Monthly Archives: June 2017

Odins Nationalisten!

Also da gibts Leut im Internet …

Lendenschurz posierende Schwedenbarbarenwikingerspartaner, die grad
mal im Testosteronshop einkaufen waren und einem was anne Backe labern
vom Verfall der Werte, no homo, keine Pornos mehr gucken, degenerierte
Beta Männchen, und Adolf Hitlers Bart …

Anfänglich sinds ja wohlmeinende Naturgeister, denkt man, die sind halt
arg begeistert von ihrem Heimatland und diversen schmutzverkrusteten
Druidenhainen mit möglichst freizügig nordischen Paarungsgöttinnen. Aber
irgendwann kommt das Neofascho Gedöns mit der hässlichen Fratze umme
Ecke geschlichen, leider unterlegt mit manchmal gar nicht so schlechtem
Pagan Metal. All Hail, Odin! Ob der NSDAP Wähler geworden wäre?
Sicherlich nicht bei so ner Schrumpfgermanenbande von damals…

Ein gerüttelt Maß Sozialdarwinismus, Defend Europe, white Nationalism,
verpackt in überromantische Wikingerträume und the Glory of your own
Self. Ach, Brüderlichkeit wird beschworen (no homo (1)), und ein messianischer
Bekehrungsdrang aller dicken, unattraktiven Beta Männchen, die doch
eigentlich der Selektion anheimfallen sollen, die missioniert man doch
nicht?! Oh, maybe kann man sie aber umpolen: zu gnadenlosen Alpha
Männchen, Verstärkung für die eigene Armee im Kampf gegen die Invasions-
fluten der Muselmanen.

Feindbilder sind wichtig. Was wären die Wikinger ohne Feinde? Nüx. Was
wären die Nazis ohne gewesen? Arbeitslos. Also her mit den Muselmanen,
den gesichtslosen Massen, die anscheinend alle Europa zum Einsturz
bringen wollen, ja, auch kleine Kinder, die vorm Krieg geflüchtet sind,
ALLES IS AGENTEN. Die sind so fanatisch, die riskieren sogar ihr Leben,
um übers Wasser nach Europa zu kommen, so wichtig ist denen ihr Krieg
gegen alle Europäer … nur ein klitzekleines Beispiel der Propaganda,
wie sie weiße Nationalisten gegen alles Fremde vorbringen, glücklich,
wenn es nur so primitive Argumente sind, sehr schädlich, wenn es als
subtile Meinungsmache aufgezogen wird, zum fröhlichen Vergiften vieler
argloser Geister.

(1) Im Übrigen hat Allvater Odin seinen männlichen Männern nen prima magischen
Spruch verraten: NO HOMO. Soll bedeuten, das schützt vor spontaner
Schwulwerdung, stellt laufend klar, dass man NICHT schwul ist, und
bekräftigt die eigene Heterosexualität gegen alle möglichen subkutanen
Versuchungen! So kann man anderen muskelbepackten Schweißglanzmännern,
mit denen man ausnehmend gerne dauernd trainiert, auch mal liebevolle
Komplimente machen. NO HOMO!!! (puh, das ging grade noch gut.)

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Geiles Freefight Gekloppe

Man gehe her und gebe den Fechtenden eine Summe Anweisungen, lege jenen ans Herz,
es wären Vorübungen zum leichten Sparring, und lasse sie machen. Die Verständigen
beherzigen das Reglement, versuchen, dies in der Schnelle, die beide für gut
befinden, umzusetzen und der Rest der Bande …

… SCHNETZELT EINFACH DRAUFLOS!

Ich übertreibe gern. Aber nein, ist was Wahres dran, denn jede Übung, die an den
Freikampf ranführen soll und den Leuten zu wenig Rahmen bietet, oder sie mit
einem Skillset ausstattet, das sie überfordert, muss scheitern oder sogar
gefährlich werden. Denn manche wollen gewinnen, ob nun Pro oder Anfänger, die
haun halt drauf, halten sich nicht an die Vorgaben. Wiederum andere sind so
unbeherrscht, dass sie, selbst wenns ohne Maske langsam zur Sache geht, sie
immer wieder selbst die Geschwindigkeit erhöhen, und so den Trainingspartner
gefährden.

Die Lösung?

Wirklich primitiv und scheinbar langweilig ein ultrabegrenztes Regelset, als
Basis und Aufbauplattform: der eine macht den Oberhau, der andere muss twerhaun,
und ihn treffen. mehr nicht. einfach sowas. kraft & geschwindigkeit erforschen,
geeignete Teilschutzkleidung, langweilenderweise auch nicht einfach nur ein
bissle, sondern richtig lange ein solches Erproben. Das Regelset der Meisterhaue
zum Angriff und zur Verteidigung läßt sich so aufbauen, peinlich genau darauf
achtend, dass man wirklich nichts anderes anwenden soll, als nur jene Häue.

Gebe ich Leuten aber die simple Anweisung, “einfach mal die Grundschule (1) im
leichten Sparring zu erproben”, sehe ich darin zumindest eine Überforderung
aller Anfänger, und sogar jener Fortgeschrittener, die mit Sparring bisher
wenig am Hut hatten. Ebenso geht mir “Attacker 2 Angriffe, Defender 2 Blocks,
Attacker zieht ab, Defender darf noch einmal nachhauen” ein wenig zu schnell
zu weit, schon und vor allem, wenn mir vorher primitive Vorübungen wie ich
sie obig beschrieb, fehlen. Machen kann mans sicher, und ein Weltuntergang
isses auch nicht, aber die Gefährdungspotentiale bei Egosüchtigen und
Anfängern, die ihre Kraft nicht managen können, sehe ich halt doch sehr.

(1) alle Huten und Häue, keine Meisterhaue

Bin auch sehr dafür, die Leute genau zu beobachten. Geschwindigkeit rauszunehmen,
das eigene Ego mal bei allen ein wenig zu stutzen, und gemeinschaftlich was
zu bewegen. Jeder von uns sollte sich bezähmen, so genau wie möglich die Techniken
umsetzen, selbst mit Schutzkleidung, akkurat und vor allem jederzeit in Kontrolle
der eigenen Kräfte. Der Schutz des Trainingspartners ist oberste Objektive. Alles
in allem kann man auch “nen Punkt machen”, ohne dem anderen so dermassen derb
gegen den Helm zu scheppern, dass der sich wie ne Großglocke in ner antiken Kirche
fühlt. Im Übrigen, stur und starr mit der Klinge turbostechern ist saugefährlich,
oder unüberlegt einfach das Ding mit aller Macht Richtung Trainingspartner zu
wuchten, auch der hat, egal wieviel er drauf hat, vielleicht mal nen bad Hair Day,
und das Ding dann pieksend vor den Eingweiden. Achtsamkeit, liebe Leute, das
wünsche ich mir von uns allen!

Manchmal denke ich mir, dass es eine gute Idee wäre, Sparring und Freikampf nur mit
jenen zu versuchen, von denen ich sicher weiß, wie sie drauf sind, was sie vor
allem können, und die alles in allem ne klasse Einstellung zum Schwertkampf bzw.
auch zu Menschen haben. Eine Selektion, die in einer Sportgruppe schurkisch
antisozial wäre? Oder reiner Selbstschutz?