habe absolut nichts gegen vegetarische Ernährung.
Und ja, ich bin dazu auch noch ein “Omni”, was grob übersetzt bedeutet,
dass ich mich aller verfügbarer Nahrung inklusive Fleisch bediene.

(1) Veganismus

Leute, die sich damit frisch beschäftigen, werden schnell das Wort “Fehl-
ernährung” in den Gedanken haben, gleich gefolgt von “Vitamin B12 Mangel”.
Dazu gibts dann noch die übliche Dosis polemischer Plakate, welche fette,
hässliche Metzger mit Hassgesichtern vor Schweinekadavern zeigen, und
fertig ist die Konfrontationskulisse. Das müßte alles nicht sein! Dahinter
stehen natürlich Reaktionen der veganen Gemeinde, die von “Omnis”,
propagandistisch gebraucht auch meinend “Allesfresser”, mit Hasstiraden
bedacht oder lächerlich gemacht werden. Es ist mein Aufruf, Polemik und
Propaganda beiseite zu lassen, fair und tolerant aufeinander zuzugehen
und gewinnbringend für beide Seiten zu diskutieren.

Schwierig finde ich, dass der veganen Lebensart (zu)viele positive Attribute
aufgekleistert werden und sich auch dort eine das unterstützende kapitalistische
Industrie als auch Medienlandschaft entwickelt, die neue Märkte erschliessen
möchte. Wenn provokativ in die Runde postuliert wird, dass vegane Menschen
besseren Sex haben, weil sie eben eine andere mentale, und superieure
Einstellung haben, dazu einen gesünderen Körper, ist das in vielen Fällen
ebenso Vorurteil wie das Modell des überlegen kräftigen, gesunden,
trainierten Fleischkonsumenten, der ebenso Spitzenathlet und Hypercasanova
dadurch wird. Alles läßt sich also instrumentalisieren, und derlei provokante
und oberflächliche Allgemeinplatz-Thesen hindern jegliche verständige
Kommunikation.

(2) Veganismus und Tierschutz

Mitunter ist veganes Leben auch mit einer gewissen Überzeugung des Tierschutzes
verbunden, und beinahe hätte ich da das hässliche Wort Ideologie getippt, was
eine Unfairness gewesen wäre. Vegane Menschen möchten ein Zeichen gegen
Massentierhaltung, Tierquälerei setzen, sehen Tiere als gleichwertig mit dem
menschlichen Leben an und verzichten auch aus diesen Gründen auf Fleisch,
was völlig legitim ist. Insgesamt ist jedem geraten, die Fleischindustrie
selbst anhand von nicht polemischen, real bezeugten und gut recherchierten
Beispielen zu erforschen. Ein gutes Resultat kann sein, dass man nur noch
vom Bio-Bauern kauft.

Insgesamt aber haben wir hier wirkliche Fronten: die Welt, die Fleisch ißt
und immer mehr davon braucht, also die Mehrheit der Menschen, gegen die
vegane Gemeinschaft, die tierschützerisch dagegen angehen will, so manches
Mal auch mit radikalen Mitteln, wenn es beispielsweise heißt, Walfang zu
sabotieren. Im Gespräch selbst wird es oft hochemotional: schützenswerte
Schweinchen glubschen einen ausm Mastvieh-Gitter an und der vegane Mensch
zeigt anklagend auf mich und mein Schnitzel. Die Ethik einer respektvollen
Gleichbehandlung allen Lebens, ohne es zu töten und zu konsumieren, ist
respektabel und KANN nicht widerlegt werden. Die Ethik gewisser Naturvölker
und der Historie der Menschen, die in respektvoller Natur aus der Umwelt
nahmen, nie zuviel, und für das Leben dankten, das sie auslöschten, um
sich davon zu ernähren, steht dagegen? oder existiert daneben? Unglaublich
schwierige Diskussionen drehen sich um diesen Komplex, der Emotionen
hochkochen läßt und so manches Mal auch einen selbst enttarnt: wieviel
ist mir Leben wert, auch wenn es so anscheinend klein und unbedeutend ist
wie ein Tierleben?

Und kommt man irgendwann mit dem Totschlag-Argument, dass die Spezies
Mensch die dominante auf dem Planeten Erde ist, auch gerne religiös
nachweisbar biblisch abgesegnet, dadurch sich das Recht gönnt, über
alle anderen “niederen” Lebensformen zu herrschen? Oder keck auf die
Tierwelt verweisen, wo ein Tier das andere frißt, und gegen Fleisch
absolut nix einzuwenden hat, die Natur das so “eingestellt” hat
und der freche Winkelzug nun ist, zu behaupten, der Mensch wäre
genauso Tier wie alle anderen auch? Oder wir einfach bequem dastehen
und sagen: faktisch haben wir die Atombomben, die Technik und die
Macht, eben nicht die Delfine, die Wale, oder die Affen. Es scheint,
als wäre in diesen Themen, Veganismus und Tierschutz, ein wahres
Minenfeld an Polemik, Propaganda und Agitation auf allen Seiten
zu überwinden, bis man konstruktiv friedvoll zu diskutieren beginnen
kann.

Ich stelle noch eine wichtige Fragestellung fest: angesichts des großen
Leids inmitten der Menschheit, wie läßt sich dann ausschließlich
Tierschutz betreiben? Sollten wir nicht unser aller Bemühen dann
fifty-fifty splitten?

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on August 20, 2014, in Blaschanek Blogovsky and tagged , , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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