Monthly Archives: May 2017

Canon 6D, Picture Style: Autumn Hue

Im Reich der Körperfaschisten

Verdammt! So gerne ans Licht gezogen, der schändliche Ort des geschriebenen Worts,
doch wehe, Aufmerksamkeit auf diesen gelenkt, denn even bad Publicity is still
Publicity (->Trump). Um was es also wieder einmal geht, ist ein Text eines
Menschoiden, der sich mit Fitness im Historischen Fechten befaßt. Daran nichts
Verwerfliches, doch darin sehr wohl. Da ich nach wie vor weder Ross noch Reiter
nenne, einfach weil: look above, zitiere ich Passagen und nehme dazu Stellung.

Vorab eine Erklärung:

1.) Fitness ist eine gute Sache! Jeder soll diese nach eigenen Kräften verfolgen.

2.) Kampfsport und Fitness gehören sicherlich zusammen, noch viel mehr für jene,
die professionell agieren wollen, aber auch für solche, die ein gewisses
Leistungsniveau erreichen möchten.

3.) Fitness muss an die körperlichen Voraussetzungen jedes einzelnen angepaßt werden,
Überforderungen, zu frühe Leistungsgrenzensprengung oder risikohafte Übungen
vermieden werden.

Sodele. Dann also mal ran an den Speck:

Es wird postuliert, dass folgender Satz falsch sei – ebenfalls Zitat im Originaltext,
wenig später untergruppiert als Falschaussage:

“[…] „Nur weil ich ein paar Kilo zu viel habe, kann ich doch trotzdem Schwertkampf
machen!“ […]”

Dieser Satz ist absolut richtig, nicht falsch! Dahinter steht der Gedanke der Inklusion.
Jeder kann Schwertkampf machen. Eine solche Aussage als falsch hinzustellen, bedeutet,
Menschen aufgrund einer als nachteilig gesehenen Körperlichkeit zu diskriminieren. Man
merke auf: es geht hier nicht um professionellen Leistungssport, wo ein Moppel sicherlich
ein Handicap hätte, wenn alle anderen athletisch sind. Hier wird alleine schon an
der breiten Basis den Menschen der Eintritt verwehrt, aufgrund ihrer Körperlichkeit, wenn
man derlei Aussage nicht zuläßt.

Nun eine Verallgemeinerung:

“[…] Ein starker Mitgliederzustrom kam außerdem, durch Kinofilme und Romane befeuert,
aus der Larp-Szene und der Nerdkultur. Sind diese Subkulturen nun per se schon nicht
unbedingt Keimzellen der Sportlichkeit, […]”

Ein verallgemeinernder Seitenhieb klischeedenkerischer Art. Ich bin mir ziemlich sicher,
dass man Nerd sein kann und Top-Athlet. Sind dann alle Gothics als Kinder der Nacht
anorexische Blutsauf-Bulimiker? Verständige merken schnell, dass Verallgemeinerungen
pure Propaganda schlechtmeinender Geister sind, die eines wollen: durch ihre Aussagen
triggern, also Reaktionen provozieren.

Die Beschwichtigung der wohlmeinenden Absicht des Autors:

“[…] Das ist selbstverständlich nicht meine Absicht! Es geht mir keineswegs darum,
unfitte Leute zu demotivieren, ihnen „ein schlechtes Gewissen“ zu machen oder an ihren
Körpern herumzumeckern. Selbstverständlich darf jeder Mensch über seine Körperlichkeit
verfügen, wie es ihm beliebt und weder soziale noch ästhetische Maßstäbe sollen hier eine
Rolle spielen. Wie fit jemand sein will, wenn er historisches Fechten betreibt, liegt
allein in seinem eigenen Ermessen. […]”

Man wird erkennen, dass derlei Lippenbekenntnis durch versteckte Seitenhiebe, Verallge-
meinerungen, Klischeedenken und gute alte Triggerpropaganda ad absurdum geführt wird.
Also weiter im Text.

Ästhetik? Schönheitspropaganda? Here we go:

“[…] Aber wenn schon kein Fitnesstraining für das Fechten… warum nicht einfach ganz
allgemein für starke Bänder und Sehnen, dichte Knochen, eine reine Haut, eine gesundere
Psyche, […]”

“Eine reine Haut” … derlei ist für jeden ein sicherlich willkommenes Kriterium, aber
dennoch auch sehr ästhetisch belegt. Seltsam, in einem Text, der doch eigentlich fernab
jeder oberflächlichen Schönheitsbetrachtung Kampfsport und Athletik thematisieren soll.
Ist eine reine Haut für einen Krieger bzw. Kampfsportler denn ein nötiges Kriterium? Die
“gesundere Psyche” unterstellt zudem all jenen, die weniger bzw. keine Fitness betreiben,
eine sozusagen kranke Psyche, eine eben weniger gesunde Psyche.

“[…] Selbst Männern gelingt es auch nach Jahren hartem Trainings oft keineswegs, „wie ein
Bodybuilder“ auszusehen. Wenn das so einfach wäre, wäre die Welt wahrscheinlich voller
Bodybuilder. […]”

Sorry, Pal. Ich möchte nicht wie ein Bodybuilder aussehen, und ich könnte, machte ich
mir denn die Mühe, ziemlich viele andere Menschen finden, die das genauso sehen. Hier wird
wieder ein Schönheitsbild verallgemeinernd propagiert, das längst nicht auf den Großteil
der Menschen zutreffen will. Hat man diverse Anabolika Skandale im Bodybuilding Bereich
und auch groteske Deformationen im Kopf, will man Bodybuilding wirklich nicht so gerne
in einem Atemzug mit gesundheitsverbessernder Fitness nennen.

“[…] Krafttraining strafft auch den weiblichen Körper. Bindegewebe festigt sich, Schenkel,
Po und Arme werden zugleich schlanker, fester und runder. […]”

Ja, okay, nä. Schon attraktiv sowas. Aber sind das kampfsportlich quantifizierbar nützliche
Aussagen? Ist eine Schwertkämpferin mit “rundem Po” nun eher Sexobjekt oder Sportlerin? Ich
halte derlei Aussagen erneut für absolut unsachlich, schönheitspropapandistisch
verherrlichend,´eigentlich schon wieder sexistisch, und keinesfalls in ernsthaftem Bezug
zu einer (Kampf-)sportart.

You want more of In Group – Out Group:

“[…] Oft sind es gerade die durchtrainierten, athletischen Fechter, die sich beim
Fechten besonders zurückhalten können. […]”

Schlichtweg falsch. Glorifizierung des eigenen Standpunkts. Die In Group, die Athleten,
werden subjektiv mit Werten ausgestattet, allen anderen ein Fehlen dessen unterstellt. Aus
persönlicher Beobachtung weiss ich, dass es athletische, durchtrainierte Fechter gibt, die
dermassen draufdreschen, nicht, weil sie es nicht besser könnten, sondern, weil sie ein
echtes Egoproblem im Kopf haben, oder eben auch Leistungsschwächere dominieren wollen.
Also ist das rechte Maß der Dinge Kopfsache, und nicht oberflächlich muskeltrainierte
Automatikfähigkeit.

You want some Vorurteile in the Mix:

“[…] Zu guter Letzt sei auch noch erwähnt, dass starkes Übergewicht noch ein
weiteres Risiko birgt: das unabsichtliche Verletzen eines wesentlich leichteren
Trainingspartners. Sehr schwere Menschen fallen, trotz Fallschule, oft unkontrolliert,
und sie fallen hart. Wenn dann jemand von etwas zierlicherer Gestalt im Weg liegt und
diese Gefahr nicht handhaben kann, ist schnell etwas (bzw. jemand) kaputt. […]”

Da würd ich doch nun gerne mal alle Dojos mit Moppeln in them befragen, ob diese “oft
unkontrolliert” fallen. Und dämpft nicht der Speck den Fall, wenn sie denn aufm Bauch
landen? Und können zierliche Menschen nich aufgrund ihrer Schnelligkeit wegrollen,
wenn ein Koloss sich im Fall befindet? Also genug des Schmonzens, solcherlei Aussagen
des Autors sind nichts weiter als unbelegte Vorurteile, man könnte fast meinen,
da will einer dicke Judokas mobben.

How about some wirklich widerlich Formulierung:

“[…] Natürlich mag es Extremfälle von morbid adipösen Einzelfällen geben,
deren De-Facto-Behinderungsgrad ein Intervalltraining zu einer riskanten Übung macht,
doch solche Leute trauen sich selten bis nie in eine Kampfkunstschule und sind in
einem Reha-Center besser aufgehoben. […]”

Das ist eigentlich der Beleg für Körperfaschisten. Diese zutiefst widerliche,
despektierliche und menschenunwürdige Formulierung enthüllt die Geisteshaltung des
Autors. Hiermit wird Schwergewichten tödliche Krankheit unterstellt, eine Behinderung!,
und einen Verweis in eine krankenhausähnliche Institution. Dahinter steht aber nichts
weiter als die Verweigerung einer Sportart für Menschen, die, oberflächlich betrachtet,
nicht dafür geeignet scheinen. In welchem Buch aber steht geschrieben, dass
Schwergewichte Intervalltraining machen müssen? Ihnen nicht vielmehr geeignetere Übungen
serviert werden? Sollten Kampfsportlehrer nicht allen Tür und Tor öffnen, positiv
motivieren, Schwergewichte aufnehmen, und vielleicht durch Anreize positiv
verändern?

Bissl was gäbs noch. Hab aber keinen Bock mehr. Voila also. Von allen guten Vorsätzen
verabschiedet, lesen wir da einen Beitrag, der beispielgebend dafür sein könnte, dass
Leute ihre eigenen Privatpropandakriege, -komplexe oder Kreuzzüge eben nicht aus nem
angeblich sachlichen Artikel raushalten können. Schade drum. Eigentlich komplett einer
gepflegten Ignoranz wert, aber wenn keiner dagegensteht, verbreitet sich das alles wie
Blütenpollen im Sommer.

Ich bin für Inklusion in allen Sportarten!

Toleranz für jeden, einen Platz an der Sonne für alle, egal, wie “behindert” oder
“fett” oder “unfit” oder “alt” oder “hässlich” sie sind! Jeder kann und soll nach
seinen Leistungsmaßgaben, oder unter vorsichtig kompetenter Anleitung mitmachen
können.

Gegen den elitären Miniclub ästhetischer Pseudobeauty-Fechtathleten!

Mochma halt a’ Video!

Irgendwelche Dudelmusi, höchst flashige Disco Effects und dramatische
Namensgebung, Gott bewahre!, möglichst ohne Kommentar, und fertig ist
das Guild Wars 2 Roaming Video. Inhalt eigentlich scheissegal, ist ja
eh immer nur ein Mitschnitt eigener Möchtegern Erfolge. Für das nicht
eingeweihte Auge totales Pro Play.

Das Propagandisieren des eigenen Virtualselbst muss gerade auch in
Internetgames bis zum Exzess zelebriert werden. Schließlich brauchts
dazu nur 1 Spiel, 1 Rechner, 1 Internetverbindung. Kein Auto, Haus,
Boot oder Top Model Anorexia Görrrlfriend. Alles paletti, ne Runde
gezockt im WvW, alle Kills, so anspruchslos sie auch sein mögen,
zusammengeschnippelt und fertig ist das Video, welches den eigenen
Ruhm bis ins Astronomische befördert!

U needz evan moar Pro Play? Man analysiere the most broken Op Class,
statte diese mit Bersi aus, und owne jeden, den man so finden kann.
Braucht das Skill? Na, vielleicht schon ein bissle, schließlich muss
man ja nur ohne Zeitverzögerung alle DamageSkills auf einmal drücken.

Zum Kopfschütteln wirds erst dann, wenn PVP Exzellenz angepriesen
wird, man aber nur sieht, wie eine Gilde nen paar Opfer gründlich
plattwalzt. (Sieht man denn 2017 eigentlich noch was anderes?) Da ists
auch echt nich wichtig, ob die Gilde mit drölfzig Mann über 2 arme
PVE Hanseln drüberrubbelt, zu geschmackig martialischer Techno Metal
Blöke können sich die Heroes heftig siegesrubbeln!

Wer kann schon real Skill messen? Schon allein in nem Game wie GW2?
Müssten da nich immer zwei gleiche Klassen gegeneinander antreten,
mit identischen Ping-Zahlen etc. p.p. Hat man nich mal gehört, es
gäbe ein Balancing Team, und wenn, dass dieses für Group Play im
sPvP tätig wäre? Better not to ask the wrong Questions. Illusionen
müssen gelebt werden!