Monthly Archives: September 2019

Im Schloß der eigenen Filterblase

viele scheinen der meinung, dass man mit den leuten, die anderer meinung sind,
nicht mehr reden darf/kann. so werden filterblasen groß, man sucht sich eben
leute, die im eigenen schloß der meinung willkommen sind, und feiert sich selbst
ob der vorhandenen harmonie.

schön zwischen den zinnen durchguckend kann man sich gegen die feindliche filter-
blase alliieren, die bösen anderen beschwören, und den eigenen zusammenhalt
stärken. alles sehr einfach, man verschwendet keinen aufwand, sich kritisch
zu hinterfragen und schon allein gar nicht die argumente der gegenseite.

was dann geschieht, kann radikalisierung sein. was, wenn die kleinere filterblase,
das mini schlösschen, objektiv recht hat, aber das riesenschloß, die gigantische
andere filterblase, sie einfach überrollt? kann es überhaupt “recht haben” geben,
oder ist etwas viel wichtiger, was mal geschätzte errungenschaft der demokratie
war: der kompromiß, der mittelweg, weitab von jeglich schädlichem extremismus?

vielleicht wäre es ideal, keinerlei schlößer, filterblasen zu besitzen, sondern
offene dorfplätze, auf denen die menschen sich frei austauschen, gerade weil sie
anderer meinung sind, und darauf brennen, ihren standpunkt in der debatte zu
erproben. angesichts vieler unschöner erscheinungen unserer heutigen gesellschaft,
liest sich mein getippsel aber wie eine utopie ferner zeiten …

daher mein plädoyer an alle: mehr wagen, mehr recherchieren, graue zellen anwerfen,
kritisch sein, offen bleiben, sich nicht vereinnahmen lassen und das gespräch suchen.
klar, es mag leute geben, die sind so radikal, ablehnend, da macht das keinen sinn.
aber vielleicht gibts da draussen leute, die unvoreingenommen ohne scheuklappen
debattieren können, den mittelweg suchen, und vielleicht einen kompromiß anstreben,
der viele probleme lösen könnte …

Kollektivstrafen

diese scheinen weitaus verbreiteter zu sein, als im üblichen klischee
military kontext, exemplarisch vorgeführt im anti war movie “full
metal jacket”. was ist es also, dass diese strategie der bestrafungs-
manipulation so verbreitet wirken lässt?

in einer kollektivstrafe bestrafe ich alle für die vergehen eines
einzelnen. der unterschwellige effekt dieses handelns bewirkt, dass
sich frustration der mehrheit aufbaut, die sich dann, so hofft der
vorgesetzte/anführer/befehlshaber, auf jene entlädt, die sich
schuldig machten. es entlastet alle oberen, indem es verantwortung/
handlung abschiebt und selbst immer noch “menschlich” erscheinen
läßt, wenn man diese unmenschliche scharade nicht durchschaut.

erstaunlicherweise findet man derlei strategien auch in anderen
bereichen der gesellschaft, die deren benefits für sich nutzen wollen.
man stelle sich den vorgesetzten einer firma vor, der selbst gesicht
wahrt, emotional enttäuscht seine untergebenen pauschal abstraft,
imemr wieder beteuernd, er würde das ja verabscheuen, und nur wegen
vergehen einiger weniger sähe er sich dazu gezwungen. unter der
hand hofft man natürlich, dass gewisse problemchen dann von den
mitarbeitern geregelt werden, auf welche weise, das scheint dann
vielleicht egal?

kollektivstrafen sind menschenrechtswidrige, widerliche und amoralische
mechanismen einer befehlskaste, die vielleicht die auseinandersetzung
per angesicht scheut, oder, noch schlimmer, psychomanipulativ am ende
als lächelnder sieger dastehen will. derlei hat niemals etwas mit
ehrenkodex oder tradition zu tun, dafür ist es zu ehrlos, andere etwas
machen zu lassen, was man selbst erledigen muss (dann im rahmen
des gesetzes, der zulässigen strafen, und mit maß sowie gerechtigkeit).