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Body Faschistoide

Historisches Fechten, wie auch andere Sportarten, zieht unweigerlich Menschen an, die
ein gewisses Bild eines Sporttreibenden verinnerlicht haben oder auch als allgemein
gültig durchsetzen wollen. Kriterien dieses Idealmenschen sind Sportlichkeit, Athletik,
Disziplin und gewiss noch andere Tugenden, die wohl auch für den Leistungssport gelten.
Möglicherweise verwehren gewisse Doktringläubige dem Historischen Fechten auch seinen
Breitensportcharakter, wollen diese noch junge Sportart nur selektiv zugänglich machen,
und sind extremst ehrgeizig in Punkto Aussenwirkung, die nach deren Ansicht nur mittels
leistungssportlichen Merkmale erreicht werden kann.

Body Faschistoide steigern obig Beschriebenes um den Faktor 9000, versäumen keine
Gelegenheit, sich selbst als sportliches Apex-Leuchtfeuer zu inszenieren, sei es im
Bild, im Video oder im geschriebenen Wort. Posing ohne Ende wird irgendwann recht
fad, vor allem, wenn man sich dabei unfreiwillig gewisser Lächerlichkeit preisgibt.
Immerhin sind coole Looks, die wirklich cool sind, nicht sehr leicht authentisch zu
erreichen. Propaganda ist eigentlich recht easy rauszufiltern: das Wort Unsportlichkeit
macht des öfteren die Runde, zitiert werden die Scharen der Herr-der-Ringe-Fans, die
blass und dickbäuchig dem Schwerte zuströmen, eine Couchpotatoe Nerdarmy, vor der
jeder Fechtlehrer wohl instant erbleicht und seinen Job an den Nagel hängt? Zumindest
andere nehmen sich dann recht gönnerhaft vor, aus eben jenen Leuten Athleten zu machen.
Gegen teuer Geld, versteht sich.

Eine neue, junge Sportart lebt von Toleranz und beiderlei Modus: Leistung und Breitensport.
Alle können es machen, manche sind mehr, manche weniger sportlich, manche machen aus
dem vermeintlichen Minus ein großes Plus, andere wollen das nicht, und dümpeln genau da
rum, wo sie sich gut fühlen, und das ist absolut in Ordnung so. Positiv motiviert kann
jeder einen Pfad erforschen, manche werden wieder aufhören, andere gloriose Turniererfolge
feiern. Es ist eben für jeden was dabei, und jeder darf dabei sein. Eine glanzvolle Utopie,
die keine sein muss und, da bin ich mir sicher, in der Gegenwart an so manchem Ort auch
so gelebt wird. Bravissimo!

Im Übrigen muss nicht aus jedem historischen Fechter ein Turnierfight-Athlet werden, wo
stehtn sowas geschrieben? Gibt sicherlich Leute, die wollen Fechtstücke können, ihre
Fitness durchaus in vernünftigem Rahmen verbessern, vielleicht guten Schaukampf machen,
oder doch dezent vertrauensvoll mit sympathischen Leuten soft Sparring betreiben! Ist
doch alles okay. Leistungsmenschen voller Ehrgeiz dürfen gerne nach der schneebedeckten
Spitze des Mount Achievement streben, verbietet ja auch keiner! Läßt jeder dem anderen
seine Ziele, gibts auch kein Streit, sondern eher nen fruchtbaren Austausch
freundlicher Geister.

Modern Slang!

Kommunikation kann so einfach sein. Warum langwierige Sätze machen, sich das
Gehirn verbiegen, wenns doch nachm Baukastenprinzip so easy gehen kann:

Man wähle unter: [Digga/Digger], [Ganz ehrlich], [Ohne Witz], [Weißte],
[Läuft bei Dir (rückwärts)], [Gönn Dir], [Krass], [Alta/Alter],
[weisch/weißte, was/wie ich mein/e], [ey] etc.

Man baue seine Minimalbotschaft, so es denn eine gibt, ein, und garniere
das wiederum aus obiger Liste. Im Machismo Gorilla-Bauchtrommeln junger
Menschoiden kann man so manches Mal jedwedige Botschaft ganz weglassen
und sich nur aus der Liste gegenseitig brüllig verbalisieren. Also wer
braucht denn da noch Schulbildung, Germanistik oder sonstigen überalterten
Nonsense?

Funktionales Beispiel: “[Digga], [ganz ehrlich], [läuft bei Dir], [Alta]!”

Je nach sozialem Niveau oder Kunstperson des öffentlich-virtuellen Lebens
kann das amerikanisiert werden: [Yo], [Bihatch/Bitch], [You aint],
[y’know what I’m sayin’] etc. und selbstverfreilich auf deutsch und englisch mit
genug Schimpfworten garniert daherstolpernd. Zudem finden beispielsweise
auch internationale Kurzbegriffe Eingang in den Kurzcode: [haram], [halal],
[habibi], [Chabo], [Babo] etc. aus dem arabischen Sprachraum beispielsweise.

Bedenklich ist, dass mittlerweile einige Schimpfworte oder Begriffe
Eintritt in den Wortgebrauch moderner Internet- sowie Realpräsenzen
finden, die vorher noch mit einer Art Tabu belegt waren.
Beispielsweise Begriffe nationalsozialistischen Ursprungs, wie etwa
“Jude” oder “Untermensch”. Dies allein signalisiert eine gefährliche
Verrohung der Sprache, die sich völlig loskoppelt von historischer
Verantwortlichkeit oder kritischer Hinterfragung etwaiger ethischer
Grenzübertretungen.

Schlagfertigkeit scheint ausgedient zu haben, Diskussionen ebenso, man
wappnet sich mit genug Kurzcodes, Schimpfworten und bequatscht sich
dann so lange, wie der eigene Gedächtnisspeicher hält oder die
begrenzte Originalität des Slangs noch fresh ist. Nennt man das
Verdummung, sprachliche Verrohung, die ähnlich der realen Einzug
in die Gesellschaft gehalten hat? Ist das Internet schuld, mit
unzähligen, nicht moderierten Sprachrohren der Jugendkultur, die
eigentlich gar nicht zensiert werden sollten? Ist das alles Spiegel
der modernen Leistungsgesellschaft, wo die oberen Zehntausend mit
Doktortitel schwadronieren, während der Plebs unten vorm Tor totally
mad
die Fackeln und Mistgabeln schwenkt?