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How to make a Schwertkampf Verein

ginge man vermutlich mit dem gedanken schwanger, einen verein des historischen
fechtens zu gründen, gäbe es mitunter horrend viele dinge zu beachten. hier
einmal mein brainstorming zum thema, wild ungeordnet und eher nicht die
legalismen und prozeduren der jurisdiktion beachtend, die lassen sich ja
durchaus nachlesen an mannigfaltigem ort.

zuerst einmal ist am allerwichtigsten, sich trainer zu suchen, viel besser noch:
sie zu haben und sie in dieses amt zu befördern, wenn sie es denn wünschen.
jemanden dazu zu verdonnern oder zu überreden, wird grandios scheitern und böses
blut provozieren. man achte darauf, dass personen, die trainer werden wollen,
sich ihrer sozialen verantwortung mehr als bewußt sind, diese aufgrund starker
ethik auch konsequent ausüben und die richtigen moralischen einstellungen haben,
um dieses wichtige amt zu bekleiden. ein trainer muss immer ohr für seine
trainierenden haben, sich schützend vor sie stellen und bei allen konflikten
dauerpräsent gütliche, gerechte lösungen herbeiführen.

zuerst einmal muss ein neugeborener trainer, oder ein sanft erfahrener
oder auch selbst ein alter hase, wissen, worauf er sich einläßt, denn es kommt
sicher ein gerüttelt maß an arbeit plus engagement auf ihn zu. zudem ist da
die frage der kompetenz: nicht nur im schwertkampf, sondern auch im sozialen
und sportpädagogischen. haben wir da defizite, wirds schwerer, mitunter lassen
sich wissenslücken auch stopfen, aber dies muss entsprechend hurtig passieren.
leidenschaft fürs hobby dazu eine menge charisma, sind jedoch die optimalen
starteigenschaften.

wie trainer sein sollen, hatte ich an anderer stelle schon einmal beschrieben,
hervorzuheben gibt es aber die feinen charakterlichen züge, die einen trainer
zur wahren exzellenz erheben: ein festes ethisches gerüst, das ihn befähigt,
kritik anzunehmen, selbstlos zu lehren und gerecht an konflikte heranzugehen.
sicherlich helfen rhetorisches talent, charisma und witz, die soziale
dynamik positiv zu befeuern. unbedingter wille, sich fortzuentwickeln und
ebenso seine schüler, leidenschaft und einsatzbereitschaft, dazu noch das
ansinnen, als anführer andere anführer heranzubilden, zeichnen einen trainer
aus, der sich nicht feiern lassen muss, der keinen kult um sich herum braucht,
sondern demütig sich an dem freut, was seine schüler tun, und dann das
höchste lob erhält, wenn sie ihn irgendwann einmal sogar übertreffen.

frische vereine oder gruppen brauchen einen lehrplan, ein curriculum, das muss
sicherlich auch getestet werden. dazu ist es sinnvoll, erst einmal unter sich
ein jahr durchzuprobieren und dann einen jahresplan des lehrens zu erstellen.
komplett mit anfänger und fortgeschrittenen aspekten. dies muss getestet
werden. man einige sich auch auf folgendes: will man basisdemokratie, dann
dauert alles länger oder verfügt man, dass ein trainerteam alles, im sinne
der trainierenden, entscheidet?

werbung, presse, öffentlichkeitsarbeit, so denn von allen, oder auch nur einigen,
gewollt, gewünscht und mitgemacht, muss solange ruhen, bis man einen stabilen
lehrplan mit trainereinteilung hat, damit jeder trainer, wenn er nicht aufm plan
steht, selbst trainieren kann, und auch seine wohlverdiente free time hat. man
merke auf: curriculum und einsatzplan sind zu erstellen und durchzuplanen,
wohl denen, die leute bei sich haben, die das exzellent können, aufgrund ihrer
berufserfahrung beispielsweise.

bevor man irgendwelche t-shirts mit eigenem emblem druckt, fahnen rumschwenkt,
grandiose pläne für auftritte schmiedet oder fechtturniere ausruft, muss sehr
viel an hintergrundarbeit geleistet werden. interpretationen für quellentexte
müssen untereinander abgestimmt, dann eine gültige version vorgestellt werden.
es ist festzulegen, wieviele waffengattungen man haben mag. alle, nur eine,
oder sorgsam ausgewählte. wer hier den trainierenden und ihren wünschen schroff
übers maul fährt, und beispielsweise einen teilaspekt überbewertet, während
andere im stich gelassen werden, wird sehen, dass sich unmut entwickelt und
bei sturer beibehaltung ohne demokratischen einfluß mitglieder verschwinden,
und zwar auf ewig.

ein verein bietet platz für viele interessen. manche wollen nur techniken lernen,
andere sich in turnieren die köpfe einkloppen lassen, wieder welche wollen
zarten, regelorientierten freikampf mit maximaler sicherheit. wer hier selbst-
herrlich beschränkungen und zwang einführt, andere einstellungen geringschätzt,
ausgrenzt oder sogar diskriminiert, steuert schnell auf einen toxischen verein
zu, in dem schnell bald niemand mehr sein will. vereinsleben muss platz für
jedes tierchen und plaisierchen haben, allein dadurch entstehen wunderbare
synergien, in denen dann gar entzückendes passieren kann: ein techniker wagt
sich in den freikampf, vertrauend und sicher, ein turnierklopper entdeckt den
befreienden zen buddhismus der formübung. alles drin, alles dran, jeder
zufrieden, alle willkommen. positiv und inklusiv. das gleiche gilt übrigens
für die thematik der unterschiedlichen sportlichkeit der trainierenden.
sanfte sinnvolle förderung und kameradschaft konstruieren einen lebendigen,
dauerhaften verein!

man stelle an die eigenen schäfchen auch keine überzogenen ansprüche, messe
sie nicht am eigenen engagement und fördere ohne diskriminierung jeden nach
seinem wunsch. wer oft kommt, über den freut man sich, wer wenig dabei ist,
den motiviert man, freut sich ebenso, wer gar nicht kommt, mag eben nimmer.
selbstkritik darf sicher sein, aber gleichmütige akzeptanz ist ebenso wertvoll.
und am ende ists eben so: wenn niemand ne party organisieren kann, ist das
die aufgabe des trainerteams. wobei ich mir bei gesunder sozialdynamik im
vereinsleben nicht vorstellen kann, dass da jemand nicht mithelfen würde.

sicherheit ist ein allgegenwärtiges thema im schwertkampf. wer da nicht mit
gutem beispiel vorangeht, wer da andere mit validen bedenken als ängstlich
bezeichnet, einen falschen, gefährlichen machismo pflegt, steuert auf eine
historie der verletzungen zu und verliert das vertrauen in den augen seiner
schüler. hier gibt es keine kompromisse, keine experimente, sondern nur
gesunden menschenverstand mit einer verpflichtenden verantwortung, dass man
alles tut, um jedem trainierenden ein so gefahrfreies ambiete wie möglich
zu bieten. fehler und unfälle können passieren, aber man hat die verdammte
pflicht, sie nahe der 01 prozentchance zu halten. dies gilt in jedem fall
auch für übende, die zu rabiat zu werke gehen, die als anfänger vielleicht
keine erfahrung mit dem krafthaushalt haben, sonstige psychischen probleme
ihr eigen nennen oder ein falsch verstandenes leistungsdenken zu eigenem
egoboost an den tag legen. der trainer muss hier einschreiten! autorität
gerechter manier walten lassen und genau prüfen, aufmerksam sein, verbieten
oder gestatten, verändern und steuern. tut er dies mangelhaft bis garnicht,
ist das rezept für desaster vorprogrammiert!

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Schwertkampf forever!

man könnte meinen, gewisse dinge täten einem so auf den magen schlagen,
dass man etwas aufgäbe, was einem zum lebensblut geworden ist. das ist
jedoch beileibe nicht der fall, denn nach gewissen dingen, die sicherlich
mehr als ärgerlich und enttäuschend waren, sieht man so unfassbar klar,
muss sich nicht mehr verbiegen, und kann frisch, fromm, fröhlich, frei
genau dem hobby frönen, das man erwählt hatte: dem schwertkampf.

der 1.7.2018 markiert eine neue zeit, voll mit schwertern, klasse menschen,
ewig untrüglichen erkenntnissen und einer menge befreiung. das alte ist
vergangen, das neue, das sich viel richtiger anfühlende, ward geboren.
alles ereignete bereits analysiert. schulterzuckend sich selbst überlassen.
evil destroys itself. nuff said.

man fragte mich einmal, vielleicht sogar mit böser, unterstellender impertinenz,
ob schwertkampf das richtige für mich wäre. oh boy, und wie sehr hielt ich ein
brennendes, emotionales plädoyer dafür. das gleiche, das ich nun halten mag,
jedoch wortfaul abkürze und nur sage: es ist das geilste, was mir je zupaß
gekommen ist. viele, viele erfahrungen später, skepsis belohnt, vermutungen
bestätigt, lasse ich mir auch niemals mehr ein x für ein u vormachen. vorbei
die zeiten, als man schweigend nonsense erdulden musste, nur um einen gewissen
burgfrieden zu halten, den andere schon längst gebrochen hatten.

schwertkampf, nicht historisches fechten, sondern schwertkampf, lebt im inneren
und wird leidenschaftlich von jenen befeuert, die es ernst und gleichzeitig
seelenfliegend freudig mit der kunst meinen. umgebt euch nur mit solchen,
strahlenden schwertschwingern, gierig, zu lernen, wunderäugig schauend, ob
der mannigfaltigen möglichkeiten! accept nothing less! schaut auf die menschen
selbst, ob sie dem schwerte würdig. und ja, wie ich diesen pathos verlacht
habe, excalibur mythen verhöhnte und realism forderte. alles quark. mea culpa.
in der tat muss man sich dem schwert würdig erweisen, nicht so, wie es gewisse
tschechen meinten, eher so, wie es ehrbare worte anderer zeit ritterlich
kündeten. und jeder, wirklich jeder, wird wissen, ob er dem symbole der
ritterlichkeit würdig ist. und jenen, die das fest in ihrer seele verstehen
und befolgen, denen wird man es ansehen. und an ihren taten doppelt so gut erkennen.

mucho importanto lebensweisheit:

AN IHREN TATEN SOLLST DU SIE ERKENNEN.

lerne nichts von blendern. erkenne die leychmeister. wende dich ab von krummer
lehre und beschreite grade pfade. suche in dir selbst, lies die quellen und
frage jene, denen du vertraust. übe und probiere, endlos lange, erforsche
die kunst des schwertes, sei neugierig auf andere, doch prüfe immer deren
intention. so viele täuscher, so viele besserwisser, so viele unwürdige
am schwert. erkenne sie an ihren großsprechereien, an den fehlenden taten,
an mangelnder demut und ungerechtigkeit. halte dich fern! meister gibt
es keine am schwert, nur lernende und reisende. wer anderen wahrlich auf
dieser reise selbstlos hilft, der soll mit anerkennung reichlich beschenkt
sein.

alles scheint eine große reise zur selbsterkenntnis. irgendwann muss man nicht
mehr wütend auf andere sein, sondern stolz auf seine entscheidungen, und vor
allem leistungen und erkenntnisse. man findet getreue, baut brücken und
öffnet türen, beschützt dann mit aller macht jenes, das man aufgebaut hat
mit anderen. wahrheit hat immer bestand. aufrichtig erschaffenes wird immer
bestehen. man würde sich wünschen, dass jeder viel lernt, wenn er am schwerte
ist, weitaus mehr als nur eine european martial art, sondern in sich selbst
jene werte, die den umgang mit diesem symbol unterfüttern sollen, steuern
und lenken: demut, gerechtigkeit, ehrhaftigkeit, loyalität, mitgefühl. all
der ritterkrempel, auf den artus so stolz wäre und gewisse ritterglanzfiguren
ebenso. schnoddrig dahergetippelt, diese worte, aber sie machen so verflucht
viel sinn.

lasst uns stolz und kräftig in die zukunft gehen. mit dem schwert. und allem,
was es bedeutet. lebenslang die kunst zu lernen, egal, wie alt oder jung,
stark oder schwach, fit oder unfit, doof oder schlau man sei. ein gutes herz
jedoch, das ist voraussetzung, “der edlen kunst kein schand” zu sein.

Co-Op vs Non Co-Op

jo! wünschen wir uns denn nicht alle, dass unsere techniken bei sturm,
wind und wetter funktionieren, völlig expert pro level realism tauglich,
sozusagen. also schrauben wir an der trainingsfeder, bieten widerstand
oder wollen ihn vom trainingspartner.

wieder andere sind echte spielverderber. die wollen einfach nicht MIT
jemandem spielen, sodern GEGEN jemanden. also widerstehen sie beim üben,
tun alles, dass die übung nicht gelingt, und holen sich dann wahrscheinlich
einen drauf runter, dass sie dem anderen bewiesen ham, dass die technik
nicht funktioniert und von einem vollnoob ausgeführt wurde.

ziemlich unschön.

die lösung aller probleme ist, dass man sich beim üben von techniken erstmal
drauf einigt, dass sich alle kooperativ verhalten. für martialische sonderwege,
tolle ideen, überenthusiasmus oder navy seals training in echtzeit ist dann
später noch platz. kooperativ dient dazu, erstmal die bewegungsabläufe
einzustudieren, zu gucken, wie der hase läuft und ne gewisse sicherheit im
ablauf zu bekommen. zudem macht man seinen trainingspartner dabei nicht
kaputt, netter nebeneffekt.

ist sowieso zu bedenken, inwieweit nicht kooperatives üben noch sicher ist,
vor allem beim allseits geliebten historischen ringen mit seinen supibesten
gelenkverdrehern. also beim langen schwert könnte man ja aufgrund der
guten armierung davon ausgehen, dass alles nicht so risky sei. doch beim
ringen? da ist dann mal schnell nen gelenk so strapaziert, dass es nimmer
gesund ist. ob und wie man dann da überhaupt dynamischere übungen oder
widerstand gegen techniken anbringen kann, ist mir da nochn rätsel.

aber aller anfang ist gesunder menschenverstand. denn wenn man einen anfänger
gegen sich hat, dem dann widerstand bietet, dann bringt der all seine kraft
auf, um die technik erfolgreich abzuschliessen, und siehe da, man erhöht sein
eigenes verletzungsrisiko. ob und wie es erfahrene pros machen? naja, die
sind auch nur menschen und schiefgehen kann so einiges. ich rate und mahne
also unablässig zur vorsicht. und weiss genau, warum ich langes schwert
nach wie vor einfach am besten finde. gut gepanzert, gut gerüstet, mit
genug abstand zum pöhsen feind!

Ein Überblick über Liechtenauer …

einige gedanken zu liechtenauer und der versuch einer persönlichen strukturierung
seiner lehren, dazu gedanken, fragen, versuchsanordnunge und ideen im hinblick
auf die praktische durchführung, hinleitung zum eventuellen freikampf oder
freundlich kontrollierten, wohldosierten übungsszenarien.

Liechtenauer – Prinzipien und Techniken – Überblick

– Langschwert –

1.) Prinzipien

1.1) kürzeste und direkteste Angriffsrichtung

—> Ökonomie und Effizienz

(parasitäre Bewegungen erkennen und beseitigen, Beispiel:
zusätzliches Ausholen beim Hau aus der Hut vom Tag)

(das Generieren von Schlagstärke durch Körpereinsatz,
Stichwort: Hüftdrehung)

—> Binden/Fühlen

(die Situation, wenn Schwerter aneinander binden/ sich “treffen”,
beispielsweise bei gegenseitigem Zornhau, Stark/Schwach erkennen,
weiteres Arbeiten daraus, taktile Signale erkennen)

(dem Gegner wenig taktile Signale geben, Schwertarbeit an dieses
Prinzip anpassbar?)

—> Haue (Oberhau, Mittelhau, Unterhau), Stich, Schnitt (die drei Wunder)

(das Üben der Haue und Stiche aus den Huten heraus; Kombinationen
wie etwa Oberhau vom Tag-rechts in den linken Pflug, dann Stich)

—> Huten/Leger – Basis (Ochs, Pflug, vom Tag, Alber)

—> Huten/Leger – Erweitert (Zornhut, Wechselhut, Nebenhut, Eisenport,
Schlüssel, Einhorn, Schrankhut)

—> Huten/Leger – Übergang (Hanged Ort, Kron, Langort)

(Huten, die als Transition dienen, die bei Techniken “durchlaufen” werden)

(Einordnung des Sprechfensters?)

—> nicht den Hauen nachfolgen (im Winkel angreifen)

1.2) Fussarbeit, Stand, Distanz

—> Geschwindigkeit, Beweglichkeit, Beobachtung/Einschätzung

—> weite Mensur (Angreifer macht 2 Schritte), mittlere Mensur (ein Schritt),
nahe Mensur (Angriff ohne Bewegung), enge Mensur (Angreifer kann Gegner
mit der Hand berühren)

—> einfacher Schritt, Kreuzschritt, Gleitschritt, Nachstellschritt, Wechselschritt

(das “Mensurspiel”: Aufstellen beider Fechter auf gegenüberliegenden Hallenseiten,
jeder darf einem Schritt tun, dann ist der andere an der Reihe; wer meint, nahe
genug zu sein, darf einen langsamen Trefferhau führen, trifft er mit mindestens
einem drittel seiner Schwäche ab Ort heraus, ist das ein Punkt. Erweiterung des
Spiels um Ausweichen, mehrere Schritte)

(das “Satellit”-Spiel. ein Fechter steht im Vom-Tag, der andere umkreist ihn in
verschieden entfernten Kreisbahnen. der schlagende Fechter darf einen Schritt
tun, Scheitel- oder Oberhau gegen die Maske des Umkreisenden versuchen,
das Abschätzen der Distanz, das Hinwenden zum Gegner per Fechtschritt)

1.3) Kraft, Geschwindigkeit, Struktur

—> Geschwindigkeit, Mut (Assertiveness not Aggressiveness), Klugheit (eigene Deckung),
Selbstvertrauen (do I trust my technique?), Ausdauer, Kraft

—> mit ökonomisch eingesetzter, geringerer Kraft einen Hau mit voller Power
erfolgreich versetzen (siehe Meisterhaue)

—> Assertiveness, die Selbstbehauptung, kontra ein Übermass an Aggressivität,
das Risiko birgt, Treffer kassieren lässt.

—> Klugheit (eigene Deckung beim Angriff, Gegner einschätzen, die eigenen
Stärken und Schwächen kennen, das Optimale tun, ohne großartig darüber
grübeln zu müssen)

—> Selbstvertrauen (Erprobung der eigenen Techniken unter Krafteinwirkung
und Geschwindigkeit, zuverlässige und konsistente Ausübung)

(das schnelle und kraftvolle Üben von Hauen, dazu die penible Einhaltung gerader
Körperstruktur, Ziel ist es, zu jedem Zeitpunkt des Haus, von Anfang bis Ende,
kraftvoll balanciert zu stehen – zuerst bewegt sich das Schwert, dann der Körper,
idealerweise Annäherung an Gleichzeitigkeit)

(ansatzlose Haue, dem Gegner keine Signale geben, Körpersprache)

(das Deflektieren größerer, ankommender Kräfte mit eigenem effizienten, also
auch geringeren Krafteinsatz üben)

1.4) Im Vor bleiben, Offensive, Defensive, Vorschlag/Nachschlag

—> Vor, Nach, Indes, Stark, Schwach (die fünf Wörter)

(immer nach dem Vor streben; hat taktisches im-Nach-sein einen Sinn?)

(das indes als optimales Reaktionstiming)

(das Schwache mit dem Starken beantworten, das Starke mit dem Schwachen)

—> der Abzug (nach eigenem Angriff in Ochs oder Pflug und Distanz einnehmen)

(Nach einem Angriff sofort auf der Schwertseite des Gegners den Pflug oder
Ochs einnehmen, dabei einen Schritt zurück machen. Ist der Pflug immer zu
empfehlen, da der Ochs die Arme verwundbar lässt, und man den Pflug immer
noch bei Bedrohung hochwinden kann?)

—> Vorschlag und Nachschlag

(Vorschlag als einzelner oder mehrfacher Angriff vor dem eigentlichen beabsichtigten
Treffer; eigenen Schutz beachten; es wird zu nur einem Angriff geraten, der den
eigentlichen Treffer vorbereitet; den “Vorschlag gewinnen”, erfolgreich den
Gegner in die Defensive drängen, ihn reagieren lassen.)

(Nachschlag als Treffer, wenn der Plan des Vorschlags aufgegangen ist)

1.5) Verstecken der eigenen Absichten vor dem Gegner

—> Taktik, Finte, Täuschung, Vorahnung

—> Provozier-Hau, um eine Öffnung beim Gegner zu generieren; Trefferhau; danach
Fanghau, um Gegenaktion zu unterbinden

—> strategische Überforderung des Gegners durch unablässige Haue zu den Blößen,
ähnlich des Meyer-Diagramms, während man “im Fechten zu ihm kommt”, dann
Treffer bei Fehler des anderen

—> Einladung des Gegners zum Hau durch Exponieren einer Blöße während einer
Hut, Kontrafechten durch passives Locken

—> die Hut Schlüssel als Verstecken der eigenen Reichweite

(die Finte als dem Gegner glaubwürdig präsentierte Angriffsrichtung mit spätem
Wechsel in eine neue)

—> das “absichtliche Fehler machen”, um den Gegner zu einem Angriff zu verleiten
und daraus Kapital zu schlagen, bzw. “der Fehler”, das absichtliche Nicht-Treffen
eines Ziels (Körper/Klinge), um ein anderes Ziel zu erreichen

2.) Meisterhaue

—> Zornhau, Krumphau, Zwerchhau, Schielhau, Scheitelhau

—> die Stücke zu den Meisterhauen

(effiziente Ausführung des Krumphaus in einer Art Scheibenwischer
Bewegung, die nicht über den Körper des Gegners hinausgeht,
kontrollierte Krafteinwirkung auf die gegnerische Klinge, sie nur
so weit aus der Bahn bringend, wie es für die eigene, nachfolgende
Aktion, etwa einen Stich, funktional ist)

(der Zornhau, das Gewinnen der Mitte, sogar Deflektion der gegnerischen Klinge
zum Treffer am Kopf, das Herbeiführen der Bindung, Spitze der Klinge immer
am Körper des Gegners ausrichten, klassische Eröffnung?)

(der Zwerchhau, das Deflektieren eines Hiebs mittels Treffer auf die Seitenfläche
der anderen Klinge, der punktuelle, nicht überdimensionierte Krafteinsatz zum
anderen Schwert, nicht Kraft abfangen, Kraft durch effiziente Krafteinwirkung
ableiten)

(das Timing beim Scheitelhau, das Zeitfenster, wann dieser Angriff im Rahmen
des indes funktional und optimal ist)

3.) Techniken

—> Duplieren, Mutieren

(Mutieren gegen jemanden, der weich in der Bindung ist, über
die Bindung kommen und zur Blöße stechen)

(Duplieren reagiert auf harte Versetzung, trifft hinter der
Klinge des Gegners)

—> Versetzen

(passive Versetzung des gewöhnlichen Fechters zur
Demonstration einer suboptimalen Handlungsweise)

(Meisterhaue als optimale Versetzungen: Krumphau besiegt
Ochs, Schielhau besiegt Pflug, Twerchhau besiegt vom Tag,
Scheitelhau besiegt Alber)

—> Nachreisen, Überlaufen

(Bestimmung des Zeitfensters für ein optimales Nachreisen, indes
optimal reagieren, wenn der Gegner sich verhaut)

(dynamische Übung: Fechter A muss versuchen, die Maske des
Fechters B zu treffen, der mit Fechtschritten ausweicht. Schafft er dies
nicht, muss er den Hau zu Ende bringen, und Fechter B darf das
Nachreisen per Oberhau bzw. Scheitelhau anbringen. Langsame
und schnelle Ausführung, Beachtung des Zeitfensters, wann
Nachreisen angebracht ist.)

—> Absetzen

(in den Angriff per Ochs oder Pflugstich hineingleiten, Deflektion der Klingen-
energie des Gegners, mit Stich versetzen)

—-> Durchwechseln
(Effizienz der eng kreisförmigen Bewegung unter der Klinge des
anderen hindurch)

—> Durchlaufen (Einlaufen, zum Ringen)

—> Händdrücken

—> Zucken
(das Üben der Präzision im Zucken aus verschiedenen Positionen)

(Übung: Fechter A schlägt Fechter B einen Oberhau, B blockt passiv,
A zuckt zurück und trifft entweder gut geschützte Hände oder das
Blatt von B über der Parierstange – Präzision und Geschwindigkeit
schulen)

—> Hängen (ins Hängen schlagen)

(das Andeuten eines kraftvollen Haus, Abglitzen an der gegnerischen
Klinge, ohne Verzögerung ins Hängen und Stich)

3.1) Krieg / Winden

—> 24 Winden Techniken ab naher Mensur

(die einzelnen Winden üben, den Stich zuverlässig per Winden deflektieren,
das Bringen des eigenen Schwertes über das des anderen per Stärke
zu Schwäche zuverlässig in jeder Geschwindigkeit praktizieren)

4.) Halbschwert

Wohldosierte Technikerschildkröten

es ist absolut legitim, keine turniere im historischen fechten bestreiten zu wollen.
dazu ist es absolut okay, nicht einmal sparring oder freikampf anzustreben. ich nenne
das: techniker bleiben. besonders hartnäckige anti-leistungskultur orientierte
sturköpfe sind dann schildkröten mit harten panzern und wohldosiert kultivierter
übungsmanier, das ziel: so viel zu können, wie sie zu fassen kriegen an quellwerk.
das ganze durchaus zu erproben, in vorsichtig angelegten übungen, dezent steigernswert
in speed and power.

freikampf und sparring sind risikobehaftete vorhaben. gegen die falschen leute sind
es auch demütigende und herabwürdigende erfahrungen. mit den richtigen leuten allerdings
sind sie durchaus klasse erlebnisse, die wirklich voran bringen, auch und gerade, wenn
man dann “verliert”. könnten also sture wohldosierte technikerschildkröten zu sparring,
ob leicht oder full contact, bewegt werden? na, vielleicht, wenn ethisch kompetente,
ähnlich veranlagte tierchen sich mit ihnen in den ring gesellen. für alle anderen bleibt
die blutige arena der hitzigen jungbullen, denen es egal ist, was sie anderen zufügen.

sowieso: vor die freuden des freien ausprobierens setzte gott die ewiglich lange übung.
eine zwischenstufe stellt das üben von attacke und parade in voller kraft und
geschwindigkeit dar, erst, wenn der eigene zornhau nen brachialen brunfthau
zuverlässig aufhalten kann, darfs weitergehn. die politik der langsamen und kleinen
schritte. all jenen vielleicht zu langweilig, die vom turnier-zugucken blut geleckt
haben und eigentlich alle schutzausrüstung schon beisammen haben.

es besteht nur dann ein unablässiges problem, wenn trainer den freikampf, das sparring
zur disziplin von gottesgnaden stilisieren und viel zu früh die trainierenden damit
überfordern – anfänger oder dezent fortgeschrittene werden das sowieso sein. wer zu
früh frustrationen erzeugt, grade auch erfahrene in freikampfübungen auf anfänger
loslässt, riskiert ablehnung oder kritik oder verletzung oder das ausleben gewisser
egotriebigkeiten an leuten, die es eben noch nicht so können. klar, freikampfegomanen
unter sich richten auch nur unter sich schaden an, die sollten dann klar wissen,
auf was sie sich einlassen.

wobei man inklusion für alle betreben kann: wer auf der technikerstufe bleiben mag,
gerne, wer weiter in freefight oder turniere voran mag, absolut. es soll und muss
für alle ansprüche im training platz sein, das erfordert auch nur toleranz der
trainer, die nicht beleidigt sein sollen, dass ihre vision der freikampfigkeit nicht
von allen getragen werden kann, aus gesundheitlichen gründen sowieso, aus persönlichen
gründen mancherorts. leistungskader und breitensportler gut vereint, und wer weiß,
vielleicht wechseln ja die lager dynamisch, befruchten sich gegenseitig, aber
gönnen sich jeweils ihre zielsetzung. DAS muss im sport gefördert werden. eine
klassische aufgabe der trainerschaft.

Hinführung an den Freikampf

sodele. will ich mal ein endlos theoretisches thesenpapier versuchen, das
eine graduelle annäherung an das komplexe dingens namens freikampf bzw.
sparring darstellt. a work in progress.

—> fitness und kampfdrills zum aufbau derselben in beweglichkeit und
kraft sind nicht gegenstand des thesenpapiers. es wird davon ausgegangen,
dass alle trainierenden ohnehin im rahmen ihrer möglichkeiten daran
arbeiten.

1.) technik

die huten ochs und pflug: der trainierende muss gegen langsam und schwache
bis hinzu schnellen und starken hauen beweisen, dass er die huten ochs
und pflug stabil zum block nutzen kann, der ort seines schwertes muss
dabei immer auf den gegner zeigen.

die meisterhaue: der trainierende muss gegen langsame und schwache bis
hin zu schnellen und starken hauen darlegen, dass er die meisterhaue
gemäss ihrer praktischen anwendung sicher mit oder ohne treffer anbringen
kann. (twerhau gegen oberhau, krump gegen zorn etc.)

alle übungen haben die natürliche progression von langsam und mit wenig
kraft bis hin zu schnell und mit kraft. dabei wird spätestens ab mittleren
geschwindigkeiten genug schutzausrüstung getragen.

—> alle trainierenden müssen darlegen, dass sie in hau als auch stich
nicht nur schnelligkeit und kraft beweisen, sondern auch präzision und
kontrollierte powerdosis.

—> alle trainierenden versuchen, die körpersprache des anderen zu lesen,
und in bezug auf meisterhaue oder haue an sich immer die richtige “antwort”
auf den angriff zu finden.

—> beseitigung von parasitären bewegungen. technik ökonomie und effizienz.

2.) limitierter freikampf mit festen instruktionen bzw. regelsets

[alle übungen erst langsam, dann graduell schneller. ab gewissem niveau
schutzausrüstung anpassen und erweitern]

vorübungen:

ein fechter muss versuchen, die maske des anderen durch einen
hau zu treffen. der andere muss ausweichen, darf nicht parieren. verhaut man
sich bzw. trifft man, zurück in die ausgangsstellung, weite mensur. ohne
raumbewegung, mit fechtschritten vor und zurück. mit raumbewegung: der
passive fechter umkreist den aktiven in verschiedenen, wechselnden abständen.

aufbauend auf obiges. parade des angegriffenen gestattet.
durch huten ochs und pflug. wiederholen mit stichen, dafür ist unter
umständen mehr schutzausrüstung notwendig, falls andere trefferzonen
als nur die maske gestattet sind.

ein fechter bewegt sich frei im raum, darf durch verschiedene fechschritte
ausweichen, der andere muss ihn treffen, vorzugsweise wieder fechtmaske als
trefferpunkt. distanzüberwindung schulen. distanzen einschätzen und erkennen.

übungen:

übung im raum: ein meisterhau für beide fechter gestattet. zornhau eignet sich
gut. freie bewegung im raum. trifft man, zurück in startposition, weite mensur.

alle weiteren übungen haben einen gänzlich neuen meisterhau als einzige angriffsmethode.
beide greifen sich an, nutzen den meisterhau, soweit möglich, auch als indes defensive.

danach erweiterung des regelsets. beispielsweise sind zwei meisterhaue zum angriff
und zur indes defensive erlaubt.

erweiterung des regelsets: jeder eigene angriff muss mit einer weiteren aktion
als “deckung” begleitet sein. sei es, man vollführt einen zornhau, entfernt sich
dann vom gegner, geht dabei in den hanged ort, bzw. pflug oder ochs. die
methode des sogenannten “abzugs”. suche ich nach meinem hau den kontakt zur
partnerklinge? ist es sinnvoll, das zu tun? eine art bindung zur eigenen
sicherheit aufrechterhalten?

—> das phänomen des doppeltreffers. analyse, vermeidung, “sichere angriffe” vs
“risiko angriffe”

—> vorüberlegung: möglicherweise sinnvoll, derlei vorgehen ohne meisterhaue und
nur mit normalen hauen (oberhau, unterhau, eventuell stiche), erst danach meisterhaue.

—> das programmieren einer angriffs-sequenz? ausprobieren? nachteil: fehlende
flexibilität in dynamischer kampfsituation

3.) freikampf mit festgelegtem, limitiertem regelset – alle geschwindigkeiten

maximale schutzausrüstung. alle meisterhaue. alle huten. start in weiter mensur. nach
treffer stop, rückkehr zur mensur startstellung. alle trefferzonen erlaubt. peinlich
genaues achten darauf, dass ein treffer mit einer fechttaktion errungen wurde. mit
ringrichter? graduelles steigern der geschwindigkeiten. zuerst kein halbschwert,
kein nahkampf, später addition desselben.

—> these: sind meisterhaue völlig ausreichend, einen kampf zu bestreiten? zum angriff,
als auch zur indes-defensive?

—> verteilung von rollen: einer ist der aggressor, der andere defensiv. verschiedene
runden. tauschen der rollen. dann beide als aggressor. wer wird belohnt, wer wird
bestraft?

—> tricks, körpersprache manipulation, finten.

—> modifikation: nur fechtmaske ist als trefferzone erlaubt. einschränkung der
trefferzone läßt weniger schutzausrüstung zu, aber auch nur bei entsprechend
erfahrenen trainierenden, das minimum handschuhe – fechtmaske sollte nie unterschritten
werden

4.) freikampf ohne regelset – alle geschwindigkeiten/kraftanwendungen

das ziel der reise.

—> auswahl von fechterischen techniken aus dem wissenspool für die eigene kampfstrategie,
das eigene “skillset” wird definiert und erweitert. was klappt? was liegt mir? was nicht?

—> das eigene ego im kampf. psychologie und kampfstrategie.

—> die eigene körperliche fitness im freikampf. ausdauer, kraft, geschwindigkeit.
analyse, verbesserungsmöglichkeiten, kompensationsmöglichkeiten eigener defizite

Überenthusiasten!

also, wer kennts nich? überbordend vor aktionsfreude bumpert das
wilde, kleine abenteurerherz, feuer und flamme erstrahlt das seelchen,
jez zeigen wirs allen, nu machma se platt, zeigen unsere fancy
moves, auf dass der olymp nen halbgott mehr hat zum pantheon
vollstopfen! (zeus wirds nerven!)

nu simma abba beim K(r)ampfsport. oder beim historischen fechten
in sanft anstrengender breitensport manier. oder beim wahnsinnig
technischen self defense gewirbel. oder wo auch immer. will heissen:
man sollte sich ein wenig bezähmen. denn it can get gefährlich,
wenn alles außer rand und band ist, vor allem der trainingspartner
die übungsmoves erwartet, und man full chuck norris mode aber nen
armhebel ansetzen mag.

das resultat sind in jedem fall schmerzen, gelenk-aua, oder noch
viel schlimmeres. wirklich nix einzuwenden gegen kindliche spielfreude,
everybody loves to be a kid sometimes, aber zuviel des spielerisch
draufgängerischen, und der trainingspartner ist beschädigt! es liegt
an uns allen, da mehr disziplin walten zu lassen. apropo: dem trainer
obliegt es, derlei gesinnung rechtzeitig zu stoppen, wenn sie
gefährlich zu werden droht.

und ja, auf jede technik übung gibts ungefähr ne myriade kreative
anwendungen, schön, wenn man sie diskutiert, aber unschön, wenn
man sie andauernd anzubringen versucht, wenn eigentlich alle erstmal
schritt für schritt was lernen sollen. also versaut anderen nicht
ihre übungen, haltet euch ans prozedere und spart die fancy moves
für free fights mit gleichgesinnten auf. da erweist sich dann auch
viel besser, ob man dem schmerz gewachsen ist, wenn man nen ähnlich
tobendes spielkind vor sich hat. (“spielkind” im übrigen sehr
sympathisch gemeint, ist ja nix falsches am spielen, nur eben moderat
und vor allem sane & safe & consensual – ha, wer dachts, diese
sicherheitssprüchlis ausm sex-ethik bereich taugen auch fürn sport?!)

addendum: boah, ich hab in den tags das wort disziplin aufgenommen, und
argumentiere im text quasi in die richtung? schockschwerenot, der freigeist
assimiliert von der grauen front der ernsthaften? woah? arrghh? nujo, sagen
wir, dem wahnsinn, irrsinn und blödsinn muss man eben in gewissen
bereichen auch mal grenzen setzen, aber erst, wenns really dangerous wird,
und vor allem ne gerüttelt menge empathie gefragt ist, da man ja MIT
anderen übt, im sport, und nicht GEGEN sie.

addendum 2: oh, obig ist von überenthusiasten der eigentlich wohlmeinenden
art zu reden, die eigentlich nur bissle hinweis und führung brauchen, denen
man zur empathieförderung eigentlich keine lektion erteilen muss. aber
hütet euch vor den ego-schweinchen, den bösartigen überenthusiasten, denn
die sind so empathisch wie nen ziegelstein, so grobmotorisch wie
nen tarolanischer riesen-plompf und wollen in ihren kleinhirnen nur
gewinnen, egal um jeden preis, und egal, bei welcher übung.

Schwertkampf Motivatioooon!

rülpsend rüpelhaft vorm rechner couchpotatoe-technisch lungernd,
stößt man auf bestrebungen junger eiferer, nen neuen verein zum
schwerteln zu gründen, und dergestalt auch eine linklist mit
inspirational vidz. gleich mal draufgeklickt … oha, nen typ
auf der bühne, mimiktechnisch hyper-ADHSig was vorschwallend von
meisterschaft – er sei einer – und lebensgefühl und whatnot,
wenn man sich den historischen kampfkünsten denn hingäbe. grad
wollt ich einigermassen halbwegs gnädig daumen hoch servieren,
labert er wat von … sexy … da hammas wieder. wenn ich den
verfluchten sport machen will, dann ist being sexy not on the
list, sondern spaß haben, was erreichen, gesundheit fördern.
keinesfalls so ne verquirlte top model attractiveness scheisse,
die sie dir in jedem fitness studio aufs ohr bügeln, damit de
rich&famous per sixpack wirst … surprise, you dont, really.

zwischendrin fühlte man sich in irgendnen motivationskurs für
abgehalfterte manager versetzt, muss denn jede verdammte
betätigung gleich des seelenheil auf erden bringen? ich mein,
schön, wenns so ist. aber kritische geister werden sowas von
hellhörig, wenn sie motivationstalk unbekannter quellen hören,
und der könig mammon immernoch die welt regiert. ist also
schwertkampf der motivational seelenreise tripp für real-
unsportliche, die man aus anderen nischen vertrieben hat?
öffz! oder ist es der heilige gral der depressionsüberwindung?

ah, und bei mir setzts dann wieder mal komplett aus, wenn
ich auf der obig erwähnten seite jungfrischer wannabe-vereins-
treibender lesen muss, dass knickerbocker hosen, also kniebund
höslis, sich in der szene durchsetzen. wasn das für ne equipment
empfehlung? sind wir bei fashion schwertkampf reloaded mit
möglichst pretty bunten söckchen? oder doch ein bolero top noch,
damit man bei gucci grad noch mitlaufen kann? alter, wasn
quark. kniebund und stulpen … stulpen, das sind jene sexy
overknee strümpflis, die eigentlich gern von den frauen getragen
werden, aber dann bei den females echt attraktiver ohne wolle,
sondern see-through. abgesehen davon rutschen stulpen, da brauchste
dann noch nen erotischen garter-belt, damit die halten. ECHT SEXY
SCHWERTKAMPF. empfehle ja da eher hautenge yoga pants für männer,
damit man seine eigenen ultraschlanken fesseln, beinchen,
gelenkchen topsauber im vanity-wandspiegel bewundern kann!
oh, fast hätt ichs vergessen: mir ist scheissegal, was sich in
irgendwelcher szene durchsetzt.

pardautz. vielleicht bin ich zu streng mit de leutz. kann ja jeder
machen, was er will. und moderne sportfechter laufen auch in
komplett weißem kniebundlatz rum. what shalls also?! dennoch,
was sich alles in die historischen kampfkünste reindrängt,
profitieren will, die kunst verwässert, moderne eitelkeit pflegt,
oberflächlichen dumfug verzapft, den geldesel melken will ohne
ende, oder schließlich nur gefährlich dummer scharlatan ist,
all das gefährdet den schwertkampf, korrumpiert den traum
des schwerts, und verführt zum bösen!

To be fast, you first have to be slow.

Laßt uns zu Schildkröten werden! Nähern wir uns ambitionierten freikampfigen
Übungen mit der nötigen Skepsis und Vorsicht. Egal, ob da Propaganda betrieben
wird, das Ganze “dynamischer”, “schneller”, “beweglicher” oder whatauchever
zu betreiben. Nehmen wir uns doch mal Zeit. Steigern wir uns langsamer, erkunden
wir die Schwierigkeiten oder auch Leichtigkeiten dieser oder jener Übung,
durchdringen wir das Ganze und passen es vor allem an unsere physischen
Begebenheiten an. Schlau ist die Schildkröte, und beginnt langsam. Laßt doch
die Hasen hyperspeed voranhoppeln, die kriegen dann auf die Pfoten (vor allem,
wenn sie keine Handschuhe tragen).

Glaube, es ist auch eminent wichtig, auf die eigene Stimme im Inneren zu hören.
Gezielte Überforderung, von anderen als Trainingsprinzip erhoben, könnte durchaus
risikofördernd und fruststeigernd wirken. Wollen wir das? Training soll Spaß
machen. Bin nicht im Sport, um mich dort wie im Gebetsmühlenalltag der Leistungs-
gesellschaft durchnudeln zu lassen. Keiner redet hier einem Stillstand das Wort,
jeder möchte ganz bestimmt etwas erreichen, nur muss es beileibe nicht gleich
der Landespokal der Freikampfmeisterschaften in Nowosibirsk sein, mit Gelenkbruch,
Herzlungenstich und Schädeltrauma erkauft. (ob es in Nowosibirsk denn überhaupt
Schwertkampfwettbewerbe gibt? ich habe keine Ahnung?!)

Trainiert man mit Leuten, die eh noch Anfänger sind, muss man den Gang komplett
rausnehmen, antifrustrierend regulieren und Erfolgserlebnisse gönnen. Teilübungen
vorschalten, die Abstandseinschätzung, Bewegungslehre (Erkennen, Ausweichen, Angriff)
und Technik (Nachreisen, Überlaufen) getrennt oder dann später vereint thematisieren.
Erstaunlich, wie eine einfache Anweisung wie “Hey, Nachreisen und Überlaufen in
freikampfiger Manier” doch so viele kleine Minifitzel an Parametern beinhalten
kann.

Am Ende des Tages ist auch ein gewisser schildkrötiger Panzer vonnöten, eine sture
Durchsetzungsfähigkeit, wenn die eigenen Limits an Safety oder Gesundheitssphäre
sicher durch andere strapaziert werden: “nein, ich werde diese Übung nicht so
schnell machen, dass ich mich (oder meinen Trainingspartner) selbst physisch oder
technisch überfordere!” Die schlaue Schildkröte sollte immer und überall, wo es
teils kopflos hyperambitioniert zu schnell gehen soll, gewaltig auf die Bremse
treten und dann jene Hoppelhasen außen vor lassen, die genau das voller Eifer
umsetzen wollen, um gierig die Früchte ihrer Ambition zu geniessen.

Sollte man einen Club der Schildkröten gründen? Man könnte ja dann all die
ehrgeizigen Hyperspeedfreikampfhoppelhasen im Krankenhaus besuchen, wenn sie dann
mal wieder regelmässig die eher negativen Folgen ihrer Art, zu trainieren, ernten.
Okay, okay, es mag natürlich die absoluten Profihasen geben, die sich nie wehtun,
alles auf maximalster Geschwindigkeitn perfekt vollführen und im Glanze ihrer
Pokalerfolge Vorbilder für alle sind. Also ich hab noch keinen getroffen. Will
ich vielleicht auch garnicht. Fühl mich bei den Schildkröten pudelwohl.

Historisches Ringen

Gibt ja ein gerüttelt Maß an Leuten, die mögen gerne Historisches
Ringen und praktizieren das gerne ausgiebig unter dem Hinweis, dass
jenes für das Historische Fechten so richtig notwendig gut sei. Naja,
being the Meckerbär, der ich bin, entgegne ich da ein riesiges:
najaaaaaaa …. oooookayyyy …. aber großartig vom Hocker reissen
tuts mich nu nich wirklich. Und dabei mach ich das Schwertkampf-
gefuchtel schon ne Weile.

Mir gefällts eher mässig, das Historische Ringen, mein Fokus liegt
aufm Schwert und es ist ja schon fein, wenn gewisse fechterische
Prinzipien auch im Ringen ihre Basis ham, aber für mich ist das
ne Weile weit hergeholt und erschöpft sich auch recht schnell. Die
Prinzipen Stark-Schwach kann ich auch mitm Schwertlein üben.

Insgesamt ist Historisches Ringen okay, ganz witzig, wenn man gewisse
biomechanische Prinzipien ausprobiert, Parallelen zu anderen Martial
Arts sieht, doch das Ganze zwingend als Curriculum machen, tät ich
nu nich tuen wollen tun. Meine Ansicht ist eh, das Ganze für ein
Training als separate Einheit anzubieten, das höchste der Gefühle
vielleicht bissle Ringen während dem Aufwärmen anzubieten, und
dann ne dicke separate Einheit Ringen für alle, die wirklich monster-
mässig dran interessiert sind.

Schwertkämpfer sollten Ringen können, weils im Wettkampf geschieht?
Also erstens wollen nich alle von uns wettkämpfen, und zweitens hab
ich nu recht wenige Videos gesehen, wo das alles exzessiv in Ringen
ausartete. Schließlich haut man sich mit dem Schwert, und das schnell,
ob man da für Halbschwert oder Ringen überhaupt mal Zeit hat? Klar,
ist alles nice to know, aber für meinen speziellen Use Case eher
überstrapaziert.

Dennoch, es sei allen geraten: probierts aus, vielleicht werdet ihr
Riesenfans, taucht mal ein in die Materie, möglicherweise lernt man
auch was für die Selfdefense, Stabilität, Körpergefühl etc. Ist alles
nun kein Beinbruch, aber manche Schwertbären, so wie ich, die können
auch gut ohne, vor allem, wenn sie das Gefühl haben, dass es im
Schwertkampf echt noch sauviel Erforschenswertes gibt, und noch jede
Menge mehr notwendige Übung!