Category Archives: Historical Fencing

Schwertballerina oder Ernstkampfmonster?

The new Trend: Historisches Ringen as Self Defense

marktlücken gibts überall, man muss sie nur finden. also suchen wir
uns im HEMA was aus, das keiner so richtig macht (1), oder einige wenige
nur, und basteln uns daraus, mühsam inne neuzeit gehievt, eine prima
selbstverteidigung! sounds like a plan? a … business plan?

(1) oder doch einige? also so subjektiv sehe ich mehr schwert-
und keine ringenturniere bei meinen recherchen. lasse mich da
aber gerne belehren!

wozu das ganze? gibt doch schon nen haufen funktionale SVs, wie etwa
krav maga, oder so! wieso das rad neu erfinden? was wußten die alt-
vorderen, was alle gegenwärtigen kampfsportexperten nicht im
repertoire haben?

unseriös wirds dann, wenn von einer “alltagsselbstverteidigung mit
brutalen techniken” gesprochen wird, da ziehts mir persönlich echt
mal die schuhe aus. das eine hat mit dem anderen nix zu tun, derlei
bravado rhetorik ist für die vermarktung auch eher abträglich, und
das gesetz sieht sowieso selbstverteidigung und brutal im absoluten
gegensatz, möcht ich mal laienhaft so meinen…

also … ich bin leider gar kein experte, was martial arts angeht,
bin voller lesestoff aus schlauen artikeln und trenne so die
vermeintliche spreu vom wertvollen weizen. aber meine beschäftigung
mit dem thema läßt mich erkennen, dass zu einer SV weit mehr gehört
als nur ein set von kampftechniken, wobei es kampf ja grad nicht sein
soll, sondern verteidigung, abwehr und flucht. klar, steh ich anner
wand, kann nich weiter, und ein bis anne zähne bewaffneter endzeit-
mutant will mir ans leder, dann gibts nen fight. aber der generelle
use case dürfte im schönen industriestaat gegenwärtiger zeit doch
wesentlich anders aussehen…

was sagte mal ein experte in der SV, den ich live kurz sprechen
durfte: 80 prozent seien prävention. ob uns die fechtbuchquellen
des historischen ringens sowas lehren? denke mal nein. gibt es da
auch juristische belehrungen bezüglich notwehr und verhältnis-
mässigkeit der mittel zu lesen? nö? und wie ist es mit dem
mentalen? aggressive, assertive, defensive mindset? glaube also
kaum, dass es reicht, für eine funktionale, moderne SV, nur einige
historische ringtechniken drauf zu haben.

wobei … historische ringtechniken, die seltsame bizepsgreifblocks
praktizieren, bei denen man akrobatisch menschen über den unteren
rücken werfen soll, wo man konstant am mann kontaktpunkte sucht,
herumringt, bis es dann vielleicht zu nem wurf reicht? man stelle
sich das kleine damsellchen vor, das einen zwei meter mann auf
die art kaltstellen soll. sind das nicht nischennanwendungen, die
schwerlich in einer allgemeinen jedermann verteidigung praktischen
erfolg zeigen können?

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Die schweigende Masse

kann man sich nicht dran gewöhnen: der edle ritter prescht vor,
macht ne ansage, und aus der masse kommt beredtes schweigen,
nur der übliche kontrahent hat seine zeit. schlimmer noch, wenn
sich volk einschaltet und partei für den anderen ergreift. ups?
hey. aber … aber … ich bin doch im recht, oder? oder nicht?
oder wat? oder verstehn die mich alle falsch?

big frakkin disclaimer: entgegen jedem überlegenheitskomplex behaupte
ich, dass ich deswegen keinen weiteren zuspruch erhielt, weil
ich mich nicht perfekt kontextuell ausdrückte. und in anderen
kontexten, die das volk vielleicht eher im sinne hatte, eigentlich
falsch lag. wieder andere scholars of wisdom verfluchten mein
timing. pfff…. klingonen und timing.

ein mächtiges gefühl des allein-seins macht sich breit. aber warte,
hinter den kulissen kriegste danach von einigen wenigen gesagt,
dasse ja recht hast und die des genauso sehen. hm … wieso sagen
die dann öffentlich nix? na, vielleicht stehen se ja nicht so zu
dir, wie du gerne denken magst …

next on die taktiker. öffentlich sehr schweigsam. klug ist das,
mann, so wär ich auch gerne. wenn man sich an die wendet, und
jemand anders ist in hörweite, dann wird sich neutral geäußert,
die schweiz ist ein schönes land. ich wär gerne so.

wieder andere schieben dich vor, die knalltüte soll sprecher für
alle unzufriedenen sein. stößt das dann auf widerstand, ablehnung
oder ärger, ist der dran und nicht die graue eminenz im hintergrund.
opfern wir einen, dann wirds besser für alle. vielleicht sollte
man sich echt aus allem raushalten. schmutzig sind alle geschäfte,
vor allem die soziale interaktion.

am ende bleibt ein mickriger, kleiner crusader für werte,
tugenden, demokratie und all den schwachsinnigen nonsense, für
den andere auch schon ins gras gebissen ham. eher ne art idiotischer
märtyrer, der sehenden auges inne wand voller schweigender
und antagonisten läuft. hey, irgendnen sinn musses leben ja ham.

next disclaimer: hört sich mächtig depri an, das ganze, aber
egal, muss man durch als aktivist for the greater good. immerhin
hat man ja nen brainkasten im kopp, überlegt sich, dass man sich
am ende am besten auf sich verläßt und könnte positiv überrascht
werden, wenn das eigene beispiel dann positive früchte trägt.
immerhin gehts ja nicht um die revolution der gesellschaft,
sondern um das durchsetzen eigener interessen sowie ein wenig
gepflegtes gutmenschentum!

Co-Op vs Non Co-Op

jo! wünschen wir uns denn nicht alle, dass unsere techniken bei sturm,
wind und wetter funktionieren, völlig expert pro level realism tauglich,
sozusagen. also schrauben wir an der trainingsfeder, bieten widerstand
oder wollen ihn vom trainingspartner.

wieder andere sind echte spielverderber. die wollen einfach nicht MIT
jemandem spielen, sodern GEGEN jemanden. also widerstehen sie beim üben,
tun alles, dass die übung nicht gelingt, und holen sich dann wahrscheinlich
einen drauf runter, dass sie dem anderen bewiesen ham, dass die technik
nicht funktioniert und von einem vollnoob ausgeführt wurde.

ziemlich unschön.

die lösung aller probleme ist, dass man sich beim üben von techniken erstmal
drauf einigt, dass sich alle kooperativ verhalten. für martialische sonderwege,
tolle ideen, überenthusiasmus oder navy seals training in echtzeit ist dann
später noch platz. kooperativ dient dazu, erstmal die bewegungsabläufe
einzustudieren, zu gucken, wie der hase läuft und ne gewisse sicherheit im
ablauf zu bekommen. zudem macht man seinen trainingspartner dabei nicht
kaputt, netter nebeneffekt.

ist sowieso zu bedenken, inwieweit nicht kooperatives üben noch sicher ist,
vor allem beim allseits geliebten historischen ringen mit seinen supibesten
gelenkverdrehern. also beim langen schwert könnte man ja aufgrund der
guten armierung davon ausgehen, dass alles nicht so risky sei. doch beim
ringen? da ist dann mal schnell nen gelenk so strapaziert, dass es nimmer
gesund ist. ob und wie man dann da überhaupt dynamischere übungen oder
widerstand gegen techniken anbringen kann, ist mir da nochn rätsel.

aber aller anfang ist gesunder menschenverstand. denn wenn man einen anfänger
gegen sich hat, dem dann widerstand bietet, dann bringt der all seine kraft
auf, um die technik erfolgreich abzuschliessen, und siehe da, man erhöht sein
eigenes verletzungsrisiko. ob und wie es erfahrene pros machen? naja, die
sind auch nur menschen und schiefgehen kann so einiges. ich rate und mahne
also unablässig zur vorsicht. und weiss genau, warum ich langes schwert
nach wie vor einfach am besten finde. gut gepanzert, gut gerüstet, mit
genug abstand zum pöhsen feind!

Ein Überblick über Liechtenauer …

einige gedanken zu liechtenauer und der versuch einer persönlichen strukturierung
seiner lehren, dazu gedanken, fragen, versuchsanordnunge und ideen im hinblick
auf die praktische durchführung, hinleitung zum eventuellen freikampf oder
freundlich kontrollierten, wohldosierten übungsszenarien.

Liechtenauer – Prinzipien und Techniken – Überblick

– Langschwert –

1.) Prinzipien

1.1) kürzeste und direkteste Angriffsrichtung

—> Ökonomie und Effizienz

(parasitäre Bewegungen erkennen und beseitigen, Beispiel:
zusätzliches Ausholen beim Hau aus der Hut vom Tag)

(das Generieren von Schlagstärke durch Körpereinsatz,
Stichwort: Hüftdrehung)

—> Binden/Fühlen

(die Situation, wenn Schwerter aneinander binden/ sich “treffen”,
beispielsweise bei gegenseitigem Zornhau, Stark/Schwach erkennen,
weiteres Arbeiten daraus, taktile Signale erkennen)

(dem Gegner wenig taktile Signale geben, Schwertarbeit an dieses
Prinzip anpassbar?)

—> Haue (Oberhau, Mittelhau, Unterhau), Stich, Schnitt (die drei Wunder)

(das Üben der Haue und Stiche aus den Huten heraus; Kombinationen
wie etwa Oberhau vom Tag-rechts in den linken Pflug, dann Stich)

—> Huten/Leger – Basis (Ochs, Pflug, vom Tag, Alber)

—> Huten/Leger – Erweitert (Zornhut, Wechselhut, Nebenhut, Eisenport,
Schlüssel, Einhorn, Schrankhut)

—> Huten/Leger – Übergang (Hanged Ort, Kron, Langort)

(Huten, die als Transition dienen, die bei Techniken “durchlaufen” werden)

(Einordnung des Sprechfensters?)

—> nicht den Hauen nachfolgen (im Winkel angreifen)

1.2) Fussarbeit, Stand, Distanz

—> Geschwindigkeit, Beweglichkeit, Beobachtung/Einschätzung

—> weite Mensur (Angreifer macht 2 Schritte), mittlere Mensur (ein Schritt),
nahe Mensur (Angriff ohne Bewegung), enge Mensur (Angreifer kann Gegner
mit der Hand berühren)

—> einfacher Schritt, Kreuzschritt, Gleitschritt, Nachstellschritt, Wechselschritt

(das “Mensurspiel”: Aufstellen beider Fechter auf gegenüberliegenden Hallenseiten,
jeder darf einem Schritt tun, dann ist der andere an der Reihe; wer meint, nahe
genug zu sein, darf einen langsamen Trefferhau führen, trifft er mit mindestens
einem drittel seiner Schwäche ab Ort heraus, ist das ein Punkt. Erweiterung des
Spiels um Ausweichen, mehrere Schritte)

(das “Satellit”-Spiel. ein Fechter steht im Vom-Tag, der andere umkreist ihn in
verschieden entfernten Kreisbahnen. der schlagende Fechter darf einen Schritt
tun, Scheitel- oder Oberhau gegen die Maske des Umkreisenden versuchen,
das Abschätzen der Distanz, das Hinwenden zum Gegner per Fechtschritt)

1.3) Kraft, Geschwindigkeit, Struktur

—> Geschwindigkeit, Mut (Assertiveness not Aggressiveness), Klugheit (eigene Deckung),
Selbstvertrauen (do I trust my technique?), Ausdauer, Kraft

—> mit ökonomisch eingesetzter, geringerer Kraft einen Hau mit voller Power
erfolgreich versetzen (siehe Meisterhaue)

—> Assertiveness, die Selbstbehauptung, kontra ein Übermass an Aggressivität,
das Risiko birgt, Treffer kassieren lässt.

—> Klugheit (eigene Deckung beim Angriff, Gegner einschätzen, die eigenen
Stärken und Schwächen kennen, das Optimale tun, ohne großartig darüber
grübeln zu müssen)

—> Selbstvertrauen (Erprobung der eigenen Techniken unter Krafteinwirkung
und Geschwindigkeit, zuverlässige und konsistente Ausübung)

(das schnelle und kraftvolle Üben von Hauen, dazu die penible Einhaltung gerader
Körperstruktur, Ziel ist es, zu jedem Zeitpunkt des Haus, von Anfang bis Ende,
kraftvoll balanciert zu stehen – zuerst bewegt sich das Schwert, dann der Körper,
idealerweise Annäherung an Gleichzeitigkeit)

(ansatzlose Haue, dem Gegner keine Signale geben, Körpersprache)

(das Deflektieren größerer, ankommender Kräfte mit eigenem effizienten, also
auch geringeren Krafteinsatz üben)

1.4) Im Vor bleiben, Offensive, Defensive, Vorschlag/Nachschlag

—> Vor, Nach, Indes, Stark, Schwach (die fünf Wörter)

(immer nach dem Vor streben; hat taktisches im-Nach-sein einen Sinn?)

(das indes als optimales Reaktionstiming)

(das Schwache mit dem Starken beantworten, das Starke mit dem Schwachen)

—> der Abzug (nach eigenem Angriff in Ochs oder Pflug und Distanz einnehmen)

(Nach einem Angriff sofort auf der Schwertseite des Gegners den Pflug oder
Ochs einnehmen, dabei einen Schritt zurück machen. Ist der Pflug immer zu
empfehlen, da der Ochs die Arme verwundbar lässt, und man den Pflug immer
noch bei Bedrohung hochwinden kann?)

—> Vorschlag und Nachschlag

(Vorschlag als einzelner oder mehrfacher Angriff vor dem eigentlichen beabsichtigten
Treffer; eigenen Schutz beachten; es wird zu nur einem Angriff geraten, der den
eigentlichen Treffer vorbereitet; den “Vorschlag gewinnen”, erfolgreich den
Gegner in die Defensive drängen, ihn reagieren lassen.)

(Nachschlag als Treffer, wenn der Plan des Vorschlags aufgegangen ist)

1.5) Verstecken der eigenen Absichten vor dem Gegner

—> Taktik, Finte, Täuschung, Vorahnung

—> Provozier-Hau, um eine Öffnung beim Gegner zu generieren; Trefferhau; danach
Fanghau, um Gegenaktion zu unterbinden

—> strategische Überforderung des Gegners durch unablässige Haue zu den Blößen,
ähnlich des Meyer-Diagramms, während man “im Fechten zu ihm kommt”, dann
Treffer bei Fehler des anderen

—> Einladung des Gegners zum Hau durch Exponieren einer Blöße während einer
Hut, Kontrafechten durch passives Locken

—> die Hut Schlüssel als Verstecken der eigenen Reichweite

(die Finte als dem Gegner glaubwürdig präsentierte Angriffsrichtung mit spätem
Wechsel in eine neue)

—> das “absichtliche Fehler machen”, um den Gegner zu einem Angriff zu verleiten
und daraus Kapital zu schlagen, bzw. “der Fehler”, das absichtliche Nicht-Treffen
eines Ziels (Körper/Klinge), um ein anderes Ziel zu erreichen

2.) Meisterhaue

—> Zornhau, Krumphau, Zwerchhau, Schielhau, Scheitelhau

—> die Stücke zu den Meisterhauen

(effiziente Ausführung des Krumphaus in einer Art Scheibenwischer
Bewegung, die nicht über den Körper des Gegners hinausgeht,
kontrollierte Krafteinwirkung auf die gegnerische Klinge, sie nur
so weit aus der Bahn bringend, wie es für die eigene, nachfolgende
Aktion, etwa einen Stich, funktional ist)

(der Zornhau, das Gewinnen der Mitte, sogar Deflektion der gegnerischen Klinge
zum Treffer am Kopf, das Herbeiführen der Bindung, Spitze der Klinge immer
am Körper des Gegners ausrichten, klassische Eröffnung?)

(der Zwerchhau, das Deflektieren eines Hiebs mittels Treffer auf die Seitenfläche
der anderen Klinge, der punktuelle, nicht überdimensionierte Krafteinsatz zum
anderen Schwert, nicht Kraft abfangen, Kraft durch effiziente Krafteinwirkung
ableiten)

(das Timing beim Scheitelhau, das Zeitfenster, wann dieser Angriff im Rahmen
des indes funktional und optimal ist)

3.) Techniken

—> Duplieren, Mutieren

(Mutieren gegen jemanden, der weich in der Bindung ist, über
die Bindung kommen und zur Blöße stechen)

(Duplieren reagiert auf harte Versetzung, trifft hinter der
Klinge des Gegners)

—> Versetzen

(passive Versetzung des gewöhnlichen Fechters zur
Demonstration einer suboptimalen Handlungsweise)

(Meisterhaue als optimale Versetzungen: Krumphau besiegt
Ochs, Schielhau besiegt Pflug, Twerchhau besiegt vom Tag,
Scheitelhau besiegt Alber)

—> Nachreisen, Überlaufen

(Bestimmung des Zeitfensters für ein optimales Nachreisen, indes
optimal reagieren, wenn der Gegner sich verhaut)

(dynamische Übung: Fechter A muss versuchen, die Maske des
Fechters B zu treffen, der mit Fechtschritten ausweicht. Schafft er dies
nicht, muss er den Hau zu Ende bringen, und Fechter B darf das
Nachreisen per Oberhau bzw. Scheitelhau anbringen. Langsame
und schnelle Ausführung, Beachtung des Zeitfensters, wann
Nachreisen angebracht ist.)

—> Absetzen

(in den Angriff per Ochs oder Pflugstich hineingleiten, Deflektion der Klingen-
energie des Gegners, mit Stich versetzen)

—-> Durchwechseln
(Effizienz der eng kreisförmigen Bewegung unter der Klinge des
anderen hindurch)

—> Durchlaufen (Einlaufen, zum Ringen)

—> Händdrücken

—> Zucken
(das Üben der Präzision im Zucken aus verschiedenen Positionen)

(Übung: Fechter A schlägt Fechter B einen Oberhau, B blockt passiv,
A zuckt zurück und trifft entweder gut geschützte Hände oder das
Blatt von B über der Parierstange – Präzision und Geschwindigkeit
schulen)

—> Hängen (ins Hängen schlagen)

(das Andeuten eines kraftvollen Haus, Abglitzen an der gegnerischen
Klinge, ohne Verzögerung ins Hängen und Stich)

3.1) Krieg / Winden

—> 24 Winden Techniken ab naher Mensur

(die einzelnen Winden üben, den Stich zuverlässig per Winden deflektieren,
das Bringen des eigenen Schwertes über das des anderen per Stärke
zu Schwäche zuverlässig in jeder Geschwindigkeit praktizieren)

4.) Halbschwert

Wohldosierte Technikerschildkröten

es ist absolut legitim, keine turniere im historischen fechten bestreiten zu wollen.
dazu ist es absolut okay, nicht einmal sparring oder freikampf anzustreben. ich nenne
das: techniker bleiben. besonders hartnäckige anti-leistungskultur orientierte
sturköpfe sind dann schildkröten mit harten panzern und wohldosiert kultivierter
übungsmanier, das ziel: so viel zu können, wie sie zu fassen kriegen an quellwerk.
das ganze durchaus zu erproben, in vorsichtig angelegten übungen, dezent steigernswert
in speed and power.

freikampf und sparring sind risikobehaftete vorhaben. gegen die falschen leute sind
es auch demütigende und herabwürdigende erfahrungen. mit den richtigen leuten allerdings
sind sie durchaus klasse erlebnisse, die wirklich voran bringen, auch und gerade, wenn
man dann “verliert”. könnten also sture wohldosierte technikerschildkröten zu sparring,
ob leicht oder full contact, bewegt werden? na, vielleicht, wenn ethisch kompetente,
ähnlich veranlagte tierchen sich mit ihnen in den ring gesellen. für alle anderen bleibt
die blutige arena der hitzigen jungbullen, denen es egal ist, was sie anderen zufügen.

sowieso: vor die freuden des freien ausprobierens setzte gott die ewiglich lange übung.
eine zwischenstufe stellt das üben von attacke und parade in voller kraft und
geschwindigkeit dar, erst, wenn der eigene zornhau nen brachialen brunfthau
zuverlässig aufhalten kann, darfs weitergehn. die politik der langsamen und kleinen
schritte. all jenen vielleicht zu langweilig, die vom turnier-zugucken blut geleckt
haben und eigentlich alle schutzausrüstung schon beisammen haben.

es besteht nur dann ein unablässiges problem, wenn trainer den freikampf, das sparring
zur disziplin von gottesgnaden stilisieren und viel zu früh die trainierenden damit
überfordern – anfänger oder dezent fortgeschrittene werden das sowieso sein. wer zu
früh frustrationen erzeugt, grade auch erfahrene in freikampfübungen auf anfänger
loslässt, riskiert ablehnung oder kritik oder verletzung oder das ausleben gewisser
egotriebigkeiten an leuten, die es eben noch nicht so können. klar, freikampfegomanen
unter sich richten auch nur unter sich schaden an, die sollten dann klar wissen,
auf was sie sich einlassen.

wobei man inklusion für alle betreben kann: wer auf der technikerstufe bleiben mag,
gerne, wer weiter in freefight oder turniere voran mag, absolut. es soll und muss
für alle ansprüche im training platz sein, das erfordert auch nur toleranz der
trainer, die nicht beleidigt sein sollen, dass ihre vision der freikampfigkeit nicht
von allen getragen werden kann, aus gesundheitlichen gründen sowieso, aus persönlichen
gründen mancherorts. leistungskader und breitensportler gut vereint, und wer weiß,
vielleicht wechseln ja die lager dynamisch, befruchten sich gegenseitig, aber
gönnen sich jeweils ihre zielsetzung. DAS muss im sport gefördert werden. eine
klassische aufgabe der trainerschaft.

Hinführung an den Freikampf

sodele. will ich mal ein endlos theoretisches thesenpapier versuchen, das
eine graduelle annäherung an das komplexe dingens namens freikampf bzw.
sparring darstellt. a work in progress.

—> fitness und kampfdrills zum aufbau derselben in beweglichkeit und
kraft sind nicht gegenstand des thesenpapiers. es wird davon ausgegangen,
dass alle trainierenden ohnehin im rahmen ihrer möglichkeiten daran
arbeiten.

1.) technik

die huten ochs und pflug: der trainierende muss gegen langsam und schwache
bis hinzu schnellen und starken hauen beweisen, dass er die huten ochs
und pflug stabil zum block nutzen kann, der ort seines schwertes muss
dabei immer auf den gegner zeigen.

die meisterhaue: der trainierende muss gegen langsame und schwache bis
hin zu schnellen und starken hauen darlegen, dass er die meisterhaue
gemäss ihrer praktischen anwendung sicher mit oder ohne treffer anbringen
kann. (twerhau gegen oberhau, krump gegen zorn etc.)

alle übungen haben die natürliche progression von langsam und mit wenig
kraft bis hin zu schnell und mit kraft. dabei wird spätestens ab mittleren
geschwindigkeiten genug schutzausrüstung getragen.

—> alle trainierenden müssen darlegen, dass sie in hau als auch stich
nicht nur schnelligkeit und kraft beweisen, sondern auch präzision und
kontrollierte powerdosis.

—> alle trainierenden versuchen, die körpersprache des anderen zu lesen,
und in bezug auf meisterhaue oder haue an sich immer die richtige “antwort”
auf den angriff zu finden.

—> beseitigung von parasitären bewegungen. technik ökonomie und effizienz.

2.) limitierter freikampf mit festen instruktionen bzw. regelsets

[alle übungen erst langsam, dann graduell schneller. ab gewissem niveau
schutzausrüstung anpassen und erweitern]

vorübungen:

ein fechter muss versuchen, die maske des anderen durch einen
hau zu treffen. der andere muss ausweichen, darf nicht parieren. verhaut man
sich bzw. trifft man, zurück in die ausgangsstellung, weite mensur. ohne
raumbewegung, mit fechtschritten vor und zurück. mit raumbewegung: der
passive fechter umkreist den aktiven in verschiedenen, wechselnden abständen.

aufbauend auf obiges. parade des angegriffenen gestattet.
durch huten ochs und pflug. wiederholen mit stichen, dafür ist unter
umständen mehr schutzausrüstung notwendig, falls andere trefferzonen
als nur die maske gestattet sind.

ein fechter bewegt sich frei im raum, darf durch verschiedene fechschritte
ausweichen, der andere muss ihn treffen, vorzugsweise wieder fechtmaske als
trefferpunkt. distanzüberwindung schulen. distanzen einschätzen und erkennen.

übungen:

übung im raum: ein meisterhau für beide fechter gestattet. zornhau eignet sich
gut. freie bewegung im raum. trifft man, zurück in startposition, weite mensur.

alle weiteren übungen haben einen gänzlich neuen meisterhau als einzige angriffsmethode.
beide greifen sich an, nutzen den meisterhau, soweit möglich, auch als indes defensive.

danach erweiterung des regelsets. beispielsweise sind zwei meisterhaue zum angriff
und zur indes defensive erlaubt.

erweiterung des regelsets: jeder eigene angriff muss mit einer weiteren aktion
als “deckung” begleitet sein. sei es, man vollführt einen zornhau, entfernt sich
dann vom gegner, geht dabei in den hanged ort, bzw. pflug oder ochs. die
methode des sogenannten “abzugs”. suche ich nach meinem hau den kontakt zur
partnerklinge? ist es sinnvoll, das zu tun? eine art bindung zur eigenen
sicherheit aufrechterhalten?

—> das phänomen des doppeltreffers. analyse, vermeidung, “sichere angriffe” vs
“risiko angriffe”

—> vorüberlegung: möglicherweise sinnvoll, derlei vorgehen ohne meisterhaue und
nur mit normalen hauen (oberhau, unterhau, eventuell stiche), erst danach meisterhaue.

—> das programmieren einer angriffs-sequenz? ausprobieren? nachteil: fehlende
flexibilität in dynamischer kampfsituation

3.) freikampf mit festgelegtem, limitiertem regelset – alle geschwindigkeiten

maximale schutzausrüstung. alle meisterhaue. alle huten. start in weiter mensur. nach
treffer stop, rückkehr zur mensur startstellung. alle trefferzonen erlaubt. peinlich
genaues achten darauf, dass ein treffer mit einer fechttaktion errungen wurde. mit
ringrichter? graduelles steigern der geschwindigkeiten. zuerst kein halbschwert,
kein nahkampf, später addition desselben.

—> these: sind meisterhaue völlig ausreichend, einen kampf zu bestreiten? zum angriff,
als auch zur indes-defensive?

—> verteilung von rollen: einer ist der aggressor, der andere defensiv. verschiedene
runden. tauschen der rollen. dann beide als aggressor. wer wird belohnt, wer wird
bestraft?

—> tricks, körpersprache manipulation, finten.

—> modifikation: nur fechtmaske ist als trefferzone erlaubt. einschränkung der
trefferzone läßt weniger schutzausrüstung zu, aber auch nur bei entsprechend
erfahrenen trainierenden, das minimum handschuhe – fechtmaske sollte nie unterschritten
werden

4.) freikampf ohne regelset – alle geschwindigkeiten/kraftanwendungen

das ziel der reise.

—> auswahl von fechterischen techniken aus dem wissenspool für die eigene kampfstrategie,
das eigene “skillset” wird definiert und erweitert. was klappt? was liegt mir? was nicht?

—> das eigene ego im kampf. psychologie und kampfstrategie.

—> die eigene körperliche fitness im freikampf. ausdauer, kraft, geschwindigkeit.
analyse, verbesserungsmöglichkeiten, kompensationsmöglichkeiten eigener defizite

Überenthusiasten!

also, wer kennts nich? überbordend vor aktionsfreude bumpert das
wilde, kleine abenteurerherz, feuer und flamme erstrahlt das seelchen,
jez zeigen wirs allen, nu machma se platt, zeigen unsere fancy
moves, auf dass der olymp nen halbgott mehr hat zum pantheon
vollstopfen! (zeus wirds nerven!)

nu simma abba beim K(r)ampfsport. oder beim historischen fechten
in sanft anstrengender breitensport manier. oder beim wahnsinnig
technischen self defense gewirbel. oder wo auch immer. will heissen:
man sollte sich ein wenig bezähmen. denn it can get gefährlich,
wenn alles außer rand und band ist, vor allem der trainingspartner
die übungsmoves erwartet, und man full chuck norris mode aber nen
armhebel ansetzen mag.

das resultat sind in jedem fall schmerzen, gelenk-aua, oder noch
viel schlimmeres. wirklich nix einzuwenden gegen kindliche spielfreude,
everybody loves to be a kid sometimes, aber zuviel des spielerisch
draufgängerischen, und der trainingspartner ist beschädigt! es liegt
an uns allen, da mehr disziplin walten zu lassen. apropo: dem trainer
obliegt es, derlei gesinnung rechtzeitig zu stoppen, wenn sie
gefährlich zu werden droht.

und ja, auf jede technik übung gibts ungefähr ne myriade kreative
anwendungen, schön, wenn man sie diskutiert, aber unschön, wenn
man sie andauernd anzubringen versucht, wenn eigentlich alle erstmal
schritt für schritt was lernen sollen. also versaut anderen nicht
ihre übungen, haltet euch ans prozedere und spart die fancy moves
für free fights mit gleichgesinnten auf. da erweist sich dann auch
viel besser, ob man dem schmerz gewachsen ist, wenn man nen ähnlich
tobendes spielkind vor sich hat. (“spielkind” im übrigen sehr
sympathisch gemeint, ist ja nix falsches am spielen, nur eben moderat
und vor allem sane & safe & consensual – ha, wer dachts, diese
sicherheitssprüchlis ausm sex-ethik bereich taugen auch fürn sport?!)

addendum: boah, ich hab in den tags das wort disziplin aufgenommen, und
argumentiere im text quasi in die richtung? schockschwerenot, der freigeist
assimiliert von der grauen front der ernsthaften? woah? arrghh? nujo, sagen
wir, dem wahnsinn, irrsinn und blödsinn muss man eben in gewissen
bereichen auch mal grenzen setzen, aber erst, wenns really dangerous wird,
und vor allem ne gerüttelt menge empathie gefragt ist, da man ja MIT
anderen übt, im sport, und nicht GEGEN sie.

addendum 2: oh, obig ist von überenthusiasten der eigentlich wohlmeinenden
art zu reden, die eigentlich nur bissle hinweis und führung brauchen, denen
man zur empathieförderung eigentlich keine lektion erteilen muss. aber
hütet euch vor den ego-schweinchen, den bösartigen überenthusiasten, denn
die sind so empathisch wie nen ziegelstein, so grobmotorisch wie
nen tarolanischer riesen-plompf und wollen in ihren kleinhirnen nur
gewinnen, egal um jeden preis, und egal, bei welcher übung.

Schwertkampf Motivatioooon!

rülpsend rüpelhaft vorm rechner couchpotatoe-technisch lungernd,
stößt man auf bestrebungen junger eiferer, nen neuen verein zum
schwerteln zu gründen, und dergestalt auch eine linklist mit
inspirational vidz. gleich mal draufgeklickt … oha, nen typ
auf der bühne, mimiktechnisch hyper-ADHSig was vorschwallend von
meisterschaft – er sei einer – und lebensgefühl und whatnot,
wenn man sich den historischen kampfkünsten denn hingäbe. grad
wollt ich einigermassen halbwegs gnädig daumen hoch servieren,
labert er wat von … sexy … da hammas wieder. wenn ich den
verfluchten sport machen will, dann ist being sexy not on the
list, sondern spaß haben, was erreichen, gesundheit fördern.
keinesfalls so ne verquirlte top model attractiveness scheisse,
die sie dir in jedem fitness studio aufs ohr bügeln, damit de
rich&famous per sixpack wirst … surprise, you dont, really.

zwischendrin fühlte man sich in irgendnen motivationskurs für
abgehalfterte manager versetzt, muss denn jede verdammte
betätigung gleich des seelenheil auf erden bringen? ich mein,
schön, wenns so ist. aber kritische geister werden sowas von
hellhörig, wenn sie motivationstalk unbekannter quellen hören,
und der könig mammon immernoch die welt regiert. ist also
schwertkampf der motivational seelenreise tripp für real-
unsportliche, die man aus anderen nischen vertrieben hat?
öffz! oder ist es der heilige gral der depressionsüberwindung?

ah, und bei mir setzts dann wieder mal komplett aus, wenn
ich auf der obig erwähnten seite jungfrischer wannabe-vereins-
treibender lesen muss, dass knickerbocker hosen, also kniebund
höslis, sich in der szene durchsetzen. wasn das für ne equipment
empfehlung? sind wir bei fashion schwertkampf reloaded mit
möglichst pretty bunten söckchen? oder doch ein bolero top noch,
damit man bei gucci grad noch mitlaufen kann? alter, wasn
quark. kniebund und stulpen … stulpen, das sind jene sexy
overknee strümpflis, die eigentlich gern von den frauen getragen
werden, aber dann bei den females echt attraktiver ohne wolle,
sondern see-through. abgesehen davon rutschen stulpen, da brauchste
dann noch nen erotischen garter-belt, damit die halten. ECHT SEXY
SCHWERTKAMPF. empfehle ja da eher hautenge yoga pants für männer,
damit man seine eigenen ultraschlanken fesseln, beinchen,
gelenkchen topsauber im vanity-wandspiegel bewundern kann!
oh, fast hätt ichs vergessen: mir ist scheissegal, was sich in
irgendwelcher szene durchsetzt.

pardautz. vielleicht bin ich zu streng mit de leutz. kann ja jeder
machen, was er will. und moderne sportfechter laufen auch in
komplett weißem kniebundlatz rum. what shalls also?! dennoch,
was sich alles in die historischen kampfkünste reindrängt,
profitieren will, die kunst verwässert, moderne eitelkeit pflegt,
oberflächlichen dumfug verzapft, den geldesel melken will ohne
ende, oder schließlich nur gefährlich dummer scharlatan ist,
all das gefährdet den schwertkampf, korrumpiert den traum
des schwerts, und verführt zum bösen!

To be fast, you first have to be slow.

Laßt uns zu Schildkröten werden! Nähern wir uns ambitionierten freikampfigen
Übungen mit der nötigen Skepsis und Vorsicht. Egal, ob da Propaganda betrieben
wird, das Ganze “dynamischer”, “schneller”, “beweglicher” oder whatauchever
zu betreiben. Nehmen wir uns doch mal Zeit. Steigern wir uns langsamer, erkunden
wir die Schwierigkeiten oder auch Leichtigkeiten dieser oder jener Übung,
durchdringen wir das Ganze und passen es vor allem an unsere physischen
Begebenheiten an. Schlau ist die Schildkröte, und beginnt langsam. Laßt doch
die Hasen hyperspeed voranhoppeln, die kriegen dann auf die Pfoten (vor allem,
wenn sie keine Handschuhe tragen).

Glaube, es ist auch eminent wichtig, auf die eigene Stimme im Inneren zu hören.
Gezielte Überforderung, von anderen als Trainingsprinzip erhoben, könnte durchaus
risikofördernd und fruststeigernd wirken. Wollen wir das? Training soll Spaß
machen. Bin nicht im Sport, um mich dort wie im Gebetsmühlenalltag der Leistungs-
gesellschaft durchnudeln zu lassen. Keiner redet hier einem Stillstand das Wort,
jeder möchte ganz bestimmt etwas erreichen, nur muss es beileibe nicht gleich
der Landespokal der Freikampfmeisterschaften in Nowosibirsk sein, mit Gelenkbruch,
Herzlungenstich und Schädeltrauma erkauft. (ob es in Nowosibirsk denn überhaupt
Schwertkampfwettbewerbe gibt? ich habe keine Ahnung?!)

Trainiert man mit Leuten, die eh noch Anfänger sind, muss man den Gang komplett
rausnehmen, antifrustrierend regulieren und Erfolgserlebnisse gönnen. Teilübungen
vorschalten, die Abstandseinschätzung, Bewegungslehre (Erkennen, Ausweichen, Angriff)
und Technik (Nachreisen, Überlaufen) getrennt oder dann später vereint thematisieren.
Erstaunlich, wie eine einfache Anweisung wie “Hey, Nachreisen und Überlaufen in
freikampfiger Manier” doch so viele kleine Minifitzel an Parametern beinhalten
kann.

Am Ende des Tages ist auch ein gewisser schildkrötiger Panzer vonnöten, eine sture
Durchsetzungsfähigkeit, wenn die eigenen Limits an Safety oder Gesundheitssphäre
sicher durch andere strapaziert werden: “nein, ich werde diese Übung nicht so
schnell machen, dass ich mich (oder meinen Trainingspartner) selbst physisch oder
technisch überfordere!” Die schlaue Schildkröte sollte immer und überall, wo es
teils kopflos hyperambitioniert zu schnell gehen soll, gewaltig auf die Bremse
treten und dann jene Hoppelhasen außen vor lassen, die genau das voller Eifer
umsetzen wollen, um gierig die Früchte ihrer Ambition zu geniessen.

Sollte man einen Club der Schildkröten gründen? Man könnte ja dann all die
ehrgeizigen Hyperspeedfreikampfhoppelhasen im Krankenhaus besuchen, wenn sie dann
mal wieder regelmässig die eher negativen Folgen ihrer Art, zu trainieren, ernten.
Okay, okay, es mag natürlich die absoluten Profihasen geben, die sich nie wehtun,
alles auf maximalster Geschwindigkeitn perfekt vollführen und im Glanze ihrer
Pokalerfolge Vorbilder für alle sind. Also ich hab noch keinen getroffen. Will
ich vielleicht auch garnicht. Fühl mich bei den Schildkröten pudelwohl.

Mittelaltermarkt Invasion!

Mittelalterliche Märkte sind was Tolles, Lagergruppen, lecker Futter,
Schaukampf, Spaß für die Kids und lehrreiche Gespräche mit Lagernden,
die einem auch gerne mal Waffen und Rüstungen und How-to-Mittelalter
nahebringen. Gibt Lager, die sind ziemlich viel “A” (welches für
Authentisch – historisch korrekte Darstellung), andere recht viel
weniger.

Zwischendrin hamwa als Besucher, oder vielleicht sogar lagernd, recht
fantasiereiche Gestalten: Samurais, Römer, Piraten, recht selten arabische
Krieger (die ja noch ins Bild passen würden), und den unvermeidlichen
Assassins Creed Computergame Heroen. Oh, Elfen und Orks und Fantasy
Warriors/Princesses nicht vergessen!

Erster Reflex wäre, über die Leute die Nase zu rümpfen und deren Platz
auf solchen Veranstaltungen in Frage zu stellen. Gar finstere Gestalten
machen sich sogar endlos lustig über solch historisch völlig unkorrekte
Narretey. Okay, aber weise ists eben nicht. Auf amerikanischen Rennaissance
Faires läuft auch alles rum, was Gott verboten hat, eben weil es für
die Leute abseits der Comic Cons etc. recht wenig gibt, in deutschen
Landen gar muss man auf LARPs ausweichen, hat – meiner Kenntnis nach –
recht wenig Gelegenheit, alles abseits mittelalterlicher Darstellung
ins Licht der Öffentlichkeit zu tragen.

Ich plädiere hier also für Nachsicht und Toleranz, lassen wir die
A-Päpste neben alle bunten Andersweltprotagonisten, und sogar für einige
wenige versprengte, lichtscheue Gothicvampire sei noch Platz gefunden.
Wer hardcore historisch korrekt sein mag, gesellt sich zu jenen, die
das ähnlich sehen, wer wildwütig bunt fantasybesessen ist, für den
findet sich auch noch nen Eckchen. Sehe also nicht, warum man sich
an allem stören sollte, der kleinste, gemeinsame Nenner ist: es macht
den Markt vielfältiger, alle ham was zu gucken, und jeder wird nach
seiner Art zufriedengestellt.

Btw: in tausend Jahre nicht kriegt man mich in wollene Leggins mit
Schamkapsel und enge Doublets (Landsknechts Zeug um 1500) rein. No Sir!
Bevor das passiert, mutiere ich lieber zum luftig-beinkleidigem Wikinger!

Btw2: Jo, historische Fechter sind in der Masse der FrühMi/SpäMi (1) teils
auch richtig derbe inner Unterzahl. Und anderthalbhändige Lichtenauer
CombatArt sieht abseits des Schaukampfs auch bissi technisch aus, wie
soll ich mich auch da überhaupt in historisch authentischen Schutz
hüllen, damit sicher zugehen soll? Plattenrüssi raus und bei 40 Grad
schwitzen, bis man umkippt? Oder eher Fechtmaske uffn Kopp und Stilbruch?
Many Questions! Am besten ins HoMi gebeamt, Anderthalbhänder und Fechtkunst
beibehalten und die Bude gerockt!

(1) FrüMi, SpäMi, HoMi = Früh-, Hoch-, Spät-Mittelalter