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Ein Überblick über Liechtenauer …

einige gedanken zu liechtenauer und der versuch einer persönlichen strukturierung
seiner lehren, dazu gedanken, fragen, versuchsanordnunge und ideen im hinblick
auf die praktische durchführung, hinleitung zum eventuellen freikampf oder
freundlich kontrollierten, wohldosierten übungsszenarien.

Liechtenauer – Prinzipien und Techniken – Überblick

– Langschwert –

1.) Prinzipien

1.1) kürzeste und direkteste Angriffsrichtung

—> Ökonomie und Effizienz

(parasitäre Bewegungen erkennen und beseitigen, Beispiel:
zusätzliches Ausholen beim Hau aus der Hut vom Tag)

(das Generieren von Schlagstärke durch Körpereinsatz,
Stichwort: Hüftdrehung)

—> Binden/Fühlen

(die Situation, wenn Schwerter aneinander binden/ sich “treffen”,
beispielsweise bei gegenseitigem Zornhau, Stark/Schwach erkennen,
weiteres Arbeiten daraus, taktile Signale erkennen)

(dem Gegner wenig taktile Signale geben, Schwertarbeit an dieses
Prinzip anpassbar?)

—> Haue (Oberhau, Mittelhau, Unterhau), Stich, Schnitt (die drei Wunder)

(das Üben der Haue und Stiche aus den Huten heraus; Kombinationen
wie etwa Oberhau vom Tag-rechts in den linken Pflug, dann Stich)

—> Huten/Leger – Basis (Ochs, Pflug, vom Tag, Alber)

—> Huten/Leger – Erweitert (Zornhut, Wechselhut, Nebenhut, Eisenport,
Schlüssel, Einhorn, Schrankhut)

—> Huten/Leger – Übergang (Hanged Ort, Kron, Langort)

(Huten, die als Transition dienen, die bei Techniken “durchlaufen” werden)

(Einordnung des Sprechfensters?)

—> nicht den Hauen nachfolgen (im Winkel angreifen)

1.2) Fussarbeit, Stand, Distanz

—> Geschwindigkeit, Beweglichkeit, Beobachtung/Einschätzung

—> weite Mensur (Angreifer macht 2 Schritte), mittlere Mensur (ein Schritt),
nahe Mensur (Angriff ohne Bewegung), enge Mensur (Angreifer kann Gegner
mit der Hand berühren)

—> einfacher Schritt, Kreuzschritt, Gleitschritt, Nachstellschritt, Wechselschritt

(das “Mensurspiel”: Aufstellen beider Fechter auf gegenüberliegenden Hallenseiten,
jeder darf einem Schritt tun, dann ist der andere an der Reihe; wer meint, nahe
genug zu sein, darf einen langsamen Trefferhau führen, trifft er mit mindestens
einem drittel seiner Schwäche ab Ort heraus, ist das ein Punkt. Erweiterung des
Spiels um Ausweichen, mehrere Schritte)

(das “Satellit”-Spiel. ein Fechter steht im Vom-Tag, der andere umkreist ihn in
verschieden entfernten Kreisbahnen. der schlagende Fechter darf einen Schritt
tun, Scheitel- oder Oberhau gegen die Maske des Umkreisenden versuchen,
das Abschätzen der Distanz, das Hinwenden zum Gegner per Fechtschritt)

1.3) Kraft, Geschwindigkeit, Struktur

—> Geschwindigkeit, Mut (Assertiveness not Aggressiveness), Klugheit (eigene Deckung),
Selbstvertrauen (do I trust my technique?), Ausdauer, Kraft

—> mit ökonomisch eingesetzter, geringerer Kraft einen Hau mit voller Power
erfolgreich versetzen (siehe Meisterhaue)

—> Assertiveness, die Selbstbehauptung, kontra ein Übermass an Aggressivität,
das Risiko birgt, Treffer kassieren lässt.

—> Klugheit (eigene Deckung beim Angriff, Gegner einschätzen, die eigenen
Stärken und Schwächen kennen, das Optimale tun, ohne großartig darüber
grübeln zu müssen)

—> Selbstvertrauen (Erprobung der eigenen Techniken unter Krafteinwirkung
und Geschwindigkeit, zuverlässige und konsistente Ausübung)

(das schnelle und kraftvolle Üben von Hauen, dazu die penible Einhaltung gerader
Körperstruktur, Ziel ist es, zu jedem Zeitpunkt des Haus, von Anfang bis Ende,
kraftvoll balanciert zu stehen – zuerst bewegt sich das Schwert, dann der Körper,
idealerweise Annäherung an Gleichzeitigkeit)

(ansatzlose Haue, dem Gegner keine Signale geben, Körpersprache)

(das Deflektieren größerer, ankommender Kräfte mit eigenem effizienten, also
auch geringeren Krafteinsatz üben)

1.4) Im Vor bleiben, Offensive, Defensive, Vorschlag/Nachschlag

—> Vor, Nach, Indes, Stark, Schwach (die fünf Wörter)

(immer nach dem Vor streben; hat taktisches im-Nach-sein einen Sinn?)

(das indes als optimales Reaktionstiming)

(das Schwache mit dem Starken beantworten, das Starke mit dem Schwachen)

—> der Abzug (nach eigenem Angriff in Ochs oder Pflug und Distanz einnehmen)

(Nach einem Angriff sofort auf der Schwertseite des Gegners den Pflug oder
Ochs einnehmen, dabei einen Schritt zurück machen. Ist der Pflug immer zu
empfehlen, da der Ochs die Arme verwundbar lässt, und man den Pflug immer
noch bei Bedrohung hochwinden kann?)

—> Vorschlag und Nachschlag

(Vorschlag als einzelner oder mehrfacher Angriff vor dem eigentlichen beabsichtigten
Treffer; eigenen Schutz beachten; es wird zu nur einem Angriff geraten, der den
eigentlichen Treffer vorbereitet; den “Vorschlag gewinnen”, erfolgreich den
Gegner in die Defensive drängen, ihn reagieren lassen.)

(Nachschlag als Treffer, wenn der Plan des Vorschlags aufgegangen ist)

1.5) Verstecken der eigenen Absichten vor dem Gegner

—> Taktik, Finte, Täuschung, Vorahnung

—> Provozier-Hau, um eine Öffnung beim Gegner zu generieren; Trefferhau; danach
Fanghau, um Gegenaktion zu unterbinden

—> strategische Überforderung des Gegners durch unablässige Haue zu den Blößen,
ähnlich des Meyer-Diagramms, während man “im Fechten zu ihm kommt”, dann
Treffer bei Fehler des anderen

—> Einladung des Gegners zum Hau durch Exponieren einer Blöße während einer
Hut, Kontrafechten durch passives Locken

—> die Hut Schlüssel als Verstecken der eigenen Reichweite

(die Finte als dem Gegner glaubwürdig präsentierte Angriffsrichtung mit spätem
Wechsel in eine neue)

—> das “absichtliche Fehler machen”, um den Gegner zu einem Angriff zu verleiten
und daraus Kapital zu schlagen, bzw. “der Fehler”, das absichtliche Nicht-Treffen
eines Ziels (Körper/Klinge), um ein anderes Ziel zu erreichen

2.) Meisterhaue

—> Zornhau, Krumphau, Zwerchhau, Schielhau, Scheitelhau

—> die Stücke zu den Meisterhauen

(effiziente Ausführung des Krumphaus in einer Art Scheibenwischer
Bewegung, die nicht über den Körper des Gegners hinausgeht,
kontrollierte Krafteinwirkung auf die gegnerische Klinge, sie nur
so weit aus der Bahn bringend, wie es für die eigene, nachfolgende
Aktion, etwa einen Stich, funktional ist)

(der Zornhau, das Gewinnen der Mitte, sogar Deflektion der gegnerischen Klinge
zum Treffer am Kopf, das Herbeiführen der Bindung, Spitze der Klinge immer
am Körper des Gegners ausrichten, klassische Eröffnung?)

(der Zwerchhau, das Deflektieren eines Hiebs mittels Treffer auf die Seitenfläche
der anderen Klinge, der punktuelle, nicht überdimensionierte Krafteinsatz zum
anderen Schwert, nicht Kraft abfangen, Kraft durch effiziente Krafteinwirkung
ableiten)

(das Timing beim Scheitelhau, das Zeitfenster, wann dieser Angriff im Rahmen
des indes funktional und optimal ist)

3.) Techniken

—> Duplieren, Mutieren

(Mutieren gegen jemanden, der weich in der Bindung ist, über
die Bindung kommen und zur Blöße stechen)

(Duplieren reagiert auf harte Versetzung, trifft hinter der
Klinge des Gegners)

—> Versetzen

(passive Versetzung des gewöhnlichen Fechters zur
Demonstration einer suboptimalen Handlungsweise)

(Meisterhaue als optimale Versetzungen: Krumphau besiegt
Ochs, Schielhau besiegt Pflug, Twerchhau besiegt vom Tag,
Scheitelhau besiegt Alber)

—> Nachreisen, Überlaufen

(Bestimmung des Zeitfensters für ein optimales Nachreisen, indes
optimal reagieren, wenn der Gegner sich verhaut)

(dynamische Übung: Fechter A muss versuchen, die Maske des
Fechters B zu treffen, der mit Fechtschritten ausweicht. Schafft er dies
nicht, muss er den Hau zu Ende bringen, und Fechter B darf das
Nachreisen per Oberhau bzw. Scheitelhau anbringen. Langsame
und schnelle Ausführung, Beachtung des Zeitfensters, wann
Nachreisen angebracht ist.)

—> Absetzen

(in den Angriff per Ochs oder Pflugstich hineingleiten, Deflektion der Klingen-
energie des Gegners, mit Stich versetzen)

—-> Durchwechseln
(Effizienz der eng kreisförmigen Bewegung unter der Klinge des
anderen hindurch)

—> Durchlaufen (Einlaufen, zum Ringen)

—> Händdrücken

—> Zucken
(das Üben der Präzision im Zucken aus verschiedenen Positionen)

(Übung: Fechter A schlägt Fechter B einen Oberhau, B blockt passiv,
A zuckt zurück und trifft entweder gut geschützte Hände oder das
Blatt von B über der Parierstange – Präzision und Geschwindigkeit
schulen)

—> Hängen (ins Hängen schlagen)

(das Andeuten eines kraftvollen Haus, Abglitzen an der gegnerischen
Klinge, ohne Verzögerung ins Hängen und Stich)

3.1) Krieg / Winden

—> 24 Winden Techniken ab naher Mensur

(die einzelnen Winden üben, den Stich zuverlässig per Winden deflektieren,
das Bringen des eigenen Schwertes über das des anderen per Stärke
zu Schwäche zuverlässig in jeder Geschwindigkeit praktizieren)

4.) Halbschwert

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Wohldosierte Technikerschildkröten

es ist absolut legitim, keine turniere im historischen fechten bestreiten zu wollen.
dazu ist es absolut okay, nicht einmal sparring oder freikampf anzustreben. ich nenne
das: techniker bleiben. besonders hartnäckige anti-leistungskultur orientierte
sturköpfe sind dann schildkröten mit harten panzern und wohldosiert kultivierter
übungsmanier, das ziel: so viel zu können, wie sie zu fassen kriegen an quellwerk.
das ganze durchaus zu erproben, in vorsichtig angelegten übungen, dezent steigernswert
in speed and power.

freikampf und sparring sind risikobehaftete vorhaben. gegen die falschen leute sind
es auch demütigende und herabwürdigende erfahrungen. mit den richtigen leuten allerdings
sind sie durchaus klasse erlebnisse, die wirklich voran bringen, auch und gerade, wenn
man dann “verliert”. könnten also sture wohldosierte technikerschildkröten zu sparring,
ob leicht oder full contact, bewegt werden? na, vielleicht, wenn ethisch kompetente,
ähnlich veranlagte tierchen sich mit ihnen in den ring gesellen. für alle anderen bleibt
die blutige arena der hitzigen jungbullen, denen es egal ist, was sie anderen zufügen.

sowieso: vor die freuden des freien ausprobierens setzte gott die ewiglich lange übung.
eine zwischenstufe stellt das üben von attacke und parade in voller kraft und
geschwindigkeit dar, erst, wenn der eigene zornhau nen brachialen brunfthau
zuverlässig aufhalten kann, darfs weitergehn. die politik der langsamen und kleinen
schritte. all jenen vielleicht zu langweilig, die vom turnier-zugucken blut geleckt
haben und eigentlich alle schutzausrüstung schon beisammen haben.

es besteht nur dann ein unablässiges problem, wenn trainer den freikampf, das sparring
zur disziplin von gottesgnaden stilisieren und viel zu früh die trainierenden damit
überfordern – anfänger oder dezent fortgeschrittene werden das sowieso sein. wer zu
früh frustrationen erzeugt, grade auch erfahrene in freikampfübungen auf anfänger
loslässt, riskiert ablehnung oder kritik oder verletzung oder das ausleben gewisser
egotriebigkeiten an leuten, die es eben noch nicht so können. klar, freikampfegomanen
unter sich richten auch nur unter sich schaden an, die sollten dann klar wissen,
auf was sie sich einlassen.

wobei man inklusion für alle betreben kann: wer auf der technikerstufe bleiben mag,
gerne, wer weiter in freefight oder turniere voran mag, absolut. es soll und muss
für alle ansprüche im training platz sein, das erfordert auch nur toleranz der
trainer, die nicht beleidigt sein sollen, dass ihre vision der freikampfigkeit nicht
von allen getragen werden kann, aus gesundheitlichen gründen sowieso, aus persönlichen
gründen mancherorts. leistungskader und breitensportler gut vereint, und wer weiß,
vielleicht wechseln ja die lager dynamisch, befruchten sich gegenseitig, aber
gönnen sich jeweils ihre zielsetzung. DAS muss im sport gefördert werden. eine
klassische aufgabe der trainerschaft.

Hinführung an den Freikampf

sodele. will ich mal ein endlos theoretisches thesenpapier versuchen, das
eine graduelle annäherung an das komplexe dingens namens freikampf bzw.
sparring darstellt. a work in progress.

—> fitness und kampfdrills zum aufbau derselben in beweglichkeit und
kraft sind nicht gegenstand des thesenpapiers. es wird davon ausgegangen,
dass alle trainierenden ohnehin im rahmen ihrer möglichkeiten daran
arbeiten.

1.) technik

die huten ochs und pflug: der trainierende muss gegen langsam und schwache
bis hinzu schnellen und starken hauen beweisen, dass er die huten ochs
und pflug stabil zum block nutzen kann, der ort seines schwertes muss
dabei immer auf den gegner zeigen.

die meisterhaue: der trainierende muss gegen langsame und schwache bis
hin zu schnellen und starken hauen darlegen, dass er die meisterhaue
gemäss ihrer praktischen anwendung sicher mit oder ohne treffer anbringen
kann. (twerhau gegen oberhau, krump gegen zorn etc.)

alle übungen haben die natürliche progression von langsam und mit wenig
kraft bis hin zu schnell und mit kraft. dabei wird spätestens ab mittleren
geschwindigkeiten genug schutzausrüstung getragen.

—> alle trainierenden müssen darlegen, dass sie in hau als auch stich
nicht nur schnelligkeit und kraft beweisen, sondern auch präzision und
kontrollierte powerdosis.

—> alle trainierenden versuchen, die körpersprache des anderen zu lesen,
und in bezug auf meisterhaue oder haue an sich immer die richtige “antwort”
auf den angriff zu finden.

—> beseitigung von parasitären bewegungen. technik ökonomie und effizienz.

2.) limitierter freikampf mit festen instruktionen bzw. regelsets

[alle übungen erst langsam, dann graduell schneller. ab gewissem niveau
schutzausrüstung anpassen und erweitern]

vorübungen:

ein fechter muss versuchen, die maske des anderen durch einen
hau zu treffen. der andere muss ausweichen, darf nicht parieren. verhaut man
sich bzw. trifft man, zurück in die ausgangsstellung, weite mensur. ohne
raumbewegung, mit fechtschritten vor und zurück. mit raumbewegung: der
passive fechter umkreist den aktiven in verschiedenen, wechselnden abständen.

aufbauend auf obiges. parade des angegriffenen gestattet.
durch huten ochs und pflug. wiederholen mit stichen, dafür ist unter
umständen mehr schutzausrüstung notwendig, falls andere trefferzonen
als nur die maske gestattet sind.

ein fechter bewegt sich frei im raum, darf durch verschiedene fechschritte
ausweichen, der andere muss ihn treffen, vorzugsweise wieder fechtmaske als
trefferpunkt. distanzüberwindung schulen. distanzen einschätzen und erkennen.

übungen:

übung im raum: ein meisterhau für beide fechter gestattet. zornhau eignet sich
gut. freie bewegung im raum. trifft man, zurück in startposition, weite mensur.

alle weiteren übungen haben einen gänzlich neuen meisterhau als einzige angriffsmethode.
beide greifen sich an, nutzen den meisterhau, soweit möglich, auch als indes defensive.

danach erweiterung des regelsets. beispielsweise sind zwei meisterhaue zum angriff
und zur indes defensive erlaubt.

erweiterung des regelsets: jeder eigene angriff muss mit einer weiteren aktion
als “deckung” begleitet sein. sei es, man vollführt einen zornhau, entfernt sich
dann vom gegner, geht dabei in den hanged ort, bzw. pflug oder ochs. die
methode des sogenannten “abzugs”. suche ich nach meinem hau den kontakt zur
partnerklinge? ist es sinnvoll, das zu tun? eine art bindung zur eigenen
sicherheit aufrechterhalten?

—> das phänomen des doppeltreffers. analyse, vermeidung, “sichere angriffe” vs
“risiko angriffe”

—> vorüberlegung: möglicherweise sinnvoll, derlei vorgehen ohne meisterhaue und
nur mit normalen hauen (oberhau, unterhau, eventuell stiche), erst danach meisterhaue.

—> das programmieren einer angriffs-sequenz? ausprobieren? nachteil: fehlende
flexibilität in dynamischer kampfsituation

3.) freikampf mit festgelegtem, limitiertem regelset – alle geschwindigkeiten

maximale schutzausrüstung. alle meisterhaue. alle huten. start in weiter mensur. nach
treffer stop, rückkehr zur mensur startstellung. alle trefferzonen erlaubt. peinlich
genaues achten darauf, dass ein treffer mit einer fechttaktion errungen wurde. mit
ringrichter? graduelles steigern der geschwindigkeiten. zuerst kein halbschwert,
kein nahkampf, später addition desselben.

—> these: sind meisterhaue völlig ausreichend, einen kampf zu bestreiten? zum angriff,
als auch zur indes-defensive?

—> verteilung von rollen: einer ist der aggressor, der andere defensiv. verschiedene
runden. tauschen der rollen. dann beide als aggressor. wer wird belohnt, wer wird
bestraft?

—> tricks, körpersprache manipulation, finten.

—> modifikation: nur fechtmaske ist als trefferzone erlaubt. einschränkung der
trefferzone läßt weniger schutzausrüstung zu, aber auch nur bei entsprechend
erfahrenen trainierenden, das minimum handschuhe – fechtmaske sollte nie unterschritten
werden

4.) freikampf ohne regelset – alle geschwindigkeiten/kraftanwendungen

das ziel der reise.

—> auswahl von fechterischen techniken aus dem wissenspool für die eigene kampfstrategie,
das eigene “skillset” wird definiert und erweitert. was klappt? was liegt mir? was nicht?

—> das eigene ego im kampf. psychologie und kampfstrategie.

—> die eigene körperliche fitness im freikampf. ausdauer, kraft, geschwindigkeit.
analyse, verbesserungsmöglichkeiten, kompensationsmöglichkeiten eigener defizite

Schwertkampf Motivatioooon!

rülpsend rüpelhaft vorm rechner couchpotatoe-technisch lungernd,
stößt man auf bestrebungen junger eiferer, nen neuen verein zum
schwerteln zu gründen, und dergestalt auch eine linklist mit
inspirational vidz. gleich mal draufgeklickt … oha, nen typ
auf der bühne, mimiktechnisch hyper-ADHSig was vorschwallend von
meisterschaft – er sei einer – und lebensgefühl und whatnot,
wenn man sich den historischen kampfkünsten denn hingäbe. grad
wollt ich einigermassen halbwegs gnädig daumen hoch servieren,
labert er wat von … sexy … da hammas wieder. wenn ich den
verfluchten sport machen will, dann ist being sexy not on the
list, sondern spaß haben, was erreichen, gesundheit fördern.
keinesfalls so ne verquirlte top model attractiveness scheisse,
die sie dir in jedem fitness studio aufs ohr bügeln, damit de
rich&famous per sixpack wirst … surprise, you dont, really.

zwischendrin fühlte man sich in irgendnen motivationskurs für
abgehalfterte manager versetzt, muss denn jede verdammte
betätigung gleich des seelenheil auf erden bringen? ich mein,
schön, wenns so ist. aber kritische geister werden sowas von
hellhörig, wenn sie motivationstalk unbekannter quellen hören,
und der könig mammon immernoch die welt regiert. ist also
schwertkampf der motivational seelenreise tripp für real-
unsportliche, die man aus anderen nischen vertrieben hat?
öffz! oder ist es der heilige gral der depressionsüberwindung?

ah, und bei mir setzts dann wieder mal komplett aus, wenn
ich auf der obig erwähnten seite jungfrischer wannabe-vereins-
treibender lesen muss, dass knickerbocker hosen, also kniebund
höslis, sich in der szene durchsetzen. wasn das für ne equipment
empfehlung? sind wir bei fashion schwertkampf reloaded mit
möglichst pretty bunten söckchen? oder doch ein bolero top noch,
damit man bei gucci grad noch mitlaufen kann? alter, wasn
quark. kniebund und stulpen … stulpen, das sind jene sexy
overknee strümpflis, die eigentlich gern von den frauen getragen
werden, aber dann bei den females echt attraktiver ohne wolle,
sondern see-through. abgesehen davon rutschen stulpen, da brauchste
dann noch nen erotischen garter-belt, damit die halten. ECHT SEXY
SCHWERTKAMPF. empfehle ja da eher hautenge yoga pants für männer,
damit man seine eigenen ultraschlanken fesseln, beinchen,
gelenkchen topsauber im vanity-wandspiegel bewundern kann!
oh, fast hätt ichs vergessen: mir ist scheissegal, was sich in
irgendwelcher szene durchsetzt.

pardautz. vielleicht bin ich zu streng mit de leutz. kann ja jeder
machen, was er will. und moderne sportfechter laufen auch in
komplett weißem kniebundlatz rum. what shalls also?! dennoch,
was sich alles in die historischen kampfkünste reindrängt,
profitieren will, die kunst verwässert, moderne eitelkeit pflegt,
oberflächlichen dumfug verzapft, den geldesel melken will ohne
ende, oder schließlich nur gefährlich dummer scharlatan ist,
all das gefährdet den schwertkampf, korrumpiert den traum
des schwerts, und verführt zum bösen!

To be fast, you first have to be slow.

Laßt uns zu Schildkröten werden! Nähern wir uns ambitionierten freikampfigen
Übungen mit der nötigen Skepsis und Vorsicht. Egal, ob da Propaganda betrieben
wird, das Ganze “dynamischer”, “schneller”, “beweglicher” oder whatauchever
zu betreiben. Nehmen wir uns doch mal Zeit. Steigern wir uns langsamer, erkunden
wir die Schwierigkeiten oder auch Leichtigkeiten dieser oder jener Übung,
durchdringen wir das Ganze und passen es vor allem an unsere physischen
Begebenheiten an. Schlau ist die Schildkröte, und beginnt langsam. Laßt doch
die Hasen hyperspeed voranhoppeln, die kriegen dann auf die Pfoten (vor allem,
wenn sie keine Handschuhe tragen).

Glaube, es ist auch eminent wichtig, auf die eigene Stimme im Inneren zu hören.
Gezielte Überforderung, von anderen als Trainingsprinzip erhoben, könnte durchaus
risikofördernd und fruststeigernd wirken. Wollen wir das? Training soll Spaß
machen. Bin nicht im Sport, um mich dort wie im Gebetsmühlenalltag der Leistungs-
gesellschaft durchnudeln zu lassen. Keiner redet hier einem Stillstand das Wort,
jeder möchte ganz bestimmt etwas erreichen, nur muss es beileibe nicht gleich
der Landespokal der Freikampfmeisterschaften in Nowosibirsk sein, mit Gelenkbruch,
Herzlungenstich und Schädeltrauma erkauft. (ob es in Nowosibirsk denn überhaupt
Schwertkampfwettbewerbe gibt? ich habe keine Ahnung?!)

Trainiert man mit Leuten, die eh noch Anfänger sind, muss man den Gang komplett
rausnehmen, antifrustrierend regulieren und Erfolgserlebnisse gönnen. Teilübungen
vorschalten, die Abstandseinschätzung, Bewegungslehre (Erkennen, Ausweichen, Angriff)
und Technik (Nachreisen, Überlaufen) getrennt oder dann später vereint thematisieren.
Erstaunlich, wie eine einfache Anweisung wie “Hey, Nachreisen und Überlaufen in
freikampfiger Manier” doch so viele kleine Minifitzel an Parametern beinhalten
kann.

Am Ende des Tages ist auch ein gewisser schildkrötiger Panzer vonnöten, eine sture
Durchsetzungsfähigkeit, wenn die eigenen Limits an Safety oder Gesundheitssphäre
sicher durch andere strapaziert werden: “nein, ich werde diese Übung nicht so
schnell machen, dass ich mich (oder meinen Trainingspartner) selbst physisch oder
technisch überfordere!” Die schlaue Schildkröte sollte immer und überall, wo es
teils kopflos hyperambitioniert zu schnell gehen soll, gewaltig auf die Bremse
treten und dann jene Hoppelhasen außen vor lassen, die genau das voller Eifer
umsetzen wollen, um gierig die Früchte ihrer Ambition zu geniessen.

Sollte man einen Club der Schildkröten gründen? Man könnte ja dann all die
ehrgeizigen Hyperspeedfreikampfhoppelhasen im Krankenhaus besuchen, wenn sie dann
mal wieder regelmässig die eher negativen Folgen ihrer Art, zu trainieren, ernten.
Okay, okay, es mag natürlich die absoluten Profihasen geben, die sich nie wehtun,
alles auf maximalster Geschwindigkeitn perfekt vollführen und im Glanze ihrer
Pokalerfolge Vorbilder für alle sind. Also ich hab noch keinen getroffen. Will
ich vielleicht auch garnicht. Fühl mich bei den Schildkröten pudelwohl.

Mittelaltermarkt Invasion!

Mittelalterliche Märkte sind was Tolles, Lagergruppen, lecker Futter,
Schaukampf, Spaß für die Kids und lehrreiche Gespräche mit Lagernden,
die einem auch gerne mal Waffen und Rüstungen und How-to-Mittelalter
nahebringen. Gibt Lager, die sind ziemlich viel “A” (welches für
Authentisch – historisch korrekte Darstellung), andere recht viel
weniger.

Zwischendrin hamwa als Besucher, oder vielleicht sogar lagernd, recht
fantasiereiche Gestalten: Samurais, Römer, Piraten, recht selten arabische
Krieger (die ja noch ins Bild passen würden), und den unvermeidlichen
Assassins Creed Computergame Heroen. Oh, Elfen und Orks und Fantasy
Warriors/Princesses nicht vergessen!

Erster Reflex wäre, über die Leute die Nase zu rümpfen und deren Platz
auf solchen Veranstaltungen in Frage zu stellen. Gar finstere Gestalten
machen sich sogar endlos lustig über solch historisch völlig unkorrekte
Narretey. Okay, aber weise ists eben nicht. Auf amerikanischen Rennaissance
Faires läuft auch alles rum, was Gott verboten hat, eben weil es für
die Leute abseits der Comic Cons etc. recht wenig gibt, in deutschen
Landen gar muss man auf LARPs ausweichen, hat – meiner Kenntnis nach –
recht wenig Gelegenheit, alles abseits mittelalterlicher Darstellung
ins Licht der Öffentlichkeit zu tragen.

Ich plädiere hier also für Nachsicht und Toleranz, lassen wir die
A-Päpste neben alle bunten Andersweltprotagonisten, und sogar für einige
wenige versprengte, lichtscheue Gothicvampire sei noch Platz gefunden.
Wer hardcore historisch korrekt sein mag, gesellt sich zu jenen, die
das ähnlich sehen, wer wildwütig bunt fantasybesessen ist, für den
findet sich auch noch nen Eckchen. Sehe also nicht, warum man sich
an allem stören sollte, der kleinste, gemeinsame Nenner ist: es macht
den Markt vielfältiger, alle ham was zu gucken, und jeder wird nach
seiner Art zufriedengestellt.

Btw: in tausend Jahre nicht kriegt man mich in wollene Leggins mit
Schamkapsel und enge Doublets (Landsknechts Zeug um 1500) rein. No Sir!
Bevor das passiert, mutiere ich lieber zum luftig-beinkleidigem Wikinger!

Btw2: Jo, historische Fechter sind in der Masse der FrühMi/SpäMi (1) teils
auch richtig derbe inner Unterzahl. Und anderthalbhändige Lichtenauer
CombatArt sieht abseits des Schaukampfs auch bissi technisch aus, wie
soll ich mich auch da überhaupt in historisch authentischen Schutz
hüllen, damit sicher zugehen soll? Plattenrüssi raus und bei 40 Grad
schwitzen, bis man umkippt? Oder eher Fechtmaske uffn Kopp und Stilbruch?
Many Questions! Am besten ins HoMi gebeamt, Anderthalbhänder und Fechtkunst
beibehalten und die Bude gerockt!

(1) FrüMi, SpäMi, HoMi = Früh-, Hoch-, Spät-Mittelalter

Historisches Ringen

Gibt ja ein gerüttelt Maß an Leuten, die mögen gerne Historisches
Ringen und praktizieren das gerne ausgiebig unter dem Hinweis, dass
jenes für das Historische Fechten so richtig notwendig gut sei. Naja,
being the Meckerbär, der ich bin, entgegne ich da ein riesiges:
najaaaaaaa …. oooookayyyy …. aber großartig vom Hocker reissen
tuts mich nu nich wirklich. Und dabei mach ich das Schwertkampf-
gefuchtel schon ne Weile.

Mir gefällts eher mässig, das Historische Ringen, mein Fokus liegt
aufm Schwert und es ist ja schon fein, wenn gewisse fechterische
Prinzipien auch im Ringen ihre Basis ham, aber für mich ist das
ne Weile weit hergeholt und erschöpft sich auch recht schnell. Die
Prinzipen Stark-Schwach kann ich auch mitm Schwertlein üben.

Insgesamt ist Historisches Ringen okay, ganz witzig, wenn man gewisse
biomechanische Prinzipien ausprobiert, Parallelen zu anderen Martial
Arts sieht, doch das Ganze zwingend als Curriculum machen, tät ich
nu nich tuen wollen tun. Meine Ansicht ist eh, das Ganze für ein
Training als separate Einheit anzubieten, das höchste der Gefühle
vielleicht bissle Ringen während dem Aufwärmen anzubieten, und
dann ne dicke separate Einheit Ringen für alle, die wirklich monster-
mässig dran interessiert sind.

Schwertkämpfer sollten Ringen können, weils im Wettkampf geschieht?
Also erstens wollen nich alle von uns wettkämpfen, und zweitens hab
ich nu recht wenige Videos gesehen, wo das alles exzessiv in Ringen
ausartete. Schließlich haut man sich mit dem Schwert, und das schnell,
ob man da für Halbschwert oder Ringen überhaupt mal Zeit hat? Klar,
ist alles nice to know, aber für meinen speziellen Use Case eher
überstrapaziert.

Dennoch, es sei allen geraten: probierts aus, vielleicht werdet ihr
Riesenfans, taucht mal ein in die Materie, möglicherweise lernt man
auch was für die Selfdefense, Stabilität, Körpergefühl etc. Ist alles
nun kein Beinbruch, aber manche Schwertbären, so wie ich, die können
auch gut ohne, vor allem, wenn sie das Gefühl haben, dass es im
Schwertkampf echt noch sauviel Erforschenswertes gibt, und noch jede
Menge mehr notwendige Übung!

The highest Verbrechen!

Ist wie in der Schule beim Lehrer, wer schwätzt, wird ermahnt, kriegt ne Strafarbeit,
wird gescholten, ist der böse Bube, oder bei den Girls als Bad Boy total in. Except,
its not Schulbank, sondern Sport. Eine Trainingssession. Scheint, als reagiert so manch
Trainer allergisch auf Verbaläusserungen während des Trainings. Kann ich ja echt auch
verstehen: wenn er was erklärt, und die “Schüler” laut quasselnd keine Aufmerksamkeit
spenden, Sensei is being ignored … BAD KARMA!

Im Grunde gehts darum, dass zwei Trainierende während ihrer Übungen sich gegenseitig
Kommandos gaben: “mal schneller, mal langsamer, machste gut, weniger Power, ups, der
Schlag ging fehl, muss ich besser machn” etc. Das Ganze in angenehmer Lautstärke,
niemanden störend. Zudem zu beobachten, man hatte Spaß, und war angenehm drauf. Nahm
doch dann doch die Person mit Trainerstatus das zum Anlaß einen Minisermon über Aufpassen,
Schwätzen, lernen und besser werden, etc. abzuspulen. Immer die beiden Trainierenden
ansehend. Ein Trainierender der beiden dann: Lets speak up, lets make it clear, und
vor allem: lets fight against all Prejudice and Aufm-Kieker-Haben. (Denn: der Sermon
hätte sich an alle richten sollen, denn alle [*harhar*] seien schuldig, mehr oder minder,
wären sie denn schuldig gewesen.)

Ich find beispielsweise die verbale Interaktion während der Übungen gar net übel, man
quasselt sich ja nich dicht, man interagiert sinnvoll gemäss der Übungsparameter auf
intellektueller Ebene, eben nicht nur auf physischer. Hervorragende Lernstrategie, wie
ich finde, und stört echt niemanden, wenns suffizient unobtrusive zugeht und die
Aufmerksamkeitsphase bei Erklärungen dann wieder einsetzt. Alles tutti, wenn ihr mich fragt.

Also der dritte Weltkrieg bricht da nicht an, aber man vertritt robust seinen gegensätzliche
Meinung, sodaß manche Menschen merken, dass es wirklich auch andere Ansichten als nur
die ihre gibt. Das natürlich, in freundlich erklärender Weise, wieder mal zenbuddhistisch
gelassen, und like a real german oak (no alt right meme!!!) stehend gegen alle Wetter.

Geiles Freefight Gekloppe

Man gehe her und gebe den Fechtenden eine Summe Anweisungen, lege jenen ans Herz,
es wären Vorübungen zum leichten Sparring, und lasse sie machen. Die Verständigen
beherzigen das Reglement, versuchen, dies in der Schnelle, die beide für gut
befinden, umzusetzen und der Rest der Bande …

… SCHNETZELT EINFACH DRAUFLOS!

Ich übertreibe gern. Aber nein, ist was Wahres dran, denn jede Übung, die an den
Freikampf ranführen soll und den Leuten zu wenig Rahmen bietet, oder sie mit
einem Skillset ausstattet, das sie überfordert, muss scheitern oder sogar
gefährlich werden. Denn manche wollen gewinnen, ob nun Pro oder Anfänger, die
haun halt drauf, halten sich nicht an die Vorgaben. Wiederum andere sind so
unbeherrscht, dass sie, selbst wenns ohne Maske langsam zur Sache geht, sie
immer wieder selbst die Geschwindigkeit erhöhen, und so den Trainingspartner
gefährden.

Die Lösung?

Wirklich primitiv und scheinbar langweilig ein ultrabegrenztes Regelset, als
Basis und Aufbauplattform: der eine macht den Oberhau, der andere muss twerhaun,
und ihn treffen. mehr nicht. einfach sowas. kraft & geschwindigkeit erforschen,
geeignete Teilschutzkleidung, langweilenderweise auch nicht einfach nur ein
bissle, sondern richtig lange ein solches Erproben. Das Regelset der Meisterhaue
zum Angriff und zur Verteidigung läßt sich so aufbauen, peinlich genau darauf
achtend, dass man wirklich nichts anderes anwenden soll, als nur jene Häue.

Gebe ich Leuten aber die simple Anweisung, “einfach mal die Grundschule (1) im
leichten Sparring zu erproben”, sehe ich darin zumindest eine Überforderung
aller Anfänger, und sogar jener Fortgeschrittener, die mit Sparring bisher
wenig am Hut hatten. Ebenso geht mir “Attacker 2 Angriffe, Defender 2 Blocks,
Attacker zieht ab, Defender darf noch einmal nachhauen” ein wenig zu schnell
zu weit, schon und vor allem, wenn mir vorher primitive Vorübungen wie ich
sie obig beschrieb, fehlen. Machen kann mans sicher, und ein Weltuntergang
isses auch nicht, aber die Gefährdungspotentiale bei Egosüchtigen und
Anfängern, die ihre Kraft nicht managen können, sehe ich halt doch sehr.

(1) alle Huten und Häue, keine Meisterhaue

Bin auch sehr dafür, die Leute genau zu beobachten. Geschwindigkeit rauszunehmen,
das eigene Ego mal bei allen ein wenig zu stutzen, und gemeinschaftlich was
zu bewegen. Jeder von uns sollte sich bezähmen, so genau wie möglich die Techniken
umsetzen, selbst mit Schutzkleidung, akkurat und vor allem jederzeit in Kontrolle
der eigenen Kräfte. Der Schutz des Trainingspartners ist oberste Objektive. Alles
in allem kann man auch “nen Punkt machen”, ohne dem anderen so dermassen derb
gegen den Helm zu scheppern, dass der sich wie ne Großglocke in ner antiken Kirche
fühlt. Im Übrigen, stur und starr mit der Klinge turbostechern ist saugefährlich,
oder unüberlegt einfach das Ding mit aller Macht Richtung Trainingspartner zu
wuchten, auch der hat, egal wieviel er drauf hat, vielleicht mal nen bad Hair Day,
und das Ding dann pieksend vor den Eingweiden. Achtsamkeit, liebe Leute, das
wünsche ich mir von uns allen!

Manchmal denke ich mir, dass es eine gute Idee wäre, Sparring und Freikampf nur mit
jenen zu versuchen, von denen ich sicher weiß, wie sie drauf sind, was sie vor
allem können, und die alles in allem ne klasse Einstellung zum Schwertkampf bzw.
auch zu Menschen haben. Eine Selektion, die in einer Sportgruppe schurkisch
antisozial wäre? Oder reiner Selbstschutz?

Im Reich der Körperfaschisten

Verdammt! So gerne ans Licht gezogen, der schändliche Ort des geschriebenen Worts,
doch wehe, Aufmerksamkeit auf diesen gelenkt, denn even bad Publicity is still
Publicity (->Trump). Um was es also wieder einmal geht, ist ein Text eines
Menschoiden, der sich mit Fitness im Historischen Fechten befaßt. Daran nichts
Verwerfliches, doch darin sehr wohl. Da ich nach wie vor weder Ross noch Reiter
nenne, einfach weil: look above, zitiere ich Passagen und nehme dazu Stellung.

Vorab eine Erklärung:

1.) Fitness ist eine gute Sache! Jeder soll diese nach eigenen Kräften verfolgen.

2.) Kampfsport und Fitness gehören sicherlich zusammen, noch viel mehr für jene,
die professionell agieren wollen, aber auch für solche, die ein gewisses
Leistungsniveau erreichen möchten.

3.) Fitness muss an die körperlichen Voraussetzungen jedes einzelnen angepaßt werden,
Überforderungen, zu frühe Leistungsgrenzensprengung oder risikohafte Übungen
vermieden werden.

Sodele. Dann also mal ran an den Speck:

Es wird postuliert, dass folgender Satz falsch sei – ebenfalls Zitat im Originaltext,
wenig später untergruppiert als Falschaussage:

“[…] „Nur weil ich ein paar Kilo zu viel habe, kann ich doch trotzdem Schwertkampf
machen!“ […]”

Dieser Satz ist absolut richtig, nicht falsch! Dahinter steht der Gedanke der Inklusion.
Jeder kann Schwertkampf machen. Eine solche Aussage als falsch hinzustellen, bedeutet,
Menschen aufgrund einer als nachteilig gesehenen Körperlichkeit zu diskriminieren. Man
merke auf: es geht hier nicht um professionellen Leistungssport, wo ein Moppel sicherlich
ein Handicap hätte, wenn alle anderen athletisch sind. Hier wird alleine schon an
der breiten Basis den Menschen der Eintritt verwehrt, aufgrund ihrer Körperlichkeit, wenn
man derlei Aussage nicht zuläßt.

Nun eine Verallgemeinerung:

“[…] Ein starker Mitgliederzustrom kam außerdem, durch Kinofilme und Romane befeuert,
aus der Larp-Szene und der Nerdkultur. Sind diese Subkulturen nun per se schon nicht
unbedingt Keimzellen der Sportlichkeit, […]”

Ein verallgemeinernder Seitenhieb klischeedenkerischer Art. Ich bin mir ziemlich sicher,
dass man Nerd sein kann und Top-Athlet. Sind dann alle Gothics als Kinder der Nacht
anorexische Blutsauf-Bulimiker? Verständige merken schnell, dass Verallgemeinerungen
pure Propaganda schlechtmeinender Geister sind, die eines wollen: durch ihre Aussagen
triggern, also Reaktionen provozieren.

Die Beschwichtigung der wohlmeinenden Absicht des Autors:

“[…] Das ist selbstverständlich nicht meine Absicht! Es geht mir keineswegs darum,
unfitte Leute zu demotivieren, ihnen „ein schlechtes Gewissen“ zu machen oder an ihren
Körpern herumzumeckern. Selbstverständlich darf jeder Mensch über seine Körperlichkeit
verfügen, wie es ihm beliebt und weder soziale noch ästhetische Maßstäbe sollen hier eine
Rolle spielen. Wie fit jemand sein will, wenn er historisches Fechten betreibt, liegt
allein in seinem eigenen Ermessen. […]”

Man wird erkennen, dass derlei Lippenbekenntnis durch versteckte Seitenhiebe, Verallge-
meinerungen, Klischeedenken und gute alte Triggerpropaganda ad absurdum geführt wird.
Also weiter im Text.

Ästhetik? Schönheitspropaganda? Here we go:

“[…] Aber wenn schon kein Fitnesstraining für das Fechten… warum nicht einfach ganz
allgemein für starke Bänder und Sehnen, dichte Knochen, eine reine Haut, eine gesundere
Psyche, […]”

“Eine reine Haut” … derlei ist für jeden ein sicherlich willkommenes Kriterium, aber
dennoch auch sehr ästhetisch belegt. Seltsam, in einem Text, der doch eigentlich fernab
jeder oberflächlichen Schönheitsbetrachtung Kampfsport und Athletik thematisieren soll.
Ist eine reine Haut für einen Krieger bzw. Kampfsportler denn ein nötiges Kriterium? Die
“gesundere Psyche” unterstellt zudem all jenen, die weniger bzw. keine Fitness betreiben,
eine sozusagen kranke Psyche, eine eben weniger gesunde Psyche.

“[…] Selbst Männern gelingt es auch nach Jahren hartem Trainings oft keineswegs, „wie ein
Bodybuilder“ auszusehen. Wenn das so einfach wäre, wäre die Welt wahrscheinlich voller
Bodybuilder. […]”

Sorry, Pal. Ich möchte nicht wie ein Bodybuilder aussehen, und ich könnte, machte ich
mir denn die Mühe, ziemlich viele andere Menschen finden, die das genauso sehen. Hier wird
wieder ein Schönheitsbild verallgemeinernd propagiert, das längst nicht auf den Großteil
der Menschen zutreffen will. Hat man diverse Anabolika Skandale im Bodybuilding Bereich
und auch groteske Deformationen im Kopf, will man Bodybuilding wirklich nicht so gerne
in einem Atemzug mit gesundheitsverbessernder Fitness nennen.

“[…] Krafttraining strafft auch den weiblichen Körper. Bindegewebe festigt sich, Schenkel,
Po und Arme werden zugleich schlanker, fester und runder. […]”

Ja, okay, nä. Schon attraktiv sowas. Aber sind das kampfsportlich quantifizierbar nützliche
Aussagen? Ist eine Schwertkämpferin mit “rundem Po” nun eher Sexobjekt oder Sportlerin? Ich
halte derlei Aussagen erneut für absolut unsachlich, schönheitspropapandistisch
verherrlichend,´eigentlich schon wieder sexistisch, und keinesfalls in ernsthaftem Bezug
zu einer (Kampf-)sportart.

You want more of In Group – Out Group:

“[…] Oft sind es gerade die durchtrainierten, athletischen Fechter, die sich beim
Fechten besonders zurückhalten können. […]”

Schlichtweg falsch. Glorifizierung des eigenen Standpunkts. Die In Group, die Athleten,
werden subjektiv mit Werten ausgestattet, allen anderen ein Fehlen dessen unterstellt. Aus
persönlicher Beobachtung weiss ich, dass es athletische, durchtrainierte Fechter gibt, die
dermassen draufdreschen, nicht, weil sie es nicht besser könnten, sondern, weil sie ein
echtes Egoproblem im Kopf haben, oder eben auch Leistungsschwächere dominieren wollen.
Also ist das rechte Maß der Dinge Kopfsache, und nicht oberflächlich muskeltrainierte
Automatikfähigkeit.

You want some Vorurteile in the Mix:

“[…] Zu guter Letzt sei auch noch erwähnt, dass starkes Übergewicht noch ein
weiteres Risiko birgt: das unabsichtliche Verletzen eines wesentlich leichteren
Trainingspartners. Sehr schwere Menschen fallen, trotz Fallschule, oft unkontrolliert,
und sie fallen hart. Wenn dann jemand von etwas zierlicherer Gestalt im Weg liegt und
diese Gefahr nicht handhaben kann, ist schnell etwas (bzw. jemand) kaputt. […]”

Da würd ich doch nun gerne mal alle Dojos mit Moppeln in them befragen, ob diese “oft
unkontrolliert” fallen. Und dämpft nicht der Speck den Fall, wenn sie denn aufm Bauch
landen? Und können zierliche Menschen nich aufgrund ihrer Schnelligkeit wegrollen,
wenn ein Koloss sich im Fall befindet? Also genug des Schmonzens, solcherlei Aussagen
des Autors sind nichts weiter als unbelegte Vorurteile, man könnte fast meinen,
da will einer dicke Judokas mobben.

How about some wirklich widerlich Formulierung:

“[…] Natürlich mag es Extremfälle von morbid adipösen Einzelfällen geben,
deren De-Facto-Behinderungsgrad ein Intervalltraining zu einer riskanten Übung macht,
doch solche Leute trauen sich selten bis nie in eine Kampfkunstschule und sind in
einem Reha-Center besser aufgehoben. […]”

Das ist eigentlich der Beleg für Körperfaschisten. Diese zutiefst widerliche,
despektierliche und menschenunwürdige Formulierung enthüllt die Geisteshaltung des
Autors. Hiermit wird Schwergewichten tödliche Krankheit unterstellt, eine Behinderung!,
und einen Verweis in eine krankenhausähnliche Institution. Dahinter steht aber nichts
weiter als die Verweigerung einer Sportart für Menschen, die, oberflächlich betrachtet,
nicht dafür geeignet scheinen. In welchem Buch aber steht geschrieben, dass
Schwergewichte Intervalltraining machen müssen? Ihnen nicht vielmehr geeignetere Übungen
serviert werden? Sollten Kampfsportlehrer nicht allen Tür und Tor öffnen, positiv
motivieren, Schwergewichte aufnehmen, und vielleicht durch Anreize positiv
verändern?

Bissl was gäbs noch. Hab aber keinen Bock mehr. Voila also. Von allen guten Vorsätzen
verabschiedet, lesen wir da einen Beitrag, der beispielgebend dafür sein könnte, dass
Leute ihre eigenen Privatpropandakriege, -komplexe oder Kreuzzüge eben nicht aus nem
angeblich sachlichen Artikel raushalten können. Schade drum. Eigentlich komplett einer
gepflegten Ignoranz wert, aber wenn keiner dagegensteht, verbreitet sich das alles wie
Blütenpollen im Sommer.

Ich bin für Inklusion in allen Sportarten!

Toleranz für jeden, einen Platz an der Sonne für alle, egal, wie “behindert” oder
“fett” oder “unfit” oder “alt” oder “hässlich” sie sind! Jeder kann und soll nach
seinen Leistungsmaßgaben, oder unter vorsichtig kompetenter Anleitung mitmachen
können.

Gegen den elitären Miniclub ästhetischer Pseudobeauty-Fechtathleten!