Wohldosierte Technikerschildkröten

es ist absolut legitim, keine turniere im historischen fechten bestreiten zu wollen.
dazu ist es absolut okay, nicht einmal sparring oder freikampf anzustreben. ich nenne
das: techniker bleiben. besonders hartnäckige anti-leistungskultur orientierte
sturköpfe sind dann schildkröten mit harten panzern und wohldosiert kultivierter
übungsmanier, das ziel: so viel zu können, wie sie zu fassen kriegen an quellwerk.
das ganze durchaus zu erproben, in vorsichtig angelegten übungen, dezent steigernswert
in speed and power.

freikampf und sparring sind risikobehaftete vorhaben. gegen die falschen leute sind
es auch demütigende und herabwürdigende erfahrungen. mit den richtigen leuten allerdings
sind sie durchaus klasse erlebnisse, die wirklich voran bringen, auch und gerade, wenn
man dann “verliert”. könnten also sture wohldosierte technikerschildkröten zu sparring,
ob leicht oder full contact, bewegt werden? na, vielleicht, wenn ethisch kompetente,
ähnlich veranlagte tierchen sich mit ihnen in den ring gesellen. für alle anderen bleibt
die blutige arena der hitzigen jungbullen, denen es egal ist, was sie anderen zufügen.

sowieso: vor die freuden des freien ausprobierens setzte gott die ewiglich lange übung.
eine zwischenstufe stellt das üben von attacke und parade in voller kraft und
geschwindigkeit dar, erst, wenn der eigene zornhau nen brachialen brunfthau
zuverlässig aufhalten kann, darfs weitergehn. die politik der langsamen und kleinen
schritte. all jenen vielleicht zu langweilig, die vom turnier-zugucken blut geleckt
haben und eigentlich alle schutzausrüstung schon beisammen haben.

es besteht nur dann ein unablässiges problem, wenn trainer den freikampf, das sparring
zur disziplin von gottesgnaden stilisieren und viel zu früh die trainierenden damit
überfordern – anfänger oder dezent fortgeschrittene werden das sowieso sein. wer zu
früh frustrationen erzeugt, grade auch erfahrene in freikampfübungen auf anfänger
loslässt, riskiert ablehnung oder kritik oder verletzung oder das ausleben gewisser
egotriebigkeiten an leuten, die es eben noch nicht so können. klar, freikampfegomanen
unter sich richten auch nur unter sich schaden an, die sollten dann klar wissen,
auf was sie sich einlassen.

wobei man inklusion für alle betreben kann: wer auf der technikerstufe bleiben mag,
gerne, wer weiter in freefight oder turniere voran mag, absolut. es soll und muss
für alle ansprüche im training platz sein, das erfordert auch nur toleranz der
trainer, die nicht beleidigt sein sollen, dass ihre vision der freikampfigkeit nicht
von allen getragen werden kann, aus gesundheitlichen gründen sowieso, aus persönlichen
gründen mancherorts. leistungskader und breitensportler gut vereint, und wer weiß,
vielleicht wechseln ja die lager dynamisch, befruchten sich gegenseitig, aber
gönnen sich jeweils ihre zielsetzung. DAS muss im sport gefördert werden. eine
klassische aufgabe der trainerschaft.

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About sovalkon

I am the Grey Knight.

Posted on November 7, 2017, in Historical Fencing and tagged , , , , , . Bookmark the permalink. Leave a comment.

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