Lyriker und Poeten aller Länder, vereinigt Euch!

Die Gesellschaft, meine lieben Freunde, scheint schon seit längerer Zeit von
etwas infiziert zu sein, das sich tief in die Fundamente gefressen zu haben
scheint, uns alle, wie die zeitmahnende Uhr fesselnd am Handgelenk, unter
Kontrolle zu zwingen vermag: die Krankheit des Prosaischen!

Alles, aber auch alles, muss Sinn und Zweck haben, fein säuberlich aufgezeichnet,
in Tabellen und Listen und Fakten und Daten und Zeiten und Vorgängen festgehalten,
als ob man ein realistisches Gefängnis bauen will, bis am Ende alles und jeder
dorthin verfrachtet ist, zur Gänze bestimmt, analysiert und kategorisiert.
Aktionen, Vorgänge oder das eigene Handeln, es wird dem gnadenlosen Diktakt der
Zeit so willig unterworfen, dass es kein Wunder ist, warum Menschen kränklich
unter dem Joch des Temporalen zusammenbrechen: eine Sportübung dauert genau
1 Minute und 23,655835 Sekunden, 1 Haltestelle kann ich noch laufen, bis die
Bahn kommt, um etwa 87,286 Nanojoule zu verbrennen.

Fantasie, Lyrik und Poesie, Träumerei und Freiheit sind gefährliche, weil
unverständliche Feinde des Prosaikers, dessen Verstand so extrem auf Ratio
getrimmt ist, dass er nur noch real Quantifizierbares als gegeben anerkennt.
Solche schreien dann auch mal schnell atheistisch-ängstelnd nach dem Beweis,
dass es Gott nicht gibt, allein, um das Reich des rationalen Prosaikertums
nicht mit unbekannten Variabeln konfrontiert sehen zu müssen.

Höher, schneller, weiter, kapitalistisch injiziert kann der Prosaiker sich
leicht in ein Rahmenwerk fügen, das scheinbar keine Überraschungen bietet,
alles ist schön reglementiert, nachweisbar, beherrschbar. Weiter muss der
schwer arbeitende Rationalist nicht schauen, das Unbekannte wird sowieso
durch Wissenschaft, Forschung und Technik jeden Tag ein Stückchen weiter
eliminiert. Dass man sich aber so auch in ein Korsett, ein Gefängnis, eine
Zelle einsperren läßt, das merken die einen, nehmen es in Kauf, und
verschlafen die anderen, deren lyrische Poetik sie willentlich ermorden,
für den Preis einer Sicherheit, die ordentlich hinkt.

Schlimm, wenn man als lyrischer Poet mit lauter Prosaikern konfrontiert
ist, sich beileibe nicht bekehren läßt und nur gelangweilt angeödet
abdriftet, in Spähren erdachter Schönheit und fantastischer neuer Welten.
Als brotloste Kunst gerne verspottet, können einem die Realisten und
Prosaiker niemals folgen, spottend möge man ihnen ihre Existenz im
grauen Land eigengewählter Gefangenschaft gönnen, wo sie uneventful
lives leben dürfen, bis zu ihrem vorprogrammierten Ende.

Hat es der Phantast, Lyriker und Poet leichter? Ist er besser? Wertvoller?
Diese Fragen sollte man nicht stellen, viel mehr Anstrengung darauf
verwenden, mehr Menschen vom Prosaischen weg zum Poetischen zu bekehren,
mit all den menschenfreundlichen, altruistischen Auswirkungen, die das
haben kann!

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on June 25, 2015, in Blaschanek Blogovsky and tagged , , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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