Category Archives: Art

My Take on Art and all Things relating to it.

Befreiungsschlag! Oder wie man lernt, Egoist zu sein.

Kunstproduktion in der Gruppe hat immer seine Tücken, vor allem, wenn einer die
Regie übernimmt, schleichend, ein wenig vorsichtiger als sonst, und dann beginnt,
Aufgaben zu delegieren. Sozusagen ist man dann Erfüllungsgehilfe, innerhalb
definiterter Parameter, oder Maitre des Affaires, kriegt die Orga aufgedrückt,
oder schreibt Texte, die der Projektinitiator doch auch selbst verfassen könnte.
Das muss alles nicht mal böswillige Diktatur sein, manche sind automatisch so,
realisieren ihre Kunst, brauchen Helfer, Kumpanen oder Mitkünstler, das ist ja
eigentlich kaum verwerflich.

Doch gibt es Leute, die wollen das nicht, Mitarbeiter zu sein, vor allem schon
aufgrund schlechter Vorerfahrungen, oder dem schlichten Drang danach, frei zu sein.
Schummelnd lügnerisch behauptend, man sei für Gruppenkunst nicht geschaffen, um den
Vereinnahmungen eines Einzelnen zu entgehen, ist zwar nicht das Gelbe vom Ei,
aber vielleicht taktvoller als direkt, laut schallendes NEIN!

Wie auch immer, altruistische Handlungsweise in der Kunstgruppe kann einen selbst
zum ewig Mithelfenden verdammen, der zwar engagiert ist, der Gruppe etwas vielleicht
auch Wichtiges schenkt, aber selbst nie was Eigenes schafft, da er beschäftigt
damit ist, für andere zu arbeiten, und das im wahrsten Sinne: arbeiten. Und in
meiner Freizeit will ich nicht “arbeiten”, oder zu “Arbeitsessen” gehen, oder
“Kosten auf alle umgelegt” haben.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man durchaus Gruppenzusammenhalt und
Freundschaften erhält, indem man sich Projekten versagt, klar macht, dass man
mit manchen einfach zusammen keine Kunst machen kann, schon allein der Harmonie
wegen, und des Nervenschonens beider Seiten. Egoismus ist in heutiger Zeit
so manches Mal angebracht, denn schließlich gibt es durchaus viele, die alles
andere gnadenlos ausnutzen, sei es nun mit böser Absicht, oder eigenem
autokratischen Zwang.

Bitte noch lauter, stroboskopischer oder heißer!

Hiermit ein Aufruf an alle Künstler, weltweit, galaxisweit, durch alle Zeiten
und Epochen: macht eure Kunst doch bitte noch lauter, mit noch mehr strobosk-
opischer Magnifizienz und vor allem heiß-atmosphärischer! Viel hilft viel,
gerade im digitalen Zeitalter, denn schließlich braucht man eine noch größere
Leinwand zum Projizieren als der Konkurrent und viel klirrendere Hoch-
frequenztöne als alle anderen! Nicht zu vergessen die Atmosphäre im Kunst-
raum, bitte so heiß und stickig wie möglich, schließlich will man ja dadurch
noch ernsthafter auf die Tiefgründigkeit des eigenen künstlerischen Belangs
aufmerksam machen.

Was muss also sein?

Ohrenbetäubend laute, scheppernde, basslastige, hochfrequenztönende 980
Dezibel Beschallung gehört bei jedem Kunstwerk fast zum guten Ton! Das
Publikum von heute muss doch aufgerüttelt werden! Diese verwöhnten
und gelangweilten Konsumenten aus ihrer dekadenten Dauertrance gerissen
werden!

Ohne feine, Retina versengende Lichtblitze kommt doch wirklich niemand mehr
aus, oder? Da muss es blitzen, zittern und jockeln, bis auch jeder
letzte Gesunde einen casus epilepticus entwickelt. Neuzeitliche Performance!
Tausende Leinwände mit nanosekündlichen Bildwechselfarbimplosionen, da wirds
sogar nem hartgesottenen Astronauten übel, man denkt, man wäre in einem
futuristischen Folterlabor gelandet.

Nicht genug des Exzesses, hitzige, schwüle, heiße und neblige Atmosphäre
muss auch sein, was ein Dschungel kann, ist einem Künstler ebenfalls nicht
zu schade! Die Natur übertrumpfend schafft man ein schweißnasses,
müffelndes Erlebnis, in House, durch das sich dann nur noch jene
fehlerfrei kämpfen können, die die Konstitution dazu haben! What a
Challenge!

Ich bin mir fabelhaft sicher, dass all jenes dazu führt, dass Künstler
volles Haus haben, Myriaden Begeisterter ihre Kunst betrachten und gar
nicht mehr weg wollen vor solch überbordender sensorischer Kakophonie,
die so vitalisierend einem zeigt, in welch fabelhaft turbulenten
Zeitalter man so lebt…

(Disclaimer, as usual: Warning, this Text contains 100 Percent Irony.)

Viva la Freiheit! (Was, schon wieder?)

Wenn enthusiastische Fanatikpanzer komplimentierend diktatorisch durch die Gegend
rollen und im Namen der generösen Herrschaft des gütigen Königs delegieren,
befehlen und treusorglich bitten, wird es Zeit, die Koffer zu packen. Schnell
ein Pferd gesattelt, die Habseligkeiten zusammengesucht, Bücher der Freiheit
auf den Rücken geschnallt und fort geht es, an neue Gestade, nicht der
Einsamkeit, aber der sorgsam selektierten Basisdemokratie.

Hiermit erkläre ich den sofortigen Austritt aus den “Chaosartisten”!

Das Label sollen andere zum sehnlichst geträumten Erfolg führen, sich ihren
wagneresken Fantasien dezibelstark hingeben und ihr Innerstes dem gaffenden
Auge der Kamera offenbaren, und all jenen, die mit Speis und Trank gelockt,
dem Ganzen applaudieren oder eher stumm verlegen nach Wegen suchen, dieser
Kunst zu entkommen … wenn es denn welche ist?

Soll der König doch denken, wir sind feige, risikoscheu, keine echten Künstler,
keine treuen Vasallen, keine guten Arbeiter, ewiglich alles zerredend, zweifelnd,
und nie etwas zustandebringend? Do we care? Wir Geistesgötter der wahren
Freiheit, die wir im Gartenhäuschen der Kunst Tee schlürfen und uns darüber
lüstern streiten, ob es nun “Vulvae” oder “Vulvoi” heissen mag. (Und wir alle
wissen, dass es in Lemuria, Pangäa und Atlantis IMMER letzeres hieß!)

Wir wollen reden, und vielleicht machen, wir sind respektvoll gegenüber jenen,
die ihr Wissen mit uns teilen und akzeptieren, dass wir wissen, nichts zu
wissen oder doch mehr als der gewöhnliche Gesell. Und wir möchten nicht
Teil eines Kunstprojekts werden, egal, wie gütig der König uns beschwichtigt,
von dem wir denken, dass er seinen Ruhm mehren will, auf unseren Schultern?
Oder doch eher fürsorglich unser aller Berühmtheit! Doch vermessen sind solche
Pläne, wieviel andere sind da schon gescheitert!

Ich selbst, lieber König, kann nicht mit Prosaikern Kunst machen, bin lyrisch,
poetisch so enorm viel anders, als du es bist. Mach mir keine Komplimente, ich
durchschaue dich, unwillige, zweifelnde Untertanen willst du auf Linie bringen,
du Fabrikant der Kunst, in seinen neuen Kleidern als allzu gütiger König,
beteuernd, dass wir alle so unendlich viel Zeit haben, immer nur für dich und
deine Visionen. Und Finger weg, O treu sorgender König, von meiner Kunst,
ich gebe sie dir nicht, sie ist mein, ich mache sie selbst, und keiner anderer
wird sie verbessern, oder … verschlimmbessern!

Liebster König, der du niemals mein Souverän warst, du wirst dich herab-
begeben müssen, als gemeiner Gesell und Bauer, wie wir alle, wenn du unserer
Gesellschaft noch frönen magst, und mich kannst du nicht mehr gewinnen für
deine Visionen, ich werde mich nie wieder oder jemals? unter dein Joch
begeben. Delegiere andere, befiehl und bitte andere, denen es leichter
fällt, die mehr mit dir gemeinsam haben, dein geistiges Fundament teilen,
es mehr Spaß bereitet, mit dir das zu schaffen, was du vor deinem inneren
Auge so drängend siehst.

Kunst machen und die eigene Befindlichkeit

Man stolpert vielleicht so rein, ins Kunstmachen, enthusiastisch mitgerissen,
oder selbst freiflüglerisch segelnd, und findet sich inmitten unzähliger
Möglichkeiten wieder! Und man will zeigen, was man so macht, per Bild und
Video und Printmedien und Internetauftritt! Vernetzungen erscheinen wichtig,
reaching out to many other People! Schlußendlich könnte auch ein Fünkchen
Ehrgeiz und Anerkennungsheischen ne Rolle spielen.

Aber manche stoppen da. Sich den Blicken anderer aussetzen, bedeutet immer
auch Kritik, Spott oder vielleicht im “harmlosesten” Fall mildes Belächeln.
Wer Nischen wie Performance besetzen mag, sich selber zeigt, körperlich
und psychisch, der muss auch damit zurechtkommen, nicht nur mit den
Stimmen von außen, aber auch denen von innen, die so manches Mal sehr
empfindlich skeptisch klingen können.

Kunst in der Gruppe! Was, wenn es da so unendlich viel zu klären gäbe?
Unterschiedliche Visionen der Qualität, die einen projektorientierte
Produzenten, die anderen anti-ehrgeizige Rebellenfreigeister? Enthusiastische,
zuweilen auch fanatische Macher gegen introverierte Talker? Möchte man
überhaupt Projekte anderer realisieren, daran mitarbeiten, oder fixiert
man sich lieber egozentrisch auf die eigene Kunst?

Weiß man denn so manches Mal überhaupt, was “eigene Kunst” bedeuten mag?
Ist es nicht klüger, das vorher zu erforschen, bevor man sich Gruppen-
arbeit widmet? Und wäre es nicht auch ein Entwurf, dass jeder seine
eigene Kunst in die Gruppe bringt; Materialschauen veranstaltet werden,
die zeigen, womit und wie Kunst auch gemacht werden und man sich
schließlich auch unendlich lange darüber austauscht, was man denkt
und fühlt, bevor man sich in Gruppenprojekte stürzt.

Oder es gibt Strömungen in einer Gruppe, die drängend nach vorne wollen,
Räume besetzen, diese obig schon erwähnten enthusiastischen Macher,
an denen beleibe nichts Schlechtes ist, doch nur dann, wenn sie andere
Stimmen mißachten, und delegierend das Sagen übernehmen, für ihre
eigenen Projekte, die sicherlich für sie selbst am wichtigsten erscheinen.
Da ist aber jeder Einzelne gefragt, das anzunehmen, aus freien Stücken
und mit Freude, oder sich zurückzuziehen, nicht grantelnd, aber
gedankenvoll weise und sich selbst kennend.

Tom’s Meinung

“Nein!”

Dear ZKM: Statt Kritik auch Lob!

Liebes ZKM,

Motzen, Meckern und Kritisieren ist in der heutigen Welt absolut in und
so manche Menschen scheinen nichts mehr als das zu können. Sicherlich
trifft das auch zu Unrecht öffentliche Institutionen, die gewaltige
Aufgaben mit limitierten finanziellen Mitteln zu bewältigen haben und
gerade auch im Bereich der Kunst mit dem Unverständnis so mancher
Gruppierungen -oder der generellen Öffentlichkeit- umgehen müssen.

Hier also mal ein ausufernd breitflächiges Lob an das ZKM Karlsruhe,
das mit aktuellen, kritischen und teils sehr besonderen Ausstellungen
das kunstinteressierte Besucherherz (auch aus aller Welt) erfreuen
kann! Einige kostenlose Angebote wie etwa Vorträge (spitze damals:
der professionalisierte Bürger, klasse dieses Jahr: Noam Chomsky) oder
auch diesen Sommer 2014 Workshops für Digital Immigrants oder Natives
gewähren auch Menschen mit begrenztem Budget Zugang zum ZKM und
seinen Angeboten. So manche Vernissage ist witzig, zeigt bekannte
Gesichter, und vielleicht bekommt man auch mal 1a Infos direkt aus
dem Künstlerquell.

Profi-Bürger, Studium Generale HfG

Global Activism

Noam Chomsky @ ZKM 2014

ZKM Workshops 2014

Kritische Ausstellungen wie Global Activism machen definitiv Lust
auf mehr, die Globale wird uns hoffentlich noch einen ganzen
riesigen Batzen mehr Kritik, Aufrüttelung und Bewußtmachung der
globalen Fehlentwicklung in allen menschlichen Lebensbereichen
zugänglich machen. Was wäre wünschenswerter, wenn Besucher nach
einem solchen Ausstellungsbesuch selbst zu Aktivisten werden
würden?

Viel mehr Werbung braucht das ZKM! Real, virtuell, mündlich,
schriftlich, neu, innovativ, what auch ever, wie man schnoddrig
denglisch sagen könnte. Mehr riesige Plakate für abendliche
Vorträge im ZKM, außerhalb! Mehr Plakate in und um Karlsruhe!
ZKM Mitarbeiter, die ausschwärmen, um an dichten Ballungsräumen
der Innenstadt Werbung zu machen?

Jedem Interessierten ist zudem anzuraten, sich die besten Happen
auch aktiv herauszupicken, das ZKM Programm als auch den
Internetauftritt zu studieren und innerhalb des Gebäudes
jedem ein Loch in den Bauch zu fragen, um Interessantes nicht
zu verpassen!

ZKM Karlsruhe

Gruß,
ich

Dear ZKM: die Goldene Horde

Liebes ZKM,

alljährlich wieder sind die letzten Tage vor den Sommerferien Zeitpunkt
für den Einfall der Goldenen Horde an Schülern bzw. Schulklassen ins
ZKM und dessen Museen. Besucher stellen erstaunt fest, dass das komplette
(Medien)Museum in der Hand lärmender Schulpflichtiger ist, die dann
meist recht schnell die Ausstellung Game_Play einnehmen und mit Beschlag
besetzt halten. Das Angebot an Spielbarem geht da zur Neige, da alle
Stationen besetzt, so macht es den Schülern eben dann nichts aus, einfach
ihr Handy zu zücken, es sich irgendwo gemütlich zu machen und dann eben
unabhängig vom musealen Angebot der digitalen Sucht nachzugehen.

Zu beobachten ist, dass geführte Gruppen, mit einem Kunstvermittler des
ZKM, längst nicht so chaos-induzierend wirken, wie ungeführte Klassen mit
so manchen Lehrern, die dann auch gern mal in den letzten Tage vor den
Sommerferien keinen Anlaß mehr sehen, sich in irgendeiner Form pädagogisch
zu betätigen. So wäre es doch wirklich praktikabel, nur noch geführte
Gruppen an diesen Tagen zuzulassen, um desinteressiertes Chaos zu vermeiden,
und den jungen Menschen eben auch ein wenig mehr zu vermitteln, als nur die
Zockerstationen im 2. OG des Medienmuseums.

Eins ist sicher: das ZKM braucht die Schulklassen und hat auch, wie jedes
andere Museum, einen Bildungsauftrag. Und es hat sich wohl eingebürgert,
dass die letzten Tage vor den Sommerferien das ZKM zu einem herausragenden
Besuchsziel für Schulklassen machen. Sicher hat das ZKM reagiert und
jeweils auch Montag sowie Dienstag geöffnet. Und möglicherweise können
Lehrer mit ihren Klassen auch keine früheren Ausweichtermine akzeptieren.
Ich finde aber, es sollte noch mehr getan werden, um die Massen an
Schulklassen sinnvoll zu lenken, vor allem an die Kunst heranzuführen
und sich eben nicht teilweise selbst zu überlassen.

Gruß,
ich

Realität vs Kunstschaffen

Man nimmt sich viel vor, hat Pläne, will Kunst machen, sprüht vor
Ideen und hat lauter Freunde, denen es ähnlich geht. Kommt man
zusammen, entwirft man, brainstormed, erörtert, verwirft wieder
und verlebt nen schönen Abend mit Speis und Trank.

Im Alltag holt einen dann etwas ein, was wir vielleicht abschätzig
als die grausame Realität kennen: die Arbeit, vielleicht unliebsamer
Klotz am Bein des Kunstschaffenden, raubt viel Zeit, persönlich
Privates wird wichtiger, Probleme der eigenen Sozialität überschatten
die Schaffenskraft, schlußendlich herrschen vielleicht auch
Divergenzen persönlicher Natur zwischen Leuten einer Gruppe, die
Kunst (auch zusammen) machen wollen.

Wären wir alle reich, vermögend und/oder berühmt, so könnten wir
uns luxuriöse Orte leisten, den ganzen Tag künstlerische Energie
akkumulieren, stimuliert von Musen unserer Wahl, und nonchalant
in den Tag hineinleben, den Malerpinsel ermattet fallenlassen
oder die wunden Finger vom Tippen auf der Schreibmaschine in
Zitronenwasser kühlen. Ja, … wären wir …

Sind wir aber nicht. Manchmal muss man sich irgendwie aufraffen, vor
lauter Alltag, Realität und sinntötender Stumpfheit und endlich mal
was in die Hand nehmen, etwas machen, statt immer nur drüber zu
reden. Doch das kann tierisch schwer sein, überschattet von so
vielen, auch negativen, Dimensionen der menschlichen Existenz im
real existierenden Kapitalismus, der das Wort sozial auf seiner
Reise durch die Zeit vergessen hat.

Vielleicht motiviert uns aber der unbequeme Stachel unserer
eigenen Unzufriedenheit in einem ausbeuterischen System, das die
Kleinen schröpft und die Reichen immer fetter werden läßt, etwas
dagegen zu unternehmen, mittels der Kunst, rhetorisch, malerisch,
performerisch, demonstratorisch? Der liebe alte Leidensdruck, so
sagen die Psychologen, könnte ein Ventil zum Explodieren bringen
und Kreativität bewirken, immer noch gegengesteuert, durch eine
wohlmeinende Ethik des Disagreements!

Liebe Anais Nin …

Du bist ja schon ne Nette, attraktiv, freizügig, literarisch,
wohl auch mit Altruismus gesegnet, und insgesamt ne freidenkerische
Schöpferin. Das ja ma richtig toll, und so.

Aber bist du denn ein Vorbild? Auch des Feminismus?

Immerhin, soweit ich gelesen habe, war das nicht immer ne tolle Erfahrung,
dass du Bad Boys anziehend gefunden hast, gabs schon auch schlechte Zeiten
in deinem Leben, von dir selbst verschuldet, und so richtig langfristig
beziehungsfähig warst du, nach allem, was ich so weiß, auch nicht?!

Ich hab nu nich alles gelesen, was du so geschrieben hast, vor allem nicht
das erotische Zeugs aus deinen Tagebüchern, von dem kritische Geister
annehmen, du hast da bissle was dazugedichtet. Immerhin gibt es Meinungen,
die sagen, dass dein literarischer Erguß meilenweit besser sei, als
die plumpe Unmöglichkeit präpubertärer Fantasie, die sich Shades of Grey
nennt. Naja, alles, wirklich auch alles, was man schreiben kann, und sei
es auch nur ein Essay über einen Backstein in der Morgensonne, ist besser
als Shades of Grey.

Wäre man als kritischer intellektueller Mann nicht versucht, heftig mit dir
zu streiten und danach eben NICHT mit dir ins Bett zu gehen? Um endlich mal
zu beweisen, dass auch Männer sich beherrschen können und du eben nicht
immer durchkommst mit deinem erotischen Argument der vielleicht pseudo-
kontrollierten Wildfreifrau? Und eigentlich propagierst du ja mit einigen
Quotes und Sinnsprüchen schon das devote Weibchen, das all den dominanten
Herren der Neuzeit zu willen ist, sein muß und gar nicht anders kann/soll.
Ob das so die richtige Botschaft ist?

Klar, es gibt wohl immer Leute, die deine Handlungen bewundern, dich
idealisieren und am liebsten so wären wie du. Immerhin lockt ja die Vision
sexueller Freiheit, vielleicht auch intellektuell-emotionaler Unabhängigkeit.
Vor allem als Frau. Aber denkst du nicht, man kann das auf psychisch
gesündere, weisere Basis stellen? Ohne schlimme Abstürze? Oder fatale
menschliche Fehlentscheidungen? Naja, vielleicht propagiere ich da auch
ein Sicherheitsdenken, eine ethische Einwandfreiheit, die es so wohl nie
geben kann, wenn Menschen mit Menschen Menschliches tun. Dass du und deine
Person im Übrigen auch in moderner Bad-Girl-Propaganda pervertiert werden,
hättest du dir vielleicht aber auch nicht gewünscht, oder?

Dear ZKM: Krachbumm … tut das Not?!

Liebes ZKM,

das Medienmuseum mutiert so langsam zu einer gewaltigen Krachbum-Vorhölle
des akustischen Wahnsinns! Tut das denn Not? Im Erdgeschoß klapper-lärmt
der Gezeitenraum im Rahmen der Sasha-Waltz Ausstellung munter dröhnend
vor sich hin, im zweiten Obergeschoß tobt in der Gameplay der euphorische
Kiddie-Schüler-Flashmob nicht nur bei Room Racers, sondern auch an der
sehr sinnig aufgestellten und exorbitant scheppernden “Rote-Button-
Kletterwand”, während draußen die Installation “Wind” mit ihren tierisch
lauten Riesenventilatoren morgens von 9-10 und nachmittags von 13-14 Uhr
den Unmut aller Anwohner auf sich zieht.

Meiner unmaßgeblichen Laienansicht nach, liebes ZKM, tust du dir damit
alles andere als einen Gefallen. Denn nicht nur den Museumsaufsichten,
die mit Gehörschutz bewaffnet tapfer dem ganzen Akustiksmog trotzen,
gehst du damit gehörig auf die Nerven, sondern auch jenen, die im
Bereich der ZKM-Lärmquellen arbeiten müssen, sowie dem allerwichtigsten
Teil jener, die ins ZKM kommen: den Besuchern!

Wie kann ich die schönen Performances im Erdgeschoß des Medienmuseums
denn genießen, wenn der Gezeitenraum grade das Ragnarök in voller
Dezibelstärke entfesselt? Wie mir die sehr gute Holografie-Ausstellung
anschauen, wenn im zweiten Obergeschoß die Game Play die brülljauchzende
Artillerie der Gaudi-Kids entfesselt? Und erinnern wir uns an die damalige
SoundArt im Erdgeschoß: macht es denn wirklich Sinn, auf engstem Raum
Sound Art zu preßen, bei der die Besucher dann von allen Seiten mit
einer Kakophonie beschallt werden, die es unmöglich werden läßt, einzelne
akustische Kunstwerke zu genießen? Und der Hauptaufreger die per Pedal
zu betätigende Glocke war, deren markerschütterndes digital verstärktes
DOOOING! Geräusch so nervend war, durch endlose Horden von Schülern
bis zum Exzeß betätigt, dass man sie schließlich ins hinterletzte Eck
des Lichthofes verbannte, wo sie aber dennoch immer lautstark zu hören
war? Manchmal ist weniger eben wirklich mehr…

Ich denke, liebes ZKM, man sollte Besucher nicht durch kuratorische
Designschnitzer verprellen, sondern durch weise, auch mal dezente
Entscheidungen zugunster aller anlocken. Ein Museum, selbst ein Medien-
museum, mag als Ort geschaffen werden, der die Menschen einlädt, lange
zu verweilen, darf auch akustisch Lautes im Namen der Kunst liefern,
aber niemals auf Kosten des Kunstkonsumierenden, Kunstschaffenden
oder Mit-der-Kunst-Arbeitenden.

Gruß,
ich