Das Königreich von Tag und Nacht

Ein Königreich gab es, eins am Tage und eins in der Nacht. Sie hatten
einen Pakt geschlossen, besiegelt durch Gesetze und heilige Schwüre, die
damals noch mehr galten, als sie es heute tun. Am Tage regierten die
Menschen und in der Nacht die Nokturnen. Der Ritus der Übergabe der
Regentschaft war immer stillschweigend, selbstverständlich und so alt
wie das Königreich selbst.

Manche der Nokturnen dürstete es nach so viel mehr als nur nach dem
Blut, sie wollten Macht, alles beherrschen, wie wild gebärdeten sie sich,
schwangen rebellische Reden und ließen ihre gierigen Augen funkeln, doch
sie fürchteten den Zorn des nächtlichen Königs und seiner Ritter, dessen
Aufgabe es war, all jene zu bestrafen, die die alten Gesetze brachen.

Die Menschen des Tages, Sterbliche, scheinbar so schwach im Vergleich zu
jenen, die des Nachts mit ihnen lebten, sie fürchteten die unheimliche
Kraft der Nokturnen, manche wollten sie ausrotten, anzünden und ein für
alle Mal aus ihrer Mitte wegschaffen, denn gegen die Natur sei eine solche
Existenz, die das Tageslicht scheut und sich vom Lebenden nährt. Doch der
König des Tages und seine Mannen wachten über den Frieden.

Jene Zeiten waren erfüllt mit Ehre und Rechtschaffenheit bei Tag und Nacht.
Die Nokturnen nahmen nur das, was sie brauchten, und die Sterblichen
gestatteten es, wie es die Gesetze festlegten. Wollte ein Sterblicher so
werden wie sie, mußte er sich vielen Prüfungen stellen, und beweisen, dass
er würdig war. Der König der Nacht wußte, dass viel Wildes und Seltsames
in den scheinbar kalten Leibern seiner Untertanen wohnte, darum war seine
Regentschaft streng, und seine Ritter unerbittlich.

Wurde das Königreich angegriffen, so marschierte am Tag das Heer der
Sterblichen, und des Nachts die Streitschar der Nokturnen. Wer konnte
einer solchen Gewalt standhalten? In nichts stand aber das Heer des Tages
dem der Nacht nach, doch der Zauber der Nächtlichen war grausiger für
die Feinde des Königreichs. Jedoch hatten die Nokturnen, wie alle Lebewesen,
selbst wenn sie mehr tot als lebendig scheinen, auch ihre Schwächen,
und konnten sterben.

Vielleicht muß alles zugrunde gehen. In der heutigen Zeit ist alles vergessen,
es gibt keinen Frieden mehr, das Königreich zu Staub und Schande geworden.
Die nächtlichen Hallen zerstört, das Schloß des Tages zerfallen. In die
Welt wanderten die Nachkommen der Sterblichen, genauso wie des Nachts die
überlebenden Nokturnen flohen. So wenige gibt es, uralt, wie Radu Mircea,
ehrwürdiger Ritter des Königs der Nacht, die noch erzählen können von
dieser glücklicheren Zeit, die heute so unmöglich scheint. Krieg ist
das Wort der neuen Zeit geworden, aus den Nokturnen erstanden die Vampire.
Und die Menschen des Tages sind nichts weiter als ihre Beute.

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I am the Grey Knight.

Posted on January 28, 2015, in Vampires and tagged . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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