Monthly Archives: June 2015

Guild Wars 2 : Wer ist schuld am Wipe?

Man muss nur genau hinhören, dann weiß man auch, wer schuld ist! Woran?
Oh, Pardon, am Wipe! Am Versagen! Am vernichtet Werden als Zerg in der
gnadenlosen Guild Wars 2 Welt! Wirklich einfach scheint es zu sein, die
Schuldigen an den Pranger zu stellen, glaubt man zumindest einem berufenen
Commander-Mund, der nicht müde wird, die drei Faktoren des Scheiterns
gleich eines Mantras andauernd zu wiederholen:

DIE SLACKER

DIE UPSCALED / UPLEVELED

DIE WALDIS

Diese drei bösen, schurkischen Bevölkerungsgruppen des WvW sind totally to
blame for anything evil.
Es sind immer diese Faktoren, die über Sieg und
Niederlage entscheiden, niemals ist etwa ein reckless commander schuld,
der in einen drölfzigfach größeren Zerg pusht, ach nein, siehe oben, die
waren es, davon waren zuviele im eigenen Zerg, and that’s why we wiped!

Einfache Lösung für alle Probleme. Sündenböcke gibts immer. Und man stimmt
auch eilfertig in das Waldi-Bashing mit ein, das schon seit Ewigkeiten den
Mythos aufrecht erhält, dass jene im Zerg nichts taugen. Heilig und nicht
verrückbart das META Gesetz ist, welches von progressive Gilden so streng
beachtet wirklich jeden zum Sieg zu führen scheint. Umloggen sollen sie alle,
diese Slacker, Upscaled oder Waldis, auf Guardian, Krieger, Nekro oder Ele!

Vielleicht gibt es auch übermotivierte, mit WvW-Strategien vollgesogene
Commander, die den Fehler machen, eine so heterogene Gruppe wie einen WvW-
Zerg schwuppdiwupp nach ihrem Bild formen zu wollen. Und zwar am liebsten
innerhalb von 3 1/2 Nanosekunden. Da wird dann im Mapchat und TS alles
an Parolen aufgeboten, was man sich einfallen lassen kann, später dann
auch gerne gewürzt mit autoritativen Drohungen: “wenn nu nich in 5 Minuten
30 Leute am Tag sind, dann…” Ach Herrje, ob man jene Leute mal in
ein Seminar übers Positve Motivieren schicken sollte?

Die Slacker wundern sich über nix, machen ihr eigenes Ding und chillaxen
so richtig beim Roamen. Die Upscaled wuseln in der Weltgeschichte rum,
sind, wenn sie schlau agieren, eh nur zum Leechen und bissle Skirmishen
dabei, und die Waldis machen ihr Ding, mit LB oder Condis. Eigentlich
eine idyllische Welt. Und vor allem könnte es auch eine sein, die alle
nach ihren Kräften ins zergische Geschehen miteinbezieht. Jeder, so,
wie er kann, positiv motiviert und nicht negativ gescholten!

Bitte noch lauter, stroboskopischer oder heißer!

Hiermit ein Aufruf an alle Künstler, weltweit, galaxisweit, durch alle Zeiten
und Epochen: macht eure Kunst doch bitte noch lauter, mit noch mehr strobosk-
opischer Magnifizienz und vor allem heiß-atmosphärischer! Viel hilft viel,
gerade im digitalen Zeitalter, denn schließlich braucht man eine noch größere
Leinwand zum Projizieren als der Konkurrent und viel klirrendere Hoch-
frequenztöne als alle anderen! Nicht zu vergessen die Atmosphäre im Kunst-
raum, bitte so heiß und stickig wie möglich, schließlich will man ja dadurch
noch ernsthafter auf die Tiefgründigkeit des eigenen künstlerischen Belangs
aufmerksam machen.

Was muss also sein?

Ohrenbetäubend laute, scheppernde, basslastige, hochfrequenztönende 980
Dezibel Beschallung gehört bei jedem Kunstwerk fast zum guten Ton! Das
Publikum von heute muss doch aufgerüttelt werden! Diese verwöhnten
und gelangweilten Konsumenten aus ihrer dekadenten Dauertrance gerissen
werden!

Ohne feine, Retina versengende Lichtblitze kommt doch wirklich niemand mehr
aus, oder? Da muss es blitzen, zittern und jockeln, bis auch jeder
letzte Gesunde einen casus epilepticus entwickelt. Neuzeitliche Performance!
Tausende Leinwände mit nanosekündlichen Bildwechselfarbimplosionen, da wirds
sogar nem hartgesottenen Astronauten übel, man denkt, man wäre in einem
futuristischen Folterlabor gelandet.

Nicht genug des Exzesses, hitzige, schwüle, heiße und neblige Atmosphäre
muss auch sein, was ein Dschungel kann, ist einem Künstler ebenfalls nicht
zu schade! Die Natur übertrumpfend schafft man ein schweißnasses,
müffelndes Erlebnis, in House, durch das sich dann nur noch jene
fehlerfrei kämpfen können, die die Konstitution dazu haben! What a
Challenge!

Ich bin mir fabelhaft sicher, dass all jenes dazu führt, dass Künstler
volles Haus haben, Myriaden Begeisterter ihre Kunst betrachten und gar
nicht mehr weg wollen vor solch überbordender sensorischer Kakophonie,
die so vitalisierend einem zeigt, in welch fabelhaft turbulenten
Zeitalter man so lebt…

(Disclaimer, as usual: Warning, this Text contains 100 Percent Irony.)

Lyriker und Poeten aller Länder, vereinigt Euch!

Die Gesellschaft, meine lieben Freunde, scheint schon seit längerer Zeit von
etwas infiziert zu sein, das sich tief in die Fundamente gefressen zu haben
scheint, uns alle, wie die zeitmahnende Uhr fesselnd am Handgelenk, unter
Kontrolle zu zwingen vermag: die Krankheit des Prosaischen!

Alles, aber auch alles, muss Sinn und Zweck haben, fein säuberlich aufgezeichnet,
in Tabellen und Listen und Fakten und Daten und Zeiten und Vorgängen festgehalten,
als ob man ein realistisches Gefängnis bauen will, bis am Ende alles und jeder
dorthin verfrachtet ist, zur Gänze bestimmt, analysiert und kategorisiert.
Aktionen, Vorgänge oder das eigene Handeln, es wird dem gnadenlosen Diktakt der
Zeit so willig unterworfen, dass es kein Wunder ist, warum Menschen kränklich
unter dem Joch des Temporalen zusammenbrechen: eine Sportübung dauert genau
1 Minute und 23,655835 Sekunden, 1 Haltestelle kann ich noch laufen, bis die
Bahn kommt, um etwa 87,286 Nanojoule zu verbrennen.

Fantasie, Lyrik und Poesie, Träumerei und Freiheit sind gefährliche, weil
unverständliche Feinde des Prosaikers, dessen Verstand so extrem auf Ratio
getrimmt ist, dass er nur noch real Quantifizierbares als gegeben anerkennt.
Solche schreien dann auch mal schnell atheistisch-ängstelnd nach dem Beweis,
dass es Gott nicht gibt, allein, um das Reich des rationalen Prosaikertums
nicht mit unbekannten Variabeln konfrontiert sehen zu müssen.

Höher, schneller, weiter, kapitalistisch injiziert kann der Prosaiker sich
leicht in ein Rahmenwerk fügen, das scheinbar keine Überraschungen bietet,
alles ist schön reglementiert, nachweisbar, beherrschbar. Weiter muss der
schwer arbeitende Rationalist nicht schauen, das Unbekannte wird sowieso
durch Wissenschaft, Forschung und Technik jeden Tag ein Stückchen weiter
eliminiert. Dass man sich aber so auch in ein Korsett, ein Gefängnis, eine
Zelle einsperren läßt, das merken die einen, nehmen es in Kauf, und
verschlafen die anderen, deren lyrische Poetik sie willentlich ermorden,
für den Preis einer Sicherheit, die ordentlich hinkt.

Schlimm, wenn man als lyrischer Poet mit lauter Prosaikern konfrontiert
ist, sich beileibe nicht bekehren läßt und nur gelangweilt angeödet
abdriftet, in Spähren erdachter Schönheit und fantastischer neuer Welten.
Als brotloste Kunst gerne verspottet, können einem die Realisten und
Prosaiker niemals folgen, spottend möge man ihnen ihre Existenz im
grauen Land eigengewählter Gefangenschaft gönnen, wo sie uneventful
lives leben dürfen, bis zu ihrem vorprogrammierten Ende.

Hat es der Phantast, Lyriker und Poet leichter? Ist er besser? Wertvoller?
Diese Fragen sollte man nicht stellen, viel mehr Anstrengung darauf
verwenden, mehr Menschen vom Prosaischen weg zum Poetischen zu bekehren,
mit all den menschenfreundlichen, altruistischen Auswirkungen, die das
haben kann!

Guild Wars 2 : Grüner das Gras …

FSP wird das neue SFR! oder: die Jagd nach der huldvollen Glückseligkeit!

Sind es server-hüpfende GW2 Nomaden oder Söldner, die für Gold überall ihre Dienste
verleihen, so oft hört man, dort oder da oder hier oder eher da drüben wäre das
vollendeste Powerplay zu finden, ein Schlaraffenland aus Dauersieg und PPT-Himmel.
Nirgends als dort ist die Community am supersten, im siebten Himmel, so hat man
gehört, sei die Orga, in Perfektion den ersten Platz in der Goldliga anstrebend.
Und am Ende will jeder dem Traum folgen, SFR, den bösen Gottkönig, ein für alle
Mal vom Thron zu stürzen.

Oh! Abgeworben wird man, mit Versprechungen, mit Lockungen pekuniärer Art, süß
um den Bar geschmiert ist der Honig klebrig pappend, und hey, deine Kumpels sind
auch schon alle getranst, oder befreundete Gilden, denn im neuen Land des
exorbitanten Füllhorns der Unbesiegbarkeit macht es endlich wieder Sinn, zu
spielen.

Am Ende für einige Ausgestoßene oder Geächtete die erste Wahl, das Schiff zu
wechseln, nachdem sie, durch eigenes Tun, oder die Böswilligkeit der anderen,
ihren guten Commander-Ruf verloren haben. Doch auch Multiserver-Tausendsassa
mag es geben, denen es dürstet, ihre Ex- oder Noch-Kollegen im WvW mal so
richtig zu verhauen, inklusive Bela-Wurf, Leichentanz und Auslach-Emote.

Es bleibt nach wie vor festzustellen, dass es genügend Leute gibt, die ihre
Serverwechsel später schnell bereuen, denn schockschwerenot dräut die Erkenntnis,
dass die dort drüben auch nur mit Wasser kochen und es die gleichen Probleme
gibt, wie andernorts auch. Geschweigedenn, dass man in eine gewachsene Struktur
hineinploppt, die vielleicht nicht auf die nächste, neue vermeintliche HOT PVP
WVW Progressive Supergilde gewartet hat und zurecht mißtrauisch die Neuan-
kömmlinge beäugt.

Ob Loyalität zum eigenen Server jemals was bedeutet hat? Auf Gedeih und
Verderb für Kodash? Oder läßt man ungerne seine Community zurück, die man
einzuschätzen weiß, deren Tunichtgute bekannt sind und man genau weiß, von
wem und welcher Gilde man sich weit fern hält? Möglicherweise muss man auch
nicht dem Latest & Greatest nachhecheln, sich nicht dem endlosen Spiel nach
Sieg & Anerkennung ergeben und einfach mal das Spiel zum Spaß zocken, in
vertrauter Umgebung, die neben all ihren Tücken auch so manch Angenehmes
zu bieten hat.