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Wünschenswert …

ich habe da mal einen schönen vorschlag:

wie wärs, wenn man für streitgespräche, politische auseinandersetzungen oder alles,
wo leute anderer meinung sind, ein paar regeln wieder einführen, die eigentlich schon
mal in den köpfen drin warn, aber aus unerfindlichem grund verloren gingen:

in einer diskussion …

… bereiten wir argumente für die eigene sache vor und begründen unsere haltung
mit diesen.

… verzichten wir auf verbale (ad hominem, direkte oder indirekte herabwürdigung,
rhetorisch negative taschenspieler tricks) und selbstverständlich physische gewalt.

… ist unser augenmerk immer auch auf etwaige kompromisse gerichtet, die beiden
parteien gerecht werden.

… respektieren wir andere geisteshaltungen. sollten diese eklatant nicht mit
der demokratischen, freiheitlichen ordnung der bundesrepublik und deren verfassung
sowie grundgesetz in einklang stehen, dürfte es ein leichtes sein, jenes
a) einwandfrei auf der sachebene zu demaskieren, b) historische unwahrheiten als
solche zu enttarnen und c) im falle eines justiziablen straftatbestandes
offenzulegen.

… hüten wir uns vor extremen, suchen die mitte, pauschalisieren nicht, führen
direkt quellenbelegbare beweise für eigene thesen an und betrachten sämtliche
statistiken, die man selbst, oder andere anführt, mit einem gesunden maß
an wissenschaftlicher zurückhaltung.

… verpflichten wir uns, unsere eigene haltung, beweise, argumente und thesen
ausreichend und nach bestem gewissen recherchiert zu haben.

… respektieren wir unsere gesprächspartner, indem wir unsere eigene redezeit
achten, nicht ins wort fallen und aufmerksam dem anderen zuhören.

jo. dann kann doch eigentlich nix mehr schiefgehen…

im übrigen würde ich insgesamt emotionen, soweit es geht, zurückhalten, gegen
positive mag ja nichts einzuwenden sein, aber negative vergiften die diskussion,
verwässern die argumentation und eskalieren konflikte, die dann zum aus einer
fruchtbaren diskussion führen.

mich wundert, dass man eigentlich solcherlei dinge als selbstverständlich
annehmen sollte, in einer zivilisierten gesellschaft, jedoch insgesamt viele
sich gegensätzlichen verhaltens schuldig machen. dass dabei nix zustande
kommt, wie bisweilen politisch zu sehen, muss dann doch nicht mehr wundern.

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Die schweigende Masse

kann man sich nicht dran gewöhnen: der edle ritter prescht vor,
macht ne ansage, und aus der masse kommt beredtes schweigen,
nur der übliche kontrahent hat seine zeit. schlimmer noch, wenn
sich volk einschaltet und partei für den anderen ergreift. ups?
hey. aber … aber … ich bin doch im recht, oder? oder nicht?
oder wat? oder verstehn die mich alle falsch?

big frakkin disclaimer: entgegen jedem überlegenheitskomplex behaupte
ich, dass ich deswegen keinen weiteren zuspruch erhielt, weil
ich mich nicht perfekt kontextuell ausdrückte. und in anderen
kontexten, die das volk vielleicht eher im sinne hatte, eigentlich
falsch lag. wieder andere scholars of wisdom verfluchten mein
timing. pfff…. klingonen und timing.

ein mächtiges gefühl des allein-seins macht sich breit. aber warte,
hinter den kulissen kriegste danach von einigen wenigen gesagt,
dasse ja recht hast und die des genauso sehen. hm … wieso sagen
die dann öffentlich nix? na, vielleicht stehen se ja nicht so zu
dir, wie du gerne denken magst …

next on die taktiker. öffentlich sehr schweigsam. klug ist das,
mann, so wär ich auch gerne. wenn man sich an die wendet, und
jemand anders ist in hörweite, dann wird sich neutral geäußert,
die schweiz ist ein schönes land. ich wär gerne so.

wieder andere schieben dich vor, die knalltüte soll sprecher für
alle unzufriedenen sein. stößt das dann auf widerstand, ablehnung
oder ärger, ist der dran und nicht die graue eminenz im hintergrund.
opfern wir einen, dann wirds besser für alle. vielleicht sollte
man sich echt aus allem raushalten. schmutzig sind alle geschäfte,
vor allem die soziale interaktion.

am ende bleibt ein mickriger, kleiner crusader für werte,
tugenden, demokratie und all den schwachsinnigen nonsense, für
den andere auch schon ins gras gebissen ham. eher ne art idiotischer
märtyrer, der sehenden auges inne wand voller schweigender
und antagonisten läuft. hey, irgendnen sinn musses leben ja ham.

next disclaimer: hört sich mächtig depri an, das ganze, aber
egal, muss man durch als aktivist for the greater good. immerhin
hat man ja nen brainkasten im kopp, überlegt sich, dass man sich
am ende am besten auf sich verläßt und könnte positiv überrascht
werden, wenn das eigene beispiel dann positive früchte trägt.
immerhin gehts ja nicht um die revolution der gesellschaft,
sondern um das durchsetzen eigener interessen sowie ein wenig
gepflegtes gutmenschentum!

Abusive Systems

was ich gemeinhin “abusive systems” nenne, findet man in politik (diktaturen),
wirtschaft (korrupte marktwirtschaften, kleptokratien) und privatleben (abhängigkeits-
strukturen in sozial zerrütteten oder anarchisch-rechtlosen gemeinschaften). es sind
unrechtssysteme, die durch negative qualitäten ihren bestand zu sichern glauben. sind
es endliche systeme, dem zusammenbruch nahe, oder erhalten sie sich durch innere
mechaniken?

abusive systems haben, wie gesagt, negative qualitäten:

1.) antidemokratische, feudale strukturen

2.) unrecht, ungerechtigkeit, skrupellosigkeit, ausnutzen anderer, das recht des
stärkeren sind symptomatische eigenschaften

3.) herrschaftsmittel sind mentaler oder körperlicher druck, physische oder psychische
gewalt,psychische manipulation, das vorgehen der gruppe gegen den unliebsamen einzelnen

4.) positive kompetenzen sind nicht an dem ort, an den sie gehören, gibt es nicht mehr,
oder wandern ab. alternativ: korrupte kompetenz bekleidet höhere ränge. oder unfähigkeit
regiert mit brutaler gewalt.

5.) eine kaste rechtloser oder rechtseingeschränkter individuen dient als grundstock des
systems, beherrscht von einer kleinen elite, die interessiert an zulauf der untersten
kaste ist und schwund derer in kauf nimmt, oder aktiv verhindert.

abusive systems scheinen aber mit grossen problemen zu kämpfen: es herrscht interner
machtkampf an allen orten, korruption und gewalt verhindert zusammenarbeit oder
torpedieren projekte, instabilität und die furcht vor rebellion scheinen die folge.
innerhalb des systems gibt es andersdenkende, permanent müssen ressourcen zur
überwachung oder verfolgung jener abgestellt werden, was grossen aufwand bedeutet
(spitzel, geheimdienst, überwachungstechnik). in abusive systems bekleiden zudem
oftmals nicht die fähigsten, sondern die brutalsten bzw. stärksten die
entscheidungsränge, was zu fehlern im apparat führt. die unterdrückte, unterste
kaste ist unmotiviert, arbeitsverweigernd, sabotierend, wird verschlissen, kann
keine kernkompetenzen (Bildung, Wohlstand) halten oder ausbauen.

spannend die frage, wie die halbwertszeit solcher abusive systems ist? welche faktoren
dann endgültig zu ihrem zusammenbruch führen? oder ob sich diese auf unbestimmte zeit
weiter am leben halten. gibt es strategien gegen solche systeme von innen oder aussen?
wie kann die moderne demokratie, eine wirklich soziale marktwirtschaft oder ein
gesundes soziales gefüge in der gesellschaft aktiv solchen entwicklungen entgegenwirken?

Sex Skandale!

Die Öffentlichkeit scheint aus verschiedenen Gründen sehr scharf auf
Sexskandale zu sein, schon und vor allem von Politikern, Personen des
öffentlichen Interesses oder eigentlich jedem, der irgendwann irgendwo
mal was zu sagen hatte. Journaille stürzt sich drauf, oder hier und da
mal nen Geheimdienst, um die lieben Leute auch jäh ein wenig erpressbar
zu machen. Gängige Praxis im Haifischbecken der internationalen
Machtrangeleien.

Doch summa sumarum sinds teils nichts weiter als platte Alltags-Skandälchen,
die die gehörnte Ehefrau mit ihrem Prostituieren besuchenden Ehemann aus-
machen muss, oder der US-Expräsident Clinton (1) mit sich, seinen Unwahrheiten
vor Gericht und vor allem seiner Familie und den Verwandten. Legion sind
die erotischen Verfehlungen der (Ohn-)Mächtigen, vielleicht kann man da
abwinken, gähnen und der Sensationsjournaille jegliches Erfolgserlebnis
dadurch vermiesen. Aber der Voyeurismus der Massen ist ein mächtiger
Enthüllungsmotivator.

(1) Eigentlich dann doch ne gefährliche Lachnummer, wenn ein Präsident
der Vereinigten Staaten unter Eid lügt, indem er sagt: “I never had sexual
Relations with that Woman.” und Winkelzüge anbringen muss, wie: “It depends
on the Meaning of what is is.”

Man könnte natürlich konstruieren, dass ein Politiker ein gewisses ethisches
und moralisches (2) Sauberwesten-Image besitzen sollte. Und Sexskandale ihn
für seine Arbeit fragwürdig machen, vertrauensunwürdig, erpressbar, shady,
and the like. Doch fragen wir rum, herrscht auch aus anderen Gründen
(Korruption, Machtmissbrauch etc.) eine gewisse Skepsis, was unsere
lieben Volksvertreter angeht, also wäre da der eine oder anderen erotische
Skandal doch nur das Sahnehäubchen.

(2) Über das Wort Moral ließe sich eine tausendseitige Abhandlung schreiben.
Persönlich nutze ich dieses Wort lieber nicht und ersetze es durch das
herrlich rationale Wort Ethik, hoffnungsvoll entkleidet von religiösem
oder sozialem Vorurteil.

Am Ende des Tages ist das gute, alte Rein/Raus-Spiel auch in den oberen
Machteliten nix weltbewegend Neues, in seinen orgiastischen Ausprägungen
eigentlich schon irgendwo irgendwann mal dagewesen (–> Rom), vielleicht
sogar erschreckend profan und gewöhnlich, manchmal sogar müde lächelnd
nicht mal der Rede wert. Doch ernsthaft kritisch zu betrachten sowie
abwehrend zu bekämpfen ist es, wenn die Herrschenden Illegales praktizieren,
vor dem Gesetz erfolgreich fliehen und zuviele ausgebeutete Unschuldige
den realen Preis für solcherlei Verbrechen zahlen.