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25 Liegestütze!

Still und leise dräut der Trainingswald, kaum einer muckt oder rührt
sich, angestrengte Lautlosigkeit, nur durch übertrieben starkes
Schnaufen einiger Chi-Beschwörer unterbrochen. Doch huch?
was nähert sich akustischer Horchbahn aller Anwesenden? Es ist ein
Lachen, für manche mags zu laut sein, für andere gackernd, wieder
welche, die es übertrieben finden, und die geneigte Obrigkeit, die
es wohl völlig ehrverletzend als störend kategorisiert!

VATERLANDSVERRAT! Da hat jemand Spaß, über nen Witz gelacht, oder
sich sonstwie wohlgefühlt. VERHAFTUNG! EINKERKERUNG!

So werden also als disziplinarische Maßnahme Liegestütze befohlen.
Drakonisch hart für die ganze Trainingsgruppe, ohne Begründung,
aber mit eindeutigen Blicken hin zur Lachstörungsquelle. Das
weckt Erinnerungen an Private Paula, der unangenehm berührt seine
heimlichen Donuts öffentlich futtern mußte, während Sg. Hartman
darüber wachte, dass seine Squadkollegas angestrengt straf-
pumpten. Also wenn überhaupt, wer muss denn da die Liegestütze
machen? Die sippenhaftende Trainingsgemeinschaft oder die
ach so böse Lachstörkraft? Und man erinnere sich: wie rächte
sich die Soldateska-Gruppe an Private Paula, nachdem sie wegen
ihm so geschunden wurden? Jepp, genau so. Darum kritisiere ich
derartige, wenn auch ohne Begründung sofortig angesetzten
Disziplinarversuche als schädlich für die soziale Gesundheit
einer Trainingsgruppe, die beileibe nicht irgendwo leichtfertig
für die U.S. Marines angeheuert hatte.

Als Generalautoritätsuntergraber veranschlage ich bei öffentlichen
Lachanfällen erstmal Lächeln und das Sich-selbst-nicht-allzu-ernst-
nehmen auf Seiten etwaiger Verantwortlicher/Trainer. Schließlich
ist keine Atombombe aufs Training gefallen. Bei weiterer absolut
frecher Störung empfehle ich sowieso immer das sozial verträgliche
freundliche Auffordern zu mehr Konzentration, gerne kameradschaftlich
witzig serviert. Und erst, wenn jemand wirklich böse, böse, böse,
fies oder gemein ist, darf ernst angesprochen werden. Und auch das
geht im Rahmen positiver Grundhaltung eigentlich hervorragend.

Fit for Fun Kagge!

Ja, ich weiß, nicht fair, aber dennoch, ich lästere nun ein wenig barbarisch
über sämtliche neuen Fitness-Konzepte, von denen man zuweilen wirklich denkt,
sie wären dem Gehirn eines ADHS-Hyperschall-Gehirns entsprungen. Ich gebe
diesem Modephänomen moderner Zeiten den liebevollen Titel: “Fit for Fun Kagge”.

Schnell zusammengefaßt sind diese ganzen hyperaktiven Fitmacher Strategien auf
höchste, atemlose Effizienz getrimmt, nach genauen minutiös erfaßten Zeitplänen,
die womöglich noch bis ins kleinste Detail jeglichen Kalorienverbrauch statistisch
erfassbar machen. Höher-Schneller-Weiter möchte man meinen, irgendwie auch
bekannt aus diversen leistungsmaximierten Konsumkapitalismus-Modellen, die durch
Werbung und böse Industrie den Menschen aufoktroyiert werden sollen. (Hm, habe
ich dagegen nicht schon einmal gewettert? Sometimes, it all comes back to this!)
Zusätzlich zweifle ich an einigen Übungen wirklich den physischen Nutzen an,
und unterstelle jenen sogar eine gewisse Risikohaftigkeit, speziell bezugnehmend
auf das famose Knie-Kreisen, bei dem man das Knie anwinkelt, auf einem Bein
steht und es dann wie von der Zentrifuge beschleunigt viel zu schnell so ungesund
im Kreis rumwirbelt, dass es bei vielen bedenklich knackt. und das soll gesund sein?

Klar, andern Orts heißt das Zumba oder hat nen anderen speziellen Funky-Titel,
wo man dann eben zur Musik unmöglich zappelt, vorgeführt von muskulösen homo
sapiens beiderlei Geschlecht, die aber das sapiens alleinig durch kurze, gebellte
Kommandos und verzweifelt angestrengtes Dauergrinsen zu rechtfertigen suchen.
Dazu noch spezielle grellbunte Trainingskleidung, blitzlichtgewittrige Disco-
Atmosphäre und suddenly macht Sport unbändig Spaß? Naja, füllt eher die Kassen
sämtlicher Sporty-Trend-Erfinder.

Vielleicht könnte man da irgendwie ein wenig Ruhe und Tai Chi reinbringen in
sämtliche Aufwärmstrategien, Krafttrainings oder sonstige Fitness-Aktivitäten.
Nichts gegen Anstrengung, Schweiß und Muskelkater, aber insgesamt ruhiger,
überlegter, entspannter und man möge es nicht für möglich halten: auch
vielleicht spaßiger? So träume ich nach wie vor von einem Training, welches
den Geist entspannt, den Körper angemessen fordert und eben nicht in 2,2556
Minuten von Übung zu Übung springt, und innerhalb von immer kürzer werdenden
Zeitspannen, in denen Aufgaben bewältigt werden sollen, den Otto Normalbürger
frustig demotiviert.

Alternativen? Stumpfsinnig in der Halle oder im Freien im Kreis rennen?

Im Historischen Fechten? Übungen mit Schwert? Haue, Huten und Schritte als
Aufwärmen? Oder gymnastische Übungen, in denen das Schwert sinniges Beiwerk
ist? Kraft und Ausdauer wichtiger, als reine Burst-Speed? Sogenannte
zen-buddhistische Schwertübungen, in denen alle Bewegungen sehr langsam
und sehr lange ausgeführt werden? Borgen wir uns ne Runde Tai Chi, bedienen
wir uns aus den Körper und Geist vereinenden traditionellen asiatischen
Kampfkünsten?