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Idealismus pur!

“Gerechte, faire, höfliche Behandlung aller Trainierenden!”

Die sozialen Fähigkeiten eines Trainers sind ein wichtiger Faktor in gesamten
Anforderungskatalog des sportlichen Miteinanders. Schwerer zu definieren? Nicht
erlernbar, aber genetisch programmiert? Ach Schmarrn, jeder kann sich durch
Erfahrungen und Selbstkritik weiterentwickeln! Die Definition, bzw. die
Anforderungen an psychosoziale Empathie eines Trainers, vielleicht auch einen
ethischen Kodex, darf gern beschrieben werden:

1.) Ein Trainer hat alle Trainierenden gerecht zu bewerten, unabhängig
persönlicher Vorlieben, oder privater Abneigungen gegen Personen. Dies
gilt insbesondere für Ermahnungen, Zurechtweisungen.

2.) Ein Trainer muss Fairness in eigenem Handeln walten lassen, und das Ganze
auch bei anderen einfordern. Im sportlichen Kontext ist Fairness ein hohes
Gut, welches auch gegen jene verteidigt werden muss, die unfair Vorteile
erschleichen wollen.

3.) Trainer sind offizielle Personen und daher Vorbild in höflichem Miteinander.
Das bedeutet generell Grüßen und Verabschieden, die richtigen Worte bei Disputen
finden, auch oftmals wiederkehrende Fragen geduldig beantworten. Trainer haben
auch die Aufgabe, Höflichkeit in der Gruppe durchzusetzen, sollte es da
Verfehlungen geben.

4.) Trainer sind Vorbilder in guten Eigenschaften wie Bescheidenheit, Charisma,
Durchsetzungsvermögen, wenn es denn sein muss, Entscheidungskompetenz, Empathie,
Intellekt. Sie geben den Trainierenden Sicherheit, vertreten sie in schwierigen
Situationen und sind Vertrauenspersonen, die persönlich integer und neutral auch
Streits schlichten können.

5.) Trainer wissen um die Gefahren des Kampfsports und können Menschen einschätzen.
Sie bezähmen Haudraufs, falsch motivierte Anfänger mit Killerkomplex, leiten
Neulinge an, die ihre Kräfte nicht einschätzen können und achten darauf, dass
sich niemand verletzt. Sie ermahnen deutlich zur Langsamkeit, sie ermuntern
nur jene zu Schnellerem, die das auch sinnvoll kontrollieren können.

6.) Trainer sind auch Gruppenzusammenhaltsfaktoren, sie sind wie charismatische
Leuchtfeuer, die Trainierende motivieren, auch nach dem Sport einander besser
kennenzulernen. Sie sind das soziale Bindeglied einer sportlichen Gruppe,
vermitteln, stellen Kontakte her und sind enthusiastische Anstachler, die
andere mit Begeisterung mitreissen können.

7.) Trainer haben eine ideologische Leitlinie für ihr Training. Sie erteilen
allen großspurigen Machismo-Proleten und Conan-FullTime Hack’N Slay Rabauken
eindeutige Absagen. Sie fördern Leistungssport genauso wie Breitensport und
bewerten beides als gleich wichtig. Sie wissen um die Wünsche ihrer Trainierenden,
und überfordern diese nicht.

8.) Trainer sind keine Chauvinisten, politisch Radikale oder religiöse Sektierer.
Sie sind kosmopolitische Weltbürger mit demokratischen Ansichten, vertreten
diese auch im Training und geben jedem seine Redezeit, ohne ihn mit rhetorischen
Tricks abzukanzeln.

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Befreiungsschlag! Oder wie man lernt, Egoist zu sein.

Kunstproduktion in der Gruppe hat immer seine Tücken, vor allem, wenn einer die
Regie übernimmt, schleichend, ein wenig vorsichtiger als sonst, und dann beginnt,
Aufgaben zu delegieren. Sozusagen ist man dann Erfüllungsgehilfe, innerhalb
definiterter Parameter, oder Maitre des Affaires, kriegt die Orga aufgedrückt,
oder schreibt Texte, die der Projektinitiator doch auch selbst verfassen könnte.
Das muss alles nicht mal böswillige Diktatur sein, manche sind automatisch so,
realisieren ihre Kunst, brauchen Helfer, Kumpanen oder Mitkünstler, das ist ja
eigentlich kaum verwerflich.

Doch gibt es Leute, die wollen das nicht, Mitarbeiter zu sein, vor allem schon
aufgrund schlechter Vorerfahrungen, oder dem schlichten Drang danach, frei zu sein.
Schummelnd lügnerisch behauptend, man sei für Gruppenkunst nicht geschaffen, um den
Vereinnahmungen eines Einzelnen zu entgehen, ist zwar nicht das Gelbe vom Ei,
aber vielleicht taktvoller als direkt, laut schallendes NEIN!

Wie auch immer, altruistische Handlungsweise in der Kunstgruppe kann einen selbst
zum ewig Mithelfenden verdammen, der zwar engagiert ist, der Gruppe etwas vielleicht
auch Wichtiges schenkt, aber selbst nie was Eigenes schafft, da er beschäftigt
damit ist, für andere zu arbeiten, und das im wahrsten Sinne: arbeiten. Und in
meiner Freizeit will ich nicht “arbeiten”, oder zu “Arbeitsessen” gehen, oder
“Kosten auf alle umgelegt” haben.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man durchaus Gruppenzusammenhalt und
Freundschaften erhält, indem man sich Projekten versagt, klar macht, dass man
mit manchen einfach zusammen keine Kunst machen kann, schon allein der Harmonie
wegen, und des Nervenschonens beider Seiten. Egoismus ist in heutiger Zeit
so manches Mal angebracht, denn schließlich gibt es durchaus viele, die alles
andere gnadenlos ausnutzen, sei es nun mit böser Absicht, oder eigenem
autokratischen Zwang.