To be fast, you first have to be slow.

Laßt uns zu Schildkröten werden! Nähern wir uns ambitionierten freikampfigen
Übungen mit der nötigen Skepsis und Vorsicht. Egal, ob da Propaganda betrieben
wird, das Ganze “dynamischer”, “schneller”, “beweglicher” oder whatauchever
zu betreiben. Nehmen wir uns doch mal Zeit. Steigern wir uns langsamer, erkunden
wir die Schwierigkeiten oder auch Leichtigkeiten dieser oder jener Übung,
durchdringen wir das Ganze und passen es vor allem an unsere physischen
Begebenheiten an. Schlau ist die Schildkröte, und beginnt langsam. Laßt doch
die Hasen hyperspeed voranhoppeln, die kriegen dann auf die Pfoten (vor allem,
wenn sie keine Handschuhe tragen).

Glaube, es ist auch eminent wichtig, auf die eigene Stimme im Inneren zu hören.
Gezielte Überforderung, von anderen als Trainingsprinzip erhoben, könnte durchaus
risikofördernd und fruststeigernd wirken. Wollen wir das? Training soll Spaß
machen. Bin nicht im Sport, um mich dort wie im Gebetsmühlenalltag der Leistungs-
gesellschaft durchnudeln zu lassen. Keiner redet hier einem Stillstand das Wort,
jeder möchte ganz bestimmt etwas erreichen, nur muss es beileibe nicht gleich
der Landespokal der Freikampfmeisterschaften in Nowosibirsk sein, mit Gelenkbruch,
Herzlungenstich und Schädeltrauma erkauft. (ob es in Nowosibirsk denn überhaupt
Schwertkampfwettbewerbe gibt? ich habe keine Ahnung?!)

Trainiert man mit Leuten, die eh noch Anfänger sind, muss man den Gang komplett
rausnehmen, antifrustrierend regulieren und Erfolgserlebnisse gönnen. Teilübungen
vorschalten, die Abstandseinschätzung, Bewegungslehre (Erkennen, Ausweichen, Angriff)
und Technik (Nachreisen, Überlaufen) getrennt oder dann später vereint thematisieren.
Erstaunlich, wie eine einfache Anweisung wie “Hey, Nachreisen und Überlaufen in
freikampfiger Manier” doch so viele kleine Minifitzel an Parametern beinhalten
kann.

Am Ende des Tages ist auch ein gewisser schildkrötiger Panzer vonnöten, eine sture
Durchsetzungsfähigkeit, wenn die eigenen Limits an Safety oder Gesundheitssphäre
sicher durch andere strapaziert werden: “nein, ich werde diese Übung nicht so
schnell machen, dass ich mich (oder meinen Trainingspartner) selbst physisch oder
technisch überfordere!” Die schlaue Schildkröte sollte immer und überall, wo es
teils kopflos hyperambitioniert zu schnell gehen soll, gewaltig auf die Bremse
treten und dann jene Hoppelhasen außen vor lassen, die genau das voller Eifer
umsetzen wollen, um gierig die Früchte ihrer Ambition zu geniessen.

Sollte man einen Club der Schildkröten gründen? Man könnte ja dann all die
ehrgeizigen Hyperspeedfreikampfhoppelhasen im Krankenhaus besuchen, wenn sie dann
mal wieder regelmässig die eher negativen Folgen ihrer Art, zu trainieren, ernten.
Okay, okay, es mag natürlich die absoluten Profihasen geben, die sich nie wehtun,
alles auf maximalster Geschwindigkeitn perfekt vollführen und im Glanze ihrer
Pokalerfolge Vorbilder für alle sind. Also ich hab noch keinen getroffen. Will
ich vielleicht auch garnicht. Fühl mich bei den Schildkröten pudelwohl.

Advertisements

About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on September 26, 2017, in Historical Fencing and tagged , , , , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: