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Schau in den Spiegel!

Man sagt, sie seien jung, aber sie sind es nicht. Alte, vertrocknete Hüllen,
hässlich, mißgestaltet und gezeichnet von Auszehrung. Weicht das Leben,
weicht auch immer die Jugend. So wisse, so sie denn am Lebenssaft nähren,
äffen sie die Schönheit des Lebens nach, werden jung, doch der Kundige, der
in den Spiegel sieht, wird ihre wahre Gestalt immer erkennen.

Sie flüstern dir ins Ohr, dass sie mächtig seien, doch auch das ist eine Lüge.
Denn das Leben, und die geheimnisvolle Kraft der Seele, der Glaube nur eine
Art Brücke hinein in diese Macht, wird sie immer besiegen können, doch wissen
nicht mehr viele, wie sie den Urquell hervorrufen.

Sie behaupten, sie hätten Macht über die Tiere, besonders Wölfe oder Fledermäuse
oder Ratten. Jedes Leben wird sich gegen sie zur Wehr setzen, wird sich niemals
freiwillig fügen, wird immer versuchen, ihr Joch abzuschütteln. Der Tod wird
immer Mühe haben, das unbändige Leben zu unterjochen.

Sie sind stolz auf ihre Verführungskunst, aber sie sind nur schwache Schatten
lebendiger Leidenschaft. Blutleere Kadaver sind ohne Lust, sie spielen es vor,
sie vollführen ein Theaterstück, selbst dann, wenn sie den magischen Saft
fremden Lebens genossen haben. Auf ewig ist ihnen die lebendige Quelle der
Fleischlichkeit, das Verlangen und Begehren nur ein schaler Nachgeschmack
ihrer erinnerten Existenz.

Ewiges Leben ist ein Fluch, eine Bürde, sie werden wahnsinnig, irre, voller
Qual wandeln sie zwischen den Grenzen. Ihnen ist Glückseligkeit versagt,
nur der endgültige Tod kann sie erlösen. Jeder von ihnen sehnt sich danach,
egal, wie sehr sie dich belügen, die Folter ihrer unerfüllten Existenz ist
ihr Fluch und ihre Strafe.

Sie wollen ihren Fluch unter die Lebenden tragen, und wissen doch, dass sie
dadurch niemals frei werden. Denn das Böse, so es denn an Zahl gewinnt,
wird immer über sich selbst herfallen, und so haben auch sie, die Vampire,
keine Wahl, jagen und töten sich gegenseitig, denn egal, wie schlau sie
sind, waren oder sein werden, wird ihre verdammte Existenz immer der
Zerstörung zustreben.

Hinter dem Schleier des Todes wartet der wütende Schnitter, denn er kann
es nicht leiden, dass er betrogen wird. Er sendet seine Priester aus,
er wandelt voller Eiseskälte unter den Lebenden, und schwingt seine Sense voller
Zorn, denn der Tod duldet nicht jene, die ihm entkommen wollen, auf
der Erde wandelnd, unter den Lebenden. Die Ordnung der Dinge wird behütet,
von viel mehr Kräften als nur denen, die glauben.