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Im Reich der Körperfaschisten

Verdammt! So gerne ans Licht gezogen, der schändliche Ort des geschriebenen Worts,
doch wehe, Aufmerksamkeit auf diesen gelenkt, denn even bad Publicity is still
Publicity (->Trump). Um was es also wieder einmal geht, ist ein Text eines
Menschoiden, der sich mit Fitness im Historischen Fechten befaßt. Daran nichts
Verwerfliches, doch darin sehr wohl. Da ich nach wie vor weder Ross noch Reiter
nenne, einfach weil: look above, zitiere ich Passagen und nehme dazu Stellung.

Vorab eine Erklärung:

1.) Fitness ist eine gute Sache! Jeder soll diese nach eigenen Kräften verfolgen.

2.) Kampfsport und Fitness gehören sicherlich zusammen, noch viel mehr für jene,
die professionell agieren wollen, aber auch für solche, die ein gewisses
Leistungsniveau erreichen möchten.

3.) Fitness muss an die körperlichen Voraussetzungen jedes einzelnen angepaßt werden,
Überforderungen, zu frühe Leistungsgrenzensprengung oder risikohafte Übungen
vermieden werden.

Sodele. Dann also mal ran an den Speck:

Es wird postuliert, dass folgender Satz falsch sei – ebenfalls Zitat im Originaltext,
wenig später untergruppiert als Falschaussage:

“[…] „Nur weil ich ein paar Kilo zu viel habe, kann ich doch trotzdem Schwertkampf
machen!“ […]”

Dieser Satz ist absolut richtig, nicht falsch! Dahinter steht der Gedanke der Inklusion.
Jeder kann Schwertkampf machen. Eine solche Aussage als falsch hinzustellen, bedeutet,
Menschen aufgrund einer als nachteilig gesehenen Körperlichkeit zu diskriminieren. Man
merke auf: es geht hier nicht um professionellen Leistungssport, wo ein Moppel sicherlich
ein Handicap hätte, wenn alle anderen athletisch sind. Hier wird alleine schon an
der breiten Basis den Menschen der Eintritt verwehrt, aufgrund ihrer Körperlichkeit, wenn
man derlei Aussage nicht zuläßt.

Nun eine Verallgemeinerung:

“[…] Ein starker Mitgliederzustrom kam außerdem, durch Kinofilme und Romane befeuert,
aus der Larp-Szene und der Nerdkultur. Sind diese Subkulturen nun per se schon nicht
unbedingt Keimzellen der Sportlichkeit, […]”

Ein verallgemeinernder Seitenhieb klischeedenkerischer Art. Ich bin mir ziemlich sicher,
dass man Nerd sein kann und Top-Athlet. Sind dann alle Gothics als Kinder der Nacht
anorexische Blutsauf-Bulimiker? Verständige merken schnell, dass Verallgemeinerungen
pure Propaganda schlechtmeinender Geister sind, die eines wollen: durch ihre Aussagen
triggern, also Reaktionen provozieren.

Die Beschwichtigung der wohlmeinenden Absicht des Autors:

“[…] Das ist selbstverständlich nicht meine Absicht! Es geht mir keineswegs darum,
unfitte Leute zu demotivieren, ihnen „ein schlechtes Gewissen“ zu machen oder an ihren
Körpern herumzumeckern. Selbstverständlich darf jeder Mensch über seine Körperlichkeit
verfügen, wie es ihm beliebt und weder soziale noch ästhetische Maßstäbe sollen hier eine
Rolle spielen. Wie fit jemand sein will, wenn er historisches Fechten betreibt, liegt
allein in seinem eigenen Ermessen. […]”

Man wird erkennen, dass derlei Lippenbekenntnis durch versteckte Seitenhiebe, Verallge-
meinerungen, Klischeedenken und gute alte Triggerpropaganda ad absurdum geführt wird.
Also weiter im Text.

Ästhetik? Schönheitspropaganda? Here we go:

“[…] Aber wenn schon kein Fitnesstraining für das Fechten… warum nicht einfach ganz
allgemein für starke Bänder und Sehnen, dichte Knochen, eine reine Haut, eine gesundere
Psyche, […]”

“Eine reine Haut” … derlei ist für jeden ein sicherlich willkommenes Kriterium, aber
dennoch auch sehr ästhetisch belegt. Seltsam, in einem Text, der doch eigentlich fernab
jeder oberflächlichen Schönheitsbetrachtung Kampfsport und Athletik thematisieren soll.
Ist eine reine Haut für einen Krieger bzw. Kampfsportler denn ein nötiges Kriterium? Die
“gesundere Psyche” unterstellt zudem all jenen, die weniger bzw. keine Fitness betreiben,
eine sozusagen kranke Psyche, eine eben weniger gesunde Psyche.

“[…] Selbst Männern gelingt es auch nach Jahren hartem Trainings oft keineswegs, „wie ein
Bodybuilder“ auszusehen. Wenn das so einfach wäre, wäre die Welt wahrscheinlich voller
Bodybuilder. […]”

Sorry, Pal. Ich möchte nicht wie ein Bodybuilder aussehen, und ich könnte, machte ich
mir denn die Mühe, ziemlich viele andere Menschen finden, die das genauso sehen. Hier wird
wieder ein Schönheitsbild verallgemeinernd propagiert, das längst nicht auf den Großteil
der Menschen zutreffen will. Hat man diverse Anabolika Skandale im Bodybuilding Bereich
und auch groteske Deformationen im Kopf, will man Bodybuilding wirklich nicht so gerne
in einem Atemzug mit gesundheitsverbessernder Fitness nennen.

“[…] Krafttraining strafft auch den weiblichen Körper. Bindegewebe festigt sich, Schenkel,
Po und Arme werden zugleich schlanker, fester und runder. […]”

Ja, okay, nä. Schon attraktiv sowas. Aber sind das kampfsportlich quantifizierbar nützliche
Aussagen? Ist eine Schwertkämpferin mit “rundem Po” nun eher Sexobjekt oder Sportlerin? Ich
halte derlei Aussagen erneut für absolut unsachlich, schönheitspropapandistisch
verherrlichend,´eigentlich schon wieder sexistisch, und keinesfalls in ernsthaftem Bezug
zu einer (Kampf-)sportart.

You want more of In Group – Out Group:

“[…] Oft sind es gerade die durchtrainierten, athletischen Fechter, die sich beim
Fechten besonders zurückhalten können. […]”

Schlichtweg falsch. Glorifizierung des eigenen Standpunkts. Die In Group, die Athleten,
werden subjektiv mit Werten ausgestattet, allen anderen ein Fehlen dessen unterstellt. Aus
persönlicher Erfahrung weiss ich, dass es athletische, durchtrainierte Fechter gibt, die
dermassen draufdreschen, nicht, weil sie es nicht besser könnten, sondern, weil sie ein
echtes Egoproblem im Kopf haben, oder eben auch Leistungsschwächere dominieren wollen.
Also ist das rechte Maß der Dinge Kopfsache, und nicht oberflächlich muskeltrainierte
Automatikfähigkeit.

You want some Vorurteile in the Mix:

“[…] Zu guter Letzt sei auch noch erwähnt, dass starkes Übergewicht noch ein
weiteres Risiko birgt: das unabsichtliche Verletzen eines wesentlich leichteren
Trainingspartners. Sehr schwere Menschen fallen, trotz Fallschule, oft unkontrolliert,
und sie fallen hart. Wenn dann jemand von etwas zierlicherer Gestalt im Weg liegt und
diese Gefahr nicht handhaben kann, ist schnell etwas (bzw. jemand) kaputt. […]”

Da würd ich doch nun gerne mal alle Dojos mit Moppeln in them befragen, ob diese “oft
unkontrolliert” fallen. Und dämpft nicht der Speck den Fall, wenn sie denn aufm Bauch
landen? Und können zierliche Menschen nich aufgrund ihrer Schnelligkeit wegrollen,
wenn ein Koloss sich im Fall befindet? Also genug des Schmonzens, solcherlei Aussagen
des Autors sind nichts weiter als unbelegte Vorurteile, man könnte fast meinen,
da will einer dicke Judokas mobben.

How about some wirklich widerlich Formulierung:

“[…] Natürlich mag es Extremfälle von morbid adipösen Einzelfällen geben,
deren De-Facto-Behinderungsgrad ein Intervalltraining zu einer riskanten Übung macht,
doch solche Leute trauen sich selten bis nie in eine Kampfkunstschule und sind in
einem Reha-Center besser aufgehoben. […]”

Das ist eigentlich der Beleg für Körperfaschisten. Diese zutiefst widerliche,
despektierliche und menschenunwürdige Formulierung enthüllt die Geisteshaltung des
Autors. Hiermit wird Schwergewichten tödliche Krankheit unterstellt, eine Behinderung!,
und einen Verweis in eine krankenhausähnliche Institution. Dahinter steht aber nichts
weiter als die Verweigerung einer Sportart für Menschen, die, oberflächlich betrachtet,
nicht dafür geeignet scheinen. In welchem Buch aber steht geschrieben, dass
Schwergewichte Intervalltraining machen müssen? Ihnen nicht vielmehr geeignetere Übungen
serviert werden? Sollten Kampfsportlehrer nicht allen Tür und Tor öffnen, positiv
motivieren, Schwergewichte aufnehmen, und vielleicht durch Anreize positiv
verändern?

Bissl was gäbs noch. Hab aber keinen Bock mehr. Voila also. Von allen guten Vorsätzen
verabschiedet, lesen wir da einen Beitrag, der beispielgebend dafür sein könnte, dass
Leute ihre eigenen Privatpropandakriege, -komplexe oder Kreuzzüge eben nicht aus nem
angeblich sachlichen Artikel raushalten können. Schade drum. Eigentlich komplett einer
gepflegten Ignoranz wert, aber wenn keiner dagegensteht, verbreitet sich das alles wie
Blütenpollen im Sommer.

Ich bin für Inklusion in allen Sportarten!

Toleranz für jeden, einen Platz an der Sonne für alle, egal, wie “behindert” oder
“fett” oder “unfit” oder “alt” oder “hässlich” sie sind! Jeder kann und soll nach
seinen Leistungsmaßgaben, oder unter vorsichtig kompetenter Anleitung mitmachen
können.

Gegen den elitären Miniclub ästhetischer Pseudobeauty-Fechtathleten!

“Druffhaue!”

Also es gibt Leut …

Zart besaitete moderne Schwertkämpfer sind auf Sicherheit bedacht, auch
enormst sozialisiert und haben einen IQ in Empathie von … OVER 9000! Beste
Voraussetzungen also, um in der sozialen Gruppe des Historischen Fechtens neue
Freunde zu finden und partnerschaftlichst zu üben. So scheint es äußerst befremdlich
und einfach nicht denkbar, dass andere nicht eine solch ethisch-moralisch
hochstehende Fürsorge bezüglich des Trainingspartners an den Tag legen.

Doch man vergesse nicht die dunkle Seite der Macht: Menschoiden, die sich
permanent was beweisen müssen, sei es nun, the hardest Totschläger in Town
zu sein, the best Asian Martial Arts Poser Warrior ever, oder einfach nur
ein kleines bissle meschugge in the Brain. Ich meine, das geht ja klar, wenn
alle Haudraufs mit Haudraufs trainieren, ist die Sache doch geregelt, und
man kann genüsslich dabei zuschauen, wie ein gebrochener Knochen den
nächsten jagt. Muss doch genau deren Ding sein: the utmost Challenge, the
biggest baddest Freefight unter ihresgleichen?

Aber was wäre denn ein Sith Jünger ohne seinen gewissen Geltungsdrang, der
einfach nicht mit Gleichrangigen befriedigt werden kann, denn, huch, die
könnten es ja mit gleicher Münze heimzahlen! Sowas ist undenkbar und kratzt
das Ego an, also kehrt gemacht und jemanden verdroschen, der a) die Sache
anders sieht, b) weniger Blut sehen will oder c) einfach nicht so skillig
ist wie man selber. Klappt doch wunderbar, vor dem Training volle Rüstung
angelegt, geguckt, wen man als Trainingspartner kriegt, dann entweder
in den Partnerübungen das Biest am weniger gerüsteten Opfer auslassen
oder das “leichte Sparring” in einen Tanz der blaufleckigen Eitelkeiten
gewandelt.

Was tut also das sensible Pflänzchen mit seinen recht anders gestrickten
Wesenszügen? Sollte man zum ernsten Gespräch nach dem ersten blauen
Fleck oder gewiss gefährlicher Ersteskalation bitten? Wütend den
Fechthelm herunternehmen und zornig davonbrummeln? Alles ignorieren
und wie standhafte Kendoka beim first Bout Schläge kassieren? Oder
wie ein Ninja derartige Trainingspairings einfach ganz vermeiden bzw.
ablehnen? Gäbe ja noch ne Variante: es dann mit gleicher Münze heimzahlen.
Voll gerüstet naturellement.

Beim Karate gibts da laut diversen Forenberichten immer noch die
Möglichkeit, dass der Schwarzgurt oder der Sensei sich solche Zerstörer
mal zur Brust nimmt, und sie dann nach erfolgtem Takedown im
schmerzhaften Zustand fragt, ob sie denn nun ein wenig mehr
Verständnis für all jene Gelbgurte entwickeln, die sie so eifrig
zuvor durchwalkten. Aber das ist das Problem auf ne andere,
hoffentlich weisere Hochinstanz abgeschoben. Möglicherweise muss
man eben manchmal solche Dinge selbst klären.

Body Faschistoide

Historisches Fechten, wie auch andere Sportarten, zieht unweigerlich Menschen an, die
ein gewisses Bild eines Sporttreibenden verinnerlicht haben oder auch als allgemein
gültig durchsetzen wollen. Kriterien dieses Idealmenschen sind Sportlichkeit, Athletik,
Disziplin und gewiss noch andere Tugenden, die wohl auch für den Leistungssport gelten.
Möglicherweise verwehren gewisse Doktringläubige dem Historischen Fechten auch seinen
Breitensportcharakter, wollen diese noch junge Sportart nur selektiv zugänglich machen,
und sind extremst ehrgeizig in Punkto Aussenwirkung, die nach deren Ansicht nur mittels
leistungssportlichen Merkmale erreicht werden kann.

Body Faschistoide steigern obig Beschriebenes um den Faktor 9000, versäumen keine
Gelegenheit, sich selbst als sportliches Apex-Leuchtfeuer zu inszenieren, sei es im
Bild, im Video oder im geschriebenen Wort. Posing ohne Ende wird irgendwann recht
fad, vor allem, wenn man sich dabei unfreiwillig gewisser Lächerlichkeit preisgibt.
Immerhin sind coole Looks, die wirklich cool sind, nicht sehr leicht authentisch zu
erreichen. Propaganda ist eigentlich recht easy rauszufiltern: das Wort Unsportlichkeit
macht des öfteren die Runde, zitiert werden die Scharen der Herr-der-Ringe-Fans, die
blass und dickbäuchig dem Schwerte zuströmen, eine Couchpotatoe Nerdarmy, vor der
jeder Fechtlehrer wohl instant erbleicht und seinen Job an den Nagel hängt? Zumindest
andere nehmen sich dann recht gönnerhaft vor, aus eben jenen Leuten Athleten zu machen.
Gegen teuer Geld, versteht sich.

Eine neue, junge Sportart lebt von Toleranz und beiderlei Modus: Leistung und Breitensport.
Alle können es machen, manche sind mehr, manche weniger sportlich, manche machen aus
dem vermeintlichen Minus ein großes Plus, andere wollen das nicht, und dümpeln genau da
rum, wo sie sich gut fühlen, und das ist absolut in Ordnung so. Positiv motiviert kann
jeder einen Pfad erforschen, manche werden wieder aufhören, andere gloriose Turniererfolge
feiern. Es ist eben für jeden was dabei, und jeder darf dabei sein. Eine glanzvolle Utopie,
die keine sein muss und, da bin ich mir sicher, in der Gegenwart an so manchem Ort auch
so gelebt wird. Bravissimo!

Im Übrigen muss nicht aus jedem historischen Fechter ein Turnierfight-Athlet werden, wo
stehtn sowas geschrieben? Gibt sicherlich Leute, die wollen Fechtstücke können, ihre
Fitness durchaus in vernünftigem Rahmen verbessern, vielleicht guten Schaukampf machen,
oder doch dezent vertrauensvoll mit sympathischen Leuten soft Sparring betreiben! Ist
doch alles okay. Leistungsmenschen voller Ehrgeiz dürfen gerne nach der schneebedeckten
Spitze des Mount Achievement streben, verbietet ja auch keiner! Läßt jeder dem anderen
seine Ziele, gibts auch kein Streit, sondern eher nen fruchtbaren Austausch
freundlicher Geister.

25 Liegestütze!

Still und leise dräut der Trainingswald, kaum einer muckt oder rührt
sich, angestrengte Lautlosigkeit, nur durch übertrieben starkes
Schnaufen einiger Chi-Beschwörer unterbrochen. Doch huch?
was nähert sich akustischer Horchbahn aller Anwesenden? Es ist ein
Lachen, für manche mags zu laut sein, für andere gackernd, wieder
welche, die es übertrieben finden, und die geneigte Obrigkeit, die
es wohl völlig ehrverletzend als störend kategorisiert!

VATERLANDSVERRAT! Da hat jemand Spaß, über nen Witz gelacht, oder
sich sonstwie wohlgefühlt. VERHAFTUNG! EINKERKERUNG!

So werden also als disziplinarische Maßnahme Liegestütze befohlen.
Drakonisch hart für die ganze Trainingsgruppe, ohne Begründung,
aber mit eindeutigen Blicken hin zur Lachstörungsquelle. Das
weckt Erinnerungen an Private Paula, der unangenehm berührt seine
heimlichen Donuts öffentlich futtern mußte, während Sg. Hartman
darüber wachte, dass seine Squadkollegas angestrengt straf-
pumpten. Also wenn überhaupt, wer muss denn da die Liegestütze
machen? Die sippenhaftende Trainingsgemeinschaft oder die
ach so böse Lachstörkraft? Und man erinnere sich: wie rächte
sich die Soldateska-Gruppe an Private Paula, nachdem sie wegen
ihm so geschunden wurden? Jepp, genau so. Darum kritisiere ich
derartige, wenn auch ohne Begründung sofortig angesetzten
Disziplinarversuche als schädlich für die soziale Gesundheit
einer Trainingsgruppe, die beileibe nicht irgendwo leichtfertig
für die U.S. Marines angeheuert hatte.

Als Generalautoritätsuntergraber veranschlage ich bei öffentlichen
Lachanfällen erstmal Lächeln und das Sich-selbst-nicht-allzu-ernst-
nehmen auf Seiten etwaiger Verantwortlicher/Trainer. Schließlich
ist keine Atombombe aufs Training gefallen. Bei weiterer absolut
frecher Störung empfehle ich sowieso immer das sozial verträgliche
freundliche Auffordern zu mehr Konzentration, gerne kameradschaftlich
witzig serviert. Und erst, wenn jemand wirklich böse, böse, böse,
fies oder gemein ist, darf ernst angesprochen werden. Und auch das
geht im Rahmen positiver Grundhaltung eigentlich hervorragend.

All Hail Patty!

Terror Duo – now only Uno?

oder

Ode an Patty!

dear nsa and bnd, it is not real terror, but a juxgruppe
of historisches fechten. terror in this case means
unangepaßtheit, wilde freiheit, spaß, freude, nonsense,
and fighting against the ernsthafte null-spaßversteher
gesellschaft of the world.

Kaum schaut man sich um, laufen gewisse Ultimaten ab, und es
scheint, als würde man alleine dastehen. Fix und fertig,
umringt von vielen, die einfach so anders sind als man selbst.
Und so manches Mal sehr gegensätzlich. Bäm, macht es, Patty
has left the Building. Und aus ihrer Sicht zurecht.

Ich werde die Zeiten vermissen, da wir gemeinsam juxalberten,
und wohl allen tierisch auf die Nerven gingen, den Ruf
beschädigten, so richtig unhaltbare Negativzerstörer waren,
die das ganze Projekt in den Untergang zu ziehen drohten,
schlechten Eindruck auf alle Anfänger machend, sich um nichts
scherend, nicht einmal um den so wertvollen Autoritätsanspruch
der bestimmenden Klasse.

Der Traum des Schwertes ausgeträumt? Mitnichten. Patty und
ich, der ich verbleibe an dem bestimmten Ort, wir werden uns
immer noch treffen, wild schwertschwingend, woanders, der
glücklichen Vergangenheit gedenkend, als das bedeutsame Foto
gemacht wurde, damals, als 13 Leute voller Idealismus noch
lächelten. Zeiten ändern sich, und wohl auch mich und dich.
Ich selbst verbeiße mich am Traum des Schwertes und bleibe ein
Terrorfels in der Brandung, ruhig, zu ruhig, des Gegenparts
beraubt, der es nicht mehr ertrug, und stolzfrei seine 10 Punkte
Gründe anführte, warum es nötig war, zu gehen, an anderem Orte
glücklicher werdend.

Wer auch immer regiert und sich grenzenloses Prestige erhofft,
I dont care. Wie ein alter, weiser Zen Meister will ich mich
dem Schwert widmen, das für mich tauglich Machbare sehr gerne
praktizieren, mich nicht anderer Sicht verschließen, doch
melancholisch an jene denken, die ich vermisse, und sonst neue
Bande zu denen knüpfen, die meiner Art und Ethik so gänzlich zu
entsprechen vermögen.

Patty hat Rückgrat, Patty ist wild und frei, Patty ist nicht
verlogen oder hinterfotzig, Patty ist loyal. Dies alles gilt
es zu ehren, nach wie vor, und ich werde niemandem zustimmen,
der Schlechtes über sie redet. Und wie sich schon so oft
herausstellte, hat Patty so ziemlich oft recht, ein gutes
Gespür, auch wenn sie anderes viel zu eng sieht, viel zu
unnachgiebig, zu unduldsam, aber so isse halt. Die badische
Kampfsau!

Ich existiere also nun in zwei Welten, der von Patty, und
der anderen. Werde nicht vermitteln, das ist nicht meine
Aufgabe, aber von beiden versuchen, das Beste für mich zu
reklamieren. Stille Rebellion, nachdenkliche Standhaftigkeit,
und eine schließlich aus allen Erfahrungen jederzeit aktivierbare
Wehrhaftigkeit ist mir zu eigen. Denn irgendwann merkts auch
der friedlichste Aktivist: machste nix, machen alle anderen
umso mehr.

Fechten mit scharfen Waffen

Der neuste Trend scheint das macho-männliche Maximum im
historischen Fechten (und auch bei sämtlichen Vollkontakt
Afficionados auch wikingerhafter Ausprägung) nennt sich:

… Fechten mit scharfen Klingen/Waffen!

Die einen wähnen sich on the Top of all intellektueller als
auch physischer Finesse und betonen unablässig, wieviel Skill
es braucht, so etwas denn mal durchzuführen, die anderen
reklamieren nur echtes Fightertum, gorillabrüllig die
Hardest in the Garden mimen wollend.

Sagt ja niemand was gegen Technikübungen, mit Schutzausrüstung.
In variablem Tempo unter erfahrenen Leuten scheint das alles
kein Thema zu sein. Doch vermeint man auch den Wunsch nach
Sparring mit scharfen Waffen zu vernehmen, mit wenig Schutz-
kleidung, und das halte ich, egal, wer es denn macht, für
mehr als nachlässig. Denn egal wie top jemand ist, wie hoch
in der Prestigeleiter des historischen Fechtens gediehen, er
wird Fehler machen, sieht man an unendlich vielen Vorfällen
in anderen Sportarten, wo dumme Zufälle oder Unachtsamkeiten
unabsichtlich Böses verursacht haben!

Ich gestehe, der Gedanke, beispielsweise scharf geschliffene
Schwerter in Aktion zu erleben, ist ein interessanter, schon
allein, um neue Erkenntnisse zu sammeln. Doch ohne Schutz,
oder nur mit geringem, setzt man seine Gesundheit aufs Spiel,
egal, wie gut man ist. Und wenn es historische Fechter gibt,
die propagieren, dass man ohne Schutz besser ficht, muss ich
dazu sagen, dass man auch mit Schutzkleidung einige Anstrengung
darauf verwendet werden kann, sauber und akkurat zu fechten.
Ich sehe auch keine Notwendigkeit, sich dem Risiko vergangener
Zeit freiwillig auszusetzen, schon allein, weil wir heute
leben und wohl auch sportliche Ziele, und keine kriegerischen
mehr verfolgen.

TERROR REBORN

Man dachte, man hätte sie gebändigt. Man vermutete, ihr rebellischer
Geist sei erloschen. Man jubilierte, man habe sie bezwungen. Doch unter
einer Maske, einer Täuschung, einer grandiosen Tarnung, wie die Sith
sie nie besser hätten ersinnen können, gab es sie noch, sturer, wilder,
freier und terroriger, als jemals zuvor…

… DAS TERROR DUO! (1) (2)

Freiheit ist das Gesetz! Spaß und Freude ist das Credo! Wider die
verbissene, verhärtete Ernsthaftigkeit, eine Krankheit moderner
Zeiten! Tod dem blinden, alles opfernden Ehrgeiz, der Freundschaften
kaputtmacht, Gruppen auseinandertreibt, und immer Verlierer hat!
Kampf dem Leistungsdenken, dieser schwärenden Stinkwunde im Körper
der Menschheit, die alle auf der Strecke zurückläßt, die nicht
können oder wollen, die ohne Vernunft oder Mitgefühl alles ruiniert,
was sie mit ihren pestverseuchten Krallen umklammert!

Lautes, schallendes Gelächter! Wildes, freies und spaßiges Schwert-
gewirbel! Freude und Spaß an einer historischen Kämpferei! Schwert-
kampf statt historischem Fechten! Jogginghosen statt bayrischen
Knickerbockern mit fancy-dancy Wadensocken! Reden, schwätzen,
lachen, trotzdem mit Freude eintauchen in die Welt des Schwerts
und seiner geschichtlichen Zeugnisse! Ohne Hetze, ohne Antreiberei,
frei, gemütlich, schnell, alles oder keins von beidem, aber nie
ohne Grenzen, schon allein der Sicherheit und des Respekts vor
dem anderen wegen!

Feuert die Bücher in die Ecke, die nach modernen, supergescheiten
Pseudoprinzipien ein leistungsoptimiertes Training in genau
2,3 Nanosekunden ermöglichen! Greift euch eure Schwerter und
erfindet selbst, nehmt sie mit auf eure Abenteuer der körperlichen
Bewegung, selbst beim Aufwärmen sind sie nicht nur Mahnmal des
eigenen Ansporns, sondern Zeichen, dass man Schwertkämpfer ist,
und nicht im dutzendsten Zumba-Fitness-Kickbox-ADHS-Alarmgezappel.

Terror Duo ist infektiös! Seid alle gewarnt, schon so einige erliegen
schleichend dem langsamen Gift des Nonsense with a Twist! Viele
wollen gute Laune, Chillaxing, und dennoch bisschen was erreichen!
Gar nicht wenige surfen auf der neuen Welle der gemächlichen Langsamkeit
ziemlich gerne, und pflegen Tugenden wie Ausdauer, Durchhaltevermögen,
anstatt Drei-Sekunden-Burstwunder werden zu wollen, denen dann
blitschnell die Luft ausn Reifen pfeift!

Am Anfang allen Terrors ist die wunderbare Erkenntnis, dass geistige
Freiheit gar nicht über engstirnige No-Spaß-Versteher zu triumphieren
braucht, alle Hyper-Ehrgeizler in ihrem eigenen Zwangssaft schmoren
läßt, und einfach seinen eigenen Weg geht, entspannt, spaßig, voller
Lebensfreude, wenn auch leider nur unter Terror-Gesinnten. Doch
wenn das alles so gut und cool ist, wieso dann Terror? *hehe*
Just look onto the other Side, auf die dunkle Seite des Mondes, wo
sich all jene zusammentummeln, zähneknirschend, wutverbrannt kokelnd,
denen WIR ein maximaler ärgerlicher Dorn im Auge sind.

Terror Pur eben!

(1) Dear NSA, this is not about real Terror or Terrorists, its just
about a harmlos Juxgruppe of wild Freedom in a german historical
Fencing Club. Thank you for your fleissig Spying.

(2) So ward es geschrieben, dass einer der drei, früher ein Teil des
legendären Terror Trios, der Ernsthaftigkeit anheim fiel, und er
uns verließ, auf dass er Erfolg auf Erfolg in der rationalen Welt
einheimsen könne. Ob er jemals wiederkehret, in den Schoß der
Heimat, man weiß es nicht.

Fit for Fun Kagge!

Ja, ich weiß, nicht fair, aber dennoch, ich lästere nun ein wenig barbarisch
über sämtliche neuen Fitness-Konzepte, von denen man zuweilen wirklich denkt,
sie wären dem Gehirn eines ADHS-Hyperschall-Gehirns entsprungen. Ich gebe
diesem Modephänomen moderner Zeiten den liebevollen Titel: “Fit for Fun Kagge”.

Schnell zusammengefaßt sind diese ganzen hyperaktiven Fitmacher Strategien auf
höchste, atemlose Effizienz getrimmt, nach genauen minutiös erfaßten Zeitplänen,
die womöglich noch bis ins kleinste Detail jeglichen Kalorienverbrauch statistisch
erfassbar machen. Höher-Schneller-Weiter möchte man meinen, irgendwie auch
bekannt aus diversen leistungsmaximierten Konsumkapitalismus-Modellen, die durch
Werbung und böse Industrie den Menschen aufoktroyiert werden sollen. (Hm, habe
ich dagegen nicht schon einmal gewettert? Sometimes, it all comes back to this!)
Zusätzlich zweifle ich an einigen Übungen wirklich den physischen Nutzen an,
und unterstelle jenen sogar eine gewisse Risikohaftigkeit, speziell bezugnehmend
auf das famose Knie-Kreisen, bei dem man das Knie anwinkelt, auf einem Bein
steht und es dann wie von der Zentrifuge beschleunigt viel zu schnell so ungesund
im Kreis rumwirbelt, dass es bei vielen bedenklich knackt. und das soll gesund sein?

Klar, andern Orts heißt das Zumba oder hat nen anderen speziellen Funky-Titel,
wo man dann eben zur Musik unmöglich zappelt, vorgeführt von muskulösen homo
sapiens beiderlei Geschlecht, die aber das sapiens alleinig durch kurze, gebellte
Kommandos und verzweifelt angestrengtes Dauergrinsen zu rechtfertigen suchen.
Dazu noch spezielle grellbunte Trainingskleidung, blitzlichtgewittrige Disco-
Atmosphäre und suddenly macht Sport unbändig Spaß? Naja, füllt eher die Kassen
sämtlicher Sporty-Trend-Erfinder.

Vielleicht könnte man da irgendwie ein wenig Ruhe und Tai Chi reinbringen in
sämtliche Aufwärmstrategien, Krafttrainings oder sonstige Fitness-Aktivitäten.
Nichts gegen Anstrengung, Schweiß und Muskelkater, aber insgesamt ruhiger,
überlegter, entspannter und man möge es nicht für möglich halten: auch
vielleicht spaßiger? So träume ich nach wie vor von einem Training, welches
den Geist entspannt, den Körper angemessen fordert und eben nicht in 2,2556
Minuten von Übung zu Übung springt, und innerhalb von immer kürzer werdenden
Zeitspannen, in denen Aufgaben bewältigt werden sollen, den Otto Normalbürger
frustig demotiviert.

Alternativen? Stumpfsinnig in der Halle oder im Freien im Kreis rennen?

Im Historischen Fechten? Übungen mit Schwert? Haue, Huten und Schritte als
Aufwärmen? Oder gymnastische Übungen, in denen das Schwert sinniges Beiwerk
ist? Kraft und Ausdauer wichtiger, als reine Burst-Speed? Sogenannte
zen-buddhistische Schwertübungen, in denen alle Bewegungen sehr langsam
und sehr lange ausgeführt werden? Borgen wir uns ne Runde Tai Chi, bedienen
wir uns aus den Körper und Geist vereinenden traditionellen asiatischen
Kampfkünsten?

How to be a Historical Fencing Trainer ?!

Versuch eines Entwurfs des idealen Trainers im Historischen Fechten

Ein vielleicht sehr subjektiv unvollständiger Versuch einer Charakt-
erizierung des idealen Historischen Fechttrainers, den es vielleicht
gar nicht gibt, denn Mensch sein und Ideal-sein liegt so manches
Mal über Kreuz, selbst bei den Besten ihres Fachs. Dennoch zum
Diskurs gestelllt, vielleicht auch mein Versuch, allen Neulingen
eine Anleitung zu geben, wie sie sich entweder in kommerzieller
Schule oder Verein sicherer fühlen können, gut aufgehoben zu
sein.

1.) bisherige kampfkünstlerische Ausbildung. Ein historischer
Fechttrainer tut gut daran, bereits Erfahrung in Kampfkünsten
zu besitzen, sei es nun Asian Martial Arts, Western Boxing oder
anderes, vielleicht Exotisches. Wichtig ist hierbei, dass man
detailliert sehen und zweifelsfrei nachvollziehen kann, was dieser
Mensch erreicht hat, wobei man ja nicht unbedingt immer Wert
darauf legen muss, dass dieser in Japan den drölfzigtausendsten
Schwarzgurt erwarb.

2.) pädagogische Eignung/Ausbildung. Wirklich wünschenswert,
dass ein Trainer im Historischen Fechten mit Lernkonzepten
umgehen kann, sie sinnvoll entwirft, und dann auch in sozial
gerechter Manier umsetzen kann. Kasernenhofbrüller und
Bundeswehrscharfmacher sind vielleicht mancherorts gewünscht,
aber meistens doch dann fehl am Platz. Vielleicht wäre hier noch
anzuführen, dass der Charakter eines Trainers eine sehr wichtige
Komponente darstellt, er muss mit verschiedensten Menschen
zurechtkommen können, empathischer Mediator sein, die Bedürfnisse
vieler möglichst gut in Einklang bringen können, dennoch seine Ziele
verfolgen, aber immer auch bezüglich derer diskursfähig bleiben.

3.) Kenntnis der Fechtbücher, der Quellen, Rekonstruktionswillen
dessen, Diskursfähigkeit in streitbaren Themen, intellektuelle
Vernetzung mit anderen progressiv die Historische Kampfkunst
Vorantreibenden, das könnte man alles an Anforderungen an
die intellektuellen Qualitäten eines Fechtlehrers stellen. Sicherlich
muss dieser nun nicht stundenlang Althochdeutsch büffeln, oder
dauernd Leseratte spielen, aber Wissen und Beschäftigung mit
all diesen Dingen ist unabdingbar.

4.) Sportliche Fitness, dazu Praxiserfahrung in Historischem Fechten,
nachgewiesen auf Turnieren, immer wieder aufgefrischt auf
nationalen und internationalen Zusammenkünften ist höchst
wünschenswert. Dabei ist natürlich nicht gemeint, dass ein
Trainer mehr auf Turniere reist, als er tatsächlich Unterricht
in seiner Heimatschule bzw. Verein gibt. Ebenso ist es reichlich
unwichtig, ob da dauernd Erste Plätze rausspringen, wenn ein
Trainer Turniere besucht. Meiner Ansicht nach reicht alleinig
die Teilnahme und der sportliche Impuls dessen!

5.) Kommerziell orientierte Trainer, die eine Schule selbst leiten,
müssen sich noch mit dem Rattenschwanz an Anforderungen an ein
wirtschaftlich gut geführtes Unternehmen ohne Schimpf und Tadel
auseinandersetzen. Transparente und faire Mitgliedsbeiträge,
nicht nur Fokus auf persönliche Bereicherung, Feste & Feiern
ohne monetäre Gewinnzielsetzung, gleichbleibende sowie dauerhafte
Güte des Trainings und keine versteckten Strategien, dass nur
jene mehr gelehrt bekommen, die auch mehr Geld investieren.

Kommerz kontra Kampfkunst/-sport?

Besiegt der Kommerz die Kampfkunst?

Es ist legitim, für die Gegenleistung einer soliden kampfsportlichen
Ausbildung Geld zu verlangen. Dies hat Tradition, auch und gerade
in den asiatischen Kampfkünsten und ist nicht verwerflich. Schließlich
stehen dahinter grundlegende Bedürfnisse der Lehrenden, ihr Leben
zu finanzieren, den Beruf des Kampfkunstlehrers auszuüben und
nach finanzieller Absicherung ihrer selbst oder ihrer Familien zu
streben.

Doch wie bei allem, wo Geld im Spiel zu sein scheint, gibt es Gierige,
Blender, Täuscher, die sich bereichern wollen, auf Kosten anderer
und vor allem der Kampfkunst, die sie praktizieren. Dies sorgt für
schlechten Ruf, für eine korrupte Lehre, die jene favorisiert, die am
meisten Geld in die Ausbildung pumpen, und benachteiligt die
eigentlich Talentierten, die in solchen Systemen dann das Nachsehen
haben, wenn sie aufgrund ethischer Entrüstung den Geldreigen nicht
mitmachen wollen.

Gänzlich schwierig und verschwommen wird es in neuen, zu ent-
deckenden Kampfkünsten historisch europäischer Natur, in denen
es schwierig wird, zu unterscheiden, oder auch festzulegen, wer
als Lehrer etwas taugt, richtig lehrt oder sich an Quellen orientierend
an das hält, was er verspricht. Ein einheitlicher Kanon wie bei den
asiatischen Kampfsportarten gibt es (noch) nicht, Verbände sind
im Entstehen begriffen, und alles, was ein Lehrer an Graduierung
nachweisen kann, ist der lapidare Satz: “betreibe schon seit x Jahren
Historisches Fechten”. Alle Fechtpatente einzelner Partikularschulen
sind da eher wenig hilfreich, weil ihnen die allgemeinverbindliche
Anerkennung fehlt.

Kommerzielle Schulen im Historischen Fechten tun gut daran, sich
dem Kommerz nicht zu ergeben und sich selbst so transparent wie
möglich zu machen. Absolut topsauberes Geschäftsgebahren,
gepaart mit einem pädagogisch als auch (asiatisch?) kampfkünstlerisch
detailliertem nachweisbaren Lebenslauf der Trainer mögen dazu beitragen.
Die Reinheit der Lehre an Quellen festgemacht, nachvollziehbar und in
beständigem Austausch mit anderen, auch konkurrierenden Schulen und
sowieso Vereinen sorgt beständig für Qualitätskontrolle. Überteuerte
Spezialseminare, seltsame separat zu bezahlende Graduierungsrituale bzw.
Zeichen oder einfach nur Marketing-Nippes tragen nicht dazu bei, eine
ernsthafte und vor allem professionelle Kampfkunstschule zu betreiben.

Am Ende lockt das Vereinstreiben als vielleicht letzte Barriere gegen
den Kommerz im Kampfsport, wohl auch beim Historischen Fechten.
Dort geht es nicht um Gewinn und Bereicherung, möchte man meinen,
denn große Vereine investieren ihre Mitgliedbeiträge wohl nicht in die
teuren Luxusschlitten ihrer Chefs, haben Kontrollinstanzen und teils
auch eine lange Tradition gemeinnützigen Verhaltens mit günstigen
Angeboten für Familien und Senioren jenseits aller Geldmacherei.

Möglicherweise habe ich ja die romantische Sehnsuchtsbrille gegen
den Kapitalismus auf, wenn ich Vereine so lobe, aber in der Tat
erscheinen sie mir schon ein wenig als zu präferierende Alternative
zu kommerziellen Kampfkunstschulen. Was nicht heißen soll, dass
es da draussen keine absoluten Top-Schulen gibt, deren ausgezeichnetes
Training jeden Cent Wert ist. Zumindest im Historischen Fechten
fallen mir aber grade nur Vereine ein, die maßgeblich diese junge
Sportart vorantreiben, doch das mag nichts heißen, denn mein
nationaler sowie internationaler Überblick der Szene ist noch
noch nicht ausufernd komplettiert.