Category Archives: Vampires

My Take on Vampires.

Vampy Sex !!!

ich bin traditionalist und sehr unzufrieden. vampire sind monstren.
ihre erotik hat das böse injiziert, ist also als solche schädlich,
böse und dient eh nur dem zweck des blutsüffelns. zudem: vampire
sind untote, kadaver, leichen, kalt, monströs, eklig und eigentlich
totally widerlich!

klar, twilight machts vor, du drehst die vampys durchn kitschwolf,
dann haste glitzernde teenies, die eigentlich voll cool ewig leben,
scheiss verdammte dauertopmodels sind, und mit denen poppen ne
richtig tolle soft bdsm angelegenheit darstellt. whats not to love
als sehnsüchtiges romantik girl mit dem sehnen nach dem ultimate
verführer/beschützer in der variante white vampy knight?

des kannsch doch echt hacke, ey. ich wehre und weigere mich. vampire
sind vor allem tragische monstren. die kriegen ja keinen hoch, wenn
se net mit blut gefüllt sind, und selbst dann … liebe machen mit
nem leichnam, da stehn doch nur die abartigsten druff. sowieso, der
vampy ist verflucht, da ist nix mit herzpochender leidenschaft,
schließlich ist sein leib ohne blut verdorrt, klapprig, old opa
style verrottend. und mit dem lebenssaft gesaugt, mag er ne zeit
lang casanova personally sein, okay, aber nach wie vor, das vergeht,
und ist genau die illusion, die er braucht, um das böse weiter inne
welt zu tragen.

nach wie vor: bram stokers dracula is where its at. wobei der film,
nujo, grad noch so genehmigt. bin kein fan von vampys, die sich
in halbe werwölfe transformen, um dann die freundin von der harker
rumzukriegen. das auch wieder hollywood shit. naja, es ließe sich
streiten, inwiefern vampys an sich in magisch/otherworldly zustand
attraction simulieren oder sogar gewisse emotions empfinden, warn
ja mal people, too.

aber wenn wir den vampy in der kitsch romantik ecke ersäufen, hamwa
eigentlich ne story, die man auch ohne blutsaugerei schreiben könnt.
ist ja eh ne love story mit bissle rauhem charme, da muss es net
der x-te retortenvampy sein, der das pseudointeresting machen soll.
geschmäcker sind wahrlich verschieden, insofern geht alles, und
jede zielgruppe hat ihre präferenz. doch warne ich gegen die
verseichtung eines mythos, der von trauer, tragik, horror und
dem bösen lebt, alles als unterfütterung seiner gefährlichen,
erotischen nebenkomponente, die wahrlich niemals oberflächlich alles
sein sollte.

addendum: das untote, antithese des lebens, also negativer spiegel
all dessen, was wir so als leben begreifen. sozusagen also des
lebens nicht fähig, sogar eine perversion des lebens, eben weil
auch und gerade im akt des koitus, der eben nicht zur ejakulation
führen kann, da vampire den samen des lebens nicht in sich haben.
ich würde sogar noch nen schritt weitergehen und den vampir
überhaupt keinen hochkriegen lassen: der impotente schatten, der
er ist, kann das leben eben nicht perfekt imitieren.

addendum 2: weibliche vampys sind ja auch echt geile hexies, wa?!
eben nich! hier gilt das gleiche! es sind kalte leichname, in die
ein verwirrt bezauberter sein, öhem, stück hineintransferiert. das
sollte schock bewirken, nich noch mehr geilheit. eine extrem
unangenehme erfahrung sozusagen, kalt, leblos, erfrierend, sogar
bedrohlich! hier gibts also keinen chauvinismus, der gebietet,
dass weibliche vampys die geilsten schnecklis sind. beileibe nicht!

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Schau in den Spiegel!

Man sagt, sie seien jung, aber sie sind es nicht. Alte, vertrocknete Hüllen,
hässlich, mißgestaltet und gezeichnet von Auszehrung. Weicht das Leben,
weicht auch immer die Jugend. So wisse, so sie denn am Lebenssaft nähren,
äffen sie die Schönheit des Lebens nach, werden jung, doch der Kundige, der
in den Spiegel sieht, wird ihre wahre Gestalt immer erkennen.

Sie flüstern dir ins Ohr, dass sie mächtig seien, doch auch das ist eine Lüge.
Denn das Leben, und die geheimnisvolle Kraft der Seele, der Glaube nur eine
Art Brücke hinein in diese Macht, wird sie immer besiegen können, doch wissen
nicht mehr viele, wie sie den Urquell hervorrufen.

Sie behaupten, sie hätten Macht über die Tiere, besonders Wölfe oder Fledermäuse
oder Ratten. Jedes Leben wird sich gegen sie zur Wehr setzen, wird sich niemals
freiwillig fügen, wird immer versuchen, ihr Joch abzuschütteln. Der Tod wird
immer Mühe haben, das unbändige Leben zu unterjochen.

Sie sind stolz auf ihre Verführungskunst, aber sie sind nur schwache Schatten
lebendiger Leidenschaft. Blutleere Kadaver sind ohne Lust, sie spielen es vor,
sie vollführen ein Theaterstück, selbst dann, wenn sie den magischen Saft
fremden Lebens genossen haben. Auf ewig ist ihnen die lebendige Quelle der
Fleischlichkeit, das Verlangen und Begehren nur ein schaler Nachgeschmack
ihrer erinnerten Existenz.

Ewiges Leben ist ein Fluch, eine Bürde, sie werden wahnsinnig, irre, voller
Qual wandeln sie zwischen den Grenzen. Ihnen ist Glückseligkeit versagt,
nur der endgültige Tod kann sie erlösen. Jeder von ihnen sehnt sich danach,
egal, wie sehr sie dich belügen, die Folter ihrer unerfüllten Existenz ist
ihr Fluch und ihre Strafe.

Sie wollen ihren Fluch unter die Lebenden tragen, und wissen doch, dass sie
dadurch niemals frei werden. Denn das Böse, so es denn an Zahl gewinnt,
wird immer über sich selbst herfallen, und so haben auch sie, die Vampire,
keine Wahl, jagen und töten sich gegenseitig, denn egal, wie schlau sie
sind, waren oder sein werden, wird ihre verdammte Existenz immer der
Zerstörung zustreben.

Hinter dem Schleier des Todes wartet der wütende Schnitter, denn er kann
es nicht leiden, dass er betrogen wird. Er sendet seine Priester aus,
er wandelt voller Eiseskälte unter den Lebenden, und schwingt seine Sense voller
Zorn, denn der Tod duldet nicht jene, die ihm entkommen wollen, auf
der Erde wandelnd, unter den Lebenden. Die Ordnung der Dinge wird behütet,
von viel mehr Kräften als nur denen, die glauben.

Das Königreich von Tag und Nacht

Ein Königreich gab es, eins am Tage und eins in der Nacht. Sie hatten
einen Pakt geschlossen, besiegelt durch Gesetze und heilige Schwüre, die
damals noch mehr galten, als sie es heute tun. Am Tage regierten die
Menschen und in der Nacht die Nokturnen. Der Ritus der Übergabe der
Regentschaft war immer stillschweigend, selbstverständlich und so alt
wie das Königreich selbst.

Manche der Nokturnen dürstete es nach so viel mehr als nur nach dem
Blut, sie wollten Macht, alles beherrschen, wie wild gebärdeten sie sich,
schwangen rebellische Reden und ließen ihre gierigen Augen funkeln, doch
sie fürchteten den Zorn des nächtlichen Königs und seiner Ritter, dessen
Aufgabe es war, all jene zu bestrafen, die die alten Gesetze brachen.

Die Menschen des Tages, Sterbliche, scheinbar so schwach im Vergleich zu
jenen, die des Nachts mit ihnen lebten, sie fürchteten die unheimliche
Kraft der Nokturnen, manche wollten sie ausrotten, anzünden und ein für
alle Mal aus ihrer Mitte wegschaffen, denn gegen die Natur sei eine solche
Existenz, die das Tageslicht scheut und sich vom Lebenden nährt. Doch der
König des Tages und seine Mannen wachten über den Frieden.

Jene Zeiten waren erfüllt mit Ehre und Rechtschaffenheit bei Tag und Nacht.
Die Nokturnen nahmen nur das, was sie brauchten, und die Sterblichen
gestatteten es, wie es die Gesetze festlegten. Wollte ein Sterblicher so
werden wie sie, mußte er sich vielen Prüfungen stellen, und beweisen, dass
er würdig war. Der König der Nacht wußte, dass viel Wildes und Seltsames
in den scheinbar kalten Leibern seiner Untertanen wohnte, darum war seine
Regentschaft streng, und seine Ritter unerbittlich.

Wurde das Königreich angegriffen, so marschierte am Tag das Heer der
Sterblichen, und des Nachts die Streitschar der Nokturnen. Wer konnte
einer solchen Gewalt standhalten? In nichts stand aber das Heer des Tages
dem der Nacht nach, doch der Zauber der Nächtlichen war grausiger für
die Feinde des Königreichs. Jedoch hatten die Nokturnen, wie alle Lebewesen,
selbst wenn sie mehr tot als lebendig scheinen, auch ihre Schwächen,
und konnten sterben.

Vielleicht muß alles zugrunde gehen. In der heutigen Zeit ist alles vergessen,
es gibt keinen Frieden mehr, das Königreich zu Staub und Schande geworden.
Die nächtlichen Hallen zerstört, das Schloß des Tages zerfallen. In die
Welt wanderten die Nachkommen der Sterblichen, genauso wie des Nachts die
überlebenden Nokturnen flohen. So wenige gibt es, uralt, wie Radu Mircea,
ehrwürdiger Ritter des Königs der Nacht, die noch erzählen können von
dieser glücklicheren Zeit, die heute so unmöglich scheint. Krieg ist
das Wort der neuen Zeit geworden, aus den Nokturnen erstanden die Vampire.
Und die Menschen des Tages sind nichts weiter als ihre Beute.

Primitive

i despise the primitive ones, the unchained beasts of a new order,
nothing more than junk, abomination, a shame for everybody of true
origin. i hate them with a passion, they have become so many now.

once there were more like me. noble and dangerous. with honor and
responsibility. we were no monsters. careful, calculating, and yes,
scheming, but never nihilistic brutal murderers like those are now.

a grand council, my old eyes saw, respect, old age, wisdom, guidance,
banners of old knightly orders, arguing done without hate or
prejudice. and even mortals were invited from time to time.

all you have now is bloodbath, schizophrenic murder, perversion
and power-mongering. it sickenes me to see so much blood spilled
for no cause, the sacred liquid we all need and hold dear.

am i now the last to uphold the old ways? an old man, hiding in a
decrepit house, able to tolerate daylight, a magician of tricks
and illusions, a frightener of curious children? a forgotten hermit?

god has not forgotten me. i tried to forget him. but i never was
a child of satan. not exactly an angel, though. now i am becoming a
stupid hero, a brave defender of mortals, some kind of … hunter.

one of the oldest, one of the strongest, one of the mightiest of my
kind. slimy, cowering idiots knock at my door, trying to enlist me
to their dumb crusade, ruling of a world of madness, i am not interested.

i am so tired. i want to sleep for eternity. die the true death. a
gift you learn to value when you are as old as me. dont look forward
to an eternity of life, or unlife, its more a burden than a blessing.

on the other hand, i am the only one left, it seems. to uphold our
old, ancestral values, ceremonies and history through the ages.
a certain responsibility is placed upon my old weary shoulders.

Welcome to the Afterlife

Es wird nicht mehr lange dauern, bis du tot bist. Die Qualen bis dorthin werden
unerträglich sein, Hitze, Kälte, als ob dir Klauen die Eingeweide herausreissen.
Und am Schlimmsten wird es sein, wenn du spürst, wie dein Herz stillsteht,
es aufhört, zu schlagen und du langsam in totale Dunkelheit abgleitest. Wie eine
Ewigkeit wird es dir vorkommen. Glaub mir, wenn ich sage, dass der Tod nur eine
Tür ist, aber DIR wird sie vor der Nase zugeschlagen werden.

Falls du aufwachst, wenn du den Schock des Sterbens hinter dir hast, und bete zu
allen Götter, dass man gnädig sein wird und du NICHT mehr zurückkommst, bist du
einer von uns. Vielleicht wirst du wahnsinnig, dann bist du nicht mehr als ein
Tier, vielleicht aber bist du dir voll bewußt, was du geworden bist, das
ist dann die weitaus schlimmere Strafe. Du wirst aufstehen, du wirst dich im
Spiegel betrachten und du wirst anfangs keinen großen Unterschied feststellen,
die Haut ein wenig blaßer, die Augen nicht so glänzend wie zuvor, und, oh,
keinerlei Körperfunktionen, die du wahrnehmen kannst, weder Atmung noch Herz-
schlag. Das allein treibt einige dann später in die Verzweiflung, aber stell
dir mal einen Toten vor, der Selbstmord begehen will. Lachhaft.

Hab ich vorhin was von nem Spiegel gesagt? Oh ja, wir haben Spiegelbilder, zumindest
am Anfang, später, je mehr die Veränderung beginnt, verwischt es, als hätten wir
eine düstere, grauschleirige Aura um uns herum? Ist es ne beschissene Art von
Magie oder sind wir dunkle Materie Magneten? Ich bin weder abergläubisch, noch
ein verdammter Raketenwissenschaftler. Was noch geschieht? Dir werden alle Haare
ausfallen. Nie mehr rasieren, ist doch schick, nicht? Du spekulierst auf funky
Reißzähne? Vergiss es. Sowohl Zähne als auch Fingernägel werden robuster,
gekrümmt, spitz, scharf, du wirst zu der hässlichen Ausgabe eines Raubtiers
mutieren, mein Freund. Kein verdammter Schönling bist du, und Frauen wirst du
auch keine mehr flachlegen. Deine Sinne schärfen sich, Tageslicht tut dir weh,
Weihwasser jedoch nicht. Aber eins ist seltsam: Menschen mit starkem Glauben,
Leute, die irgendwie stark im Innersten sind, denen kannst du nicht zu nahe
kommen. Also sind wir doch irgendwelche verfickte magische Monstren? Was weiß
ich.

Der Hunger! Dachtest du, es ginge ohne diesen? Blut wirst du als einzige Nahrung
nehmen, saug ne Ratte aus, ja, toll, aber Menschen sind besser, und glaub mir,
du wirst Menschenblut am meisten wollen, es ist wie eine Droge, und du bist der
krasseste Junkie, den es gibt. Am Anfang denkst du vielleicht, niemanden
umbringen zu wollen, dann wirds dir scheißegal. Ich habe Blutorgien gesehen,
da mußte sogar ich wegschauen. Du findest solche Gedanken geil? Bitte, niemand
hält dich auf. Aber rechne damit, dass irgendjemand, und sei es auch nur ein
Konkurrent um das Futter, dir auf die Füße tritt, denn …. ja, du kannst noch
krepieren. Und dann wars das für immer. Wieviele sind schon an ihrer eigenen
Überschätzung draufgegangen? Und wieviele sind den Vernichtungskommandos in
die Hände gefallen? Dachtest du, wir hätten keine Feinde? Ha!

Aber paß auf. Einige von uns bemühen sich um ein Leben, ein Unleben, das
anders ist. Es wird die Hölle für dich, wenn du unsere Regeln befolgst. Und
du wirst lernen, zu leiden, denn der Hunger quält dich. Aber wir erkaufen uns
Freiheit vom Zwang, üben Disziplin und gewinnen an Stärke. Wir haben einen
Ethos, wir haben auch einen Glauben, und wir jagen all jene, die uns unser
Schicksal streitig machen. Wir wollen keine Tiere sein, unsere Existenz
ergründen, und menschenwürdig leben. Dummes, ideologisches Geschwätz?
Vielleicht. Geh raus, stille deinen Hunger, und wenn du genug davon hast,
eine Bestie zu sein, komm wieder zu mir. Ich kann dir helfen.

Mehr als eine Bestie?

weiße haut, kalter leib, totes herz,
glühende augen, lange zähne, klauenfinger,
grabgestank, geschwindigkeit und große kraft,
wer will den preis zahlen, eine bestie zu sein?

ewig dem blut der lebenden nachjagen, sich vor
der sonne verstecken wie ein räudiger hund,
in dunklen tunneln starr liegen, hast du angst
vor dem pflock in deinem herz? du wachst kurz
auf, leidest, bevor du zerfällst.

wünsche dir den ewigen tod, der deine seele entläßt,
nicht das ewige leben, das nur schales zwischenreich ist,
glänzende, schöne gestalten der nacht? du idiot,
schau keine schlechten schauermärchen an.

zumindest einige von uns sind mehr als tiere, bestien und ungeheuer,
sie nehmen nur, was freiwillig gegeben wurde, und hüten sich, mehr
von uns zu erschaffen, es war einmal, da uns ein großer mann
anführte, aber er ist weg, vielleicht hat er sich selbst den
ewigen tod geben lassen.

und ganz wenige von uns jagen die jäger, zerfetzen sie und töten.
wieviele bringst du um, bis du dich besser fühlst? ist es ein dämlicher
sport? sie erwarten nicht, dass ihresgleichen sie angreift. sie meinen
so oft, leichtes spiel zu haben, diese aufgeblähten blutbeutel, diese
dekadenten tiere. schmecke niemals das blut in ihren adern, es ist
widerlich schal und tot.

Radu Mircea

“Mircea, ist das jetzt dein neuer Name?”, sagte die Stimme aus der Dunkelheit spöttisch,
durchschnitt die Stille des muffig schwarzen Raums.

“Ja, und nun verschwinde.”, antwortete der Mann krächzend und zornig, am Tisch sitzend,
mit dem Rücken zur Stimme. Seine hagere Form war eingesunken, seine spindeldürren Finger
mit langen, braunen Nägeln lagen schweigend auf der Tischfläche. Alt war Radu, dünnes,
weißes Haarumrahmte ein eingefallenes, mageres Gesicht mit tiefliegenden Augen.

“Willst du mir nicht Ehre erweisen und mich willkommen heißen, nach alter Tradition?”,
schmunzelte es aus der Dunkelheit mit kraftvoll jugendlicher Stimme, die aber nicht
freundlich klingen wollte, eher provokativ, bösartig ätzend.

“Nein. Die Zeiten haben sich geändert. Hau ab, oder…”, klang es drohend vom Sitzenden.
Entschieden sprach Radu Mircea, legte Drohung in seine Worte, zwischen schmalen,
zusammengekniffenen Lippen entwich die Sprache fast wie ein Zischen.

“Oder…? Ich glaube, du hast nichts, mit dem du mir drohen kannst. Früher einmal, ja,
aber nun… sieh dich doch an.”, entgegnete der tiefe schwarze Schatten am Ende des Raums.

“Du weißt von allen am besten, daß ich abgeschworen habe. Ich habe mit euch nichts mehr
gemein. Laßt mir meine Ruhe.”, antwortete Radu Mircea und ballte seine rechte Hand zur
Faust. Die schmutzig braunen Fingernägel bohrten sich in Radus ledrige, aschfahle Haut,
aber es kam kein Blut.

“Ich habe lange gebraucht, um dich zu finden. Und was ich hier vor mir sehe, ist ein alter
Mann, Schatten seines früheren Selbst. Du bist ein jämmerliches Überbleibsel geworden,
schwach und armselig.”, entgegnete die Stimme zornig aus der Dunkelheit. Richtige Wut,
ein unglückseliger, maßlos überzogener Stolz, aus dem sprach, dass die wahren Herren
der Welt niemals krank, alt und schwach auszusehen hatten.

Mircea seufzte. “Wenn dem so ist, wieso befaßt du dich noch mit mir? Laß mich in Ruhe
und verschwinde. Du und die Deinen haben wahrlich andere und wichtigere Dinge zu tun.”
Eine schwere Last drückte Radu die Schultern nieder, sein Widerstand verwandelte sich
in ausweichende Rückzugsgefechte. Erfahrung eines zu langen Lebens sah die
Bedeutungslosigkeit erneuter Rangkämpfe.

Henry trat aus den Schatten. “Ich will, daß du zu uns allen zurück kommst. Nimm an
unseren wichtigen Unternehmungen teil. Kämpfe mit uns und siege. So wie früher.”
Aus dem Schatten trat der junge Adonis, geschmeidig, gefährlich und schön. Das
Gegenteil von Radu Mircea, oder vielleicht sein Ebenbild aus jüngeren Jahren.
Blondes Haar umrahmte ein zu perfektes Gesicht mit Adleraugen, volle rote Lippen
und starke Hände verkörperten alles, was an den angeblichen Herren der Welt so
anziehend war.

Mircea schloß die rotgeäderten Augen, dann sagte er langsam: “Ein alter Mann wie
ich kann euch nicht viel helfen. Und ich will es auch nicht, seit dem Tag, an dem
ich abgeschworen habe.” Der alte Mann verbarg sich mit seinen Worten, er machte
sich klein, alt und schwach. Aber seine dürren Klauen pressten sich so stark an
die Ränder des schweren Eichentisches, dass dieser ächzte.

Henry schlug wütend und blitzschnell gegen die Wand, der Putz bröckelte, Staub
wirbelte auf. Schmerz empfand er keinen. Nur Wut. “Du weißt genau, wer du wirklich
bist und was du sein kannst. Leg diese Maske ab und erstreite deinen einstigen
Rang unter uns! Du bist … ”

Mircea unterbrach ihn mit einem Wink seiner alten, grauen Hand und drehte sich
herum. Er blickte schnell auf das Loch in der Wand, fixierte dann furchtlos sein
aggressives Gegenüber. Langsam und betont erwiderte er: “Ich bin nichts weiter
als Radu Mircea.”

Henrys Blick fiel auf den schweren goldenen Ring, den Mircea trug. Er wollte
spotten, aber seinen Zorn trug vielmehr eine Weile des Drohens. “Oder bist du
nun Menschenfreund geworden? Du scheinst dich ja gut mit deinen Nachbarn zu
verstehen. Vielleicht sollte ich sie einmal darauf hinweisen, wer du wirklich
bist. Oder sie töten?”

Radu Mircea sagte nichts und schloß die Augen. Im nächsten Augenblick stand er
hinter Henry und hatte seine Hand an dessen Kehle, die langen harten Fingernägel
in die Haut eingegraben. Erstaunt zischte Henry, bewegungslos, die Augen
schreckweit geöffnet.

“Endlich zeigt der Löwe seine Zähne!”, keuchte Henry überrascht und triumphierend.
“Ihr seid so schnell, wie Ihr es immer wart.”

Mircea ließ ihn los. ließ ihn fast fallen und ging langsam zum Fenster.
“Bewunderung von deinesgleichen bedeutet mir nichts. Und die alten Reden noch weniger.
Alles, was du bewunderst, ist tot und begraben. Und was noch lebt, auf welche Art
auch immer, ist verflucht.”

Henry rieb sich den Hals, verunziert von Krallenwunden. Sie schloßen sich bereits
wieder. “Nicht nur Menschenfreund, sondern auch leidender Heiliger. Ihr habt einen
famosen Abstieg hinter euch, mein Lord.”

Mircea erwiderte gelassen: “Vielleicht hast du ihn noch vor dir, Henry. Du weißt,
was aus Erzebeta wurde. Und aus denen, die wie Tiere hausten.”

Henry lachte. “Sollte es dazu kommen, mein Lord, so habt Ihr vor allen anderen die
Ehre, mir den endgültigen Tod zu gewähren. So wie Ihr dieses Geschenk so
bereitwillig Erzebeta zuteil werden ließet.”

Mirceas Augen funkelten gefährlich im dunklen Zimmer. Er schien größer geworden zu
sein, eine noch tiefere Schwärze als die Dunkelheit im Zimmer. “Vorsicht, Henry,”
grollte er gefährlich. “du wagst zuviel.”

Henry wandte sich plötzlich ab und schwieg.

Radu Mircea sah aus dem Fenster in die dunkle Nacht hinein, Polizei fuhr vorbei,
Blaulicht streifte seine alten, strengen und harten Gesichtszüge. Er sah auf seine
Hände, die nicht zitterten, stark und schnell waren, aber aussahen, als gehörten
sie einem Achtzigjährigen.

“Du verschwendest deine Zeit, Henry.”, sagte Mircea schließlich. “Ich werden nie
wieder euch allen angehören. Laß mir meinen Frieden.”

Henry wandte sich dem alten Mann zu. “Du weißt nicht, was alles geschieht. Man wird
zu dir kommen und dich angreifen. Die Welt hat sich bereits verändert. Sie werden
dich jagen und töten wollen. Niemand wird dir dann beistehen.”

“Der mächtige Lord aus alten Tagen braucht keinen Beistand.”, erwiderte Mircea
zynisch. “Er wird sich allen stellen und sie besiegen. Oder in einer gloriosen
Schlacht untergehen.”

Henry schüttelte den Kopf. “Wie es dein Wunsch ist. Ich werde den anderen nichts
von dir berichten. Ich sage einfach, ich hätte dich nie gefunden. Du wirst am
Ende deiner Zeit alleine sterben.”

Radu Mircea nickte. “Ja, das werde ich.”

Henry verschwand, so schnell, wie er gekommen war. Der alte Mann setzte sich
wieder und starrte in die Dunkelheit.

Manthum

Es ist richtig, wir kamen nach euch. Und es ist auch wahr, dass
wir geschaffen wurden, und nicht geboren. Aber am Ende zählt
nur, dass wir hier sind, unter euch, und nicht mehr gehen werden.
Denn solange es euch gibt, wird es auch uns geben. Am Anfang
erschuf uns der Gott des Bösen als Plage für die Menschen, und
wir wurden seinem Fürsten, Baar Necra, unterstellt. Einige von
uns rief man durch verderbte Magie ins Leben und wir taten dann,
wofür wir bestimmt waren: euer Blut zu trinken und mehr von
unserer Art hervorzubringen. Doch wie es immer ist, kein Werk
des Bösen erweist sich als perfekt. Einige von uns brachen den
Bann unseres Schöpfers und flohen durch die Nacht, so lange,
bis wir Ruhe fanden, an Orten, die uns Schutz boten. Tief unten,
und weit weg vom tödlichen Sonnenlicht. Denn der Gott des
Bösen, er hatte unseren Verrat erkannt und strafte uns mit
Schwächen, die wir vorher nicht hatten: man raubte uns den Tag,
und ließ uns nur die Nacht. Der Durst nach Blut regierte für
endlos lange Zeiten unsere Gedanken, und beschämend waren
die Dinge, die wir taten, um unseren Hunger zu ersäufen. Mehr
gottloses Tier als Mensch waren wir: dreckige Klauen und
klaffende Mäuler. Aber die Ältesten unter uns waren weise
geworden im Lauf der Jahrhunderte und schlossen sich zusammen,
zum ersten Rat der Ältesten Vampire von Argelis. Gesetze und
Regeln gaben wir uns. Bestimmungen und Rituale. Damit
wir leben konnten, genau wie die, die wir als Opfer hatten.
So gelang es uns, viele unserer Art zu bekehren, und andere,
die von Sterblichen gejagt wurden, zu retten. Bald schon machten
wir auch Jagd auf Abtrünnige, die grauenvoll unter den Menschen
wüteten und Exzesse begingen, die auf uns zurückfielen. Hüten
mussten wir uns, und richteten die aus unserem Volk, die gegen
das Gesetz verstießen. Urlaks sind die primitive Pest, die sich
verbreitet; sie haben nichts mehr mit uns gemein, verfallene, wilde
Tiere, die wir ausrotten müssen. Wir hingegen, die wir alt und
mächtig wurden, regieren das Volk der Vampire und leben mit
den Menschen in ihren großen Städten. Manchmal herrschen wir,
manchmal geben wir uns den Anschein, beherrscht zu werden.
Aber immer sind wir es, die nach dem Blut der Lebenden dürsten.

Manthum, Alterwürdiger des Rats der Ältesten, Richter des
Ordens der Blutjäger und Sprecher des Rats in allen Dingen.